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Filme (TV, Video, DVD) zur Vaterrolle (Auswahl erstellt von Dr. Elmar Schmidt, VAfK-Karlsruhe)

 

DEUTSCHE FILME

Kirschblüten – Hanami (Doris Dörrie, Deutschland 2007)

http://www.kabeleins.de/film_dvd/filmlexikon/ergebnisse/index.php?filmnr=530736
http://www.imdb.com/title/tt0910559/

Der Film kreist zunächst um eine intakte Ehe alten Stils. Der Beamte Rudi Angermeier (Fritz Wepper) wird im idyllischen Oberbayern von seiner Frau Trude (Hannelore Elsner) täglich und rundum mit belegten Broten, dem – als running gag stets von ihm weitergereichten oder für später aufgehobenen - Pausenapfel, Thermosgetränken und Bügelwäsche versorgt. Nachdem ihr unterbreitet wird, daß ihr Mann unheilbar krebskrank ist, verheimlicht sie ihm das und überredet ihn, ihre drei in Berlin lebenden Kinder Karolin (Birgit Minichmayr), Klaus (Felix Eitner) und Emma (Floriane Daniel), deren Partner und Kinder zu besuchen. Die sind nur mäßig begeistert über die Störung ihres Alltagslebens, erst recht, weil ihrem Bruder Karl Angermeier (Maximilian Brückner) durch seine Berufstätigkeit in Tokio die Elternheimsuchung wieder mal erspart bleibt. Bei ihm handelt es sich zudem um Mutters Liebling, hängt Trude doch einer lebenslangen, aber infolge ihrer Familienpflichten unerfüllten Sehnsucht nach Japan und dessen Ausdruckstanz Budo an. Bevor die Verhältnisse in Berlin noch schaler zu werden drohen, reisen die Eheleute an die Ostsee weiter, wo Trude tragischerweise nachts stirbt. Der von seiner plötzlichen Einsamkeit tief erschütterte Rudi reist bald nach den Trauerfeierlichkeiten zu seinem Sohn Karl und logiert dort in dessen winzigem Hochhausapartment. Der Kulturschock von Japans Metropole, ihrer Arbeits- und Freizeitethik macht Rudi anfangs schwer zu schaffen und sorgt für humoristische Passagen ähnlich wie in Sofia Coppolas Lost in Translation. Erst durch die Bekanntschaft mit der 18-jährigen, wohnsitzlosen Tokioterin Yu (Aya Irizuki) beginnt er ein sich selbst gegebenes Versprechen zu erfüllen, diese Reise nicht nur seiner verstorbenen Frau zu widmen, sondern ihr gewissermaßen Augen und Körper zu leihen, indem er sich frühmorgens in ihren Kleidern vor dem Fujijama einer Budochoreographie hingibt.

Der Vater in „Kirschblüten“ mußte zwar „nur“ seine Scheidung durch den Tod bewältigen, die anrührende Filmnovelle gehört aber u.a. hierher, weil sie die Schwierigkeit zum Thema hat, es selbst in einer intakten Ehe gleich vier Kindern recht zu machen. Die daraus resultierenden familiären Mobbingstrukturen werden teils heiter anrührend, teils verstörend untröstlich inszeniert. Was bleibt ist eine Hommage an die Weitergabe der Liebe. Ich persönlich hätte nur gern auf die oberbayrische Sprachfärbung der Tonspur verzichtet, durch welche sich vor allem Fritz Wepper schwer tut, sich von seinen vielen Fernsehrollen dieses Kolorits abzulösen.

 

Meine schöne Bescherung (Vanessa Jopp, Deutschland 2007)

http://www.kabeleins.de/film_dvd/filmlexikon/ergebnisse/index.php?filmnr=530211
http://www.imdb.com/title/tt0961738/

Sara (Martina Gedeck) und Jan (Heino Ferch) leben in einer liebevollen und liebestollen Beziehung mit vier Kindern. Die stammen allerdings von den drei verflossenen Ehemännern, und genau die hat Sara samt der neuen Partnerinnen und Kinder zu einem gemeinsamen Weihnachtsabend eingeladen, an dem sie als Höhepunkt ihrer Tischrede das Gelungensein einer neuen Schwangerschaft präsentiert. Ihr Mann Jan, der dadurch auf den Ehrenschild des erfolgreichen Zeugers gehoben werden sollte, ist jedoch aus einem delikaten Grund gar nicht erbaut über die Offenbarung, und hieraus ergibt sich dann allerlei vorhersagbarer Eifersuchtsklamauk, der letztlich das scheinbar folgenlose „Alles geht“ der Jungregisseurin versinnbildlicht bis hin zu der in neueren Gagproduktionen erforderlichen Integration multikultureller und homosexueller „Lebensentwürfe“.

Den meisten scheidungserfahrenen Vätern dürfte das um die Patchworkfamilie einer heldenhaften Turbomutter, ein paar weitere clevere Frauchen und ansonsten reichlich debile Männer gestrickte Machwerk indessen übel aufstoßen, werden sie sich doch kaum in dem seltsam selbstverständlichem Wohlstand und der gepflegten Völlerei von dessen Darstellerschar wiedererkennen, erst recht nicht, wenn sie wie es leider häufiger vorkommt, vom Umgang mit ihren Kindern ausgeschlossen sind. Als seichte Gehirnspülung, die statt von den Hauptrollen eher von den Nebendarstellern (und hier vor allem von Jasmin Tabatabai und Andreas Windhuis) getragen wird, ist der Film noch bedingt empfehlenswert, doch schon, ob man Kindern so ein dekadentes BRD-Sittengemälde zumuten sollte, bleibt fraglich.

 

Der Liebeswunsch (Torsten C. Fischer, Deutschland 2006)

http://www.kabeleins.de/film_dvd/filmlexikon/ergebnisse/index.php?filmnr=525494
http://www.imdb.com/title/tt0353667/

Eine Vierecksgeschichte mit vorhersehbarem Ausgang, als Fernsehfilm hinnehmbar, fürs Kino nicht überzeugend. Die Studentin Anja (Jessica Schwarz) hütet das Haus des gutsituierten Ehepaars Marlene (Barbara Auer) und Jan (Ulrich Thomsen). Leonhard (Tobias Moretti) ist ein alter Freund der beiden und als Mensch so spröde wie sein Beruf als Richter. Die grunddepressive Anja nimmt aus reiner Verlegenheit dessen Heiratsantrag an, und mit Daniel (Lenny und Marlon Schwarz) stellt sich dann auch zügig Nachwuchs ein. Die Ehe erkaltet rasch. Anja vertrödelt ohne Erziehungsinteresse ihre Tage in einer selbst für einen hohen, deutschen Beamten heute unplausiblen Millionärsvilla, ein Unfall des kleinen Daniel dort wird unterschwellig ihrer Melancholie angelastet. Sie beginnt zu trinken und auch eine Affäre mit Jan, deren Leidenschaft filmisch nicht sehr überzeugend dargestellt ist. Natürlich fliegt die Sache irgendwann auf, und sowohl Leonhard als auch Jan sagen sich von Anja los, und die Geschichte steuert auf ein dramatisches Ende hinaus, das unnötigerweise schon in der ersten Einstellung des Films in die Rückblende geschnitten wurde.

Der Film mag als Fallstudie einer fortschreitenden Depression noch durchgehen, leider bleibt die Perspektive des Kindes ebenso rätselhaft wie die Lebensentwürfe der hölzern spielenden Erwachsenendarsteller. Der Film „5x2“ in dieser Sammlung ist insgesamt viel überzeugender.

 

Wer früher stirbt, ist länger tot (Marcus Hausham Rosenmüller, Deutschland 2006)

http://www.kabeleins.de/film_dvd/filmlexikon/ergebnisse/index.php?filmnr=527154
http://imdb.com/title/tt0780180/

Der bayrische Lausbub Sebastian (Markus Krojer) lebt mit seinem Bruder und Vater Lorenz (Fritz Karl) auf einem Bauernhof in idyllischer Voralpenlandschaft. Die Mutter starb am Tag seiner Geburt, was ihm vor dem Hintergrund nicht weiter hinterfragter Volksfrömmigkeit und schwarzen Messen, die ihm aus erzieherischen Gründen des Nachts gelesen werden, große Schuldgefühle einflößt. Der Film wendet sich stets leichtfüßig dem Faszinosum erwachender Kinder mit dem Tod von Mensch und Tier zu, während nebenher in Gestalt der Lehrerin Veronika (Jule Ronstedt) eine nette Ersatzmutti gefunden zu werden scheint. Insgesamt ein recht unterhaltsamer und kindgerechter Film, aber aufgrund einigen Klamauks von eher unklarem Sinn.

 

Don’t Come Knocking (Wim Wenders, Deutschland/USA 2005)

http://www.kabeleins.de/film_dvd/filmlexikon/ergebnisse/index.php?filmnr=524734
http://imdb.com/title/tt0377800/

Der alternde Cowboyfilmstar Howard Spence (Sam Shepard) ist seines bislang in Suff und Sex vergeudeten Lebens überdrüssig und entflieht dem Set seines neuesten Films. Vom kernig korrekten Versicherungsdetektiv Sutter (Tim Roth) verfolgt, kommt er für eine Weile bei seiner ihm sichtlich entfremdeten Mutter (Eva Marie Saint) unter. Einem Hinweis von der folgend, fährt er weiter ins verschlafene Butte, Montana, um seine frühere Geliebte Doreen (Jessica Lange) und den dieser Liebschaft entsprungenen Sohn Earl (Gabriel Mann) nach 20 Jahren erstmals zu sehen. Kaum verwunderlich, daß ihm deren Herzen nicht zufliegen. Der zwischen obskurem Countryrock und der örtlichen Drogenszene im Zwielicht lebende Earl dreht vielmehr fast durch und wehrt sich gegen jegliche Vereinnahmung durch den abtrünnigen Vater. Gegen Ende des Films wird Howard wohl von Sutter gestellt, um zwangsweise an seinen Film-im-Film-Drehort zurückgeführt zu werden, es deutet sich aber eine Versöhnung mit Earl an. Als deren Katalysator wirkt die idealistische junge Sky (Sarah Polley), welche Howard mit der Urne ihrer Mutter im Arm durch die ganze Stadt nachgesetzt war, fest davon überzeugt, daß er auch ihr Vater ist

Für den, der Augen hat zu sehen, unzweifelhaft ein Vaterfilm, wenngleich der Hauptdarsteller dieser Rolle überwiegend keine Ehre gemacht hat. Ansonsten eine weitere Hommage von Wenders an die Orte, Farben und Menschen im amerikanischen Westen. Die von kristallklarem Licht durchfluteten, weiten Landschaften schmerzen wie immer vor Schönheit, und das Pionierstädtchen Butte mit seinen erd- und pastellfarbenen Fassaden wirkt im Grunde wie ein Meta-Charakter am Film mit. Mit seiner brillanten und ruhigen Kameraführung und dem melancholischen Softrock-Soundtrack schafft es Wenders erneut, die in den USA stets latent erkennbare Einsamkeit, Entfremdung und Gewalt auf erträgliche Ausmaße herunter zu brechen. Insofern gehört auch dieser Film zu der nicht ungefährlichen, weil süchtig machenden Kunstform des road movie.

 

Agnes und seine Brüder (Oskar Röhler, Deutschland 2004)

http://www.kabeleins.de/film_dvd/filmlexikon/ergebnisse/index.php?filmnr=523213
http://imdb.com/title/tt0389738/

Der Übervater in diesem Film, Günter Tschirner (Vadim Glowna), ein reich und zynisch gewordener Altrevoluzzer und Künstler, liegt wohl als ein kantiger Block im Leben seiner drei Söhne, ist aber an ihrem Alltagstreiben völlig desinteressiert. Sohn Hans-Jörg (Moritz Bleibtreu) startet den Film als sexbesessener Versager, der sich in seinem Job als Hilfsbibliothekar immerhin optisch an Studentinnenbeinen und -hinterteilen laben kann. Der älteste Bruder Werner (Herbert Knaup) lebt als "grüner" Politiker längst eine andere Lebenslüge. Ansehnlicher Wohlstand, gepflegte Völlerei und die von seiner entfremdeten Ehefrau Signe (Katja Riemann) angeführte Vorzeigefamilie haben ihn völlig von seinen Idealen getrennt, und auch seine Versuche, dem Vater und seinen Brüdern gegenüber den Leithammel zu spielen, scheitern kläglich. Ausgerechnet der Transvestit Agnes (Martin Weiß) erweist sich unterm Strich als das verbindende Element in dieser schwer geschädigten Familie, was indessen dem fatalen Filmausgang nicht im Wege steht.

Manche Ältere werden sich in Röhlers kleinem Meisterwerk ganz oder in Teilen erkennen und den Film dafür hassen; ich habe selten eine treffendere Analyse gewisser Lebenslügen der Post-68er-BRD gesehen als diese.

 

Das Wunder von Bern (Sönke Wortmann, Deutschland 2003)

http://www.kabeleins.de/film_dvd/filmlexikon/ergebnisse/index.php?filmnr=521213
http://www.imdb.com/title/tt0326429/

Die Geschichte des 3:2 der deutschen Fußball-Nationalelf über das damals für unschlagbar gehaltene ungarische Team, zusätzlich erzählt aus der Perspektive einer Essener Nachkriegsfamilie, in welcher das durch Krieg und Gefangenschaft im Inneren zerstörte frühere "Oberhaupt" (Peter Lohmeyer) keinen guten Stand hat, bis ihm sein jüngster Sohn (Louis Klamroth) klar macht, wie sehr er ihn als Vater braucht. Das Motto des Filmes lautet:
"Jedes Kind braucht einen Vater – Jeder Mensch braucht einen Traum – Jedes Land braucht eine Legende"

Gezeigt wird das Wohl und Wehe der bundesrepublikanischen Gründungszeit; heute würde eine solche Familie aufgrund der von außen hineinregierenden Interessen nicht als solche überleben.

 

Väter (Regie: Dani Levy, Deutschland 2002)

http://www.kabeleins.de/film_dvd/filmlexikon/ergebnisse/index.php?filmnr=519215
http://www.imdb.com/title/tt0299206/

Die Ehe eines Architekten (Sebastian Blomberg) zerbricht an beruflicher Überlastung und Kommunikationsmängeln zu seiner Frau (Maria Schrader). Dem in die Gewaltfalle getappten Mann wird der Sohn (Ezra-Valentin Lenz) im Kindergartenalter so gut wie weggenommen, weshalb er ihn in seiner Verzweiflung entführt. Erst ein Durchbrechen des juristischen Systems durch die geschiedenen Eheleute führt zu einer gewissen Verständigung im Kindesinteresse.

Die DVD enthält interessante Zusatzmaterialien zu den Verhaltensmustern in Trennungsdramen.

 

EUROPÄISCHE FILME

Das Genie und der Wahnsinn (Orig. Sprængfarlig bombe; Tomas Villum Jensen, Dänemark 2006)

http://www.kabeleins.de/film_dvd/filmlexikon/ergebnisse/index.php?filmnr=529460
http://imdb.com/title/tt0484368/

Der zu Gewaltausbrüchen, wenngleich nicht gegen seine Familie, sondern gegen Dritte und Sachen neigende Bauhofarbeiter Tonny Jensen (Ulrich Thomsen) sieht seine beiden bei der Ex-Frau lebenden, kleinen Kinder das erste Mal nach einem Gefängnisaufenthalt wieder. Weil der "Harry Potter"-Film ausverkauft war, führt er sie aus Verlegenheit in einen Film des reichlich durchgeknallten Regisseurs Claus Volter (Nikolaj Lie Kaas). Nach der unvermeidlichen Pleite fordert er vom Kinobesitzer rabiat sein Geld zurück, rastet später auch Volter gegenüber aus und schleicht sich als Statist in dessen Nachfolgefilm ein. Wegen eines Setunfalls kommt es zu einer aufgezwungenen Zusammenarbeit, in deren Rahmen Volters nächster "Kunstfilm" von Tonny in ein Ballerstück umgeschrieben wird. Zur Fassungslosigkeit von Claus wird der Ex-Knacki dabei zum Darling in Kopenhagens Cineastenkreisen, was auch die Ex-Frau dermaßen beeindruckt, daß sie sich der Wiederaufnahme von Tonnys Kindesumgang nicht mehr verweigert.

Inhaltlich nicht immer plausible, doch sympathisch schräge Satire auf das Avantgarde-Filmtreiben, in direkter skandinavischer Machart, aber nicht ohne Tiefenschärfe gedreht.

 

Keine Sorge, mir geht's gut (Orig. Je vais bien, ne t'en fais pas; Philippe Lioret, Frankreich 2006)

http://www.kabeleins.de/film_dvd/filmlexikon/ergebnisse/index.php?filmnr=528512
http://imdb.com/title/tt0485241/

Die 19-jährige Elise ("Lili"; Mélanie Laurent) kehrt nach einem Austauschjahr in Spanien zurück ins gepflegte Reihenhaus ihrer Eltern im Umland von Paris, nur um festzustellen, daß ihr Zwillingsbruder Loic nicht mehr dort ist. Die Eltern teilen ihr mit, er sei nach einem heftigen Streit mit seinem Vater Paul (Kad Merad) abgehauen und selbst die Polizei habe ihn bisher nicht ausfindig gemacht. Lili versucht sofort, ihren Bruder über sein Handy zu erreichen, und vor allem ihren Vater bohrend nach den Einzelheiten des Familienkonflikts zu befragen. Aus Bestürzung sowohl über das Schweigen des ihr an Sensibilität gleichenden Bruders als auch über die anscheinende Indifferenz ihrer Eltern verweigert sie schließlich jegliche Nahrungsaufnahme, muß ihre Fachhochschulausbildung aufgeben und landet in der geschlossenen Psychiatrie. Erst ein Brief ihres Bruders läßt sie wieder Lebensmut schöpfen. Sie kehrt zu ihren Eltern zurück und verdingt sich weit unter ihren Fähigkeiten als eine Supermarktkassiererin. Die Briefe von Loic berichten davon, daß er als Straßenmusiker in Nordfrankreich herumzieht und wie froh er darüber ist, seinem spießigen Vater entronnen zu sein. Lili reist schließlich an verschiedene Absendeorte, an denen sie Loic aber jeweils verfehlt. Der Film nimmt nun gleich mehrere dramatische Wendungen, in deren Verlauf sich Vater und Tochter erstmals ohne Masken anzusehen lernen und dadurch eine belastbare Anschauung ihrer Zusammengehörigkeit entwickeln

Das feinfühlig inszenierte Psychogramm einer Mittelschichtfamilie; interessant dabei der selbst bei Streit in solcherart Kreisen Frankreichs anscheinend noch vorauszusetzende Kern an Höflichkeit im Umgang.

 

5x2 (Orig. Cinq fois deux, François Ozon, Frankreich 2004)

http://www.kabeleins.de/film_dvd/filmlexikon/ergebnisse/index.php?filmnr=523215
http://imdb.com/title/tt0354356/

Ein Paar lernt sich im Urlaub kennen, heiratet, bekommt ein Kind, es kriselt, nach fünf Jahren wird die Ehe geschieden. Diese in fünf Szenen gegliederte Filmnovelle aus dem Frankreich von heute, ein kleines Meisterwerk in der Tradition von Truffaut und Rohmer, zeigt die Banalität des Scheiterns von Partnerschaften im Post-Patriarchat. Es werden so gut wie keine lauten Worte und kaum Streit zwischen Marion (Valeria Bruni-Tedeschi) und Gilles (Stéphane Freiss) gezeigt. Ihre äußerlich unbedrohte Beziehung wird vielmehr vor den Augen des Filmzuschauers durch eine Summe von kleinen Lügen und Mißverständnissen, durch die Feigheit und den Gefühlskrampf des Alltags zerstört. Der Clou dieses ruhig dahinfließenden Films ist die gegenchronologische Montage seiner fünf Schlüsselszenen, die einen in versöhnlicher Weise von der lähmenden Trauer vor dem Scheidungsrichter mit zurück nimmt zum Beginn der Liebe vor der tiefstehenden Abendsonne Italiens, von wo übrigens auch die zumeist aus Schlagerklassikern bestehende, gefühlige Filmmusik stammt. Die Pointe setzt die äußerst haltbare Filmehe der Schwiegereltern des Bräutigams (Françoise Fabian, Michael Lonsdale) trotz deren fast täglichen und öffentlichen Zoffs.

 

Wie im Himmel (Orig. Så som i himmelen, Kay Pollak, Schweden, 2004)

http://www.kabeleins.de/film_dvd/filmlexikon/ergebnisse/index.php?filmnr=525055
http://imdb.com/title/tt0382330/

Der schwächliche Daniel wird von seiner jung verwitweten Mutter als Geigenvirtuose gefördert und späterhin ein international gefeierter Dirigent (Michael Nyquist), bis ein Herzinfarkt seine Karriere ziemlich früh wieder beendet. Offenbar einer ungestillten Sehnsucht folgend, zieht es ihn in seine Heimat in tiefster schwedischer Provinz zurück. Sein Versuch, dort ein Eremitenleben in der leerstehenden Volksschule zu führen, scheitert bald an gut gemeinten Zudringlichkeiten der ortsansässigen "Rednecks". Angelockt vom umtriebigen Ladenbesitzer Arne (großartig gespielt von Lennart Jähkel), läßt sich Daniel als Leiter des redlich bemühten, aber glanzlosen Kirchenchors anstellen. Dort ist eine bunte Mischung an Leuten versammelt, von denen viele auf irgendeine Weise vom Leben enttäuscht wurden. Es kommt, wie es dramaturgisch kommen muß: Daniel reißt seine Dorfgenossen aus ihrer Lethargie und Unkonzentriertheit, zwingt sie zum Hören auf sich selbst und führt sie schließlich zu kraft- und freudvoller Polyphonie. Scheinbar nebenbei entsteht trotz gelegentlich aufbrechender unterschwelliger Konflikte eine sich gegenseitig helfende und stützende Gemeinschaft, in welcher Daniel dank der kontaktfreudigen Supermarktkassiererin Lena (Frida Hallgren) endlich die ihm als Kind amputierten Fähigkeiten und Gefühle entwickeln kann. Nicht nur dem brutalen Schläger Conny (gut: Per Moberg), sondern auch dem bigotten Ortspfarrer Stig (Niklas Falk muß hier leider eine etwas überzeichnete Figur spielen) dämmert es, daß sich ihre Frauen durch den Chor von ihnen entfremdet haben. Die hieraus folgenden Zuspitzungen werden überwunden, der Chor fährt zu einem Wettbewerb nach Österreich, wo die Handlung für alle Akteure eine so befreiende wie tragische Schlußwendung nimmt. Sie allein adelt das Werk für diese Vaterfilm-Sammlung.

Ein anrührender und dramatischer Film, der entfernt an Vilsmaiers "Schlafes Bruder" erinnert. Stellenweise wünscht man sich allerdings mehr von einer Komödie. Manche Längen des Films stören ebenso wie gewisse Unplausibilitäten in Bezug auf seine zeitliche Ansiedlung im modernen Schweden.

 

Das Leben ist schön (Orig. La vita e bella, Roberto Benigni, Italien, 1997, Oscar)

http://www.kabeleins.de/film_dvd/filmlexikon/ergebnisse/index.php?filmnr=509059
http://imdb.com/title/tt0478311/

Ein jüdischer Buchhalter (Benigni) im Italien der Weltkriegszeit wird mit seiner Familie deportiert. Er "verkauft" seinem kleinen Sohn (Giorgio Cantarini) das Konzentrationslager als ein spannendes Spiel und ermöglicht ihm nur so das Überleben ohne Trauma.

Der Film ist auch eine tröstende Parabel für die Phantasiewelten, welche kleine Kinder überwiegend von ihren Vätern zu erhalten wünschen (vgl. auch den Film "Big Fish").

 

FILME AUS ÜBERSEE

Swing Vote (Joshua Michael Stern, USA 2008)

http://www.imdb.com/title/tt1027862

Molly Johnson (Madeline Carroll) ist für eine 12-Jährige sehr aufgeweckt, was man von ihrem alleinerziehenden Vater Bud (Kevin Costner) nicht behaupten kann, der sich nur dank regelmäßiger Bierbarbesuche, Fernsehkonsum und gelegentlicher Angelausflüge mit der Trennung von Mollys drogensüchtiger Mutter und seinem miserablen Hilfsarbeiterjob in einem Provinznest in New Mexico abfindet. Angestoßen durch ein Schulprojekt schleicht sich Molly an der Stelle ihres politisch desinteressierten Vaters zur Wahlmaschine. Durch einen technischen Defekt wird „seine“ Stimme nicht gezählt und er später als nachwahlberechtigt identifiziert. Die Pointe dabei ist, daß diese einzige Stimme über das Wahlmänner(und frauen…)-Kommittee des Swing State New Mexico und damit über die Präsidentschaftswahl entscheidet! Die Folge ist eine aberwitzige Prozession aller internationalen Medien, des (im Film) amtierenden US-Präsidenten (Kelsey Grammer) und seines progressiven Konkurrenten (Dennis Hopper!), um Bud mit allen möglichen Verlockungen und Versprechungen aus seinem Wohnanhänger heraus auf ihre Seite zu ziehen.

Zur Abwechslung mal wieder eine nur leicht hintersinnige Komödie, mit einem süßen Papaliebling als junger Hauptdarstellerin.

 

Zurück im Sommer (Orig. Fireflies in the Garden, Dennis Lee, USA 2008)

http://www.kabeleins.de/film_dvd/filmlexikon/ergebnisse/index.php?filmnr=531617
http://www.imdb.com/title/tt0961108

Der Schriftsteller Michael Waechter (Wayne Reynolds) ist genauso zynisch und selbstbezogen geworden wie sein dominanter Vater Charles (Willem Dafoe), zu dessen seelischen Grausamkeiten der Film mehrmals erklärend zurückblendet. Eine geplante Familienfeier mündet in einer Beerdigung, weil Michaels Mutter Lisa Waechter (Julia Roberts, vor allem in den Rückblenden) unangeschnallt in die Wagenscheibe knallt, nachdem ihr zu schnell fahrender Mann Charles seinem darüber späterhin vor Schuldgefühlen fast zerbrechenden Neffen Christopher Lawrence (Chase Ellison) nahe von dessen Elternhaus ausweichen mußte. Charles’ Rücksichtslosigkeit scheint seit jeher charakteristisch für diese dysfunktionale Familie. Leider verliert sich der Film danach in einer inkonsistenten Mischung aus Mobbings, zwischen Michael und seinem Vater sowie seiner eher wie eine Schwester zu ihm stehenden, jungen Tante Jane Lawrence (Emily Watson). Obwohl Michael in einem persönlich anrührenden Akt des Vergebens ein kurz vor dem Druck stehendes Manuskript, welches seine literarische Abrechnung mit dem Vater werden sollte, heimlich verbrennt, fehlt es der danach beim Schauen alter Super-8-Filme besiegelten Aussöhnung aller mit allen doch an Plausibilität.

 

Ein einziger Augenblick (Orig. Reservation Road, Terry George, USA 2007)

http://www.kabeleins.de/film_dvd/filmlexikon/ergebnisse/index.php?filmnr=531149
http://www.imdb.com/title/tt0831884/

Das Aufeinandertreffen zweier Mittelschichtväter im beschaulichen Neuengland, in dem es weniger um Elternschaft geht als um Schuld, Rache und Vergebung. Der Literaturprofessor Ethan Lerner (Joaquin Phoenix) ist mit seiner Frau Grace (Jennifer Connely) und den beiden Kindern auf dem Nachhauswege von einer Party. Ähnliches trifft auf den geschiedenen Rechtsanwalt Dwight Arno (Mark Ruffalo) zu, der mit seinem Sohn Lucas (Eddie Alderson) von einem Baseballspiel aus Boston zurückfährt. Dessen Mutter Ruth Wheldon (Mira Sorvino) hat schon mehrmals zornig am Handy angerufen, weil die beiden sich wegen einer Spielverlängerung über die gerichtlich geregelte Umgangszeit verspätet haben. In dieser Situation passiert dem in seiner Angefochtenheit auch sonst unsicher und überfordert auftretenden Dwight ein verhängnisvoller Unfall. In einer Kurve kommt Dwight mit dem Wagen von der Straße ab und fährt Josh an, den Sohn der Learners, der dort bei einem Tankstellenhalt den Wagen verlassen hatte. Während der Junge auf der Stelle tot ist, macht Dwight seinen schwersten Fehler und begeht Fahrerflucht. Im folgenden stellt der Film die Trauer und Verzweiflung der Learners der Zermürbung und Hilflosigkeit des Todesfahrers gegenüber, und zwar so differenziert, daß aus dem „Monster“ allmählich ein Mensch wird. Ethans Leben und Ehe geraten unterdessen völlig aus den Fugen. Verbittert über die Erfolglosigkeit der Polizeifahnder, versucht er, die Sache selber in die Hand zu nehmen. Durch einige, wenngleich filmisch nicht unbedingt plausibel entwickelte Zufälle kommt Ethan hierbei Dwight bis auf Tuchfühlung nahe, was zu einer verhängnisvollen Kettenreaktion der Ereignisse führt.

 

Ein Nachbar zum Verlieben (Orig. The Neighbor, Eddie O’Flaherty, USA 2007)

http://http://www.kabeleins.de/film_dvd/filmlexikon/ergebnisse/index.php?filmnr=531599
http://www.imdb.com/title/tt0978670

Die aus Frankreich in die USA umgesiedelte Projektentwicklerin Christine (Michele Laroque) wäre mit ihrem ebenso karrierefixierten Freund Jonathan (Ed Quinn) in Los Angeles auch privat glücklich, wenn ihr chaotisch trotteliger Oberlieger Jeff (Matthew Modine), ein nur mäßig erfolgreicher Architekt und Maler, dem Powerpaar nicht durch ständige Unachtsamkeiten auf die Nerven ginge. Jeffs Wohnung war Christine einst als Erweiterung ihres Luxusapartments in Aussicht gestellt worden, doch dieser denkt gar nicht ans Ausziehen. Aus der von deftigen Rüpeleien und erfolglosen Entschuldigungsversuchen in beiden Richtungen begleiteten Intimfeindschaft der Hausnachbarn entwickelt sich in unterhaltsamer, aber wenig plausibler Weise schließlich die vorhersagbare Romanze. Jeffs latente Aggressionen haben nämlich nur mit seiner Einsamkeit und Enttäuschung über die Trennung von seiner Frau zu tun. Die heiratet zu allem Überdruß seinen besten Ex-Freund, und die ihm sehr zugetane Tochter Ally (Gina Mantegna) wird auch langsam flügge.

Diese Verwicklungskomödie wäre hier keiner Erwähnung wert, wenn in ihr nicht eine überzeugend gespielte, wohl depressiv grundierte, aber letztlich doch stützende Vater-Tochter-Beziehung mitliefe.

 

Unter der Sonne Australiens (Orig. Romulus, My Father; Richard Roxburgh, Australien 2007)

http://www.kabeleins.de/film_dvd/filmlexikon/ergebnisse/index.php?filmnr=531922
http://www.imdb.com/title/tt0462023/

Der Film beschreibt einen etwa vierjährigen Ausschnitt aus der Kindheit des australischen Philosophen Raimond Gaita. Der Junge (eindringlich dargestellt von Kodi Smit-McPhee) war mit seinem Vater Romulus (Eric Bana), einem aus Jugoslawien stammenden Rumänen und seiner deutschen „Mutti“ Christina (Franka Potente) aus dem darniederliegenden Nachkriegseuropa nach Victoria, Australien, ausgewandert. Dort sind die wirtschaftlichen Verhältnisse jedoch auch nicht besser. Unterm Glanz einer ewigen Sonne hart arbeitend, sind die entwurzelten Einwanderer mit ihren Problemen meist alleine. Raimonds Mutter, die zwischen Affären und Depressionen changiert, lebt nicht mehr bei ihrem Mann Romulus, ihr Sohn sieht sie nur zu Besuchen. Sein Vater verbirgt die Verzweiflung hinter den Alltagsgeschäften, läßt sich zwar nicht von Christina scheiden, hofft aber dem Rat seines Bruders Hora (Marton Csokas) zufolge, eine rumänische Braut aus Europa nachholen zu können. Christina liiert sich schließlich mit Horas Freund Mitru (Russel Dykstra), bekommt eine Babytochter und zieht in die Nähe von Romulus und Raimond. Trotz der Akzeptanz dieser neuen Beziehung und nachbarschaftlicher Hilfe stabilisieren sich die Verhältnisse nicht, es kommt zu Gewalt und Entfremdung. Raimond, der inzwischen eine Oberschule besucht, distanziert sich dort endgültig von seiner wankelmütigen und derangierten Mutter. Kurz darauf wird auch sein Vater nervenkrank, nachdem sich die ersehnte Braut als Heiratsschwindlerin herausgestellt hat. Raimond gibt ihn dennoch nicht auf, was Romulus schließlich aus der Nervenheilanstalt herauskommen läßt, um anderswo im Lande einen Neubeginn mit seinem Sohn zu wagen.

Die Unverbrüchlichkeit dieser Vater-Sohn-Beziehung in einer verstörenden Umwelt wird zwar aus der Perspektive von Raimond überzeugend herübergebracht, aber durch die teils an der Grenze zur Verwechselbarkeit spielenden Erwachsenendarsteller des Romulus, Hora und Mitru und deren unrealistisch dauermiserabel angelegtes, filmisches Leben wieder etwas kompromittiert.

 

Krass (Orig. Running With Scissors; Ryan Murphy, USA 2006)

http://www.kabeleins.de/film_dvd/filmlexikon/ergebnisse/index.php?filmnr=528108
http://www.imdb.com/title/tt0439289

Augusten Burroughs ist das einzige Kind aus der desolaten Ehe zwischen dem alkoholabhängigen Norman (Alec Baldwin) und der überspannten Poetin Deirdre (Anne Bening). Die Mutter bedient sich seiner seit Kindesbeinen (Jack Kaeding) als Trost für ihre private und berufliche Misere, der sensible Junge ist aber auch nicht bereit, den so problematischen wie distanzierten Vater preiszugeben. Im Alter von 14 Jahren (Joseph Cross) kommt es dennoch zur Trennung, der Vater verschwindet vorhersagbar aus Augustens Leben. Die Mutter kommt aber auch nach der Trennung nicht mit ihrem Leben und demjenigen des schuleschwänzenden und zusehends effeminierten Sohns zurecht. So gerät sie in Abhängigkeit zu dem selber exzentrischen Nervenarzt Dr. Finch (Brian Cox), der einer aus seiner depressiven Frau (Jill Clayburgh) und den überdrehten und regressiven Töchtern Hope (Gwyneth Paltrow) und Natalie (Evan Rachel Wood) bestehenden Familie als zynischer Patriarch vorsteht. Völlig problemlos überredet Finch die zuverlässig therapieresistente Deirdre dazu, daß sie ihn Augusten adoptieren läßt, aber nur, weil die Pflegegeldzahlungen für den schwierigen Jungen den Räumungsbescheid seiner Hypothekenbank hinauszögern. Die Beköstigung in dieser freudschen Version der Addams Family kann schon mal aus Fischstäbchen an Trauben oder Hundefutter mit Sedativa bestehen, und nicht selten sind auch große Teile des Hausrats auf den Rasen vor dem rosafarbigen Säulenportiko-Anwesen ausgelagert. Während Augusten seine Homosexualität mit Finchs anderem Adoptivsohn, dem manischen Neil Bookman (Joseph Fiennes) entdeckt, gewinnt er Vertrauen zur flippigen Natalie, die ihm den Ausstieg aus dem völlig verrückten Ersatzfamilienpanoptikum anbahnt.

Der Film zeichnet sich in einem Grenzgang zwischen schwarzer Komödie und Melodram durch brillante darstellerische Leistungen aus. Am bemerkenswertesten ist aber, daß sein Drehbuch auf der Biographie des realen Augusten Burroughs in den 70er-Jahren beruht. Im Abspann ist daher die weitere Entwicklung der wirklichen Akteure nachzulesen, und da war es angeblich so, daß Augusten späterhin wieder Kontakt zu seinem Vater bekam, seine Mutter aber nicht mehr gesehen hat.

 

Beim ersten Mal (Orig. Knocked Up, Judd Apatow, USA 2006)

http://www.kabeleins.de/film_dvd/filmlexikon/ergebnisse/index.php?filmnr=529206
http://imdb.com/title/tt0478311/

Unwahrscheinlicher als in dieser Filmkomödie könnte das Gelingen einer Partnerschaft nicht angelegt sein. Die karriereorientierte und gut aussehende Fernsehmoderatorin Alison (Katherine Heigl) läßt sich in der Disko mit der Einstellung einer Vierzehnjährigen auf den reichlich unterdurchschnittlich aussehenden und so gut wie mittellosen Computerdeppen Ben (Seth Rogen) ein. Die durch beider Vollrausch beflügelte Liebesnacht wird in dramaturgisch vorhersehbarer Art von Alisons Schwangerschaft gekrönt. Irgendwie schafft sie es dann, ihren Babybauch bis durch den siebten Monat zu kaschieren, nur um glücklich zu erfahren, daß Schwangerschaften gerade "in" seien und sie problemlos weiter vor der Kamera agieren könne. Das ist natürlich nicht die Story, sondern diese setzt nach dem Schwangerschaftstest ein, als Alison empört Kontakt mit Ben aufnimmt, der ihn aber, zum Erstaunen der ebenfalls meist zugekifften Mitbewohner seiner Softporno-Heimfirma, wahrnimmt und halb verwundert, halb geschmeichelt versucht, sich in die gepflegte Mittelstandswelt von Alison und ihrer im Nachbarhaus lebenden, beflissen überspannten Schwester Debbie (Leslie Mann, in der m.E. einzig überzeugenden Rolle des Films) einzufügen. Es folgt ein Auf und Ab von Streit und Nähe, eingewickelt in die wohl komödiantisch, aber sachlich recht zutreffend gespielte Lebenswelt überraschter Ersteltern mit den ganzen Stimmungsschüben, körperlichen Beschwerden, Frauenarztterminen, Geburts- und Wohnungsvorbereitung und den Versuch einer Antwort auf die drängendste Frage für viele Amerikaner, nämlich der nach dem Sex in der Schwangerschaft. Das Gelingen der Geburt hängt schließlich in kritischer Weise von dem in seine Vaterrolle hinein gereiften Ben ab, und so, wie es aussieht, sollen sie dann glücklich leben bis ans Ende ihrer Tage…

Den letzten Worten entnimmt man die Enttäuschung über dieses ganz offensichtlich auf Hollywoods Reißbrett für neue Zielgruppen wie zauselige Internetfreaks oder medial verblödete Jungweibchen entworfenen Traktats. Dabei hätte der Film mit etwas plausibleren Ansätzen eine Ehrenrettung des "Faschingsprinzen" transportieren können. Sehenswert ist allenfalls die Parallelgeschichte von Debbies hochnervöser Ehe, auch wenn man sich fragt, wieso ein Dutzendtyp wie Ben gleichzeitig von denen und seiner Freundin ausgehalten wird und trotzdem noch ständig eine dicke Lippe riskieren kann. Und den Film mit aufgeklärten Kindern anzuschauen, empfiehlt sich trotz lehrreicher Passagen wegen der durchgehend saftigen Gossensprache leider auch nicht.

 

Brokeback Mountain (Ang Lee, USA 2005)

http://www.kabeleins.de/film_dvd/filmlexikon/ergebnisse/index.php?filmnr=525987
http://imdb.com/title/tt0388795/

Nach "Shipping News" (s.o.) die zweite Verfilmung eines Romans von E. Annie Proulx. Bei diesem in den einsamen Landschaften des nordamerikanischen Westens verläßlich inszenierten Melodram geht es vorder-gründig um die seinerzeit (in den 60er-Jahren) nicht tolerierte, homosexuelle Beziehung der beiden Cowboys Ennis (Heath Ledger) und Jack (Jake Gyllenhaal). Leider wird sie reichlich unglaubhaft gespielt; denn mehr als Ringkämpfe und Schweißperlen konnte Mainstream Hollywood seinen Darstellern hier nicht zumuten bzw. abverlangen. Für diese Filmographie interessant wird die Handlung erst mit der schon länger geplanten Filmheirat des Ennis. Unter den wirtschaftlichen Zwängen seiner bodenständigen Ehe agiert er selbst als scheinbar zerrissener Familienvater im Grunde authentischer als in den alljährlich vorgeschobenen Anglerpicknicks mit dem vertrauten Zeltgefährten aus den Rockies. Jack hat sich inzwischen auch, wenngleich eher zufällig, mit einer reichen Texanerin auf eine Ehe eingelassen, welche indessen rasch erkaltet. Und damit wird er zur tragischen Figur des Films; denn Ennis kann aus Verantwortung seinen Kindern gegenüber den immer drängenderen Forderungen von Jack fast zwanzig Jahre lang nicht wirklich nachgeben, obwohl seine Ehe bereits im Schulalter der beiden Töchter an melancholischer Entfremdung gescheitert ist. Ennis zieht sich dann in die seinem Beruf eigene Einsamkeit zurück, wird aber von seinen Kindern einfach nicht fallengelassen. Insbesondere die Beziehung zu seiner älteren Tochter Alma, jr. (in verschiedenen Altern gespielt von Kenna Dubé, Sarah Hyslop, Cheyenne Hill und Kate Mara) entwickelt gegen alle Regressionsabsichten des Vaters eine anrührende Zugetanheit, während Jack, dem dieser Halt offensichtlich fehlt, eine sexuelle Exkursion zum Verhängnis wird.

 

Broken Flowers (Jim Jarmusch, USA 2005)

http://www.kabeleins.de/film_dvd/filmlexikon/ergebnisse/index.php?filmnr=524831
http://imdb.com/title/tt0412019/

Don Johnston (wie in einem nicht endenden Slapstick gespielt von Bill Murray) erhält kurz nach dem Laufpaß seiner derzeitigen Freundin (Julie Delpy) einen anonymen Brief mit der Offenbarung, er sei seit langem Vater eines Sohnes. Dies bringt ihn auf eine unsentimentale Reise zu insgesamt vier früheren Geliebten (Sharon Stone, Frances Conroy, Jessica Lange, Tilda Swinton) in ihren materiell wohl verschiedenen, aber emotional jeweils gleich abgestumpften Milieus der amerikanischen Mittelschicht. Der hölzern und stereotyp auftretende Hauptakteur blitzt aber dort mit seinem Ansinnen stets ab. Durch statuarische Kamerapositionen und lange Dunkelschnitte macht der Film die verpfuschten Lebensentwürfe jenes Vorstadt-Don-Juan fast körperlich spürbar.

Zum Vaterbild bleibt nur der Eindruck hängen, daß es halt auch verantwortungsscheue Exemplare gibt.

 

Deine, meine, unsere Kinder (Orig. I Do, They Don’t; Raja Gosnell, USA 2005)

http://www.kabeleins.de/film_dvd/filmlexikon/ergebnisse/index.php?filmnr=529756
http://imdb.com/title/tt0443295/

Die Belanglosigkeit dieser sog. Familienkomödie wird allein dadurch abgemildert, daß sie Kindern unter Umständen gefallen mag. Der Admiral der US-Küstenwache Frank Beardsley (Dennis Quaid) trifft seine inzwischen ebenfalls verwitwete Flamme aus der High School Helen North (René Russo), jetzt Handtaschendesignerin. Sie fusionieren ihre Familien ohne Bedenkzeit zu einem Patchwork im Großformat; denn Frank bringt acht Kinder ein und Helen sogar 10, wovon sechs sichtlich multikulturell adoptiert sind. Ein altes Riesenhaus mit Meerblick ist schnell gefunden, in dem sich dann vorhersagbare Slapstickturbulenzen zwischen den inkompatiblen Teilfamilien entspinnen. Während Frank seine Kinder im Minutentakt herumkommandiert und aus dem Hausbezug eine paramilitärische Übung zu machen gedenkt, überläßt Helen das meiste dem kreativen Chaos und versucht Konflikte mit Großgruppenumarmungen zu bereinigen. Die ungleiche Kinderschar lanciert einen Sabotageplan, der die ungeliebte Ehe fast kippt, entwickelt aber letztlich durch diese Kooperation das ihr vorher fehlende Zusammengehörigkeitsgefühl.

Der Film ist das darstellerisch äußerst flach gehaltene Remake eines gleichnamigen Vorläufers von 1968, der dank der gereiften Schauspielertalente von Henry Fonda und Lucille Ball seinerzeit in der Kritik nicht durchfiel. Trivialsoziologen dürften beim Vergleich reichlich Quellenmaterial zum gewandelten Kanon von Familienwerten und politischen Korrektheiten vorfinden. Dem neueren Stück besonders abträglich ist die penetrant sichtbare Hand der Filmabteilung des Pentagon.

 

Krieg der Welten (Orig. War of the Worlds, Steven Spielberg, USA 2005)

http://www.kabeleins.de/film_dvd/filmlexikon/ergebnisse/index.php?filmnr=524451
http://imdb.com/title/tt0384810/

Diese Fassung des x-fach vertonten und verfilmten Science-Fiction-Klassikers nach dem Buch von H.G. Wells ist doch tatsächlich um einen Trennungsvater aufgebaut! Gleich zu Beginn bekommt nämlich der New Yorker Arbeiter Ray Ferrier (Tom Cruise) seine beiden Kinder von der Mutter (Miranda Otto), die von ihrem nächsten Mann wieder schwanger ist, zum Wochenendumgang gebracht. Zufällig bricht dann auch der Ausrottungskrieg außerirdischer Invasoren gegen die gesamte Menschheit los. Unser Held tut natürlich ein übriges, indem er, so korrekt und deeskalierend, wie es ihm von Regisseur Spielberg im Tumult zugestanden wird, stets nur seine Kinder schützt und schließlich in Sicherheit bringt. Das ist schwierig genug, ist doch die kleine Tochter Rachel (Dakota Fanning) eine völlige Hysterikerin, der halbwüchsige Sohn Robbie (Bruce Chatwin) ein arg störrischer Bursche, was natürlich keinesfalls auf ihre Patchworkfamilie projiziert wird. Die Probleme, die ich mit dem Film habe, beginnen genau hier, indem ihr leiblicher Vater im Film zum Abziehbild feministischer Halbwahrheiten gemacht wird. Folglich ist seine Wohnung ein Chaos, das den Straßenzustand nach den Tripodenkämpfen im Kleinen vorwegnimmt, und in seinem Kühlschrank finden sich nur saure Milch und Barbecuesoßen. Als Fluchtpunkt der Kinder dient natürlich allein der jeweilige mütterliche Aufenthaltsort, bei deren Eltern in Boston der Film mit einer Rückübergabeszene endet, die jeden vom Matriarchat beseelten Richter und Sozialpädagogen in Deutschland rühren mag.

Der Film kann also nur den hartgesottenen SciFi-Fans unter den Vätern empfohlen werden.

 

Reine Familiensache (Orig. The Thing About My Folks, Raymond DeFelitta, USA 2005)

http://www.kabeleins.de/film_dvd/filmlexikon/ergebnisse/index.php?filmnr=526853
http://imdb.com/title/tt0429177/

Das harmlose Familienleben von Ben Kleinman (Paul Reiser) wird eines Abends gestört, als sein Vater Sam aufkreuzt (Peter Falk, wie immer überzeugend kauzig). Wie es sich herausstellt, wurde der nach 47 Jahren Ehe von seiner Frau verlassen. Auf einer gemeinsamen Ausfahrt erfüllt sich Sam nach dem Ausfall von Bens Auto seinen Jugendtraum und ersteht einen 1936er Ford-Oldtimer. Es kommt zu einem undramatischen Getaway durch den in herbstbunten Farben erglänzenden nördlichen Staat New York und zu deftigen Männergesprächen über Gott und die Welt. Indem sie auch über das reden, was Sams Frau so unglücklich machte, kommen sie sich als Vater und Sohn so nahe wie nie zuvor.

Zu den Schwächen des ansonsten recht unterhaltsamen Films zählt das banale happy end.

 

Thank You For Smoking (Jason Reitman, USA 2005)

http://www.kabeleins.de/film_dvd/filmlexikon/ergebnisse/index.php?filmnr=526905
http://imdb.com/title/tt0427944/

Nick Naylor (Aaron Eckhart) ist der Prototyp des scheinbar oberflächlichen, smarten Lobbyisten, der sich in Talkshows, Pressekonferenzen und Hearings unverzagt, charmant und gewieft für die Belange der Tabakindustrie und die Vorzüge des Rauchens einsetzt. Als geschiedener Wochenendvater kann er es nicht immer vermeiden, seinen vorwitzigen Sohn Joey (Cameron Bright) auf diverse Kampagnen mitzunehmen. Die halbherzigen Versuche der Mutter des Kindes, hieraus den Honig einer schädigenden Einflußnahme zu ziehen, prallen jedoch an Joeys Realitätshunger ab, lernt der Junge doch von seinem Vater, wie man sich selbst aussichtslosen Situationen durch Flexibilität und unwiderlegbare Argumente erfolgreich stellen kann. Und so präsentiert der Film nicht nur eine urkomische Satire auf das politische Geschäft in den USA, sondern auch ein Lehrstück für die Erziehung durch Nichterziehung. Und in beiden Handlungssträngen verwandelt sich der anfängliche Fiesling Nick schließlich zum Helden des Alltags.

 

The Weather Man (Gore Verbinski, USA 2005)

http://www.kabeleins.de/film_dvd/filmlexikon/ergebnisse/index.php?filmnr=526022
http://imdb.com/title/tt0384680/

Ein abgründiges Zerrbild des amerikanischen Traums. David Spritz (Nicholas Cage) ist Fernseh-Wetteransager, im Film nur einen berüchtigt brutalen Winter in Chikago lang. Obzwar ein Ahnungsloser im Gebiet der Meteorologie, kann er dank seines Gutelaunenspiels vor der Kamera sehr gut Sendezeit verkaufen. Eingebracht hat es ihm, daß er in der Stadt ständig mit Resten von Fast Food Mahlzeiten beworfen wird, dem running gag des Films. Parallel dazu ist seine Familie implodiert. Vom eigenen Vater (Michael Caine), einem Pulitzer-Preisträger, zutiefst verachtet, ist Dave infolge seiner Borniertheit auch unfähig, seine ihm eigentlich noch zugetane Frau Noreen (Hope Davis) wiederzugewinnen oder seinen Kindern mehr zu bedeuten als ein zerstreuter Wochenendvater. Kein Wunder, daß sie das klassische Spektrum an Trennungssymptomen angenommen haben. Die Tochter Sally (Gemmene de la Peña) ist fettleibig und Mobbingopfer ihrer Mitschüler, der Sohn Mike (Nicholas Hoult) hat schon eine kurze Drogenkarriere hinter sich, und nun macht sich sein Sozialarbeiter sexuell an ihn heran. Bei aller Mühe, die sich der "Wettermann" privat und beruflich gibt, bleibt er letztlich so flach wie der Bildschirm, von dem er lebt. Immerhin, die amerikanische Maxime "Versuche es doch wenigstens!" funktioniert dann in Ansätzen bei den Trennungswaisen und erst recht bei Dave selber, der seinem Vater vor dessen Tod noch mit dem Aufstieg, zum dreifachen Gehalt, in eine landesweite Morgenshow aus New York ("ausgerechnet", würden Chikago-Kenner hier sagen…) zu imponieren vermag. Was bleibt, ist ein ratloser und sympathischer Alltagsheld und die Gewißheit, daß es selbst im Trivialen genügend Probleme ohne Lösung gibt.

 

Jersey Girl (Kevin Smith, USA 2004)

http://www.kabeleins.de/film_dvd/filmlexikon/ergebnisse/index.php?filmnr=523478
http://imdb.com/title/tt0300051/

Der Presseagent Ollie (Ben Affleck) ist in die Ehe mit Gertrude gestolpert (Jennifer Lopez spielt zum Glück so oberflächlich und kurz wie ihre damalige Beziehung zu Affleck). Statt des "Härtestests" beim gemeinsamen Aufziehen der Tochter Gerti stirbt die Mutter bei deren Geburt an einem Arterienriß. Das zwingt Ollie, aus New York zu seinem ebenfalls verwitweten Vater (George Carlin) nach New Jersey umzuziehen. Anfangs übernimmt dieser die Versorgung des Babys, während Ollie seinen Verlustschmerz in Arbeit ertränkt. Als er sich doch einmal um Gerti kümmern muß, mißrät ihm ein PR-Termin so gründlich, daß er gefeuert wird. In einem eindrucksvollen Dialog mit dem Baby nimmt er es schließlich als seinen Lebensmittelpunkt an und schraubt dazu seinen Lebensstandard auf den eines Gemeindearbeiters im Bautrupp seines Vaters zurück. Der Film springt dann ins siebte Lebensjahr des munteren Mädchens (Raquel Castro) und zeichnet episodisch das ereignisarme, aber freudvolle Leben des alleinerziehenden Vaters nach. Seine Bekanntschaft zur Videothekenangestellten Maya (Liv Tyler) wirkt indessen weniger plausibel als der Wunsch seines eigenen Vaters, mit ihm und der Enkelin zusammen zu leben. Der Film stellt dem heutigen Paradigma von der Familienversklavung die Weitergabe von verantwortlicher Vaterschaft entgegen, weshalb ihn der Regisseur seinem kurz nach Fertigstellung gestorbenen Vater gewidmet hat.

Durch die kurzweilige und bis auf die Geburtsszene nicht unbedingt schwermütige Machart eignet sich der Film auch zum Ansehen mit Kindern im passenden Alter.

 

Spurensuche – Umwege zur Wahrheit (Orig. Around the Bend, Jordan Roberts, USA 2004)

http://www.kabeleins.de/film_dvd/filmlexikon/ergebnisse/index.php?filmnr=524663
http://imdb.com/title/tt0384810/

Ein Vier-Generationen-Vater-Film mit verstörenden und versöhnenden Elementen. Nach dem Tode des Urgroßvaters (Michael Caine) wird seinem Sohn Turner (Christopher Walken) und Enkel Jason (Josh Lucas) eine kuriose Zetteljagd durch Fast Food Restaurants aufgegeben, bei der sie die Asche des Patriarchen an verschiedenen Plätzen verstreuen müssen. Auch der Urenkel (Jonah Bobo) nimmt an dem schrägen Trip in einem rostigen VW-Bus teil. Die Geschichte konzentriert sich fortan auf die Interaktion zwischen Vater und Sohn der mittleren Generation. Turner ist gerade aus dem Gefängnishospital entlaufen und zeitlebens suchtabhängig und kleinkriminell gewesen. Jason, der ihn niemals Vater nennt, ist ihm völlig entfremdet. Nahe dem Zielpunkt der Fahrt wird in einer aufwühlenden Szene zwischen den beiden eine ungeklärte Familientragödie lebendig, die sie unter anderen Umständen in blanke Feindschaft gestürzt hätte, nicht jedoch nach ihrem bizarren Roadtrip.

Der Film ist insgesamt nicht in jeder Hinsicht zwingend, aber doch geeignet die Unerfülltheit und Verzweiflung in einer unausgesprochenen und distanzierten Vater-Sohn-Beziehung verständlich zu machen.

 

Big Fish (Tim Burton, USA 2003)

http://www.kabeleins.de/film_dvd/filmlexikon/ergebnisse/index.php?filmnr=521880
http://imdb.com/title/tt0319061

Die Geschichte eines Sohns (Billy Crudup) und seines unheilbar krebskranken Vaters (Albert Finney). Dieser war Zeit seines Lebens ein charmanter, aber unverbesserlicher Erzähler von "Lügengeschichten", in denen er seine angeblichen Heldentaten als junger Mann (Ewan McGregor) verbreitet. Während der aufschneidende Vater vom Rest der Familie nur noch mild belächelt wird, fühlt sich sein Sohn späterhin getäuscht und hat sich deshalb als Erwachsener innerlich von ihm abgekehrt. Der Film wechselt zwischen den vielen Rückblenden zu den irrwitzigen Abenteuergeschichten des Vaters und den verzweifelten Bemühungen seines Sohns, am Totenbett zu dessen wahrer Persönlichkeit vorzudringen. Beim Durchgehen alter Unterlagen gewinnt er aber allmählich die Erkenntnis, daß den Übertreibungen stets ein wahrer Kern zugrunde lag. Er besucht einige Protakteure der Geschichten des Vaters, und es wird ihm auf einmal klar, daß dessen Familienleben als kleiner Handelsvertreter nur durch jenen Illusionismus vor dem Scheitern bewahrt wurde. Schließlich versöhnt sich der Sohn durch die Wiedererzählung von dessen fingiert grandiosem Finale mit seinem sterbenden Vater.

Die Quintessenz aus dem ganzen Anglerlatein der mitten in Alabama inszenierten "tall tales" wird im Abspann in etwa so gegeben: Hörst Du eine Geschichte oft, vergißt Du, warum sie gut ist. Irgendwann verblassen die Erzählungen Deines Vaters, doch hörst Du sie dann wieder, erinnerst Du Dich, warum sie Dir einst lieb und wichtig waren. Mit diesem Film verwandt, wenngleich ohne dessen Tiefgang und Vaterbezug, ist die Komödie "Löwen aus zweiter Hand" (Orig. Secondhand Lions, Tim McCanlies, USA 2003).

 

Tricks (Orig. Matchstick Men, Ridley Scott, USA 2003)

http://www.kabeleins.de/film_dvd/filmlexikon/ergebnisse/index.php?filmnr=521142
http://www.imdb.com/title/tt0325805/

Ein schon lange geschiedener, allein und phobisch von Betrugskriminalität lebender Mann (Nicholas Cage) findet die 14-jährige Tochter (Alison Lohman), welche an seine Väterlichkeit appelliert, ihm sogar bei seinen Coups hilft und ihn damit unbeabsichtigt von Gangstertum und Zwangsneurosen befreit.

Sehr origineller und dichter Kriminalfilm mit einer Pointe, die keinesfalls verraten werden darf.

 

Catch Me If You Can (Steven Spielberg, USA/Niederlande 2002)

http://www.kabeleins.de/film_dvd/filmlexikon/ergebnisse/index.php?filmnr=519967
http://imdb.com/title/tt0264464/

Frank Abagnale Jr. (Leonardo DiCaprio) verehrt seinen Vater (Christopher Walken), obwohl dessen kleines Geschäft immer schlechter geht. Nach der Trennung seiner Eltern zieht er mit 16 Jahren und $ 25 auf dem ersten Konto in die Großstadt. Er hat sich geschworen, die Verluste seines Vaters wieder gut zu machen, um die Ehe seiner Eltern dadurch zu kitten. Das gelingt ihm zwar nicht, er schafft es aber nach kurzer Zeit, mit Scheckbetrug und Hochstapelei Millionen zu ergaunern. Gejagt und schließlich gestellt wird er vom FBI-Mann Carl Hanratty (Tom Hanks), der für Frank dabei zum Vaterersatz wird.

Dieser Film basiert auf einer wahren Geschichte im Amerika der 60er-Jahre. Dramaturgisch etwas zu langatmig und vorhersagbar, weist der Film einmal mehr auf die Unverbrüchlichkeit der Vaterbindung hin.

 

Poesie des Sommers (Orig. Blue Car, Karen Moncrieff, USA 2002)

http://www.kabeleins.de/film_dvd/filmlexikon/ergebnisse/index.php?filmnr=522817
http://imdb.com/title/tt0290145/

Die 18-Jährige Megan (Agnes Bruckner) und ihre 12-Jährige Schwester Lily (Regan Arnold) leben allein bei ihrer Mutter (Margaret Colin), welche durch die von ihrem Mann ausgehende Trennung verbittert ist und die beiden wegen ihrer Vollzeitarbeit vernachlässigen muß. Das jüngere Mädchen fügt sich immer wieder Verletzungen zu und weigert sich, zu essen, bis sie im Krankenhaus zu Tode stürzt. Die Ältere ("my father left in a blue car") flüchtet ins Gedichteschreiben, wozu sie von ihrem Englischlehrer (David Strathairn) angehalten wird, den sie als Vorbild und Vaterersatz anhimmelt. Anläßlich eines Poesie-Wettbewerbs nützt dieser Megan für einen Seitensprung aus, worauf für sie eine Welt zusammenbricht.

Der "klassisch" abwesende und deshalb im Film nur als Statist gezeigte Vater, der seine Töchter nur 2-3-mal im Jahr sehen will, kommt hier "nur" genauso schlecht weg wie die überforderte, alleinerziehende Mutter. Megans filmischer Schlüsselsatz macht die ratlose Trauer aller Beziehungswaisen hörbar: "Ich weiß, er ist nicht perfekt, aber ich brauche ihn doch auch!"

 

Weißer Oleander (Orig. White Oleander, Peter Kosminsky, USA/Deutschland 2002)

http://www.kabeleins.de/film_dvd/filmlexikon/ergebnisse/index.php?filmnr=519962
http://imdb.com/title/tt0283139/

Wer diesen Film im öffentlichen Fernsehen sehen möchte, muß das tief nachts tun, so gut verstecken die Programmplanungen einen deprimierenden Blick auf die Welt der Alleinerziehenden, Pflegefamilien und Jugendheime. Astrid Magnussen (grandios gespielt von Alison Lohman) ist eine sensible 14-Jährige und lebt mit ihrer Mutter Ingrid (Michelle Pfeiffer) in einer Villa in den Hollywoodbergen. Ihren Vater hat sie selbst als Kleinkind nicht kennengelernt, da er Ingrid angeblich verlassen hat. Die scheinbare heile Welt der exzentrischen Collagekünstlerin und ihrer zeichnerisch ebenso begabten Tochter hat jedoch Risse, welche mit Ingrids unstillbarem Bedarf an neuen Liebhabern zu tun haben. Auch ihr letzter Freund Barry (Billy Connolly) kam mit der überspannten Ingrid nicht klar und hat sich jüngeren Frauen zugewandt. Ingrid vergiftet ihn daher aus Rache. Die Tat wird ihr gleich zugeordnet, sie selber vor Gericht gestellt, und ihre Tochter in die Jugendpflege verbracht. Nachdem Ingrid wegen Mordes zu 35 Jahren Haft verurteilt worden ist, bringt man Astrid zu der schrillen Pflegemutter Starr (Robin Wright Penn), einer ehemaligen Lebedame, die sich nun fanatisch zu Jesus bekennt und mit zwei Kindern in einer Wohnwagensiedelung unter Hillbillies lebt. Nach anfänglichem Rückzug paßt sich Astrid ihrer Pflegefamilie zögernd an. Statt sich aber den Eskapaden ihrer umtriebigen Pflegeschwester hinzuzugesellen, verführt sie Starrs Liebhaber. Ihre Pflegemutter dreht daraufhin durch, woraufhin die Heranwachsende in ein Jugendheim gebracht wird. Seit einiger Zeit besucht Astrid ihre Mutter auch im Gefängnis. Bei diesen Treffen stellt sich heraus, daß Ingrid ihre Tochter nur als willenlose Projektion von sich erzogen hatte und sie auch jetzt noch kontrollieren möchte. Sie agitiert gegen Astrids einzigen Freund in dem von Gewalt und Vernachlässigung gezeichneten Heim, den jungen Cartoonkünstler Paul (Patrick Fugit). Und so unterbricht Astrid den Kontakt mit ihm, sobald sie in die nächste Pflegefamilie kommt. Ihre neue Pflegemutter ist die hoch depressive Claire (Renée Zellweger), eine abgehalfterte und von ihrem umtriebigen Mann betrogene Schauspielerin, die sich Astrid so liebevoll wie haltlos widmet. Mit rührender Empathie läßt sich die Heranwachsende auf die angstbetonte Zuwendung Claires ein. Diese neue Konkurrentin wird von Astrids Mutter bei einem Treffen im Gefängnis und mit Briefen zunächst scheinheilig umgarnt, dann aber allmählich durch süffisantes Hinterspiegeln ihrer gescheiterten Ehe zu einer unbedachten Handlung gebracht. Die dadurch erneut auf sich zurückgeworfene Astrid durchschaut endlich den selbstsüchtigen und zerstörerischen Charakter ihrer Mutter und kehrt sich vorerst von Ingrid ab. Anstatt sich nochmals in eine weitere an Gefühlskrücken durchs Leben humpelnde Pflegefamilie vermitteln zu lassen, entscheidet sie sich für die abgebrühte russische Flohmarkthändlerin Rena (Svetlana Efremova) und ihre Müllsammlergang. In dieser mit Sex, Rockmusik und Drogen grundierten Umgebung wandelt sich Astrid von der angepaßten Elfe zum selbstbewußten Gothicmädchen. Bei einem der seltenen Gefängnisbesuche bleibt ihrer Mutter Ingrid nichts anderes übrig, als sich Astrids Behauptungswillen zu unterwerfen und endlich reinen Wein über ihren Vater einzuschenken. Dabei kommt es zu einem Pakt im Hinblick auf die Wiederaufnahme von Ingrids Mordprozeß, der dem Film leider ein etwas fahriges und hollywoodeskes Ende beschert.

Trotz gewisser Manierismen ist das Melodram ein Lehrstück für die Gefahren, die auch größeren Kindern aus der Symbiose mit Alleinerziehenden erwachsen können, zugleich aber auch eine Hommage an ihre Indifferenz gegenüber gewissen Erziehungspatenten der Jugendpflegschaft.

 

Das Haus am Meer (Orig. Life As A House, Irwin Winkler, USA 2001)

http://www.kabeleins.de/film_dvd/filmlexikon/ergebnisse/index.php?filmnr=516714
http://imdb.com/title/tt0264796/

Der kauzige, angestellte Architekt George Monroe (Kevin Kline) erfährt, daß er unheilbar krebskrank ist, und legt es auf die Kündigung an, um sich endlich ein eigenes Haus zu bauen. Es soll an die Stelle des ihm von seinem tyrannischen Vater hinterlassenen Anwesens kommen. Jenes Haus hat die schönste Lage im ganzen Viertel, nur ließ es George, ziellos geworden durch das Ende seiner Ehe, völlig herunterkommen. Beim Neubau helfen muß ihm nun sein 16-jähriger Sohn (Hayden Christensen), welcher in der neuen Familie seiner Mutter (Kristin Scott Thomas) seine Zeit ohne jedes Selbstwertgefühl totschlägt. Mit Nachdruck und Geduld gelingt es George aber, die Aggressionen des Jungen sinnstiftend umzuwandeln. Diese Leistung beeindruckt seine frühere Frau so sehr, daß sie ihrer sterilen und materialistischen zweiten Ehe ganze Tage lang entflieht, um sich beim Hausbau nützlich zu machen. Während der absehbare Tod ihres Ex-Manns der Wiederbelebung ihrer Gefühle zwangsläufig eine tragische Note verleiht, wird der anfangs abgelehnte Vater für ihren Sohn zu einem inneren Begleiter.

Gut erzähltes, wenngleich penetrant auf die Zielgruppe der Wirtschaftswunder-Generation zugeschnittenes Hollywood-Märchen. Die ins komische Fach gehenden Nebenrollen aus Georges Nachbarschaft nehmen dem Melodram die Schwere.

 

Schiffsmeldungen (Orig. Shipping News, Lasse Hallström, USA 2001)

http://www.kabeleins.de/film_dvd/filmlexikon/ergebnisse/index.php?filmnr=516274
http://www.imdb.com/title/tt0120824/

Ein schlichter, unsicherer Mann (Kevin Spacey), der an eine derangierte Prostituierte (Cate Blanchett) geraten ist, findet nach deren Unfalltod mit Glück seine illegal zur Adoption freigegebene leibliche Tochter wieder (gespielt von den Drillingen Alyssa, Kaithlin und Lauren Gainer!). Er zieht dann mit ihr und seiner Tante (Julianne Moore) ins heruntergekommene Familienerbe nach Neufundland, in eine eindrucksvolle und extreme Naturlandschaft. Dort baut er mit kleinen Schritten für sich und seine Tochter eine neue Existenz auf und entwickelt dabei erstmals eine eigenständige Persönlichkeit.

Ein Epos kleiner Leute mit großartigen Darstellern nach der Literaturvorlage von E. Annie Proulx.

 

American Beauty (Sam Mendes, USA 1999, 5 Oscars)

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http://www.imdb.com/title/tt0169547/

Ein 42-Jähriger kleiner Angestellter (Kevin Spacey, Oscar), der Vater in einer scheinbar geordneten amerikanischen Mittelstandsfamilie spricht aus dem Off über das letzte Jahr seines Lebens. Seine überspannte Ehefrau (Annette Bening), seine pubertierende Tochter und deren hübsche Schulfreundin stoßen ihn in eine tiefe Mid-Life-Krise, der er durch Kündigung seines entfremdenden Jobs und neue, selbstgesteuerte Aktivitäten entflieht, ohne daß sich seine Umgebung dadurch weiterentwickelt. Das Ende der Geschichte ist ein Feuerwerk von Pointen und trotz der anrührenden Tragik geeignet, jeden mit sich zu versöhnen, der mit einem unglücklichen Schicksal hadert.

 

[A] Perfect World (Clint Eastwood, Australien/USA 1993)

http://www.kabeleins.de/film_dvd/filmlexikon/ergebnisse/index.php?filmnr=54354
http://www.imdb.com/title/tt0107808/

Ein entflohener Häftling (Kevin Costner) entwickelt eine starke emotionale Bindung zu dem Jungen (T.J. Lowther), den er gekidnappt hat.

Bei allem Risiko mit dem politisch unkorrekten Thema (Täter-Opfer-Symbiose), das wohl auch zum zwiespältigem Kritikerecho geführt hat, wird in dem Drama letztlich der Wert einer inneren Gegenwelt zur Überforderung durch eine verlogene Gesellschaft betont.

 

Paper Moon (Peter Bogdanovich, USA 1973)

http://www.kabeleins.de/film_dvd/filmlexikon/ergebnisse/index.php?filmnr=31409
http://imdb.com/title/tt0070510/

Ein uneheliches Waisenmädchen (Tatum O’Neal, Oscar für die beste Nebenrolle) soll von ihrem Vater (Ryan O’Neal), der sich zunächst nicht zu seiner Verantwortung bekennt, durch das Amerika der Wirtschaftsdepression in den 1920ern zu ihrer Tante gebracht werden und erlebt ihn dabei als schillernden Betrüger und menschliches Vorbild.

 

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