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BNN, vom 18.06.2008

Warum reißen Eltern ihre Kinder mit in den Tod?

Väter und Mütter haben oft ganz verschiedene Motive
Psychologe: Liebe von Männern zu Kindern wird auch überschätzt

Von unserem Redaktionsmitglied Elvira Weisenburger

Textauszug:
"Wenn Männer ihr Kind mit in den Tod nehmen, wollen sie meist der Frau ihr Liebstes nehmen. Es gibt immer wieder Anrufe solcher Väter bei den Frauen, in denen sie die Tat ankündigen und sagen: "Du kannst dich jetzt von deinem Kind verabschieden". Begeht eine Mutter einen solchen "Mitnahme-Suizid", sei das Motiv oft ein ganz anderes, erklärt Gallwitz: "Die Mutter nimmt das Kind mit in den Tod, weil sie es nicht allein auf der Welt zurücklassen will, weil sie fürchtet, dass niemand so gut wie sie für es sorgen kann." [zum Volltext]


01.07.2008, Franzjörg Krieg

Rezension:

Der Artikel von Elvira Weisenburger wiederkäut das gebetsmühlenartig von der Frauenförderlandschaft kolportierte Klischee von der "guten Mutter" und dem "bösen Mann und Vater".

Dazu wird der Kriminalpsychologe Adolf Gallwitz von der Polizeihochschule Villingen-Schwenningen zitiert, mit dessen Feststellung "Liebe von Männern zu Kindern wird auch überschätzt" die demagogische Stimmungsmache der BNN eingeleitet wird. Welche "Männer" und welche "Kinder" meint Gallwitz? [zum Volltext]

 


Volltext des Artikels: "Warum reißen Eltern ihre Kinder mit in den Tod?" (BNN, 18.06.2008)

Väter und Mütter haben oft ganz verschiedene Motive
Psychologe: Liebe von Männern zu Kindern wird auch überschätzt

Von unserem Redaktionsmitglied Elvira Weisenburger

Karlsruhe/Villingen-Schwenningen. Wenn ein Vater sein Kind umbringt, wie es am Wochenende in Oberderdingen geschah, oder wenn ein Erwachsener gleich die ganze Familie mit in den Tod reißt – dann reagiert die Umwelt geschockt und ratlos. Und viele stellen sich fassungslos die Frage: "Wie kann jemand gerade die Menschen töten, die er über alles in der Welt liebt: die eigenen Kinder?" Doch schon diese Fragestellung ist eigentlich falsch – meint Kriminalpsychologe Adolf Gallwitz.

"Die Familie wird idealisiert, die alltägliche Gewalt tabuisiert", sagt der Professor der Polizeihochschule Villingen-Schwenningen. "Was wir bei solchen Familiendramen erleben, ist nur die Spitze des Eisbergs." Denn die Vorstellung von der Familie als Hort der Geborgenheit sei allzu oft ein romantisierender Selbstbetrug unserer Gesellschaft. "15 Prozent aller Familien prügeln sich", betont Gallwitz, "über die Hälfte der Polizeieinsätze führen zu Familien." Von familiärem Psychoterror, der sich still abspielt, ganz zu schweigen.

Der innig liebende Familienvater, der sich "urplötzlich" in einen Killer verwandelt? Der gehört aus Sicht des Kriminalpsychologen ins Reich der Ammenmärchen. "Wenn von den ,unerklärlichen Verzweiflungstaten‘ die Rede ist, heißt das meist nur, dass wir keine Informationen haben", sagt Gallwitz. Erst im Nachhinein fänden die Ermittler oder Angehörigen oft heraus, welche Probleme in vermeintlichen Vorzeigefamilien schwelten. Bei einem Familiendrama im Schwäbischen beispielsweise, bei dem ein Mann im Mai seine Ehefrau erdrosselte und den Vater erhängte, sei inzwischen nicht nur von Geldsorgen, sondern auch von Unterschlagung die Rede. Oder Familienväter rasten dann aus, wenn sich ihre jahrelang unterdrückten Frauen endlich befreien wollen. "Völlig überraschend" kommt die Eskalation der Gewalt dann nur für Außenstehende. Alkohol und psychische Erkrankungen spielen bei Familiendramen ebenfalls oft eine Rolle – und auch diese Alltagsprobleme werden vertuscht. "Fast jeder Fünfte in unserer Bevölkerung ist psychisch nicht ganz in der Mitte", stellt der Psychologe nüchtern fest.

Und dann wäre da der Irrtum von der naturgegebenen, schier endlosen Elternliebe. "Es gibt auch Väter, die eine geringe Bindung zu ihren Kindern haben", betont Gallwitz. Je mehr sich ein Vater schon an der Babypflege beteilige, je mehr Zeit er seinen Kindern widme, desto inniger sei normalerweise auch die Beziehung. Zum Zeitproblem vieler Väter geselle sich auch noch die Eifersucht, wenn das Kind sie entthront: "Für die Frauen ist das Kind wichtiger als der Mann, sie binden den Partner nicht ein", beschreibt Gallwitz ein weit verbreitetes Phänomen. Kommt es zur Trennung, kann das Kind zur Waffe des gekränkten Mannes auf seinem Rachefeldzug werden.

"Wenn Männer ihr Kind mit in den Tod nehmen, wollen sie meist der Frau ihr Liebstes nehmen. Es gibt immer wieder Anrufe solcher Väter bei den Frauen, in denen sie die Tat ankündigen und sagen: ,Du kannst dich jetzt von deinem Kind verabschieden‘." Begeht eine Mutter einen solchen "Mitnahme-Suizid", sei das Motiv oft ein ganz anderes, erklärt Gallwitz: "Die Mutter nimmt das Kind mit in den Tod, weil sie es nicht allein auf der Welt zurücklassen will, weil sie fürchtet, dass niemand so gut wie sie für es sorgen kann."

Meist sind die Täter bei Familiendramen männlich, und oft spielt eine Trennung mit – wie jüngst in Gundelfingen bei Freiburg, wo ein Vater seine scheidungswillige Frau erdrosselte und mit seinem Sohn in den Unfalltod raste. Auch die Eltern des getöteten Neunjährigen aus Oberderdingen lebten getrennt.

Scheidung sei für Täter in Familiendramen oft gleichbedeutend mit Schmach, sagt Gallwitz. Wenn sich eine ganze Serie von Familiendramen ereignet, wie derzeit in Baden-Württemberg, dann berge dies zusätzliche Nachahmungsgefahr für aggressionsgeladene potenzielle Täter, sagt Gallwitz: "Sie sehen plötzlich ein Lösungsmuster. Männer, die vermeintlich der Schande entgehen, werden zum Vorbild."

 


Volltext der Rezension von Franzjörg Krieg:

Der Artikel von Elvira Weisenburger wiederkäut das gebetsmühlenartig von der Frauenförderlandschaft kolportierte Klischee von der "guten Mutter" und dem "bösen Mann und Vater".

Dazu wird der Kriminalpsychologe Adolf Gallwitz von der Polizeihochschule Villingen-Schwenningen zitiert, mit dessen Feststellung "Liebe von Männern zu Kindern wird auch überschätzt" die demagogische Stimmungsmache der BNN eingeleitet wird. Welche "Männer" und welche "Kinder" meint Gallwitz? Meint er vielleicht Väter und deren eigene Kinder? Warum nennt er Väter dann nicht so?

Wenn in den ersten beiden Absätzen die Familie als "Hort der Geborgenheit" angezweifelt wird, ist der Artikel inhaltlich noch nachvollziehbar.
Nicht mehr nachvollziehbar ist die Beispielauswahl, mit der Gallwitz seine Theorien bestätigen will. Beim ersten zitierten Beispiel wird von "Geldsorgen" und "Unterschlagung" als Gründe gesprochen, also klare finanzielle Gründe bis zu kriminellen Machenschaften, wohl des Mannes. Dass in diesem Fall aber kein Kind, sondern die Ehefrau und der eigene Vater Mordopfer wurden, erfährt man nur am Rand. Was soll das Beispiel dann aber in einem Artikel, der der Frage nachgeht, warum Eltern ihre Kinder mit in den Tod nehmen? Außerdem: Es wird nicht erläutert, welche Rolle die Frau und der Vater im Problemkreis der finanziellen Notlage spielten. Wozu dann aber ein solches Beispiel in diesem Kontext?

In einer zweiten konstruierten Fallskizze wird behauptet, dass Familienväter dann ausrasten, "wenn sich ihre jahrelang unterdrückten Frauen endlich befreien wollen".
Meint Gallwitz, darin eine Erklärung gefunden zu haben für den erweiterten Suizid von Familienvätern?
Dann sehen wir doch einmal genauer hin:
Eine jahrelang unterdrückte Frau will sich endlich befreien und verlässt die Familie. OK, kein Problem. Ich kenne keinen Fall, in dem der Mann und Vater darauf mit Suizid oder erweitertem Suizid reagiert hätte. Wenn diese "sich befreiende Frau" allerdings meint, dass die Kinder ihr Privatbesitz seien, wenn sie diese Kinder als ihr Privateigentum an sich und ihr Schicksal koppelt, diese Kinder dem Vater entzieht, aus der bestehenden Kontinuität heraus reißt, sich dabei von allen Institutionen helfen lässt und den Vater für den Entzug der Kinder auch noch zahlen lässt, dann werden Dimensionen erreicht, in denen Familienväter hin und wieder "ausrasten". Gemessen an der alltäglichen Masse an Fällen, die nach diesem Muster ablaufen, sind es übrigens erstaunlich wenige Väter, die ausrasten. Nicht, dass ich einen "ausrastenden" Vater verstehen könne. Nein, eine solche Konfliktlösungsstrategie ist meinen Vorstellungen fremd. Ich stelle nur nüchtern fest, dass fast alle Väter, denen übel mitgespielt wird, die entrechtet werden, die als Väter demontiert und entsorgt und ausschließlich als Zahlesel geknechtet werden, dass fast alle irgendwie damit klar kommen. Viele werden verständlicherweise psychisch auffällig, fallen aus dem Arbeitsprozess heraus und verschwinden in psychiatrischen Einrichtungen. Andere verfallen dem Suff oder steigen komplett aus dem bürgerlichen Rahmen aus. Wieder andere reagieren auf die Abweisung als Vater mit der Gründung einer neuen Familie. Es gibt viele Varianten, mit denen Väter auf ihre menschenrechtswidrige Behandlung so reagieren, dass es öffentlich nicht auffällig wird. Einige aber reagieren mit Suizid. Die Suizidrate von Männern nach Trennung und Scheidung ist etwa sechs mal so hoch wie bei Frauen. Es wird immer noch behauptet, dass Frauen nach Trennung und Scheidung höher negativ betroffen wären als Männer. Aber dieser Mythos wird weder von den Suizidraten noch von der Tatsache bestätigt, dass es Frauen sind, die zu etwa 75% die Scheidung einreichen – sicher nicht im Bewusstsein, dass sie dadurch ihre eigene Demontage einleiten.

Nur äußerst wenige Väter reagieren darüber hinaus mit einem erweiterten Suizid. Diese Tragödien allerdings fallen auf. In fast jedem Fall, der öffentlich bekannt wurde, konnte man erfahren, dass ein "Sorgerechtsstreit" den Hintergrund darstellt. Es geht dabei immer um die Tatsache, dass sich eine Mutter als Kinderbesitzerin gebärdet und den Vater entrechtet. Eine in der BRD besondere Familienrechtspraxis unterstützt die Mutter dabei auch dann noch, wenn diese eindeutig menschenrechtswidrige Methoden anwendet. Frauenförderung wird dabei zum Täterinnenschutz.
Natürlich ist dies keine Entlastung für einen Vater, der keine andere Möglichkeit mehr sieht, als sich und seine Kinder umzubringen. Genauso wenig wie eine Mutter, die ihr Baby ertränkt, durch irgend eine Argumentation moralisch entlastet werden kann – obwohl deutsche Gerichte dies immer wieder tun.

Der fachmännische Psychologe Gallwitz kommt dann noch mit Gewalt und Alkohol und psychischen Erkrankungen. Was das mit den erweiterten Suiziden von Vätern zu tun haben soll, bleibt er allerdings schuldig. In keinem Fall eines erweiterten Suizides eines Vaters ist mir ein entsprechender Hintergrund bekannt. Schon gar nicht sind dies Erklärungen für das Phänomen insgesamt.

Gallwitz erkühnt sich sogar, die Realität auf den Kopf zu stellen. In bester Frauenförderrethorik meint er, dass "das Kind zur Waffe des gekränkten Mannes auf seinem Rachefeldzug" wird.
Nicht Väter sind diejenigen, die sich als Kindesbesitzer gebärden. Es sind weit überwiegend die Mütter. In den BNN vom 01.01.2004 meinte eine Karlsruher Frauenbeauftragte, dass Männer psychische Gewalt ausüben, indem sie der Mutter damit drohen, das alleinige Sorgerecht zu beantragen. Dass Frauen nicht nur damit drohen, sondern gegen Väter und Kinder das auch ohne Gewissensbisse massenhaft machen, wird gar nicht erwähnt, weil Gewalt solcher Art von Frauen als deren selbstverständliches Recht angesehen wird.
Nicht Väter entziehen den Müttern die Kinder. Es sind überwiegend Mütter, die diesen Kindesmissbrauch und die Gewalt gegen den Vater in einem solchen Ausmaß selbstverständlich praktizieren, dass inzwischen die Politik darauf aufmerksam werden musste und in zur Zeit aktuellen Gesetzesnovellen darauf reagiert.
Herr Gallwitz übernimmt damit völlig ahnungslos und ungeprüft Standardaussagen von Frauenförderposteninhaberinnen und ist sich nicht zu masochistisch, sein eigenes Geschlecht damit zu geiseln.

Und folgerichtig werden Mütter, die einen "Mitnahme-Suizid" begehen, dafür geadelt. Man muss das schon mehrmals lesen, um es zu glauben:
"Die Mutter nimmt das Kind mit in den Tod, weil sie es nicht allein auf der Welt zurücklassen will, weil sie fürchtet, dass niemand so gut wie sie für es sorgen kann."
Klasse, Frau Gallwitz.
Mörder können nie entschuldigt werden. Aber Mörderinnen zu adeln ist durchaus gesellschaftsfähig. In den BNN auf jeden Fall.

Und zum Schluss noch eine weitere gallwitzsche Theorie:
"Aggressionsgeladene potentielle Täter" wollen mit einem Mitnahme-Suizid "vermeintlich der Schande entgehen".

Eine Zeitung ist immer nur so gut, wie die Summe der Leistungen ihrer Schreiber.



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Hinter der Betroffenheit: Zu den Kindestötungen (von Dr. Elmar Schmidt am 29.01.08) [mehr]
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