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Beratungsförderung der Stadt Karlsruhe

"Hexen" verteilen Beratungslose

BNN Artikel - 14. Februar 2004

kal. "Kürzung macht beRatungsLos" steht auf dem Transparent, das zwei Hexen hochhalten. Das Schild einer anderen Hexe ist beschriftet mit: "Wird Beratung in Zukunft zur Glückssache?" Mehr als 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verschiedener Karlsruher Beratungsstellen haben gestern vor dem Rathaus gegen die geplanten Einsparungen bei den Beratungsstellen demonstriert. Organisiert wurde die Protestaktion von pro familia.

Als Hexen verkleidet, mit abgebrochenen Besen, verteilten die Mitarbeiter Infoblätter und so genannte "Beratungslose" an alle Stadträte, die zu der Gemeinderatsitzung eilten. In der Sitzung sollte beim Nachtragshaushalt unter anderem auch über die Kürzungen bei den Beratungsstellen verhandelt werden. Petra Peitgen-Hoffmann von der Ehe-, Familien- und Partnerschaftsberatungsstelle befürchtet, dass die drohenden Streichungen enorm zu Lasten der Rat Suchenden gehen werden. "Wir haben zunehmende Beratungszahlen werden aber Stellen gekürzt, wissen wir nicht, wie wir das künftig leisten sollen", gibt sie zu bedenken. Hexen könnten die Beratungsstellen schließlich nicht. Die verteilten "Beratungslose" sollten den Stadträten einen Vorgeschmack geben, wie es in Zukunft für Ratsuchende aussehen könnte. "Dann wird ein Beratungstermin zu einem Glückslos" sagt Andrea Klaas, Leiterin der Ehe-, Familien- und Partnerschaftsberatungsstelle.

 


BNN vom 28.02.2004 - Leserbrief von
Dr. med. Ulrike Ullmann, Leiterin pro familia Karlsruhe, Amalienstraße 25

Selbst Hexen waren machtlos

Wenn man die Berichterstattung in den BNN über den Ausgang der Kürzungsabstimmung im Gemeinderat liest, könnte man glauben, bei dieser dramatischen Finanzschieflage der Stadt seien die sozialen Institutionen ja sehr glimpflich davon gekommen. Sollte der vor der Sitzung stattgefundene Hexenzauber auf der Rathaustreppe doch eine positive Wirkung gehabt haben?

Stolz verkündeten CDU- and FDF/Aufbruch-Stadträtinnen, die beschlossenen Kürzungen der freiwilligen Leistungen träten ja erst im zweiten Halbjahr in Kraft. Das bedeute, dass statt 10,5 Prozent nur 5,25 Prozent Einbußen aufs ganze Jahr bezogen zu Buche schlügen. Eigentlich müssten die betroffenen Beratungsstellen und sozialen Institutionen still and fast dankbar sein.

Was dabei tunlichst verschwiegen wird, ist die Tatsache, dass bereits im Jahr 2003 im gleichen Doppelhaushalt gerade diese Förderung kommunal wichtiger Funktionen bereits um fünf Prozent gekürzt wurde. Schon dies war für die meisten eine kaum hinnehmbare Belastung. Für das Jahr 2004 besteht nun also eine Rücknahme um 10,25 Prozent. Das geht nun wirklich an die Existenz der meist kleinen Träger and wird spürbare Defekte im sozialen Netz der Stadt nach sich ziehen.

Außerdem ist der "milde" Zeitpunkt Juli 2004 nicht nur löbliches Entgegenkommen. Vielmehr wäre eine rückwirkende Kürzung ab Anfang 2004 auf massive Gegenwehr gestoßen, denn die geforderte Planungsverlässlichkeit und der verantwortungsvolle Umgang mit den Mitarbeiterinnen and Mitarbeitern wäre damit unmöglich geworden.

Und noch Schlimmeres steht bevor: Ab dem Jahr 2005 wird sich dann die Einschränkung auf 15,5 Prozent belaufen - wenn nicht noch größere Streichungen im kommenden städtischen Doppelhaushalt drohen.

Ob sich die Stadt Karlsruhe damit nicht einen schlechten "Hexendienst" erweist? Bei Ihrem großen Wunsch, eine international bedeutende Wirtschaftsmetropole zu werden, vergessen ihre Planer, dass die soziale Gesundheit der Kommune eine Grundvoraussetzung für die Ansiedlung attraktiver Betriebe ist

 


BNN vom 02.03.2004
Artikel vom VAfK-Karlsruhe

"Die Beratungsangebote richten sich fast nur an Frauen"

"Väteraufbruch" Karlsruhe hat 2003 über 200 Männer betreut

nejo. Ein Ungleichgewicht bei den mit Mitteln der Stadt unterstützten Beratungsangeboten beklagt Franzjörg Krieg, der Sprecher der Gruppe "Väteraufbruch für Kinder", Kreisgruppe Karlsruhe. "Untersucht man die städtische Beratungsbroschüre, fällt auf, dass es ein großes Angebot an spezieller Beratung für Frauen beziehungsweise Mütter gibt, aber kaum ein spezielles Angebot für Männer beziehungsweise Väter", schreibt er in einer Pressemitteilung. Und weiter: "Alle "offiziellen" Beratungsinstitutionen stellen verwundert fest, dass Männer als Rat Suchende weit in der Unterzahl sind. Dabei ignorieren sie, dass sie selbst bei der Beratung eines Vaters allzu oft an die Grenzen ihrer Beratungskompetenz gebracht werden, dass sie zugeben müssen, mit ihrem Latein am Ende zu sein. Dies führt dazu, dass Väter oft nur achselzuckend an Anwälte and Gerichte weiterverwiesen werden."

Der Bedarf an Beratungen sei auch bei Vätern groß, so die Erfahrung der im Oktober 2001 gegründeten Kreisgruppe des Väteraufbruchs. Bei den 22 Beratungsterminen im Vorjahr waren 216 Eltern, überwiegend Väter, anwesend, wobei einige auch von anderen Einrichtungen vermittelt werden. Dutzende Väter wurden über Wochen oder gar Monate intensiv persönlich betreut, so Krieg. Unterstützt habe man die Rat Suchenden bei Terminen in schulischen Einrichtungen oder beim Jugendamt, bei Treffen mit ihren Kindern, bei der Abfassung von Schriftsätzen oder auch durch Begleitung bei Gerichtsterminen.

"Die Väteraufbruch-Gruppe Karlsruhe hat im Jahr 2003 weit mehr als den Umfang einer Vollzeitstelle in Form von Selbsthilfe-Beratung geleistet", erklärt Krieg. "Und alles bei null Cent öffentlicher Förderung." Kürzungen im sozialen Bereich und insbesondere bei der Beratung von Familien, lehnt der Väteraufbruch ab, stellt Krieg klar, um, wie er sagt, nicht missverstanden zu werden. Bekanntlich hat die Gemeinderatsmehrheit bei den jüngsten Haushaltsentscheidungen auch hier den Rotstift angesetzt. Bei der Verwendung der Mittel müsse künftig jedoch auf ein ausgewogenes Beratungsangebot geachtet werden, findet Krieg. Zum Ausgleich der bestehenden Schieflage sollte aber nun dem Beratungsbedürfnis von Männern and Vätern verstärkt Rechnung getragen werden, meint er.

Die kostenlosen Beratungen des Väteraufbruchs Karlsruhe finden donnerstags ab 20 Uhr im Luise-Riegger-Haus in der Baumeisterstraße 56 statt and sind für alle Interessierten offen. Die nächsten Termine sind am 4. and 18. März and am 1. and 15. April. Weitere Termine und Informationen unter www.vafk-karlsruhe.de

 


BNN vom 28.02.2004 - Leserbrief von
Michael Drescher, Ehe-, Familien- und Partnerschaftsberatungsstelle, Nelkenstr. 17

Zu "Die Beratungsangebote richten sich fast nur an Frauen“

Oben genannter Artikel vermittelt den Eindruck, als ob das Karlsruher Beratungsangebot ausschließlich auf die Bedürfnisse von Frauen ausgerichtet wäre. Dem muss ich im Namen der Ehe-, Familien- und Partnerschaftsberatungsstelle (Nelkenstr. 17) entschieden widersprechen. Die Einzel-, Paar-, Familienberatungen, Trennungs- und Scheidungsmediationen, Supervisionen, E-Mail-Beratungen und Gruppenangebote wurden im vergangenen Jahr von zirka 1500 Personen in Anspruch genommen, davon waren zirka 650 Männer. Angebote für Männer (zum Beispiel Männergruppen) und Kontakte zum Beispiel zu den Männer-Referaten der Kirchen sind seit Jahren fester Bestandteil der Arbeit in der Beratungsstelle.

Dem Beratungsbedürfnis von Männern und Vätern wird in der Ehe-, Familien- und Partnerschaftsberatungsstelle seit über 50 Jahren Rechnung getragen – und dies trotz sinkender öffentlicher Zuschüsse und stetig steigender Anfragen. Rechtsberatung allerdings erhält man, ganz im Einklang mit dem Rechtsberatungsgesetz, an der Ehe-, Familien- und Partnerschaftsberatungsstelle nicht. Diesbezüglich wird tatsächlich an Amtsgerichte und Anwälte verwiesen, die dafür zuständig und legitimiert sind.

 


Kommentar von Franzjörg Krieg, Sprecher des VAfK Karlsruhe

Wir sehen und anerkennen die Bemühungen der Ehe-, Familien- und Partnerschaftsberatungsstelle um die Beratung von Vätern. Wir müssen aber auch feststellen, dass im Endeffekt die Bemühungen für einen Mann genau dort ihre Grenzen finden, wo die gleichfalls betroffene Frau aus rein subjektiven Gründen abblockt. Ein Mann, der abblockt, wird sanktioniert, eine Frau, die abblockt, wird weiter hofiert.

Ausgerechnet die Broschüre zum 50-jährigen Bestehen der Beratungsstelle ist als Abschluss mit einer ganzseitigen Werbung der Sparkasse geziert, auf der eine lesende Frau ihren Mann als Hocker missbraucht. Ist das vielleicht eine Zusammenfassung der Bemühungen der letzten 50 Jahre? Ich selbst habe das Wirken der Beratungsstelle vor etwa 20 Jahren erlebt, wo eine Frau nicht kritisiert wurde, weil sie eine Frau ist und wo ein Mann als Schuldiger definiert wurde, weil er ein Mann ist. Ich möchte nicht hochrechnen, wie viele Entsorgungen von Vätern durch Kinderbesitzerinnen durch ideologisch bestimmte Beratungen forciert oder erst möglich gemacht wurden.
Natürlich sehen wir das vor dem Hintergrund des Zeitgeistes. Deshalb aber jede Kritik unterlassen zu müssen, ist nicht angebracht.

Dass jetzt – und viel zu spät – endlich eine vorsichtige Korrektur des Blickwinkels greift, begrüßen wir und sehen uns gerne als Diskussionspartner in diesem Prozess.

Wir kritisierten nicht, dass in der Beratungsstelle keine Rechtsberatung stattfindet. Die zugrunde liegenden gesetzlichen Bestimmungen kennen wir als Verfahrensbeistände sehr wohl. Wir kritisierten, dass zu oft alle Hilfe für Väter auf einen Verweis an den Verfahrensweg reduziert bleibt, während die überall für Frauen und Mütter eingerichteten und öffentlich finanzierten Hilfesysteme pauschal greifen.

Die Beratungsinstitutionen hätten dann mehr Erfolg, wenn sie den Mut hätten, vor dem Hintergrund einer Ethik, die am tatsächlichen Wohl des Kindes orientiert ist, einem Elternteil auch klar die Grenzen aufzuzeigen, ihn (sie oder ihn) darauf hinzuweisen, wo egoistische Befindlichkeit ihre Grenzen hat und die Verpflichtung für das Kind beginnen muss

 


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