Grundlagen
der Beratungsarbeit im VAfK-Karlsruhe
1. Vor welchem Hintergrund sehen wir unsere Arbeit? In welche gesellschaftlichen
Rahmenbedingungen ist diese Arbeit eingepasst?
- Unser Gesellschaftssystem und insbesondere das System der familialen Beratung
ist geprägt von der institutionalisierten Frauenförderung. Diese
sorgt dafür, dass alle Belange von Frauen öffentlich bedient und
finanziert werden.
- Wir haben ein weiblich geleitetes Bundesjustizministerium und ein weiblich
geleitetes Bundesministerium für Familie, zuständig für Senioren,
Frauen und Jugend, d.h. für alles, nur nicht für Männer zwischen
18 und 65.
Das Familienrecht liegt im Schnittpunkt dieser beiden Ministerien. Sie prägen
damit alle Belange familienrechtlicher und familienrechtspraktischer Art.
Wissenschaft, Gesetz, Familienrecht und Familienrechtspraxis sind zwar aufeinander
bezogen, sind aber auch oft unverständlich widersprüchlich und
von verschiedenen Parametern beeinflusst. Die Familienrechtspraxis fußt
dabei nicht nur auf den Direktiven, die von oben politisch vorgegeben werden,
sondern ist mit geprägt von überkommenen Strukturen (von paläolithischen
Mustern einer Jägerkultur bis zu naziideologischen Mutterbildern) und
den durch die Frauenförderung gestärkten feministischen Interessenlagen.
Viele Vorstellungen, die den Entscheidungen zugrunde liegen, sind in ideologischen
Haltungen verhärtet ("Ein Kind gehört zur Mutter",
"Ein Vater ist nicht so wichtig, Hauptsache, er zahlt"), die
sich nur sehr schwer entkrampfen.
- Die durch die Frauenförderszene bis hoch zum Bundesfamilienministerium
gestützte Mütterlobby propagiert die "Einelternfamilie"
und das Alleinige Sorgerecht für Mütter und arbeitet damit offen
gegen die Kindschaftsrechtsreform.
Auch hier in Karlsruhe gab es schon "Fortbildungsveranstaltungen",
von feministischer Seite und öffentlich bezahltem Frauenförderposten
aus organisiert, die dem Hauptzweck dienten, die Errungenschaften der Kindschaftsrechtsreform
als gefährlich darzustellen und deren Rücknahme zu fordern.
- Wenn Leitungspositionen in Jugendämtern mit Frauenbeauftragten besetzt
werden, die dort "zielgruppenorientiert" handeln, müssen
Väter sich nicht wundern, wenn sie ignoriert werden. Wenn eine Feministin
nicht ein "Frauenbüro" oder ein "Mütterbüro",
sondern ausgerechnet in ideologisch überspitzter Weise das "Kinderbüro"
leitet, wird die Kindschaftsrechtsreform boykottiert. Väter kommen
dann auf der dazugehörenden Homepage allenfalls als "Täter"
vor.
- Die Kindschaftsrechtsreform hat Mitte 1998 einen Paradigmenwechsel in
der familialen Intervention gebracht. Wenn es vorher darum ging, den "besseren"
Elternteil zu bestimmen, dem die Kinder – meist mit alleinigem Sorgerecht
– zugeordnet wurden, geht es jetzt ausschließlich darum, beide
Eltern für die Wahrnehmung ihrer gemeinsamen elterlichen Verantwortung
fähig zu machen, sie im Bedarfsfall auch mit geeigneten Mitteln nachdrücklich
dazu zu bringen, diese Verantwortung zu tragen. Das Kindeswohl fordert den
Konsens, an dem nichts vorbei geht. Wer sich diesem verweigert, muss mit
entsprechenden Sanktionen rechnen.
Dieser Paradigmenwechsel ist in den Köpfen noch längst nicht angekommen,
was auf alle Ebenen der familialen Intervention zutrifft, die Beratung in
den verschiedensten Trägerinstitutionen über das Jugendamt, die
Anwaltschaft, bis zu den Gutachtern und den Gerichten.
Auf die Wirkungsweisen des Instrumentes Anklage wegen "Sexuellem Missbrauch"
(Missbrauch mit dem Missbrauch) und des Missbrauchs der Möglichkeiten
des Gewaltschutzgesetzes muss wohl nicht extra eingegangen werden, um die
Palette der Widrigkeiten, die Männern in familienrechtlicher Hinsicht
drohen, abzurunden.
Beratung von Vätern geschieht vor diesem Hintergrund. Es muss davon
ausgegangen werden, dass Väter keine Lobby, eingeschränkten Rückhalt
im Familienrecht und oft keine Chancen im System der Familienrechtspraxis
haben.
Erst wenn diese Zusammenhänge erkannt werden, fußt Beratung von
Vätern auf einer realistischen Ausgangsbasis.
2. Wie formulieren wir unsere Ziele? Was ist Orientierung in unserer Arbeit?
Es muss vorausgeschickt werden, dass der "Väteraufbruch für
Kinder" keine Interessenorganisation pauschal aller Väter darstellt.
Wir vertreten diejenigen Väter, die sich aktiv zu ihrer Vaterschaft bekennen
und auch nach einer Trennung Vater für ihr Kind bleiben wollen.
Ziel unserer Bemühungen ist der Erhalt der Elternschaft in einer Nach-Trennungs-Familie.
Beide Elternteile sind für die gesunde Entwicklung eines Kindes gleichermaßen
wichtig. Die Beratung hat zum Ziel, dieses Faktum beiden Eltern so weit ins
Bewusstsein zu bringen, dass sie erkennen, dass kein Weg daran vorbei führt,
ihre Differenzen auf der Paarebene bezüglich ihrer Funktion als Eltern
im Interesse ihrer Kinder beiseite zu lassen und die elterliche Verantwortung
für ihre Kinder konsensual zu tragen.
Dafür müssen sie in der Lage sein, die Paarebene von der Elternebene
zu trennen, was in den meisten Fällen nicht gelingt. Oft missbraucht
der "kinderbesitzende" Elternteil die Tatsache, dass er die Kinder
bei sich hat, zur moralischen Begründung seiner (fiktiven) Unschuld am
Trennungsgeschehen und muss deshalb den anderen Elternteil vom Umgang mit
dem Kind möglichst ausschließen. Diese Konfliktfälle begründen
das Gros der Beratungsfälle. Jugendämter ziehen sich oft auf die
Haltung zurück, dass "sich die Eltern eben einig sein müssen".
Ist dies nicht der Fall, könnten sie eben auch nichts erreichen. Sie
stehlen sich damit aber sehr einfach aus der Beratungsverantwortung. Ihre
Aufgabe nach dem neuen Kindschaftsrecht wäre, "im Interesse des
Kindes alles zu versuchen, um den Dialog zwischen den Eltern wieder herzustellen"
(Uwe Jopt). Das bedingt aber, dass der boykottierende bzw. sich dem Konsens
widersetzende Elternteil entsprechend sanktioniert wird. Eben dies fällt
aber im mütterzentrierten System der familialen Beratung schwer und wird
deshalb meist nicht gemacht. Damit aber wird das Recht eines Elternteils über
das Unrecht am Kind und am anderen Elternteil erkauft. Beratung muss auch
zum Ziel haben, diese Zusammenhänge zu verdeutlichen.
- Im Zentrum steht das Kind.
Wenn auch die Mütterlobby in egomanischer Weise das Alleinige Sorgerecht
für Mütter propagiert, müssen wir als Vertreter der Väter
nicht denselben Fehler begehen und pauschal das Alleinige Sorgerecht für
Väter anstreben. Unseren Interessen ist ausreichend gedient, wenn wir
die Zentrierung auf die Mutter als Formuliererin des "Kindeswohls"
abgelöst sehen durch die Zentrierung auf das Kind.
- Wir beobachten die neueste Forschung und Literatur zur Entwicklungs- und
Beziehungspsychologie und deren Auswirkungen auf die wissenschaftlichen
Vorgaben für die familiale Beratung und Intervention.
Statistische Untersuchungen von wissenschaftlicher Bedeutung machen Aussagen
über den Ist-Zustand der Gesellschaft, worauf die familiale Interventionsszene
eingehen muss.
- Allen Kindern beide Eltern
Trennung von Paarebene und Elternebene
Bedeutung triadischer Beziehungsstrukturen in der Erziehung
Auswirkungen der Vaterlosigkeit in unserer Gesellschaft
3. Mit welchen Fällen sind wir konfrontiert? Gibt es Standardsituationen?
Die Problemfelder, die der Väteraufbruch abdeckt, betreffen vorrangig
Sorgerecht und Umgang. Unterhalt ist für uns eher ein Randthema, weil
wir lieber nicht darüber reden, als uns ständig falsch verstanden
zu sehen. Väter, die ausreichend Umgang mit ihren Kindern haben, denen
also nicht der Boden ihrer Sinngestaltung entzogen wird, zahlen Unterhalt
in einem Ausmaß, das sogar weitgehend von den Müttern honoriert
wird, wie die Proksch-Studie ermittelte. Wo mit den Kindern auch oft der
Sinn entzogen wird, werden Männer auch psychisch krank und fallen oft
aus dem Arbeitsprozess aus, wie die Väterstudie von Amendt ergab.
Väter, die mit Problemen im Zusammenhang mit dem Sorge- und Umgangsrecht
zu uns kommen, gehören den unterschiedlichsten Gruppen und Falltypen
an:
- Ehelich und nicht-ehelich
- Mit und ohne Sorgerecht
- Vom one-night-stand bis zur Jahrzehnte langen Beziehungsgeschichte
- Von jahrelangem Umgangsboykott betroffen bis zum 50/50-Umgangsmodell
- Vom Akademiker bis zum Sozialhilfeempfänger
- Vom psychisch kranken, verzweifelten oder resignierten Vater bis zur Kämpfernatur
- Traditionelle Familie bis Patchwork-Familie
- Leibliche Väter und "Kuckuckskinder"-Väter
- Von der nur unwillig von der Mutter geduldeten Umgangsvereinbarung bis zum
massiven Umgangsboykott über Jahre
- Von nur leichter Anfeindung bis zum klaren destruktiven Missbrauch mit dem
Missbrauch
- Väter, die jahrelange psychische Misshandlung über sich ergehen
lassen mussten
- Väter, die fortgesetzt missachtet wurden
- Väter, deren Partnerinnen psychisch gestört sind, wo diese nie von
der Notwendigkeit einer Therapie überzeugt wurden und die die Tatsache,
"Kinderbesitzerin" zu sein, als Beweis für ihre Rechtfertigung
sehen
Die Liste ließe sich beliebig weiter fortsetzen. Kaum ein Fall gleicht
dem anderen.
Was für alle gleich ist, ist die Behandlung im System, das in seiner
Funktionsweise oben dargestellt ist.
4. Wie werden wir diesen Situationen gerecht?
Wir bieten zunächst eine Identifikationsbasis in einer Selbsterfahrungsgruppe
mit offener und direkter Atmosphäre, was durch ein "Du" von
der ersten Begegnung an geklärt wird.
Schilderung des eigenen Falles und der eigenen Befindlichkeit in der Einzelberatung,
in der Kleingruppe und in der Runde von 10 bis 15 Personen sind fast täglich
bis wöchentlich möglich. Dies wird abgerundet durch Beratung per
e-Mail und Telefon.
Eine Gruppe von Beratern mit wachsender Zahl und Kompetenz steht hierzu zur
Verfügung. Diese erwirbt ihre Kompetenz in der täglichen Arbeit
mit den verschiedensten Fällen, aus dem Literaturstudium und den bundesweiten
E-Mail-Runden qualifizierter Berater sowie aus Fortbildungsveranstaltungen.
5. Welche Handlungsfelder besetzen wir mit unserer Arbeit? Wie und wo können
wir helfen und agieren?
Für den einzelnen Betroffenen
- Beratung in der Selbsterfahrungs-Gruppe
- Einzelberatung bei erfahrenen Beratern
- Betreuung über längere Zeiträume – bis zu mehreren
Jahren
- Intensivbetreuung mit 24-Stunden-Hotline
- Begleitung bei Umgangsterminen und Übergabesituationen
- Begleitung bei Terminen in Schulen und Ämtern
- Hilfe bei Schriftsätzen
- Beistandstätigkeit bei Gesprächsterminen im Jugendamt
- Beistandstätigkeit vor Gericht
Als Gruppe
- Fortbildung in Themenabenden, Vorträgen, Expertenrunden, Literaturverbreitung
- Öffentlichkeitsarbeit durch Stände, Veranstaltungen, Beiträge
in allen Medien
- Gespräche mit allen Institutionen der familialen Interventionsszene,
mit Ämtern und VertreterInnen der Politik
- Einmischung und Lobbyarbeit auf allen Ebenen, von der Kommune bis nach Berlin
6. Wie beurteilen wir den Erfolg unserer Arbeit?
Ausgehend von der prinzipiellen Hoffnungslosigkeit auf Erfolg haben wir gelernt,
kleine Brötchen zu backen und beharrlich dicke Bretter zu bohren.
Die Tatsache, dass wir in den letzten Jahren über 100 Neuzugänge
pro Jahr aufnehmen und konstant etwa 10 – 12 Personen jede Woche bei
unseren Treffen begrüßen konnten, zeigt nicht nur, wie groß
das Interesse von Vätern an unserer Arbeit ist, sondern auch, wie erfolgreich
die Identifikationsbasis funktioniert. Wir stützen Väter, die damit
nicht aufgeben und evtl. erst nach Jahren gewisse Erfolge erreichen können.
Oder sorgen auch dafür, dass sie trotz Erfolglosigkeit nicht verzweifeln
und aufgeben.
Ziel ist dabei immer, die Kraft zu erhalten, die nötig ist, um sich auch
durch beständigen Machtmissbrauch nicht entmutigen zu lassen, nimmermüde
vernünftige Lösungsmöglichkeiten vorzuschlagen und positive
Utopien für einen gelungenen Vater-Kind-Kontakt umzusetzen.
Immer wieder können wir auch Aktoren der Szene wie JugendamtsmitarbeiterInnen
oder auch RichterInnen dazu bewegen, ihre eigene bisherige Sichtweise zu überdenken
oder auch im Einzelfall ihren eigenen Handlungsrahmen auszuweiten, sich zu
bewegen.
Es gibt inzwischen im Rahmen der Väter unserer Gruppe Gerichtsbeschlüsse
mit richtungsweisender Bedeutung.
Franzjörg Krieg
Sprecher des VAfK Karlsruhe
Schreiben Sie Ihre Meinung oder Fragen und senden sie an:
info@vafk-karlsruhe.de
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