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Rhein-Neckar-Zeitung vom 15.09.2010

„Väteraufbruch“ hilft, die Ohnmacht zu verkraften

In einer Selbsthilfegruppe treffen sich Männer, denen der Kontakt mit dem eigenen Kind erschwert wird

Von Sören Sgries

„Ohnmacht“ ist ein Wort, das immer wieder fällt, wenn Thomas Möbius erzählt.
Ohnmächtig seien die Väter, wenn die Kindesmütter nach der Trennung den Kontakt zu den Kindern verweigern. Ohnmächtig fühlten sie sich vor Jugendämtern und Gerichten, wenn sie um Besuchs- und Umgangsrecht streiten müssen. Um über dieser Ohnmacht nicht zu verzweifeln, haben die Väter eine Selbsthilfegruppe gegründet. Der „Väteraufbruch für Kinder“ (VAfK) trifft sich daher in Heidelberg seit August 2009 regelmäßig. Hier können verzweifelte Männer über ihren Kampf ums Kind sprechen und werden verstanden, da alle die gleichen Erfahrungen teilen. Gründungshilfe gab das Selbsthilfebüro.

„Wir entsprechen nicht dem antiquierten Vaterbild“, unterstreicht Möbius, „wir wollen uns nicht aus dem Staub machen“. Stattdessen suche jeder, der die Gruppe besucht, eine lebendige Beziehung zu den eigenen Kindern – weil sowohl Väter als auch Kinder diesen Kontakt brauchen. Auch Möbius, der gemeinsam mit Davor Wilhelm die Heidelberger Gruppe als „Zweigstelle“ der Karlsruher Organisation gegründet hat, kennt die Erfahrung der Trennung vom eigenen Kind.

Sein eigenes Schicksal möchte er jedoch nicht öffentlich ausbreiten, lieber verweist er darauf, dass es ein generelles Problem gebe: „Zu uns kommen Väter aus allen sozialen Schichten, vom Hartz-IV-Empfänger bis zum Arzt an der Uni-Klinik.“
Die Schicksale, die Möbius andeutet, klingen dramatisch. Monate-, teilweise jahrelang hätten Väter in der Heidelberger Gruppe ihr Kind nicht mehr gesehen.

Andere nehmen die Maßnahme des „begleiteten Umgangs“ in Kauf, um wenigstens ein bisschen Kontakt aufrechterhalten zu können. „Entwürdigend“ sei das, sagt Möbius, sein Kind nur derart „unter Bewachung“ sehen zu dürfen. Die Konflikte auf der Paarebene werden auf die Eltern-Kind-Ebene verlagert, die Mutter kann das Kind als Druckmittel gegen den Vater verwenden – so jedenfalls sehen es die betroffenen Väter. Die Selbsthilfegruppe erfüllt in dieser Situation eine wichtige Ventilfunktion.

„Das Thema beschäftigt einen tagein, tagaus“, so Möbius, und eine Weile könne das Umfeld damit auch umgehen. Doch „irgendwann können Sie im Freundeskreis nicht schon wieder darüber reden wollen“. Die Mitglieder der Selbsthilfegruppe werden bei diesem Thema so zu den geduldigeren Freunden. „Hier können die Väter Dampf ablassen und ihre Enttäuschung rauslassen“, beschreibt Möbius die Situation. Die anderen Väter geben Ratschläge und beruhigen, wenn ein verzweifelter Vater nicht mehr weiter weiß. Unterhaltsfragen, also der finanzielle Aspekt einer Trennung, steht dabei nicht im Vordergrund beim „Väteraufbruch“. Es geht in erster Linie um den Umgang, also den Kontakt mit dem Kind. Die Gruppe soll dabei die Betroffenen in der Region vernetzen und auch Öffentlichkeitsarbeit leisten. Das Bild von Vätern soll sich ändern.

Info: Die Beratungsgruppe „Väteraufbruch für Kinder“ trifft sich jeden Montag um 19 Uhr im Selbsthilfebüro, Alte Eppelheimerstr. 38. Ein Kontakt ist möglich über Thomas Möbius, Tel. 0179/9216333, E_Mail: thomas-moebius@gmx.de oder über Davor Wilhelm, Tel. 0176/21642323, E_Mail: wilhelm@vafk-karlsruhe.de.


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