
| Übersicht Psychologie | Borderline - Diagnostik |
Typische Symptome der Borderline-Störung:
Zu 1. Nichtbeachtung des eigenen Erlebens:
Die Patienten haben schon in der Kindheit, durch ein meist missbrauchendes
oder anderweitig negatives Umfeld "gelernt", dass sie auf ihre Gefühle
nicht hören sollten, da diese "sowieso falsch" sind. Dies führt
im Weiteren dazu, dass wichtige Gefühle häufig nicht ernst genommen
und nicht beachtet werden.
Zu 2. Erhöhte Angreifbarkeit im Gefühlserleben:
Es braucht häufig nicht viel, um einen Borderline-Patienten zum Explodieren
zu bringen. Schon Kleinigkeiten reichen aus, eine heftige und lang anhaltende
Reaktion zu provozieren.
Zu 3. Ausblenden von Gefühlsreaktionen:
Aus Angst vor möglichen negativen Konsequenzen versuchen viele Patienten,
bestimmte Gefühle gar nicht erst zuzulassen (z.B. Scham oder Wut). Es
kommt zu Gefühlskontrolle und letztendlich zum Ausblenden.
Zu 4. Blenden:
Aufgrund von großem Willen nach Anerkennung, aber auch aus Selbstüberschätzung
heraus bemühen sich die Patienten in bestimmten Lebensbereichen um außerordentliche
Leistungen. Dies kann jedoch zur Folge haben, dass sie damit ihr unmittelbares,
aber auch ihr therapeutisches Umfeld blenden. Sie wirken somit kompetenter
auch in Lebensbereichen, in denen sie sehr unsicher sind.
Zu 5. Unzureichende Möglichkeiten zur
Problemlösung:
Nicht immer gelingt es, unerwünschte Gefühle einfach zu blockieren.
Oft genug schlagen sie bei Patienten doch durch und führen auf Grund
der bereits erwähnten erhöhten Angreifbarkeit zu schlimmen emotionalen
Zuständen. Hierbei geschieht es leider nicht selten, dass Borderline-Patienten
mit Hilfe von Drogen und Alkohol versuchen, diese Zustände auszuhalten.
Zu 6. Impulsivität:
In Zuständen großer Erregung fällt es Borderline-Patienten
typischerweise sehr schwer, ihre Impulse unter Kontrolle zu halten. Es kommt
zu Handlungen, ohne dass man sich um irgendwelche Konsequenzen schert. Dies
kann z.B. riskantes Autofahren, Essattacken oder aber auch ungeschützter
sexueller Verkehr mit Fremden sein. Nicht selten gibt es in diesem Zusammenhang
auch spontane Gewalt- oder Zerstörungsausbrüche, wie z.B. Gegenstände
werfen oder zerschlagen.
Zu 7. Schwarz - Weiß - Denken:
Das Schwarz-Weiß bzw. Alles-oder-Nichts Denken ist ein ständiger
Begleiter des Borderline-Patienten. Es gibt für ihn meistens nur diese
zwei Möglichkeiten. Dieses Denken findet sich im Umgang mit anderen Menschen.
Es bedeutet z.B., wenn jemand eine Verabredung absagt, kann das eigentlich
nur heißen, dass er mich hasst. Aber auch im Umgang mit der eigenen
Person ist es nicht selten. Wenn ich mich z.B. in meiner ersten Tennisstunde
ungeschickt anstelle, kann es sein, dass ich nie wieder einen Tennisschläger
anfasse und auf Nachfrage angebe, dass dies der dümmste Sport ist, den
es gibt.
Zu 8. Dissoziation:
Die Dissoziation beschreibt eine Veränderung der eigenen Wahrnehmung,
des eigenen Denkens aber auch der eigenen kontrollierten Bewegung. Häufig
geraten Borderline–Patienten ohne einen konkreten Auslöser in diesen,
von der Umwelt und vom Patienten selbst als sehr seltsam empfundenen Zustand.
Sie sind hierbei nicht "ganz in der Welt". Sie sind z.B. nicht
ansprechbar und können sich nicht bewegen. Nach einiger Zeit verschwinden
diese Symptome wieder und die Patienten können sich häufig nicht
erinnern, was geschehen ist.
Zu 9. Passive Aktivität:
Häufig versuchen Patienten, ihr Leid nicht mit Worten mitzuteilen, sondern
es vielmehr zu zeigen, zu demonstrieren. Dies geschieht oft mit großem
Aufwand. Die Patienten können dann oft Hilfsangebote nicht annehmen,
da sie ihnen als unzureichend vorkommen. Das Ziel hierbei ist nämlich,
dass das Gegenüber den Zustand des Patienten dann ändern kann und
wird, wenn er das gezeigte Leid richtig versteht. Meist führt dies jedoch
im Weiteren nur zu einer Abkehr des Bekanntenkreises, da sich diese Menschen
in der Regel sehr hilflos fühlen.
Zu 10. Selbstverletzendes Verhalten:
Fast 80% der Patienten entwickeln im Laufe des Lebens selbstverletzendes Verhalten.
Diese oft sehr unterschiedlichen Arten der Selbstschädigung (Schneiden,
Brennen, Blut ablassen etc.) dienen in den meisten Fällen nicht etwa
einer Tötungsabsicht, sondern vielmehr der Beendigung eines Erregungszustandes.
Häufig geben Patienten nach einer Selbstverletzung an, dass sie sich
wieder "spüren" mussten.
Diagnostik:
In Deutschland wird mit zwei Systemen gearbeitet. Das eine ist das sog. ICD-10 System (Internationale Klassifikation der Krankheiten, laut WHO). Dieses ist das Standardsystem zur Verschlüsselung und Diagnosestellung in Krankenhäusern. Die Forschung verwendet das aus dem amerikanischen Raum kommende System des DSM-IV (Diagnostisches und Statistisches Manual psychischer Störungen).
Um nun die Diagnose stellen zu können, müssen genau festgelegte Kriterien erfüllt sein.
Diagnostische Kriterien der emotional instabilen Persönlichkeitsstörung nach ICD-10 - Kriterien:
A.) Um die Diagnose einer Borderline-Störung stellen zu können, müssen mindestens 3 der folgenden Eigenschaften oder Verhaltensweisen vorliegen:
B.) Zusätzlich müssen mindestens zwei der folgenden Eigenschaften und Verhaltensweisen vorliegen:
Die diagnostischen Kriterien nach DSM-IV für eine Borderline Persönlichkeitsstörung:
Um die Diagnose einer Borderline-Störung stellen zu können, müssen mindestens 5 der folgenden Eigenschaften oder Verhaltensweisen vorliegen:
Nach Andritzky, Dr. Walter: Verhaltensmuster und Persönlichkeitsstruktur
Entfremdender Eltern: Psychosoziale Diagnostik und Orientierungskriterien
für Interventionen. In: Psychotherapie 7. Jahrg. 2002, Bd. 7, Heft 2,
S. 166 - 182. gilt:
„Im Rahmen von Sorgerechts- und Umgangsstreitigkeiten ist das Vorliegen
der Borderline-Symptome und -Psychodynamik mit den Abwehrmustern der Projektion,
Spaltung, Verleugnung und anfänglicher Idealisierung bei den eE [entfremdenden
Elternteil] anhand folgender Merkmale zu erkennen:
Testpsychologisch fanden Siegel und Langford (1998) im MMPI-2 beim Vergleich
mit einer unauffälligen Kontrollgruppe bei 34 weiblichen alienators signifikant
erhöhte K- und niedrigere L-Skalenwerte, d.h. ein Bestreben, als möglichst
fehlerlos und ohne emotionale Probleme zu erscheinen. Zuzuordnende Abwehrmechanismen
sind Projektion, Verleugnung und Spaltung.
Eine geringe Bereitschaft, mit dem anderen Elternteil und zum Wohle
eines Kindes zu kooperieren, fanden auch Ehrenberg et al. (1996) bei Eltern
mit narzisstischen Störungen. Die Skalenwerte deuten auch auf
einen Spaltungsmechanismus dergestalt hin, dass sich der entfremdende
Elternteil als nur gut, den anderen Elternteil als nur schlecht darstellt.
[…]
Die Schwierigkeit, eE [entfremdenden Elternteil] als Borderline-Persönlichkeiten
zu erkennen, besteht wie bereits erwähnt in deren chamäleonhafter
Anpassungsfähigkeit, sie sind redegewandt und "normaler als normal",
fühlen sich erst in dem Moment bedroht, wenn die Beziehung des Kindes
zum anderen Elternteil thematisiert und auf den Kontakt des Kindes zum anderen
Elternteil als ein Recht des Kindes aufmerksam gemacht wird. Die
für eE [entfremdenden Elternteil] typische Distanzlosigkeit und das Saugende
im Kontakt mit ihnen, ihre abstrakt-entseelte Sprache ("immer",
"nur") und Unfähigkeit zu selbstkritischer Reflexion sind auch
charakteristisch für Suchtverhalten, das das Leeregefühl reduziert
(vgl. Heigl-Evers et al., 1992, S. 12 ff.). Anstelle eines Suchtstoffes ist
es hier das abhängige Kind, das dem eE [entfremdenden Elternteil] ein
grandioses Selbstgefühl verschafft, mit dem er seine Selbstunsicherheit
kompensiert und das ihm Selbstbestätigung sichert. Wird eE durch Kontaktansprüche
des aE [anderen Elternteil] (Umgang, Sorgerecht) das Suchtmittel Kind auch
nur zeitweilig entzogen, reagieren sie ebenso panikartig und mit vegetativen
Begleitsymptomen wie Drogenabhängige in der Entzugsphase.
Spezielle Forschungen zu Struktur und Dynamik in den Herkunftsfamilien der entfremdenden Elternteile sind noch selten. Bei Vergleichen von kinderentführenden (abductors) und den zurückgebliebenen (left behind) Elternteilen fanden Johnston und Girdner (2001) bei den abductors folgende Merkmale:
Es ließen sich zusätzlich sechs Risikotypen identifizieren: