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Badische Neueste Nachrichten, 21.03.2003

Väter organisieren sich in ihrem Kampf um Kontakt zu 
            ihren Kindern in einer Selbsthilfegruppe Väteraufbruch. Foto: Waldelich

"Wir sind absolut kein Club der Frauenhasser"

Väter organisieren sich in ihrem Kampf um Kontakt zu ihren Kindern in einer Selbsthilfegruppe

Von unserem Redaktionsmitglied Kirsten Etzold

Walzbachtal/Pfinztal/Eggenstein-Leopoldshafen. "Mütter können machen, was sie wollen, das Gesetz schützt sie." In seinem tragbaren Computer klickt sich Franzjörg Krieg zu Untermauerung seiner Behauptung einmal schnell durch die bundesweite Datensammlung des Vereins "Väteraufbruch für Kinder". "Es ist überall beschrieben, wie die Eltern-Kind-Entfremdung funktioniert, aber es wird ignoriert." Zum Beweis zitiert er aus seiner Statistik, wie viele Kilometer Mütter nach dem Scheitern der Elternbeziehung durch einen Umzug zwischen Vater und Kind (oder Kinder) gelegt haben: hier 300, dort 650, in einem Fall gleich 800 Kilometer. "Das ist eine verbreitete Methode", registriert Krieg.
Der Musikpädagoge aus Jöhlingen ist Mitbegründer der Regionalgruppe "Väteraufbruch" Karlsruhe und betreut die "zentrale Falldokumentation" des bundesweit vertretenen Vereins. Um Väter geht es, die mit der Mutter ihrer Kinder nicht verheiratet waren – eine direkte Folge des Trends zu nicht ehelichen Lebensgemeinschaften seit den 70er Jahren. Wie ist das, wenn man nach Hause kommt und 500 elektronische Zuschriften auf der PC-Oberfläche flimmern?
Unermüdlich antwortet Krieg auf die elektronische Post, denn hinter jeder Anfrage steckt ein verzweifelter Vater, ein persönliches Schicksal. Krieg, der Lehrer an der Geschwister-Scholl-Realschule in Pfinztal ist, hat selbst zwei Töchter, zu der jüngeren hat er sich den Kontakt gerichtlich erstritten. "Niemand kommt ohne Leidensdruck auf uns zu", beobachtet er bei seiner Arbeit für den "Väteraufbruch". "Viele melden sich erst, wenn´s brennt, und danach oft gar nicht mehr. Manche können sich kaum mit ihrer Situation auseinander setzen."
Andere Betroffene dagegen suchen Unterstützung und Trost in Kontakten. Jeden Donnerstag füllt die Runde vom "Väteraufbruch" das Jöhlinger Naturfreundehaus. Jeder Besucher braucht dauernd Beratung: Jeder prozessiert gegen die ehemalige Partnerin.
Dennoch sagt Krieg: "Wir sind absolut kein Club der Frauenhasser." Allenfalls als "Maskulist" würde er sich bezeichnen, als "Korrektiv" zur Feministin. Er fordert echte Gleichberechtigung der Geschlechter auch in der Verantwortung. "Eine weinende Mutter bekommt Hilfe, ein weinender Vater disqualifiziert sich vor dem Familienrichter", beschreibt er ein häufiges Beispiel aus der Praxis.
Auch Frauen engagieren sich im "Väteraufbruch", die Projektmanagerin Ute Fels-Allera aus Eggenstein zum Beispiel. Ihre Qualifikation als Mediatorin setzt sie auch ein, um in Jugendämtern für eine differenzierte Beurteilung jedes Einzelfalls zu werben. "Natürlich gibt es böse Väter, aber es gibt auch andere, neue Väter. Man tut ihnen Unrecht, wenn man sie über einen Kamm schert", betont sie. Zum "Väteraufbruch" kam die Managerin, als sie miterlebte, wie ihr heutiger Ehemann an der erzwungenen Trennung von seinem Sohn fast zerbrach. Im Internet forschte sie mit Erfolg nach einem Weg, aus der Isolation auszubrechen. (Die Karlsruher Regionalgruppe "Väteraufbruch für Kinder" ist zu finden unter "www.vafk-karlsruhe.de".)
Das jüngste Urteil des Bundesverfassungsgerichts stellt Krieg nicht zufrieden, denn es lässt beim Scheitern nicht ehelicher Lebensgemeinschaften mit Kindern weiter die Mütter über ein gemeinsames Sorgerecht für beide Eltern entscheiden. Das Gericht ordnete aber an, die Entwicklung im Familienrecht zu überprüfen. Daher sammeln die "neuen Väter" ab sofort zwei Typen von Fällen (unter der E-Mail-Adresse vafk-ka@gmx.de). Situation A: Vater und Mutter leben unverheiratet zusammen und sorgen gemeinsam für ihr Kind, die Mutter lehnt aber ein gemeinsames Sorgerecht ab. Situation B: Das unverheiratete Elternpaar will das gemeinsame Sorgerecht, doch das Jugendamt rät der allein zur Entscheidung berechtigten Mutter ab, die sich daraufhin umentscheidet.
Die Väter engagieren sich auch politisch. Seit einem Monat arbeiten die Regionalgruppen der Städte und Kreise Karlsruhe, Mannheim, Stuttgart, Offenburg und Villingen-Schwenningen auf Landesebene zusammen. "Das war dringend notwendig, um Kontakt zu den Landesjugendämtern zu bekommen", findet der Jöhlinger. In Karlsruhe ist Kriegs Gruppe immerhin inzwischen festes Mitglied der Arbeitsgemeinschaft "Trennung und Scheidung", in der Fachleute aller Disziplinen, Männer und Frauen, regelmäßig über familienrechtliche Probleme diskutieren.

 

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