
| Übersicht Psychologie | Borderline - Persönlichkeit |
Der Name verführt zur Annahme, bei diesem Syndrom handle es sich um eine harmlose psychische Erkrankung, gewissermaßen an der "Grenzlinie" zu den ernsteren Geisteskrankheiten wie Paranoia, Schizophrenie usw.. - Diese Annahme ist unrichtig.
Borderline bezeichnet eine schwere, destruktiv verlaufende Persönlichkeitsspaltung mit vielfältigen Erscheinungsbildern, die ein Arzt nur sehr unzureichend erkennt, dem betroffenen Patienten zumeist noch unzureichender erklären kann.
Wohl wurde erkannt, dass diese Krankheit, die sich nur schwer behandeln lässt, sehr bösartig ist. Oftmals als "Psychopathie", als Phänomen der "Paranoia" oder "Neurose" beschrieben, wurde jedoch beobachtet, dass diese Patienten viel kränker waren als die Neurotiker.
Erst 1980, nochmals verbessert 1987 wurde von der American Psychiatric Association ein Kriterienkatalog erstellt, das sog. DSM III-R, anhand dessen sich die Borderline-Persönlichkeit heute ziemlich eindeutig diagnostizieren lässt.
Acht Kriterien wurden aufgestellt und ausführlich beschrieben, von denen fünf vorhanden sein müssen, um eine eindeutige Diagnose zu treffen.
Zu den vielfältigen Symptomen, die auf eine Borderline-Erkrankung hinweisen, zählt neben narzistischem Verhalten auch die Magersucht, die Bulimie, und andere potentiell selbstschädigende Verhaltensweisen wie Drogen -, Alkoholmißbrauch, Ladendiebstahl, rücksichtsloses Fahren, übermäßiges Essen, wiederkehrende Selbstmorddrohung oder Suizidversuche, Selbstverstümmelung.
Die Borderline-Persönlichkeit wird durch die Eltern-Kind-Interaktion weitergegeben und nicht auf genetischem Weg. Die Faktoren, die zum Borderline Syndrom führen, erstrecken sich über Generationen. Patienten haben oft Mütter mit der selben Störung, deren Mütter wiederum unter demselben Syndrom gelitten haben.
Oft war die Borderline Kindheit ein wüstes Schlachtfeld, gekennzeichnet durch Trennung und Scheidung der Eltern, die Trümmer gleichgültiger, abweisender oder fehlender Eltern, durch emotionale Deprivation und chronische Ausbeutung.
Sachverständige für Entwicklungsfragen sind sich einig, dass Kinder, die mit familiärer Unruhe, Instabilität aufwachsen, ein viel größeres Risiko laufen, in der Jugend oder im Erwachsenenalter unter emotionalen oder psychischen Problemen zu leiden.
Zudem sind die Kinder unter derartigen Umständen in Gefahr, Streß, Schuldgefühle oder ein niedriges Selbstwertgefühl zu entwickeln, alles Merkmale, die mit Borderline Persönlichkeitsstörungen in Verbindung stehen.
Diese instabilen Beziehungen werden in die Pubertät und das Erwachsenenalter übertragen, so dass Bindungen später meist ebenfalls nur von kurzer Dauer sind.
Es fällt dem Borderline-Kranken äußerst schwer, die optimale psychische Distanz zu anderen Menschen abzumessen. als Ausgleich wechselt das Verhalten von klammernder Abhängigkeit zu zorniger Manipulation, von Dankbarkeitsergüssen zu irrationalen Hass.
Die Borderline-Persönlichkeit sehnt sich nach Intimität und hat gleichzeitig schreckliche Angst vor ihr. Sie stößt jene ab, zu denen sie am meisten Verbindung sucht.
Die Borderline-Persönlichkeit ist im Kern bindungsunfähig, sie bemüht sich an einem Tag um einen Mann (Frau), um ihn am nächsten Tag abzuservieren.
Längere Bindungen - die meistens in Wochen oder Monaten gemessen werden statt in Jahren - sind meistens turbulent und von Zorn, Verwunderung und Erregung erfüllt.
Zwischen ihren Stimmungsschwankungen führen diese Menschen ein relativ
normales, unauffälliges Leben.
Für den Borderline-Kranken ist jedoch ein großer Teil des Lebens
eine unbarmherzige, emotionale Achterbahnfahrt ohne offensichtliches Ziel.
Für jene, die mit der Borderline-Persönlichkeit zusammenleben, einen von der Störung betroffenen Menschen lieben oder ihn als Arzt behandeln, kann diese Reise genauso hoffnungslos und frustrierend sein."