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Borderline - Diagnostik

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Zur Diagnostik von Borderline-Störungen

Typische Symptome der Borderline-Störung:

  1. Nichtbeachtung des eigenen Erlebens
  2. Erhöhte Angreifbarkeit im Gefühlserleben
  3. Ausblenden von Gefühlsreaktionen
  4. Blenden (Pseudokompetenz)
  5. Unzureichende Möglichkeiten zur Problemlösung
  6. Impulsivität
  7. Schwarz-Weiß-Denken
  8. Dissoziationen
  9. Aktive Passivität (Kommunikation durch Demonstration)
  10. Selbstverletzendes Verhalten

Zu 1. Nichtbeachtung des eigenen Erlebens:
Die Patienten haben schon in der Kindheit, durch ein meist missbrauchendes oder anderweitig negatives Umfeld "gelernt", dass sie auf ihre Gefühle nicht hören sollten, da diese "sowieso falsch" sind. Dies führt im Weiteren dazu, dass wichtige Gefühle häufig nicht ernst genommen und nicht beachtet werden.

Zu 2. Erhöhte Angreifbarkeit im Gefühlserleben:
Es braucht häufig nicht viel, um einen Borderline-Patienten zum Explodieren zu bringen. Schon Kleinigkeiten reichen aus, eine heftige und lang anhaltende Reaktion zu provozieren.

Zu 3. Ausblenden von Gefühlsreaktionen:
Aus Angst vor möglichen negativen Konsequenzen versuchen viele Patienten, bestimmte Gefühle gar nicht erst zuzulassen (z.B. Scham oder Wut). Es kommt zu Gefühlskontrolle und letztendlich zum Ausblenden.

Zu 4. Blenden:
Aufgrund von großem Willen nach Anerkennung, aber auch aus Selbstüberschätzung heraus bemühen sich die Patienten in bestimmten Lebensbereichen um außerordentliche Leistungen. Dies kann jedoch zur Folge haben, dass sie damit ihr unmittelbares, aber auch ihr therapeutisches Umfeld blenden. Sie wirken somit kompetenter auch in Lebensbereichen, in denen sie sehr unsicher sind.

Zu 5. Unzureichende Möglichkeiten zur Problemlösung:
Nicht immer gelingt es, unerwünschte Gefühle einfach zu blockieren. Oft genug schlagen sie bei Patienten doch durch und führen auf Grund der bereits erwähnten erhöhten Angreifbarkeit zu schlimmen emotionalen Zuständen. Hierbei geschieht es leider nicht selten, dass Borderline-Patienten mit Hilfe von Drogen und Alkohol versuchen, diese Zustände auszuhalten.

Zu 6. Impulsivität:
In Zuständen großer Erregung fällt es Borderline-Patienten typischerweise sehr schwer, ihre Impulse unter Kontrolle zu halten. Es kommt zu Handlungen, ohne dass man sich um irgendwelche Konsequenzen schert. Dies kann z.B. riskantes Autofahren, Essattacken oder aber auch ungeschützter sexueller Verkehr mit Fremden sein. Nicht selten gibt es in diesem Zusammenhang auch spontane Gewalt- oder Zerstörungsausbrüche, wie z.B. Gegenstände werfen oder zerschlagen.

Zu 7. Schwarz - Weiß - Denken:
Das Schwarz-Weiß bzw. Alles-oder-Nichts Denken ist ein ständiger Begleiter des Borderline-Patienten. Es gibt für ihn meistens nur diese zwei Möglichkeiten. Dieses Denken findet sich im Umgang mit anderen Menschen. Es bedeutet z.B., wenn jemand eine Verabredung absagt, kann das eigentlich nur heißen, dass er mich hasst. Aber auch im Umgang mit der eigenen Person ist es nicht selten. Wenn ich mich z.B. in meiner ersten Tennisstunde ungeschickt anstelle, kann es sein, dass ich nie wieder einen Tennisschläger anfasse und auf Nachfrage angebe, dass dies der dümmste Sport ist, den es gibt.

Zu 8. Dissoziation:
Die Dissoziation beschreibt eine Veränderung der eigenen Wahrnehmung, des eigenen Denkens aber auch der eigenen kontrollierten Bewegung. Häufig geraten Borderline–Patienten ohne einen konkreten Auslöser in diesen, von der Umwelt und vom Patienten selbst als sehr seltsam empfundenen Zustand. Sie sind hierbei nicht "ganz in der Welt". Sie sind z.B. nicht ansprechbar und können sich nicht bewegen. Nach einiger Zeit verschwinden diese Symptome wieder und die Patienten können sich häufig nicht erinnern, was geschehen ist.

Zu 9. Passive Aktivität:
Häufig versuchen Patienten, ihr Leid nicht mit Worten mitzuteilen, sondern es vielmehr zu zeigen, zu demonstrieren. Dies geschieht oft mit großem Aufwand. Die Patienten können dann oft Hilfsangebote nicht annehmen, da sie ihnen als unzureichend vorkommen. Das Ziel hierbei ist nämlich, dass das Gegenüber den Zustand des Patienten dann ändern kann und wird, wenn er das gezeigte Leid richtig versteht. Meist führt dies jedoch im Weiteren nur zu einer Abkehr des Bekanntenkreises, da sich diese Menschen in der Regel sehr hilflos fühlen.

Zu 10. Selbstverletzendes Verhalten:
Fast 80% der Patienten entwickeln im Laufe des Lebens selbstverletzendes Verhalten. Diese oft sehr unterschiedlichen Arten der Selbstschädigung (Schneiden, Brennen, Blut ablassen etc.) dienen in den meisten Fällen nicht etwa einer Tötungsabsicht, sondern vielmehr der Beendigung eines Erregungszustandes. Häufig geben Patienten nach einer Selbstverletzung an, dass sie sich wieder "spüren" mussten.


Diagnostik:

In Deutschland wird mit zwei Systemen gearbeitet. Das eine ist das sog. ICD-10 System (Internationale Klassifikation der Krankheiten, laut WHO). Dieses ist das Standardsystem zur Verschlüsselung und Diagnosestellung in Krankenhäusern. Die Forschung verwendet das aus dem amerikanischen Raum kommende System des DSM-IV (Diagnostisches und Statistisches Manual psychischer Störungen).

Um nun die Diagnose stellen zu können, müssen genau festgelegte Kriterien erfüllt sein.

Diagnostische Kriterien der emotional instabilen Persönlichkeitsstörung nach ICD-10 - Kriterien:

A.) Um die Diagnose einer Borderline-Störung stellen zu können, müssen mindestens 3 der folgenden Eigenschaften oder Verhaltensweisen vorliegen:

  1. Deutliche Tendenz, unerwartet und ohne Berücksichtigung der Konsequenzen zu handeln.
  2. Deutliche Tendenz zu Streitereien und Konflikten mit anderen, vor allem dann, wenn impulsive Handlungen unterbunden oder getadelt werden.
  3. Neigung zu Ausbrüchen mit Wut und Gewalt mit Unfähigkeit zur Kontrolle explosiven Verhaltens.
  4. Schwierigkeit in der Beibehaltung von Handlungen, die nicht unmittelbar belohnt werden.
  5. Unbeständige und unberechenbare Stimmung.
B.) Zusätzlich müssen mindestens zwei der folgenden Eigenschaften und Verhaltensweisen vorliegen:
  1. Störungen und Unsicherheit bezüglich Selbstbild, Zielen und "inneren Präferenzen" (einschließlich sexueller).
  2. Neigung, sich in intensive, aber instabile Beziehungen einzulassen, oft mit der Folge von emotionalen Krisen.
  3. Übertriebene Bemühungen, das Verlassenwerden zu vermeiden.
  4. Wiederholt Drohungen oder Handlungen mit Selbstbeschädigung.
  5. Anhaltendes Gefühl von Leere

 

Die diagnostischen Kriterien nach DSM-IV für eine Borderline Persönlichkeitsstörung:

Um die Diagnose einer Borderline-Störung stellen zu können, müssen mindestens 5 der folgenden Eigenschaften oder Verhaltensweisen vorliegen:

  1. Verzweifeltes Bemühen, ein reales oder imaginäres Alleinsein zu verhindern.
  2. Ein Muster von instabilen zwischenmenschlichen Beziehungen, das sich durch einen Wechsel zwischen extremer Idealisierung und Abwertung auszeichnet.
  3. Identitätsstörung: eine ausgeprägte und andauernde Instabilität des Selbstbildes oder des Gefühls für sich selbst.
  4. Impulsivität in mindestens zwei potentiell selbstschädigenden Bereichen (z.B. Geld ausgeben, Sex, Substanzmissbrauch, rücksichtsloses Fahren, Fressanfälle).
  5. Wiederkehrende Suizidandrohungen, Suizidandeutungen oder -versuche oder selbstschädigendes Verhalten.
  6. Affektive Instabilität, die durch eine ausgeprägte Orientierung an der aktuellen Stimmung gekennzeichnet ist: z.B. starke episodische Niedergeschlagenheit, Reizbarkeit oder Angst.
  7. Chronisches Gefühl der Leere.
  8. Unangemessene, starke Wut oder Schwierigkeiten, Wut oder Ärger zu kontrollieren (z.B. häufige Wutausbrüche, andauernder Ärger, wiederholte Prügeleien.
  9. Vorübergehende, stressabhängige paranoide Vorstellungen oder schwere dissoziative Symptome.


Nach Andritzky, Dr. Walter: Verhaltensmuster und Persönlichkeitsstruktur Entfremdender Eltern: Psychosoziale Diagnostik und Orientierungskriterien für Interventionen. In: Psychotherapie 7. Jahrg. 2002, Bd. 7, Heft 2, S. 166 - 182. gilt:
„Im Rahmen von Sorgerechts- und Umgangsstreitigkeiten ist das Vorliegen der Borderline-Symptome und -Psychodynamik mit den Abwehrmustern der Projektion, Spaltung, Verleugnung und anfänglicher Idealisierung bei den eE [entfremdenden Elternteil] anhand folgender Merkmale zu erkennen:

Testpsychologisch fanden Siegel und Langford (1998) im MMPI-2 beim Vergleich mit einer unauffälligen Kontrollgruppe bei 34 weiblichen alienators signifikant erhöhte K- und niedrigere L-Skalenwerte, d.h. ein Bestreben, als möglichst fehlerlos und ohne emotionale Probleme zu erscheinen. Zuzuordnende Abwehrmechanismen sind Projektion, Verleugnung und Spaltung.
Eine geringe Bereitschaft, mit dem anderen Elternteil und zum Wohle eines Kindes zu kooperieren, fanden auch Ehrenberg et al. (1996) bei Eltern mit narzisstischen Störungen. Die Skalenwerte deuten auch auf einen Spaltungsmechanismus dergestalt hin, dass sich der entfremdende Elternteil als nur gut, den anderen Elternteil als nur schlecht darstellt.
[…]
Die Schwierigkeit, eE [entfremdenden Elternteil] als Borderline-Persönlichkeiten zu erkennen, besteht wie bereits erwähnt in deren chamäleonhafter Anpassungsfähigkeit, sie sind redegewandt und "normaler als normal", fühlen sich erst in dem Moment bedroht, wenn die Beziehung des Kindes zum anderen Elternteil thematisiert und auf den Kontakt des Kindes zum anderen Elternteil als ein Recht des Kindes aufmerksam gemacht wird. Die für eE [entfremdenden Elternteil] typische Distanzlosigkeit und das Saugende im Kontakt mit ihnen, ihre abstrakt-entseelte Sprache ("immer", "nur") und Unfähigkeit zu selbstkritischer Reflexion sind auch charakteristisch für Suchtverhalten, das das Leeregefühl reduziert (vgl. Heigl-Evers et al., 1992, S. 12 ff.). Anstelle eines Suchtstoffes ist es hier das abhängige Kind, das dem eE [entfremdenden Elternteil] ein grandioses Selbstgefühl verschafft, mit dem er seine Selbstunsicherheit kompensiert und das ihm Selbstbestätigung sichert. Wird eE durch Kontaktansprüche des aE [anderen Elternteil] (Umgang, Sorgerecht) das Suchtmittel Kind auch nur zeitweilig entzogen, reagieren sie ebenso panikartig und mit vegetativen Begleitsymptomen wie Drogenabhängige in der Entzugsphase.

Spezielle Forschungen zu Struktur und Dynamik in den Herkunftsfamilien der entfremdenden Elternteile sind noch selten. Bei Vergleichen von kinderentführenden (abductors) und den zurückgebliebenen (left behind) Elternteilen fanden Johnston und Girdner (2001) bei den abductors folgende Merkmale:

Es ließen sich zusätzlich sechs Risikotypen identifizieren:

  1. Eltern, die bereits glaubhafte Androhungen von Entführungen gemacht haben oder den Umgang behinderten, besonders wenn sie arbeitslos und ohne emotionale Bindungen am Wohnort sind und bereits hohe Geldbeträge abgehoben haben.
  2. Wenn ein Elternteil Missbrauchsvermutungen äußert und ernsthaft glaubt, der andere Elternteil vernachlässige oder missbrauche ein Kind. Es wird dann versucht, das Kind durch Umgangsbehinderungen oder Entführung zu "retten".
  3. Paranoide Wahnbildungen über den anderen Elternteil, z.B dass dieser mit dem Kind Gehirnwäsche betreibe. Ferner Gefühle, früher betrogen und ausgebeutet worden zu sein, Rachegefühle.
  4. Vorliegen psychopathischer Züge, Selbstbezogenheit, hochgradig manipulativer Umgang, Überzeugung eigener Überlegenheit, meist vor dem Hintergrund häuslicher Gewalt in der eigenen Kindheit. Das Kind kann nicht als eigenständiges Wesen wahrgenommen werden, sondern als Instrument der Rache oder als Trophäe.
  5. Wenn eine binationale Ehe geschieden wird bzw. Partnertrennung vorliegt, intensive Bindungen an eine Großfamilie im Heimatland bestehen und dieses idealisiert wird.
  6. Eltern ohne Kenntnisse der Rechtslage; mit schlechten Vorerfahrungen mit Familiengerichten; Angehörige ethnischer Gruppen mit speziellen Erziehungsidealen; außereheliche Mütter mit kurzem Kontakt zum Vater betrachten das Kind als exklusives Eigentum; Opfer tatsächlicher häuslicher Gewalt seitens des anderen Elternteils.

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