Tätigkeitsbericht
des Sprechers des VAfK Karlsruhe für den Berichtszeitraum
vom 20.11.2008 bis 18.03.2010
Dieser mein 8. Tätigkeitsbericht seit Bestehen des VAfK Karlsruhe umfasst einen Zeitraum von 16 Monaten, was schon erahnen lässt, dass besondere Gründe zu diesem langen Berichtszeitraum geführt haben müssen.
Wenn ich bisher immer von einer Aufwärtsentwicklung berichten und neue Marksteine benennen konnte, so muss der Zeitraum seit der letzten ordentlichen Jahreshauptversammlung als derjenige gelten, in dem unsere Gruppe besondere herausragende Leistungen erbrachte.
Zu den Highlights:
- Der Wolfsperger-Film „Der Entsorgte Vater“ hatte am 10.06.2009 mit einer Aufführung in der Schauburg seinen Kinostart. Wie sehr dieser Film die familienrechtspraktische Situation in Deutschland beeinflusste, wird später noch Thema meines Berichtes sein.
- Mit dem VÄTERKONGRESS und den KUNDGEBUNGEN zum Tag der Menschenrechte 2008 und 2009 richteten wir drei Veranstaltungen von überregionaler Bedeutung aus.
- Unser zweites Beistands-Seminar im Oktober 2009 hat bundesweit Maßstäbe für eine Veranstaltung dieser Art gesetzt.
- Mit der AKTIONSWOCHE im Oktober 2009 in Durlach haben wir ein neues Konzept erprobt.
- Die Gruppe kommt immer wieder im Rahmen von TV-Produktionen zur Geltung.
Einige Zahlen:
- Mit inzwischen etwa 170 Mitgliedern gehören wir zu den größten VAfK-Gruppen der Bundesrepublik.
- Allein im Kalenderjahr 2009 meldeten sich bei uns 189 Neufälle, davon 22 Frauen. Eigentlich sind wir damit im Rahmen der ehrenamtlichen Arbeit weit überfordert.
- Die Beistandstätigkeit hat sich so weit entwickelt, dass ich in den letzten Monaten etwa ein Mal wöchentlich einen Fall an einem Familiengericht begleite. Eine solche intensive Betreuung beschränkt sich nicht nur auf den Verhandlungstermin, sondern beginnt beim Schreiben von Antrag bzw. Antragserwiderung und führt über das Lesen aller relevanten Schriftsätze, über das Verfassen von Schriftsätzen bis zu Beratungen zur Verfahrenstaktik und der Vorbereitung auf den Verfahrenstermin.
Beratungsaufwand
Die Betreuung und Einbindung von Neufällen läuft seit Jahren unter Einsatz einer dafür entwickelten Infrastruktur zeitnah und reibungslos. Die Kontaktanbahnung und die Erstberatung wird meist von mir übernommen. Nach dem ersten Erscheinen bei einem unserer Treffen stehen aber inzwischen eine ganze Reihe von Beratenden und Unterstützenden zur Verfügung. Eingebunden ist hauptsächlich der gesamte Vorstand.
Eine Analyse der Neufälle des ersten Halbjahres als Inhalt eines Referates, das ich im Rahmen des Beistands-Seminars gehalten habe, konnte ermitteln, dass 85% der Neufälle, die sich bei mir melden, innerhalb von 2 Tagen eine persönliche Antwort auf die Anfrage und auch das Erstinfo-Paket erhalten, 65% noch am selben Tag. Dies bedeutet die Umsetzung eines hohen Anspruchs, der auch die Grundlage darstellt für die Performance, die unser Verein in den letzten Jahren zeigen konnte.
Zur Zeit haben wir statistisch jeden zweiten Tag einen Neufall. Oft wird nach einer Erstberatung ein ganzes Paket von ehrenamtlich erbrachten Leistungen abgefragt, von der Hilfe bei Schriftsätzen, der Begleitung zu Ämtern, der Formulierung von Anträgen bis zur Stellung eines Beistandes vor Gericht.
Etwa zwei Drittel der Neufälle sind mit einer Erstberatung zufrieden und werden dafür auch meist nicht Mitglied. Knapp 10% brauchen eine Intensivbetreuung. Somit wird auch deutlich, dass wir etwa 7 Personen beraten müssen, um ein Neumitglied zu gewinnen.
Wenn man berücksichtigt, dass zu den inzwischen fast 200 Neufällen pro Jahr noch ein enormer Aufwand von Leistungen für unsere oft viele Jahre akuten Altfälle hinzu kommt, wird deutlich, dass wir im VAfK Karlsruhe ohne jegliche öffentliche Förderung einen Leistungsumfang erbringen, der von anderen Beratungseinrichtungen nur mit Hilfe von zig-Tausenden Euro an Steuergeldern jährlich ermöglicht wird.
Beistandstätigkeit
Mit im Hinblick auf die Fallzahlen zunehmender Tendenz stellen wir einen Beistand für familienrechtliche und damit zusammenhängende zivilrechtliche und strafrechtliche Verfahren vor Gerichten.
Wir konnten dadurch überwiegend für uns und unsere Vorgehensweise werben und werden zunehmend anerkannt.
Es gibt auch immer wieder Richterinnen und Richter, die unsere Arbeit schätzen und den Kontakt, unsere Mitwirkung und die Aussprache suchen.
So geschieht es inzwischen häufiger, dass ich zu Verhandlungen als Beteiligter offiziell geladen werde oder dass Verhandlungen von Richterinnen und Richtern mit Rücksicht auf meinen Stundenplan als Lehrer terminiert werden.
Auch inhaltlicher Art ist festzustellen, dass mein Einfluss bei Gericht steigt. Wir konnten in letzter Zeit viele Fälle in einer Art mit entscheidend beeinflussen, die vor ein bis zwei Jahren noch nicht möglich schien.
Gespräche offiziellen Charakters:
- 24.04.2009, Frühjahrstagung der IDFAG Trennung und Scheidung Karlsruhe
- 20.11.2009, Herbsttagung der IDFAG Trennung und Scheidung Karlsruhe
- 15.01.2010, Eröffnungsveranstaltung VÄTERvorBILDER, Handwerkskammer Karlsruhe
- 10.03.2010, 15. Arbeitskreissitzung des Karlsruher Weges im AG Karlsruhe
Die vergleichsweise wenigen Gelegenheiten, bei denen es zu Kontakten mit den Karlsruher Professionen und Personen der Politik kam, gründen auf dem Faktum, dass die Vorgänge um den Wolfsperger-Film so breiten Raum einnahmen, dass daneben einfach im Rahmen von ehrenamtlicher Arbeit kein Platz mehr im Terminkalender frei war.
Eigene Veranstaltungen des VAfK-Karlsruhe:
- 07.12.2008 - Kundgebung in der Innenstadt zum Tag
der Menschenrechte
- 3 Stände „Väterliche Weihnachtsgrüße“ in der Innenstadt an den Advents-Samstagen im Dezember 2008.
- Vätertreffen an Heiligabend 2008 in Bad Rotenfels.
- 30.12.2008 - Wir holen die vier Jungs von „Herrn Schulze“ nach langen Monaten Umgangsboykotts mit der Polizei aus der Wohnung der boykottierenden Mutter
- 07.02.2009 - Ende der Abstimmung zur Aktion „Mein Held“ des Badischen Landesmuseums Karlsruhe, bei der Alex und Nikita gegen heftige Konkurrenz den ersten Platz belegen konnten.
- 28.-29.03.2009 - Landesmitgliedertreffen im NFH Jöhlingen
- 01.-03.05.2009 - 2. VÄTERKONGRESS in Karlsruhe
- 21.05.2009 - Vatertagsparty in Bad Rotenfels
- 05.06.2009 - BRÜCKENTAG: Stand in Karlsruhe
- 25.-26.07.2009 - Stand des VAfK Ka beim FEST
- 08.08.2009 - Geburtstagsparty von Angela im NFH Jöhlingen mit VAfK-Prominenz
- 26.-27.09.2009 - Landesmitgliedertreffen im NFH Jöhlingen
- 05.-11.10.2009 - AKTIONSWOCHE in Durlach
- 23.-25.10.2009 - BEISTAND-SEMINAR im NFH Jöhlingen
- 06.12.2009 - KUNDGEBUNG in der Innenstadt zum Tag
der Menschenrechte
- 3 Stände an den Adventssamstagen im Dezember (Väterliche Weichnachtsgrüße)
- 24.12.2009 - VÄTERTREFFEN an Heiligabend in Bad Rotenfels
Sonstige Veranstaltungen des VAfK, bei denen wir präsent waren:
- 6 Landeskonferenzen des Landesverbandes BW
- 04.04.2009 - Bundesmitgliederversammlung in Frankfurt
- 20.06.2009 - zentrale DEMO in Berlin
- 07.-08.11.2009 - Teilnahme am FAMILIENKONGRESS des VAfK in Halle
- 27.02.2010 - Bundeskoordinationstreffen in Fulda
Teilnahme an weiteren wichtigen fremden Veranstaltungen:
- 29.-30.01.2010 - 1. Mitgliedertreffen von AGENS in Darmstadt
- 19.-20.02.2010 - MÄNNERKONGRESS in Düsseldorf (Angela und Reinhard)
- 13.03.2010 - Treffen des Düsseldorfer Kreises in Stuttgart
- 07.-08.11.2009 - Teilnahme am FAMILIENKONGRESS des VAfK in Halle
- 27.02.2010 - Bundeskoordinationstreffen in Fulda
Medienarbeit:
- 13.01.2009 - RTL Punkt 6 und Punkt 12: Sendung zum Entführungsfall Klaus Voigt
- 17.01.2009 - BNN-Artikel: Ich will ein Männerhaus in Karlsruhe einrichten
- 31.01.2009 - Portrait zu meiner Person in SWR 4 „Badener, die was bewegen“
- 23.04.2009 - Beginn der Dreharbeiten des NDR zum Fall „Schulze“
- 13.09.2009 - Sendung des NDR zum Thema „Geschlagene Männer“
- 23.02.2010 - Teilnahme bei der Live-Sendung Kaffee oder Tee, SWR Fernsehen
DAS Thema mit höchster Wirkungskraft im letzten Jahr war der Kinostart des Filmes
„Der Entsorgte Vater“.
Die Medien reagierten überaus positiv und umfangreich. Beispiele:
- 27.05.2009 - RTL, Stern-TV
- 06.06.2009 - 3 Seiten taz
- 13.06.2009 - 3 Seiten Frankfurter Rundschau
- sogar 3 Seiten in der EMMA
- und Artikel in fast jeder Zeitung.
In den BNN gab es gleich 3 Artikel:
- 30.05.2009 - in der Wochenendbeilage
- 03.06.2009 - in den BNN Murgtal
- 04.06.2009 - in den BNN Karlsruhe
Die Aufführung in Karlsruhe am 10.06.2009 als Auftakt für den Kinostart fand unter Anwesenheit von Regisseur Wolfsperger und allen männlichen Protagonisten statt.
Danach war ich bei etwa 10 Aufführungen, von Frankfurt bis Ansbach und von Esslingen bis Villingendorf. Es war immer ein besonderes Ereignis, mit dem Publikum diskutieren zu können und zeigte, dass das Thema in unserer Gesellschaft wirklich umfassend präsent ist.
Seit dem Film beobachte ich zumindest subjektiv eine deutlich erhöhte Aufmerksamkeit dem Thema gegenüber und auch eine andere Umgehensweise mit mir als „Väteraktivist“.
Wenn ich in den Jahren zuvor als Beistand entweder nicht zugelassen oder eben nebenbei akzeptiert wurde, kann ich erleben, dass ich inzwischen zunehmend offiziell zu Verhandlungsterminen von Familiengerichten als Beteiligter geladen werde.
Auch die Bereitschaft, auf mich einzugehen und meine Sicht der Dinge in die Überlegungen mit einzubeziehen, hat sich erhöht.
In schwierigen Fällen habe ich hin und wieder den Eindruck, dass Richter froh sind, wenn überhaupt noch jemand eine konstruktive Idee hat und dass sie bereit sind, auch außergewöhnlichen Lösungsversuchen zuzustimmen.
Auch diese Veränderung fällt zusammen mit der erhöhten Präsenz des Themas seit dem medialen Ruck, der durch den Film ausgelöst wurde.
Diese besondere Situation um und nach dem Film erhielt weitere Nahrung durch eine ganze Kette von Ereignissen:
- Prof. Amendt brachte in der WELT vom 16.06.2009 den Artikel „Hort des Männerhasses – Warum das Frauenhaus abgeschafft werden muss“
Nicht der Artikel allein schlug ein wie eine Bombe. Die Welt startete eine Internetbefragung, die bei rund 60.000 abgegebenen Stimmen ein Ergebnis von 60% für die Abschaffung erbrachte. Und das immerhin von Steuerzahlern, die das Ganze finanzieren.
- Die Koalitionsvereinbarung nach den Bundestagswahlen enthielt ein Novum: Die Interessen von Männern und Jungen sollen endlich ebenfalls in politische Überlegungen einbezogen werden. Damit wird eine von uns schon lange geäußerte Forderung in ihrer Umsetzung angedacht und eine Verortung von Männerinteressen im Bundesfamilienministerium hat begonnen. Außerdem spricht die Koalitionsvereinbarung vom Kontakt zu „den Vätervereinigungen“. Da es mit dem VAfK nur eine mit bundesweiter Interessenvertretung und nennenswerter Lobbykraft gibt, hat das direkte Auswirkungen auf uns.
- Eben diese Koalitionsvereinbarung sorgt nun aber dafür, dass neue Männergruppen gegründet werden, die alle Partner der Politik sein wollen. Die Konkurrenz wird zur Zeit von einer Kampagne geprägt, die einer unserer Referenten aus dem letzten VÄTERKONGRESS anführt: Gesterkamp verbreitet über die Friedrich-Ebert-Stiftung der SPD die Botschaft, alle bestehenden Männer- und Väterinitiativen seien gewaltbereit und rechtslastig. Diese Botschaft soll weiter dadurch gestützt werden, dass auf einem Kongress Ende April in Köln zum Thema Neue Väter der alte arte-Film „In Nomine Patris“ gezeigt wird, der allein zum Ziel hatte, alle Väterinitiativen international als gewaltbereit und rechtsradikal abzuwerten. Für uns in Karlsruhe hat dieser Film auch lokale Bedeutung, weil im Rahmen des damaligen arte-Themenabends, der zum Ziel hatte, alle Vätergruppen international zu denunzieren, Frau Dr. Susanne Heynen, die Leiterin des Karlsruher Jugendamtes, Studiogast war.
Es wird deutlich, dass unser Thema eben kein Randthema mehr ist, sondern inzwischen sowohl medial als auch politisch ins Zentrum des Interesses rückt.
Dank
Zum Schluss möchte ich allen Aktiven Mitstreiterinnen und Mitstreitern, allen aktiven Gestaltern und besonders meinen Freuden im Vorstand, Angela, Reinhard, Henning und Davor, für den Einsatz für unsere gemeinsame Sache ganz besonders danken.
Ich wünsche mir, dass wir auf unserem Kurs unbeirrt fortfahren und dass wir im kommenden Jahr alle Kraft und Konzentration weiter der konstruktiven Arbeit widmen können.
18.03.2010, Franzjörg Krieg
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