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Badische Neueste Nachrichten, 22.10.2002

"Vätern zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet?"

Interdisziplinäre Arbeitsgemeinschaft "Trennung / Scheidung" zieht Resümee
Das Wohl des Kindes steht ganz besonders im Blickpunkt der Facharbeitsgemeinschaft "Trennung und Scheidung", die seit 1990 regelmäßig zusammentrifft. Die mit Juristen, Sozialarbeitern und Psychologen wie Pädagogen aus unterschiedlichen Berufsgruppen zusammengesetzte AG arbeitet unter der Federführung des Sozialen Dienstes der Stadt, der Caritas wie der Diakonie.

Unter der Überschrift "Beratung bei Trennung und Scheidung im geschlechtsspezifischen Spannungsfeld – Was brauchen Frauen? Was brauchen Männer?" nahm an der jüngsten Tagung des Gremiums mit dem "Väteraufbruch für Kinder" zum ersten Mal eine "Betroffenengruppe" teil.

Obwohl in den Beratungsstellen der verschiedenen Institutionen immer darauf geachtet werde, eine "Polarisierung zu vermeiden", wie Andrea Sauermost, Mitarbeiterin des Diakonischen Werkes, formulierte, werde man auf Grund der Diskussion versuchen, den Vätern noch mehr Aufmerksamkeit zu widmen, so Eckhard Barth, Leiter des Sozialen Dienstes. Er räumte ein, dass es im Hinblick aufs Kindeswohl bei der Zielvorstellung, beide Elternteile gleichermaßen einzubeziehen, in der Umsetzung eventuell "haken" könne.

Als einen Grund nannten die Vertreter der Institutionen, die vor der Presse ein Resümee zogen, dass viele Beratende Frauen seien. Zudem nehmen auch eher Frauen Beratung in Anspruch. Bei Scheidungen mit Kindern – in Karlsruhe rund 300 pro Jahr – wird von der Stadt automatisch ein Beratungsangebot gemacht. In der Broschüre "Partnerschaft endet, Elternschaft nie" sind bereits Adressen wie das Männerbüro aufgeführt. Dabei berichtete Sauermost auch von guten Erfahrungen bei Mediation mit den Vätern.

Den Vorwurf, die Väter kümmerten sich auch oft schon während der Ehe nicht genügend um die Kinder, wollte der "Väteraufbruch" nicht auf sich sitzen lassen. Barth verwies auf "die andere Form des Kümmerns": "Wenn der Vater das Rad repariert, ist das auch eine Form der Zuwendung" und signalisierte damit auch ein Umdenken.

Prinzipiell, so betonte Caritas-Pressesprecher Wolfgang Betting, wolle man "Betroffene untereinander ins Gespräch bringen", das Angebot stehe jedermann offen – Mann wie Frau. Da es um Vater, Mutter und Kind gehe, müsse man sowieso alle drei Positionen gleich stark berücksichtigen.

Daniela Krotsch

 

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