Väter
und Beratung - Positionen des VAfK-Karlsruhe
Erläuterung:
Die folgenden Positionen erschließen sich aus der Sicht von Vätern
im VAfK, die ihre Rolle als Vater ernst nehmen wollen und eben daran gehindert
werden. Es sind bewusste Väter, die die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen
hinterfragen. Sicher sind sie damit nicht repräsentativ für alle
Väter, verkörpern aber einen wachsenden Anteil von Vätern,
die den Herausforderungen eines gesellschaftlichen Wandels gerecht werden
wollen.
- Das Beratungsangebot um das Problemfeld Familie und Trennung
ist – unabhängig vom Träger (Jugendamt, Soziale Dienste,
etc.) zum größten Teil mütterzentriert
und wird von Frauen (Beraterinnen, Sozialarbeiterinnen, Mediatorinnen)
dominiert.
- Wenn Mütter Beratung wahrnehmen, können sie
schon im Ansatz erwarten, dass ihre Positionen akzeptiert und verstanden
werden. Sie erhalten also Unterstützung
bei ihren Absichten und Zielen. Diese werden meist nicht hinterfragt, so
selbstbezogen sie auch sein mögen.
- Viele Mütter lehnen Beratung ab, sobald sie auch
nur den Eindruck haben, dass ihre Position nicht automatisch als Voraussetzung
dient. Die Fallschilderungen vieler Väter berichten von Müttern,
die z.B. eine Mediation grundsätzlich ablehnen, weil sie befürchten,
dass ihre Position hinterfragt oder geschwächt wird.
- Väter machen in Beratungen häufig die Erfahrung,
dass ihre Positionen nicht verstanden, ihre Anliegen nicht ernst
genommen und ihre Haltungen negativ beurteilt werden.
- Väter sind innerhalb einer mütterzentrierten
Familienrechtspraxis mit Ämtern, in deren Aktionsbilanz entrechtete
und ignorierte Väter die Mehrheit bilden, gegen Beratung skeptisch.
Woher sollen sie das Vertrauen nehmen,
das einer Beratung zugrunde liegen muss?
- Beratung darf weder allein mütter- noch allein väterorientiert
sein. Sie muss zunächst und in der Zielvorgabe kindorientiert
sein (d.h. ohne die alleinige Prämisse einer immer wieder
zitierten "natürlichen Mutter-Kind-Bindung") und muss die
Positionen von Mutter und Vater danach ausrichten.
Nur so wird auch der Eindruck vermieden, dass eine Erwachsenenpartei "gewonnen"
und die andere "verloren" hat. Das "win-win"-Prinzip
ist nur zu bedienen, wenn der eigentliche Erfolg außerhalb der Kontrahenten
dem Kind zugute kommt und beide zur Erreichung dieses Zieles in die Pflicht
genommen werden.
- Qualität, Kompetenz und Professionalität der Berater
darf keine Zufallssache sein. Dies hat Konsequenzen für Qualifikation
und Weiterbildung aller mit Beratung betrauten Personen.
- Bei der Beratung muss in der Ansprache von Männern/Vätern
und Frauen/Müttern geschlechtsspezifisch differenziert
werden. Die vorhandenen unterschiedlichen Verständnis- und Gefühlsebenen
werden bisher oft nicht berücksichtigt. Am Beispiel der Offenheit im
emotionalen Bereich ist dies deutlich ablesbar. Eine evtl. Zurückhaltung
des Mannes wird meist nicht als Problem der Ansprache gesehen, sondern dem
Mann als Mangel vorgeworfen.
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