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Junge Freiheit vom 05.02.08 [zur Originalnachricht]
Geschlechterkampf:
Die "positive" Diskriminierung von Frauen beschädigt den Rechtsstaat
Freiheit statt Feminismus!
Von: Michael Paulwitz
Heulsusen. Männer, die über
ihre strukturelle Benachteiligung jammern, die Diskriminierung des eigenen
Geschlechts beklagen und sich organisieren, um wortreich ihre Rechte einzufordern
– muss das sein?
Reicht nicht schon das feministische Gedöns? Brauchen wir da wirklich
noch die "Männerrechtsbewegung", die der Publizist Arne Hoffmann
in seinem soeben erschienenen Standardwerk "Männerbeben"
umfassend porträtiert?
Doch, brauchen wir. Denn die einst als "Patriarchen" geschmähten deutschen Männer sind längst auf dem besten Weg, die Deppen der Nation zu werden. Als Schüler sind sie prädestinierte Bildungsverlierer in einem von Frauen für Mädchen optimierten Schulbetrieb; als Jugendliche tragen sie das Hauptrisiko, zum Opfer von Kriminalität und Jugendgewalt zu werden; als Berufseinsteiger müssen sie sich oftmals wieder hinten anstellen; als Väter zittern sie unter dem Damoklesschwert, zum scheidungsversehrten "Zahlvater" degradiert zu werden, dem als einzige Erinnerung an Ehe, Familie und Kinder der finanzielle und persönliche Schiffbruch bleibt.
Zaghafte Korrekturen im Unterhalts- und Scheidungsrecht
Im Unterhalts- und Scheidungsrecht
hat der Widerstand gegen die offenkundige Männerdiskriminierung immerhin
zu ersten zaghaften Korrekturen geführt. Die zu Jahresbeginn in Kraft
getretene Reform begrenzt die Unterhaltsansprüche geschiedener Ehefrauen
zugunsten von Kindern aus einer etwaigen neuen Beziehung des Ex.
Theoretisch ist dem zahlenden Papa auch die Vaterschaftsfeststellung leichter
gemacht worden, wenn er den Verdacht hat, ihm sei ein "Kuckuckskind"
untergeschoben worden. Praktisch bleibt ihm das wirksamste Mittel, der anonyme
Vaterschaftstest, weiter verwehrt: Sein Recht auf Gewissheit ist dem Gesetzgeber
weniger wert.
Dabei wäre die Herstellung von Rechtsgleichheit gerade hier von elementarem
staatspolitischen Interesse. Denn der Zusammenhang zwischen der jahrzehntelangen
juristischen Väterdiskriminierung und dem "Zeugungsstreik"
der Männer, denen die Lust am Vatersein vergangen ist, lässt sich
kaum leugnen. Ohne Geschlechtergerechtigkeit im Unterhalts- und Scheidungsrecht
kein Anstieg der Geburtenrate, kein Ausweg aus der demographischen Katastrophe.
Kein geringer Erfolg der neu formierten Männerrechtsbewegung
Es ist kein geringer Erfolg der
im Laufe der letzten Jahre formierten Männerrechtsbewegung, dass diese
und andere Missstände dokumentiert und ins öffentliche Bewusstsein
gerückt worden sind. Die Bedeutung von MANNdat und Väteraufbruch,
von genderama.de und Männerpartei weist indes über das übliche
Wirken von Lobbyorganisationen hinaus, die individuelle Probleme und Anliegen
ihrer Klientel bündeln und durchsetzen wollen.
Männerrechtler und Antifeministen führen uns eindringlich eine gefährliche
Schieflage in Staat und Gesellschaft vor Augen. Während ganze Heerscharen
von Beauftragten sich mit einem Milliardenaufwand an Steuergeldern darum kümmern,
jede vermeintliche oder tatsächliche Benachteiligung von Frauen schon
im Keim zu erkennen und abzustellen, und sich dabei des Wohlwollens der veröffentlichten
Meinung jederzeit gewiss sein können, ignoriert dieselbe Öffentlichkeit,
wenn Männer oder Jungs allein aufgrund ihres Geschlechts im Abseits stehen,
oder quittiert mit ironischem Achselzucken, was unter umgekehrten Vorzeichen
helle Empörung hervorriefe.
Das kommt nicht von ungefähr. Die Kaste der Feminismus- und Genderfunktionäre
hat die kulturelle Hegemonie im öffentlichen Diskurs für sich erobert.
Es war ein langer Weg von der Forderung der Urväter des Sozialismus,
die Frauen aus den Fesseln der bürgerlichen Familie zu befreien und in
die werktätige Arbeiterklasse einzugliedern, über den männerverachtenden
Feminismus der Simone de Beauvoir und Alice Schwarzer bis zum durchorganisierten,
die Kontrolle über alle öffentlichen Bereiche anstrebenden "Gender
Mainstreaming"-Überbau.
Zum Geschlechterkampf modifizierter Klassenkampf
Für die Kader des zum Geschlechterkampf
modifizierten Klassenkampfes hat sich dieser lange Marsch gelohnt. Wer das
Spiel mitspielt, dem verheißt das Netzwerk institutionalisierter Frauenförderung,
das von der lokalen und kommunalen Ebene bis hinauf zu den demokratischer
Kontrolle weitgehend entzogenen supranationalen Institutionen reicht, ein
ganzes Bündel materieller Vorteile, vom erleichterten Karriereeinstieg
oder -aufstieg bis zur großzügigen Subventionsausschüttung.
Unter dieser einseitigen Geschlechterpolitik leidet letztlich der Rechtsstaat
selbst und das Rechtsempfinden aller Bürger. Diskriminierung wird nicht
dadurch zur guten Sache, dass man ihr das Attribut "positiv" anklebt,
das lediglich den Blick vom "negativ diskriminierten" Pendant ablenken
soll.
Der Siegeszug der Quotenregelungen, die bloße Geschlechtszugehörigkeit
in den Rang einer potentiell entscheidenden Qualifikation für Beruf oder
Amt erheben, ist nur ein Beispiel für die Deformation des Rechtsstaates
im Namen der feministischen Ideologie.
Potentiell totalitäre Ideologie
Das entscheidende Verdienst der
Männerrechtsbewegung besteht im Aufdecken des schädlichen Zugriffs
einer potentiell totalitären Ideologie auf immer größere Bereiche
unseres Gemeinwesens. Eben dieser Ideologie ist es gelungen, ihr einseitiges
und reduziertes Frauenbild zum Nachteil von Staat und Gesellschaft als Leitbild
und Richtschnur staatlichen Handelns durchzusetzen.
Das Ergebnis dieser Entwicklung war bis dato nicht die Befreiung "der
Frauen", sondern die Bevormundung aller: der Frauen, deren Selbstbestimmung
einseitig auf das Leitbild der vollzeitbeschäftigten, lästiger familiärer
Bindungen und Verpflichtungen enthobenen Karrierefrau verengt wird, ebenso
wie der Männer, denen ihr angeblich nur angelerntes "Rollenverständnis"
aberzogen werden soll.
Kritik an derartigen geschlechterpolitischen Ideologien ist zugleich eine Kampfansage an den ausufernden Gouvernanten- und Umerziehungsstaat – Freiheit statt Feminismus