
![]() |
| Über den Film | Vorführungen | Presse | Multimedia | Diskussionen | Rezensionen |
Informationen |
||
Umstrittener Männerfilm im Waldhorn-KinoDas Kino im Waldhorn zeigt am Montag eine Doku über Väter, die ihre Kinder nicht sehen dürfen. Vor einer Woche war dieser Film noch verboten. Regisseur Douglas Wolfsperger hatte in "Der entsorgte Vater" ohne Genehmigung ein acht Jahre altes Bild verwendet, das ihn und seine Tochter in großer emotionaler Verbundenheit zeigt. Die Mutter des Kindes und ehemalige Lebengefährtin des Filmemachers hatte dagegen geklagt und eine einstweilige Verfügung erwirkt. |
Entsorgte Väter machen mobil: Szene aus dem Film von Douglas Wolfsperger. |
|
Der entsorgte VaterDass Kinder oft stark unter der Trennung ihrer Eltern leiden, weiß man. Aber wie fühlen sich Väter, denen der Umgang mit ihren Kindern verwehrt wird? |
||
Der entsorgte Vater»Das Kind als Waffe im Geschlechterkrieg« – so der Untertitel von Douglas Wolfspergers Dokumentarfilm, der das Thema Sorgerecht ganz aus der Perspektive der Väter behandelt und letztes Jahr in Hof einige Diskussionen auslöste Von Anke Sterneborg Ein Mann und eine Frau verlieben sich ineinander, nach einer Weile bekommen sie ein Kind und danach vielleicht noch eins, und diese Kinder verbinden diese beiden Menschen stärker, als es je ein Trauschein vermag. Dennoch leben neun von zehn der deutschen Kinder aus 230.000 Trennungen pro Jahr bei der Mutter, und 40 Prozent von ihnen haben nach einem Jahr den Kontakt zu ihrem Vater verloren. Den zurückgelassenen Vätern bleibt oft nichts anderes als die ohnmächtige Wut auf die Frauen, die unter dem Schutz des deutschen Gesetzes darüber entscheiden, was gut für ihre Kinder ist, oder auch nur einfacher für den Tagesablauf mit einem neuen Lebenspartner. Dieser Film ist ein wütendes, hilfloses und todtrauriges Pamphlet von vier »entsorgten Vätern«, die vom Beginn einer Liebe erzählen, durchaus selbstkritisch von ihrer allmählichen Auflösung und von ihrer Sehnsucht nach den Kindern, die sie gegen ihren Willen nur selten und zum Teil viele Jahre gar nicht mehr sehen durften. |
| |
Männer mit HobbyKommentar zum Film "Der entsorgte Vater" von Douglas Wolfsperger Kommentar von Franzjörg Krieg
Hallo Frau Liebisch vom VAM(V), Ja, es sind ganz normale Männer, die von den menschenrechtswidrigen Auswirkungen der Mütterzentrierung nach Trennung und Scheidung betroffen sind. Es sind Männer, die niemand als typische Gewalttäter identifizieren würde oder denen man einen Mangel zubilligen würde, der rechtfertigt, sie von ihrem Kind zu trennen. Es sind aber auch keine Stromlinien-Papas aus einer Illustrierten-Story. Es sind – ganz normale Männer eben. Und sie kommen aus allen beruflichen und sozialen Schichten. Im VAfK Karlsruhe haben wir 15 % betroffene promovierte Väter. Nicht unbedingt eine sozial besonders auffällige Klientel. Wenn Sie sich entsprechende Dokumentationen im Fernsehformat ansehen,
gibt es Papas im Kinderzimmer oder auf dem Spielplatz. Douglas hat
eine Doku im Kinoformat gedreht, von der Sie behaupten, sie sei „leider
nicht besonders spannend oder filmerisch originell“. Unsere bundesweite Organisation heißt übrigens „Väteraufbruch für Kinder“ und wird mit VAfK abgekürzt. Und wir sind auch das, was unser Name benennt. Und wir fordern für Kinder BEIDE Eltern. Was wir am wenigsten wollen, ist das paradoxe Konstrukt einer „Einelternfamilie“. In vielen Interviews mit Douglas Wolfsperger hat er erklärt,
warum die Mütter im Film nicht zu Wort kommen. Ganz einfach:
Sie wollten nicht. Auch die Mutter meiner Töchter wurde gefragt
und wollte nicht. Wichtig ist aber: Wir Väter waren damit einverstanden
und wollten die Mütter mit dabei haben. Und die einzige Mutter,
die im Film zu Wort kam, machte vertraglich zur Bedingung, dass der
Regisseur keinen Kontakt zum Vater ihres Kindes aufnehmen durfte.
Das sagt doch viel über die kommunikative Kompetenz der Haltungen. Der Film ist keine Kampfansage an alle Mütter und an alle Frauen
schon gar nicht. Vielleicht eine Kampfansage an einige Mütter,
die nachweislich Kindesmissbrauch verüben und deren Verhalten
schon längst hätte gestoppt werden müssen. Aber darin
liegt ja das Problem: Kinderbesitzerinnen-Verhalten wird nicht gestoppt,
weil es in eine Grundstimmung gesellschaftspolitischen Handelns passt,
die insgesamt der gesellschaftlichen Realität schon lange nicht
mehr gerecht wird. Wenn man soweit mitdenkt, beginnt der Film politisch
zu werden. Ja, der Film spricht uns aus der Seele. Das ist auch schon alles. Und es kommt in der Gesellschaft an. Ich werde von Jungendamtsmitarbeitern angesprochen, von Richterinnen angerufen. Der Film macht nicht nur deutlich, dass etwas in Bewegung gekommen ist, er bewegt zusätzlich. Wir haben noch nie so viele Hilfeangebote bekommen wie zur Zeit – vornehmlich von Frauen, die über den Film ein Tätigkeitsfeld erkannt haben, in dem sie zu Lösungen beitragen wollen. Liebe Frau Liebisch, wenn wir Ihre Intention übernehmen wollten,
müsste unsere Arbeit ausschließlich daraus bestehen, zu
betonen, dass Häusliche Gewalt weiblich ist, dass überwiegend
Mütter ihre Kinder schlagen, dass es zu viele Mütter gibt,
die ihre Kinder missbrauchen, und dass den Müttern ihre Kinder
weg genommen werden müssen, weil zu viele sie töten. Nein,
WIR wollen die Sippenhaftung nicht, die Sie seit Jahrzehnten den Vätern
zumuten. Wenn ich auf Missstände in der familialen Intervention
hinweise, die ausschließlich Mütter bedient und Kinder
wie Väter außen vor lässt, bin ich unaufhörlich
mit dem Argument konfrontiert „Ja, aber, es gibt doch auch Väter,
die...“. Ja, es gibt viele gute Lösungen inzwischen. Aber diese kommen
nicht einfach dadurch, dass man dem VAfK und frau dem VAM(V) beitritt.
Es braucht z.B. Richterinnen wie die eine, die mich vor zwei Tagen
anrief und mir erzählte, dass sie nach einer Trennung mit Kindern
Umzüge nur im Umkreis von 50 km zulässt und dass sie auch
schon einmal einer Mutter, die von Karlsruhe nach Berlin ziehen wollte,
auf die Schnelle das Sorgerecht entzogen hätte. Inzwischen hat
sie’s wohl wieder, hat aber wohl auch erkannt, dass Kinderbesitzerinnen-Verhalten
nicht den Kindern dient. Wenn man die Aussagen der Statistischen Landesämter und der
großen Studien (z.B. Proksch) zusammen nimmt, sind jährlich
mindestens 100.000 Kinder neu von der Ausgrenzung von einem Elternteil
betroffen. Aktuell sind das hiermit mindestens 2 Millionen Kinder
und damit auch fast zwei Millionen Väter (bzw. Nach-Trennungs-Familien).
Und Sie meinen, das sei zu wenig für die Feststellung einer gesamtgesellschaftlichen
Problemlage? Der Film hat die Resonanz, weil er eben in die Mitte unserer Gesellschaft
zielt.
|
||
Männer als Verlierer der RosenkriegeDass vor allem die Kinder die Leidtragenden sind, wenn es zu einer Trennung oder gar Scheidung der Eltern kommt, dürfte kaum jemand bezweifeln. Doch in der Schlacht um Unterhalt, Sorgerecht und um Besuchszeiten sind es auch immer wieder die Väter, die den Rosenkrieg verlieren, weil ihnen der Umgang mit den eigenen leiblichen Kindern verboten wird. Und oft genug geschieht dies aus fadenscheinigen Gründen und auf richterliche Anordnung hin. Die seelischen Schäden und Verwundungen, die dies bei allen Betroffenen hinterlässt, amerikanische Psychologen haben hierfür die Begrifflichkeit des "Parental Alienation Syndrome" (kurz: PAS) entwickelt. Der Filmemacher Douglas Wolfsperger (Bellaria – Solange wir leben, Blutritter) ist selbst Betroffener eines solchen Rosenkrieges und hat nun mit Der Entsorgte Vater einen erschütternden Dokumentarfilm über Männer gedreht, die in einer ähnlichen Lage sind wie er. Erschreckend daran sind nicht nur die einzelnen Schicksale, sondern auch, dass dies anscheinend weitaus häufiger vorkommt, als man glauben mag. Und dass es erst eines Films wie Der Entsorgte Vater bedarf, um das Problem ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu hieven. Am Anfang des Films stand eine Erschütterung: Nach jahrelangem Streit mit seiner Ex-Freundin um den Umgang mit seiner Tochter wurde Douglas Wolfsperger von einem Gericht in Berlin dazu aufgefordert, zum Wohle des Kindes von diesem Abschied zu nehmen und sich von ihr zu verabschieden – und zwar endgültig. Ein Akt seelischer Grausamkeit, wie man ihn sich schlimmer kaum vorstellen kann. Die letzte Reise Wolfspergers zu seiner Tochter bildet so etwas wie den roten Faden des Films und gibt den Anlass für Begegnungen mit anderen Männern (und einer Frau), die die extreme Form des Rosenkrieges, bei denen die gemeinsamen Kinder rücksichtslos als Waffe eingesetzt werden, am eigenen Leib erfahren mussten. Da ist beispielsweise Franzjörg, der seit 14 Jahren von der Mutter seiner beiden 24 und 15 Jahre alten Töchter getrennt lebt. Zu seiner älteren Tochter hat er trotz seiner Bemühungen seit mehr als 10 Jahren keinen Kontakt mehr und musste irgendwann an seiner Schule erfahren, dass seine Tochter einige Monate lang an seiner Schule ein Praktikum gemacht hatte – ohne dass er sie erkannt oder sie sich ihm zu erkennen gegeben hätte. Nach seinen jahrelangen Erfahrungen im Kampf um einen geregelten Umgang mit seinen Kindern gründete Franzjörg die Initiative VafK Karlsruhe (Väteraufbruch für Kinder e.V.), deren Sprecher er auch heute noch ist. Eine Funktion, die ihn zu einem Experten für entsorgte Väter werden ließ. Auch Harald ist ein Betroffener, dessen Weihnachtspakete an seine Kinder stets ungeöffnet und mit dem Vermerk "Annahme verweigert!" zurückgesandt werden. Den Umgang mit ihrem Vater lehnen seine beiden 13 und 11 Jahre alten Töchter strikt ab – ein klassischer Fall der "Parental Alienation Syndrome", wie er immer häufiger vorkommt. Ungleich perfider liegt der Fall von Bernd, der seit dem Jahre 2001 von seiner Frau getrennt lebt. Immer wieder wurden Anschuldigungen seitens der Familie seiner Ex-Frau gestreut, der Vater habe das Kind sexuell missbraucht. Allerdings ergab die psychotherapeutische Betreuung der Tochter keinerlei Hinweis auf solche Vorkommnisse. Doch irgendetwas bleibt immer hängen. Und zuletzt ist da noch der Polizist Ralf, der 2007 geschieden wurde und seitdem um einen weiteren Tag mit seinen beiden Kindern (5 und 8 Jahre alt) kämpft. Doch dieser Wunsch, der ihm auch gerichtlich zugesichert wurde, scheitert bislang an einem Boykott seiner Ex-Frau. Als einzige Frau im Bunde repräsentiert die Musikerin Birgit die andere Seite, den anderen Blick auf den Kampf ums Sorgerecht, in denen die Männer aufgrund ihrer (so nennt es einer der betroffenen Männer selbst) "Naivität" häufig den Kürzeren ziehen. Mit erstaunlicher Offenheit schildert Birgit ihre Sicht der Dinge und macht deutlich, dass Vaterschaft für sie in erster Linie "ja immer nur Erzeugung" meint. Eine ernüchternde Analyse und Dekonstruktion des Familienidylls, wie es Werbung und Politik propagieren. Doch die Erfahrungen von Männern wie Douglas Wolfsperger und all den anderen geben ihr Recht. Dass sich an der dahinter durchscheinenden impliziten Rollenverteilung auch im 21. Jahrhundert und in einer aufgeklärten Gesellschaft wie der unseren trotz etlicher gesetzlicher Initiativen nichts geändert hat, darin liegt die Sprengkraft dieses Film, der neben persönlichen Schicksalen auch eines der wenigen noch verbliebenen Tabus aufzeigt. Douglas Wolfsperger Film Der Entsorgte Vater könnte gerade wegen seiner gnadenlosen und niemals verschleierten Subjektivität ein wichtiger Impuls werden, sich mit diesem Tabu näher auseinander zu setzen und Maßnahmen zu ergreifen, die endlich einmal darauf abzielen, getrennt lebenden Eltern – gleich welchen Geschlechts – einen regelmäßigen Umgang mit ihren eigenen Kindern zu ermöglichen. Es wäre – auch wenn manche Gerichte genau dies negieren – insbesondere für die weitere Entwicklung der Kinder ein längst überfälliger Schritt. von Joachim Kurz
|
FILMBEWERTUNG (6/6)
MEINUNGEN: Stand (03.06.09)
|
|
Der entsorgte VaterMit DER ENTSORGTE VATER widmet sich Douglas Wolfsperger einem gesellschaftlichen Phänomen, das in der öffentlichen Wahrnehmung kaum vorkommt: Männer, die nach einer Trennung von ihren Frauen nicht nur als Partner, sondern auch als Vater „entsorgt“ wurden und die nun vergeblich um eine Beziehung zu ihren Kindern kämpfen. Fünf Männer schildern in berührenden Interviews ihr Leid und ihre Bemühungen. Eine Frau berichtet von der anderen Seite. KRITIK Mit dem Titel seines Films greift Douglas Wolfsperger einen Artikel aus dem Magazin „Der Spiegel“ vom November 1997 auf. Der Anlass, den Film zu drehen, ist wie für den Spiegel Autor Matthias Matussek damals, ein zutiefst persönlicher. Fünf Jahre lang hat Wolfsperger mit seiner Ex-Freundin um das Sorge- und Umgangsrecht für seine Tochter gestritten. Nun muss er sich endgültig von dem Kind verabschieden. Das Berliner Kammergericht hat entschieden, dass das Mädchen Ruhe braucht und keinen weiteren Zerreißproben ausgesetzt werden dürfe. „Obwohl ich davon ausgehe, dass eine Beziehung von Hanna zu ihrem Vater für ihre Entwicklung sehr wichtig wäre, überwiegen die Risiken, die mit einer erneuten erfolglosen Umgangsanbahnung oder einem erneuten Umgangsabbruch verbunden wären. Dies gilt auch vor dem Hintergrund, dass ich die derzeitigen Probleme bei der Umgangsregelung der Mutter zuschreibe.“ schreibt die Sachverständige. Seine Verzweiflung darüber, nicht mehr Vater sein zu dürfen, nimmt Wolfsperger zum Anlass für ein sehr persönliches Porträt von fünf Vätern, die zugleich mit der Trennung nicht nur die Partnerin, sondern auch die Kinder verloren haben, und von einer Mutter, die die Väter erfolgreich und ohne einen Hauch von Schuldbewusstsein aus der Erziehung ihrer Kinder verdrängt hat. In ausführlichen Interviews erzählen die Männer von ihren Versuchen, den Kontakt zu halten, von einem Gerichtssystem und einer Gesellschaft, die den Müttern fast automatisch Recht gibt und von Müttern, die gemeinsame Kinder bewusst und unbewusst zu Machtspielen und Racheakten benutzen. Da ist zum Beispiel der junge Polizist Ralf Bähringer, der seine Ex-Frau seit der von ihr gewünschten Trennung nicht mehr wieder erkennt. „Eiskalt“ gesteht sie ihm nicht mal das gerichtlich vereinbarte Minimum an Umgangsrecht zu, geschweige denn eine seinen Arbeitszeiten angepasste, flexible Regelung. Franzjörg Krieg hat seine älteste Tochter seit 10 Jahren nicht mehr gesehen und hat 2001 den „Väteraufbruch für Kinder e.V.“ in Karlsruhe gegründet. Am härtesten hat es wahrscheinlich Bernd Sosna getroffen, der von seiner Ex-Frau willkürlich des Missbrauchs an seiner Tochter angeklagt wurde. Während man den Männern zuhört, erhält man eine Ahnung, wie die Ehen wohl gescheitert sein mögen. Einer erwähnt Alkohol, ein Anderer spricht von ständigen Auseinandersetzungen, wieder einer von dem „Selbstverwirklichungsbedürfnis“ seiner Frau und Ralf Bähringer wundert sich naiv „sie hatte einen Trockner, eine Waschmaschine, es war doch alles da“. Zugleich aber wird überdeutlich, wie wenig die Liebesbeziehung der Eltern mit der Beziehung zwischen Vater und Kind (oder Mutter und Kind) zu tun hat und wie grausam und unverständlich es für Kinder ist, wenn sie zugleich mit der Partnerschaft endet - oder durch die Machtspiele der Eltern unrettbar vergiftet wird. Wie das vor sich geht, wird vor allem in dem Interview mit Birgit Laube anschaulich, die unbefangen den Kampf der Eltern um die Kontroll- und Liebeshoheit über die Kinder schildert. Wolfsperger geht es in DER ENTSORGTE VATER um einen subjektiven Bericht aus der Welt der getrennten Männer, die gerne Vater wären und es nicht sein dürfen, und um das Elend der Kinder, die zwischen die Fronten geraten. Es geht nicht um die Mütter (die kaum zu Wort kommen und das wohl auch nicht wollten) oder um die vielen Trennungsväter, die sich nicht um ihre Kinder kümmern. Wissenschaftliche, gesellschaftliche und juristische Debatten, beispielsweise um das Scheidungs- und Sorgerecht von 1978, das „Parental Alienation Syndrome“, oder die neue Mütterlichkeit berührt der Film nur am Rande. Aber er fordert eindrucksvoll dazu auf, sie endlich zu führen. von Hendrike Bake Die Ehe war Jahrhunderte lang eine so gut wie unverrückbare Institution. In unseren Zeiten steht sie auf dem Prüfstand. Scheidung im Guten bei anschließender „Freundschaft“ oder aber Trennung, Scheidung im Bösen, Rosenkrieg, juristische Schlachten, Hass – so sieht es in unzähligen Fällen heute aus. Das Problem sind dabei die von solchem Unfrieden betroffenen minderjährigen Kinder. Wie sehen die Auswirkungen der Trennungen und Scheidungen auf sie aus? Wie die seelischen Nöte? Wie die praktischen Arrangements? Gibt es zufriedenstellende Regelungen? Unter einem ganz besonderen Aspekt hat sich Regisseur Douglas Wolfsperger des Themas angenommen, und zwar aus der Sicht jener Väter, die auf die Rechte an ihren Kindern verzichten müssen. Oft wird nach jahrlangen Streitigkeiten gerichtlich entschieden, dass dem Kind oder den Kindern die Auseinandersetzungen nicht mehr zugemutet werden können und dass „zum Wohle des Kindes“ das Sorgerecht einem Elternteil zugesprochen werden muss. In den allermeisten Fällen erhält es die Mutter. Die Väter gehen leer aus. Wolfsperger ist selbst betroffen. Gerichtlich wurde geurteilt, er müsse von seiner Tochter für zweieinhalb Jahre Abschied nehmen – vielleicht für immer. Für den Mann eine Tragödie. Doch er wird sicherlich weiterhin kämpfen. Vier weitere Väter stellt er in seinem Dokumentarfilm vor, die ähnlich leiden; die ihre Kinder seit Jahren nicht sehen; denen von ihren früheren Ehefrauen oder Lebensgefährtinnen alles abgeblockt wird; denen die Geschenke an die Kinder zurückgeschickt werden; die von einem Tag auf den anderen „entlassen“, „entsorgt“ wurden; die sogar rein verleumderisch und ohne den geringsten Anhaltspunkt beschuldigt werden, ihr Kind missbraucht zu haben. Ebenfalls eine Tragödie. Ein Sonderfall ist in dem Film auch dabei: eine aus Leipzig stammende Geigerin, die zwar Kinder will, aber im Grunde keinen Mann. Ihre Argumentation überzeugt nicht. Die Ehefrauen kommen nicht zu Wort. Da jedoch alles zwei Seiten hat, ist „Der entsorgte Vater“ als rein subjektiv und einseitig anzusehen. Und doch fehlt es keinesfalls an Interesse an diesem Film. Ist die Rechtslage vielleicht doch ungenügend? Ist die Politik gefragt? Geht es in der Alltagsrealität mit rechten Dingen zu? Müssen die „entsorgten Väter“ tatsächlich derart draufzahlen und leiden? Es ist sicherlich ein Verdienst Wolfspergers, in seinem Dokumentarfilm das Problem in drastischer und zum Teil aufrüttelnder Weise aufgezeigt zu haben. Zum Bewusstwerden und zum Nachdenken. Subjektives Plädoyer für rechtlich benachteiligte Elternteile, insbesondere Väter, für die bei aller Berücksichtigung des Wohls der Kinder Besserung Not täte. von Thomas Engel
|
||
| "Der Entsorgte Vater"
bei den 30. Biberacher Filmfestspielen 2008 Am Freitag, 31.10.2008, öffnete sich um 18.50 Uhr der Vorhang
zur ersten Präsentation des neuen Dokumentarfilmes von Douglas
Wolfsperger vor einem voll besetzten Kinosaal. Douglas Wolfsperger suchte Schicksale von Vätern, die –
wenn irgend möglich – während den Dreharbeiten eine
Entwicklung erfahren und damit dem Film einen weiteren Aspekt von Spannung
zuführen könnten. Er rechnete wohl nicht damit, dass es sein
eigener Trennungsvater-Fall sein würde, der sich so entwickelte,
dass er schließlich als roter Faden durch den Film führt
und damit gerade diesen Film seinen Macher nicht nur hinter die Linse,
sondern auch vor das Auge seiner Kamera bringt und damit sehr authentisch,
persönlich und intim gestaltet. Alle portraitierten Personen wurden von Douglas Wolfsperger sehr persönlich, sehr nah - und positiv - gezeichnet und so manche Schilderung ließ ungläubiges Entsetzen aufkommen. Auch die portraitierte Mutter wurde durch die Bildsprache positiv umrahmt und zeigte sich durchaus nachvollziehbar, bis sie sich schließlich durch eine einzige Aussage und einen Blick selbst demaskierte. Nicht nur der lang anhaltende Beifall, sondern auch die Diskussionen
zwischen Publikum, Douglas Wolfsperger und den portraitierten Vätern
nach beiden Vorstellungen zeigte, dass der Film nicht nur eine betroffene
Minderheit anspricht, sondern dass der Film vom breiten Publikum sehr
positiv aufgenommen wird. | ||
![]() |
||
Der entsorgte VaterKritik Trennungen sind in den seltensten Fällen etwas Schönes. Viel häufiger zieht die Beendigung einer Beziehung ausdauernde Streitigkeiten nach sich. Wer bekommt das Familienauto? Wer den Flügel? Und soll man den Brockhaus in zwei Hälften teilen? All diese Fragen, die den gemeinsamen Besitz betreffen, lassen sich trotz Meinungsverschiedenheiten meist lösen, weil sich Gegenstände aufteilen lassen. Aber wem „gehört“ fortan das gemeinsame Kind? Im Regelfall landet dieser Streitpunkt vor einem Richter. Dabei wird der Mutter das Sorgerecht deutlich häufiger als dem Vater zugesprochen. Auch Douglas Wolfsperger hat das Sorgerecht für seine Tochter vor Gericht verloren. Und nicht nur das, er soll sie sogar überhaupt nicht mehr zu Gesicht bekommen dürfen. Deshalb begab sich der Dokumentarfilmer (War‘n Sie schon mal in mich verliebt, Der lange Weg ans Licht) auf die Suche nach anderen Opfern und wurde fündig: „Der entsorgte Vater“ erzählt neben der Geschichte des Regisseurs auch noch fünf weitere, ganz ähnliche Väterschicksale. Wolfsperger macht sich auf die Reise, um seine Tochter zu treffen. Auf halbem Weg sagt seine Ex-Frau das Treffen überraschend ab. In Karlsruhe gestrandet, beschließt der Regisseur, Leidensgenossen zu treffen. Dazu zählt auch Franzjörg Krieg, der sogar einen gemeinnützigen Verein ins Leben gerufen hat, der sich speziell um die Probleme von Vätern kümmert, die ihre Kinder nach gescheiterter Ehe weiterhin besuchen wollen. Krieg, der seine eigene Tochter seit mehr als zehn Jahren nicht mehr gesehen hat, kennt aufgrund seiner Vereinsarbeit viele ähnlich gelagerte Fälle. Drei Gesichter dazu treten in „Der entsorgte Vater“ vor die Kamera und berichten von ihrem Leid. Die Runde komplettiert Birgit Laub – die einzige Mutter, die bereit war, aus ihrer Perspektive zu erzählen, warum sie vor Gericht ein Umgangsverbot erstritten hat. Der Einstieg in die Dokumentation, also die Fahrt zur Tochter, die abrupt und zufällig in Karlsruhe ihr Ende findet, ist offensichtlich fiktiv und wirkt dementsprechend aufgesetzt. Dennoch ist er als Exposition durchaus zweckdienlich. So macht Wolfsperger sofort klar, dass seine Motivation für diesen Film seine private Leidensgeschichte ist. Die stellt er mithilfe der Dokumentation nun ins Licht der Öffentlichkeit, um eine Diskussion anzuregen, die im allgemeinen Bewusstsein nicht allzu präsent ist. Die nackten Zahlen geben Wolfsperger Recht, in diese Kerbe zu schlagen, da es tatsächlich eine nicht unerhebliche Anzahl von Vätern gibt, die bei Sorgerechtsklagen als Verlierer aus dem Prozess hervorgehen. Über den Einzelfall oder die Gerechtigkeit der Entscheidungen ist damit freilich noch nichts gesagt. Anfang der 70er Jahre etablierte sich eine Männerbewegung, die in ihren Anliegen ähnlich heterogen war wie die parallel aufkommende Frauenbewegung. Während im Zuge der Gleichberechtigung viele politische und rechtliche Werkzeuge (etwa die Frauenquote) eingeführt wurden, um Frauen Chancengleichheit einzuräumen, bemängelte die Gegenseite, dass für ins Hintertreffen geratene Männer nichts getan würde. Mit dem Namen des Spiegel-Kolumnisten Matthias Matussek verbindet sich die wohl öffentlichkeitswirksamste Episode der Bewegung: In einem polemischen Artikel, aus dessen Überschrift auch der Titel von Wolfspergers Dokumentation zurückgeht, prangerte Matussek 1997 die Missstände des deutschen Rechtssystems an und forderte Veränderungen. Wolfspergers Film zeichnet ein aktualisiertes Bild der Lage, das aussagt: „Viel hat sich in den vergangenen zwölf Jahren nicht geändert.“ Dies in einem Dokumentarprojekt objektiv zu beurteilen, gestaltet sich aber ziemlich schwierig, weil „Der entsorgte Vater“ ausschließlich von berichteten Einzelschicksalen lebt und kaum andere Mittel verwendet. Ein gerechtes Urteil zu fällen, gestaltet sich mitunter auch deshalb schwierig, weil es letztlich doch eine Sympathiefrage ist, ob man sich auf die Leidensgeschichten der fünf Porträtierten einlässt oder nicht. An vielen Stellen wird deutlich, dass das Leid der entsorgten Väter echt ist. Andererseits versteht man manchmal aber auch die abwesenden Frauen ein Stück weit. Ein Polizist versteht etwa bis heute nicht, warum seine Frau ihn eigentlich verlassen hat: „Sie hatte doch alles: Geschirrspüler, Waschmaschine, Trockner.“ Fazit: „Der entsorgte Vater“ will betroffen machen und seine Zuschauer für die Einzelschicksale sensibilisieren, die hinter der Statistik stehen. Dieses Bestreben wird mit allen Mitteln verfolgt, was sich etwa beim Umgang mit einlullender, sentimentaler Musik allzu plump zeigt. Streckenweise schafft es der Film aber trotz der mitunter manipulativen Methoden noch nicht einmal, tatsächlich zu berühren. Gerade an diesen Stellen leidet die Dokumentation besonders unter der Eintönigkeit der eingesetzten Stilmittel. von Christian Schön
|
Bewertung: 4/10
Leserkritiken: Stand (03.06.09)
|
|
Der entsorgte VaterFAZIT Mal wieder ist es der Regisseur und Drehbuchautor Douglas Wolfsperger, der uns einen dokumentarischen Spielfilm der besonderen Art beschert. Während viele andere Filmemacher oberflächlich bleiben und Tatsachen nüchtern in ihrem Film präsentieren, versteht es Wolfsperger den Zuschauer nicht nur zu informieren, sondern auch auf einer emotionalen Ebene zu berühren. Dies gelingt ihm mit „Der entsorgte Vater“ besser als je zuvor. Dadurch, dass er hier eine sehr persönliche Geschichte erzählt und selbst als Teil davon fungiert, trifft Wolfsperger den Zuschauer von dieser Dokumentation mitten ins Herz. Mitgefühl und ein enormes Unverständnis gegenüber der Ungerechtigkeit, sind die schönen Reaktionen seitens des Publikums. Einzig vorwerfen könnte man Douglas Wolfsperger, dass er dieses Mal ein Stück von seiner Objektivität eingebüsst und die Geschichte sehr einseitig präsentiert hat. Die einzige Frau, die in „Der entsorgte Vater“ als Gegenpol agiert, ist zugleich ein Negativbeispiel und wirkt damit zwar unterstützend für die betroffenen Väter, zeigt aber keine andere Seite der Medaille auf. Dem Regisseur daraus ein Vorwurf zu machen, fällt allerdings schwer. Wer „Der entsorgte Vater“ gesehen hat, versteht den tief sitzenden Groll und kann das Leid, das Väter die von ihren Kindern getrennt sind, sehr gut erfassen. "Der entsorgte Vater" – ein toller Beitrag zu einem
Thema, das in unserer Gesellschaft leider viel zu selten thematisiert
wird. von Kathrin
Lang
|
BEWERTUNG (4/5):
Kommentare: Stand (03.06.09) |
|