
Rezension: "Die Ohnmacht
der Väter" von Peter Strawanza |
19.06.2008, Dr. M. J.
Gedöns war gestern! Familienpolitik ist wieder en vogue in Deutschland. Frau von der Leyens Konterfei schmückte in den letzten Jahren so manche Titelseite. Die Ministerin sieht blendend aus, das schadet der Sache nicht. Dafür wird es dringend Zeit, denn jedes Jahr werden bei uns etwa 450.000 Kinder von einem Elternteil getrennt. Die Kinder behält fast immer die Mutter, von deren Wohlwollen es abhängt, ob der Vater seine Kinder nach der Trennung sehen wird oder nicht. Der Bremer Soziologe Gerhardt Amendt konnte vor einigen Jahren nachweisen, dass fast die Hälfte der von ihm befragten Väter den Kontakt zum Kind verliert.
Peter Strawanza ist einer von ihnen, und er hat ein Buch über die schlimmsten Erfahrungen seines Lebens geschrieben. Der Autor schlägt keine leisen Töne an: „Wie Frauen ihre Männer abzocken“ und „Frauen Leseverbot“ ist auf der Umschlagseite zu lesen. Hier will einer nicht gefallen! Die Provokation ist ebenso Teil des Konzepts wie Passagen, in denen das Misstrauen des Vaters zur Obsession zu werden droht.
It’s all about money, stupid !
Das erste Kapitel ist ein kurzes survival handbook für Trennungsväter. Strawanza beschreibt typische Fehler von Männern nach einer Trennung und macht Vorschläge, wie sie zu vermeiden sind. Viel ist vom Geld die Rede. Die Nase darüber rümpfen mag nur, wer nie zwei Drittel seines Einkommens für Unterhalt zahlen musste. Wenig Geld ist der größte Risikofaktor für einen Mann, seine Kinder nach einer Trennung nicht mehr zu sehen: It’s all about money, stupid!
In mehreren Kapiteln beschreibt der Vater seine Erfahrungen mit dem deutschen Familienrecht. Jugendämter, Familiengerichte und Anwälte kommen dabei nicht gut weg. Betroffene wissen, dass Strawanza nicht ein skurriles Einzelschicksal beschreibt. Väter, denen die Mutter den Kontakt zu den Kindern unmöglich macht, werden von Jugendämtern in der Regel keine Hilfe bekommen. Familiengerichte ziehen häufig Psychologen und Mediatoren zu Rate, die Zeche dafür zahlt fast immer der Vater. Wer etwa die zweite Instanz anrufen muss, sollte über ausreichende Barmittel verfügen. Ein halbes Jahresgehalt ist schnell zusammen, wenn Anwälte, Gutachter, Mediatoren und Gerichte bezahlt werden müssen.
Wie mache ich die Hexen platt ?
Nicht weniger als fünf Kapitel sind der Frau als Partnerin und Mutter gewidmet. Wer oberflächlich liest, wird übersehen, dass Strawanza keineswegs einem kompromisslosen Geschlechterkrieg das Wort redet. Das Buch ist nicht das Pamphlet eines Frauenhassers und bleibt auch dann, wenn es nicht sehr geschmackssicher zugeht, weit hinter den üblichen feministischen Kampfparolen zurück. Alice Schwarzer konnte einst ungerügt eine Frau öffentlich feiern, die ihrem Mann im Schlaf den Penis abgeschnitten hatte. Einige Stellen des Buches hätten einen strengeren Lektor verdient: Strawanza zitiert einen Mann, der sich an einer drogenabhängigen Prostituierten rächt, die ihn um Geld betrogen hatte. Die Beschreibung erinnert an die gängigen Klischees der Gewaltpornographie und ist eine unappetitliche Passage, auf die der Leser gerne verzichtet hätte.
Es bleibt ein flaues Gefühl, wenn Strawanza zur Kindesentfremdung weniger schreibt, als zu amourösen Eskapaden mit Osteuropäerinnen und ihren Beziehungen zur Russenmafia. Hier stellt sich auch dem wohlmeinenden Leser die Frage: Worum geht es dem Autor eigentlich? Statt der Fallbeispiele am Ende des Buches hätte man gerne mehr über Strawanzas eigene Geschichte gehört. Das Thema eines der längsten Kapitel ist die Rache an der ehemaligen Partnerin; es trägt den sprechenden Titel Wie mache ich die Hexen platt. Für viele Leser sind diese Seiten sicher der Höhepunkt des Buches. Rachephantasien und Hass sind oft das einzige, was einem verzweifelten Vater noch bleibt in seinem ruinösen Kampf um das Kind. Ob Strawanza mit der kurzen Anleitung zur Rache der Väterbewegung einen Dienst erweist, ist eher fraglich.
Lektorat und Gestaltung des Buches sind unprofessionell und angesichts des durchaus marktüblichen Buchpreises ärgerlich. Selbst bei lässiger Lektüre findet der Leser kaum eine Seite ohne kapitale Fehler. Kommas wurden mitunter anscheinend zufällig gesetzt, der Satzbau entspricht nicht immer gutem Deutsch, und der Stil verdunkelt den Sinn zuweilen bis zur Unverständlichkeit. Für Typographie und Satz war offenbar ein Amateur verantwortlich; selbst die üblichen Programme zur Textverarbeitung können das heute besser. Professionelle Software für Satz und Druckvorstufe ist legal und kostenlos erhältlich. Hier wäre mehr Sorgfalt angebracht gewesen.
Ist Strawanzas Buch ein guter Ratgeber für Väter, die von ihrer Exfrau finanziell ausgenutzt und um ihre Kinder betrogen werden? Wohl eher nicht. Vor Gericht und beim Jugendamt wird ihnen die Lektüre ebenso wenig nutzen wie bei der Deeskalation beim Streit mit der Mutter. Aber hier spricht einer den verzweifelten Vätern aus der Seele; er sagt, was viele, auch im Freundeskreis oder in der Familie, sich nicht mehr zu erwähnen trauen. Für nicht betroffene Leser dürfte Strawanzas Buch kaum erträglich sein; das sind seine Stärke und seine Schwäche. Die einen werden es lieben, die anderen hassen. Man kann schlechteres über ein Buch sagen.
Zum Buch:
Peter Strawanza
Die Ohnmacht der Väter
eipi-Werbung+Kommunikation
Taschenbuch 221 Seiten
12,50 Euro
Internet: http://dieohnmachtdervaeter.de
Hier finden Sie eine Übersicht weiterer Buchempfehlungen. Sie können sie auch über unsere Homepage bei Amazon.de kaufen [hier klicken]