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Schwäbisches Tagblatt - KINO, 10.07.2009

Umstrittener Männerfilm im Waldhorn-Kino

Das Kino im Waldhorn zeigt am Montag eine Doku über Väter, die ihre Kinder nicht sehen dürfen.

Vor einer Woche war dieser Film noch verboten. Regisseur Douglas Wolfsperger hatte in "Der entsorgte Vater" ohne Genehmigung ein acht Jahre altes Bild verwendet, das ihn und seine Tochter in großer emotionaler Verbundenheit zeigt. Die Mutter des Kindes und ehemalige Lebengefährtin des Filmemachers hatte dagegen geklagt und eine einstweilige Verfügung erwirkt.
Der kleinlich dünkende Streit um ein olles Foto spiegelt die Erbitterung wider, mit der Kämpfe ums angebliche Wohl des eigenen Nachwuchses zuweilen ausgetragen werden. Wolfsperger porträtiert mehrere Väter, darunter sich selbst, die schwer daran zu knabbern haben, dass ihnen der Zugang zu ihren Kindern nach der Trennung gerichtlich untersagt wurde.
„Unerträgliche Männerlarmoyanz“ wurde ihm von einer Rezensentin um die Ohren gehauen, während ein männlicher Kritiker „einen nachdenklichen Film, der mehr Gleichberechtigung für Männer einfordert und dabei filmisch völlig überzeugen kann“ bejubelte.
Inzwischen wurde die inkriminierte Szene aus dem Film getilgt, und so kann er wie geplant am Montag, 13. Juli, um 20 Uhr im Rottenburger Waldhorn-Kino gezeigt werden. Im Anschluss stellt sich der Regisseur einer Diskussion.

[Originalartikel]

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Entsorgte Väter machen mobil: Szene aus dem Film von Douglas Wolfsperger.

TV-Today

Der entsorgte Vater

Dass Kinder oft stark unter der Trennung ihrer Eltern leiden, weiß man. Aber wie fühlen sich Väter, denen der Umgang mit ihren Kindern verwehrt wird?

Fünf Jahre lang musste Filmemacher Douglas Wolfsperger ("Der lange Weg ans Licht") erleben, wie seine ehemalige Lebensgefährtin den Kontakt zwischen ihm und seiner Tochter boykottierte. Als er per Gerichtsbeschluss dazu aufgefordert wird, sich endgültig von seiner Tochter zu verabschieden, beschließt er, durch einen Dokumentarfilm auf sein Schicksal aufmerksam zu machen. Auf seiner Abschiedsreise ist Wolfsperger auch anderen betroffenen Männern begegnet und hat sie interviewt.

Eindringlich beschreibt der bewusst subjektiv gehaltene Film die Verzweiflung der "entsorgten Väter" und ihren nahezu aussichtslosen Kampf gegen einseitig urteilende Familienrichter und Mütter, die ihre Kinder zu Waffen im Scheidungskrieg machen.

Fazit: Aufrüttelndes Plädoyer für familiäre Gerechtigkeit

[Originalartikel]

epd-Film, Juni 2009

Der entsorgte Vater

»Das Kind als Waffe im Geschlechterkrieg« – so der Untertitel von Douglas Wolfspergers Dokumentarfilm, der das Thema Sorgerecht ganz aus der Perspektive der Väter behandelt und letztes Jahr in Hof einige Diskussionen auslöste

Von Anke Sterneborg

Ein Mann und eine Frau verlieben sich ineinander, nach einer Weile bekommen sie ein Kind und danach vielleicht noch eins, und diese Kinder verbinden diese beiden Menschen stärker, als es je ein Trauschein vermag. Dennoch leben neun von zehn der deutschen Kinder aus 230.000 Trennungen pro Jahr bei der Mutter, und 40 Prozent von ihnen haben nach einem Jahr den Kontakt zu ihrem Vater verloren. Den zurückgelassenen Vätern bleibt oft nichts anderes als die ohnmächtige Wut auf die Frauen, die unter dem Schutz des ­deutschen Gesetzes darüber entscheiden, was gut für ihre Kinder ist, oder auch nur einfacher für den Tagesablauf mit einem neuen Lebenspartner. Dieser Film ist ein wütendes, hilfloses und todtrauriges Pamphlet von vier »entsorgten Vätern«, die vom Beginn einer Liebe erzählen, durchaus selbstkritisch von ihrer allmählichen Auflösung und von ihrer Sehnsucht nach den Kindern, die sie gegen ihren Willen nur selten und zum Teil viele Jahre gar nicht mehr sehen durften.

Was die Frauen zu solchen Furien macht, ist eine Frage, die der Film nur ansatzweise beantworten kann. Als Zuschauer sehnt man sich bald nach der Ausgewogenheit eines Dokumentarfilms, der beide Seiten zu Wort kommen lässt, man sehnt sich danach, auch die andere Seite zu hören. Doch es liegt in der Natur der Konflikte, dass die Frauen, die den Kontakt mit allen ihnen per Gesetz zur Verfügung stehenden Mitteln unterbunden haben, sich nicht vor einer Kamera erklären wollen.

Wenn man die Männer beim Holzfällen, im Fitnessstudio oder beim Fliegen eines Kleinflugzeugs sieht, dann sind das starke Bilder für die Wut, die sie abreagieren, und für eine Leichtigkeit, die sie nur noch selten empfinden. Zwei von ihnen kämpfen öffentlich für ihre Rechte, der eine in der von ihm in Karlsruhe gegründeten Interessengemeinschaft Väteraufbruch, der andere mit diesem Film, in dem vier Väter von ihren traurigen Erfahrungen erzählen, davon, wie die Kinder ihnen systematisch entfremdet wurden, wie Besuchszeiten eingeschränkt oder ganz eingestellt wurden, wie ein Vater sogar wegen angeblichem Kindesmissbrauch verleumdet wird, einmal ist ein in unsicherer Kinderhand geschriebener Brief zu sehen, in dem ein kleines Mädchen offensichtlich unter Anleitung der Mutter bekräftigt, den Vater nicht zu lieben, ihn nicht mehr sehen zu wollen, immer wieder Fotos von den Kindern, einmal eines, in dem der Vater seine Tochter digital aus­geblendet hat, sinnbildlich für die weiße ­Leerstelle, die sie in seinem Leben zurückgelassen hat

Nur eine einzige Frau steht für die Gegenseite, eine Mutter, der es allerdings allem erfahrenen Schmerz zum Trotz erklärtermaßen nur darum geht, dass ihre Tochter selbst entscheiden kann, ob und wann sie ihren Vater sieht. Und wenn ganz am Ende der Regie ­führende Vater seiner Hoffnung Ausdruck verleiht, seiner Tochter wieder zu begegnen, sie kennenzulernen, und wenn er ihr signalisiert, dass er immer für sie da sein wird, dann kann man nur hoffen, dass dieses Mädchen den Film irgendwann zu sehen bekommt. ­Zugleich ist der Film ein kraftvoller Appell an die Gesetzgeber, den verantwortungsvollen Vätern, die für ihre Kinder da sein wollen, dieses Recht nicht zu verweigern.

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[Originalartikel]

VAMV vom 18.06.2009

Männer mit Hobby

Kommentar zum Film "Der entsorgte Vater" von Douglas Wolfsperger

Auszüge:
...Sie schildern in unterschiedlichen Sequenzen, die leider nicht besonders spannend oder filmerisch originell sind, dass sie ihre Kinder nicht sehen dürfen und ganz heftig darunter leiden.
...
Die Dokumentation ist eine Innenansicht auf die Befindlichkeit der im Väteraufbruch aktiven Männer, deshalb reagieren sie auch so stark darauf. Der Film spricht ihnen aus der Seele. Das ist auch schon alles. ... [mehr]


Kommentar von Franzjörg Krieg

Hallo Frau Liebisch vom VAM(V),

zunächst vielen Dank dafür, dass sie sich in die Diskussion um den Film „Der Entsorgte Vater“ mit einer Stellungnahme auf der HOME-Seite Ihrer Homepage www.vamv.de einschalten.
Es ist die größte Stärke des Filmes, dass er wirklich aufgerüttelt hat: ZDF aspekte, eine ganze Sendung mit Günter Jauch in stern-tv, 3 Seiten in der taz, 3 Seiten in der Frankfurter Rundschau – um nur wenige Beispiele zu nennen.
Dass der VAM(V) nicht ignoriert, sondern an prominenter Stelle im Reigen mitmischt, finde ich auf jeden Fall lobend erwähnenswert.

Ja, es sind ganz normale Männer, die von den menschenrechtswidrigen Auswirkungen der Mütterzentrierung nach Trennung und Scheidung betroffen sind. Es sind Männer, die niemand als typische Gewalttäter identifizieren würde oder denen man einen Mangel zubilligen würde, der rechtfertigt, sie von ihrem Kind zu trennen. Es sind aber auch keine Stromlinien-Papas aus einer Illustrierten-Story. Es sind – ganz normale Männer eben. Und sie kommen aus allen beruflichen und sozialen Schichten. Im VAfK Karlsruhe haben wir 15 % betroffene promovierte Väter. Nicht unbedingt eine sozial besonders auffällige Klientel.

Wenn Sie sich entsprechende Dokumentationen im Fernsehformat ansehen, gibt es Papas im Kinderzimmer oder auf dem Spielplatz. Douglas hat eine Doku im Kinoformat gedreht, von der Sie behaupten, sie sei „leider nicht besonders spannend oder filmerisch originell“.
Ein Kollege sprach mich gestern in der Schule an. Er war extra von Baden-Baden nach Karlsruhe gefahren, um den Film zu sehen. Er ist kein betroffener Trennungsvater und war ohne Prädisposition einfach nur neugierig auf den Film. Er meinte, dass er verblüffend fand, wie ein Film, der eigentlich faktisch von nichts lebt, außer den mündlichen Berichten Betroffener, so gemacht sein kann, dass das Kinopublikum 90 Minuten lang gefesselt ist. Keine Anzeichen von Langeweile, im Gegenteil: Die meisten waren sehr bewegt und einige hatten geweint, Männer wie Frauen.

Unsere bundesweite Organisation heißt übrigens „Väteraufbruch für Kinder“ und wird mit VAfK abgekürzt. Und wir sind auch das, was unser Name benennt. Und wir fordern für Kinder BEIDE Eltern. Was wir am wenigsten wollen, ist das paradoxe Konstrukt einer „Einelternfamilie“.

In vielen Interviews mit Douglas Wolfsperger hat er erklärt, warum die Mütter im Film nicht zu Wort kommen. Ganz einfach: Sie wollten nicht. Auch die Mutter meiner Töchter wurde gefragt und wollte nicht. Wichtig ist aber: Wir Väter waren damit einverstanden und wollten die Mütter mit dabei haben. Und die einzige Mutter, die im Film zu Wort kam, machte vertraglich zur Bedingung, dass der Regisseur keinen Kontakt zum Vater ihres Kindes aufnehmen durfte. Das sagt doch viel über die kommunikative Kompetenz der Haltungen.
Das ist aber keine neue Erkenntnis. So wie der Feminismus insgesamt sich über die Ablehnung und den Ausschluss von Männern definiert, war JEDE filmische Produktion der mütterbewegten Lobby bisher immer unter Ausschluss der Väter produziert worden. Wir wollten nun die Mütter ins Boot holen – sie spielten aber nicht mit.
Ich kenne das aus der Beratung: Eine Kinderbesitzerin lehnt jede Mediation ab, wenn sie fürchtet, dabei eine Zacke aus ihrer Kinderbesitzerinnen-Krone verlieren zu können. Feministische Kommunikation ist nicht Dialog, sondern meist Monolog per Megafon.

Der Film ist keine Kampfansage an alle Mütter und an alle Frauen schon gar nicht. Vielleicht eine Kampfansage an einige Mütter, die nachweislich Kindesmissbrauch verüben und deren Verhalten schon längst hätte gestoppt werden müssen. Aber darin liegt ja das Problem: Kinderbesitzerinnen-Verhalten wird nicht gestoppt, weil es in eine Grundstimmung gesellschaftspolitischen Handelns passt, die insgesamt der gesellschaftlichen Realität schon lange nicht mehr gerecht wird. Wenn man soweit mitdenkt, beginnt der Film politisch zu werden.
Wenn Sie, Frau Liebisch, meine Rolle als VAfK-Funktionär im Film als Nebenrolle bezeichnen, kann ich gut damit leben. Immerhin ist der VAfK die einzige bundesweit organisierte Vätervertretung und vielleicht hat es Frau Schwab nicht gefallen, dass neben ihr nun auch Herr Prof. Dr. Müller vom VAfK bei besonderen Anlässen im BVerfG sitzt und seine Stellungnahme zu interessanten Aspekten von familiepolitischer Bedeutung abgibt.
Eines ist sicher: In der BRD geht bei Inhalten, die Väter nach Trennung und Scheidung betreffen, inzwischen nichts mehr am VAfK vorbei. Wir haben in diesem Zusammenhang wohl die meiste Erfahrung.

Ja, der Film spricht uns aus der Seele. Das ist auch schon alles. Und es kommt in der Gesellschaft an. Ich werde von Jungendamtsmitarbeitern angesprochen, von Richterinnen angerufen. Der Film macht nicht nur deutlich, dass etwas in Bewegung gekommen ist, er bewegt zusätzlich. Wir haben noch nie so viele Hilfeangebote bekommen wie zur Zeit – vornehmlich von Frauen, die über den Film ein Tätigkeitsfeld erkannt haben, in dem sie zu Lösungen beitragen wollen.

Liebe Frau Liebisch, wenn wir Ihre Intention übernehmen wollten, müsste unsere Arbeit ausschließlich daraus bestehen, zu betonen, dass Häusliche Gewalt weiblich ist, dass überwiegend Mütter ihre Kinder schlagen, dass es zu viele Mütter gibt, die ihre Kinder missbrauchen, und dass den Müttern ihre Kinder weg genommen werden müssen, weil zu viele sie töten. Nein, WIR wollen die Sippenhaftung nicht, die Sie seit Jahrzehnten den Vätern zumuten. Wenn ich auf Missstände in der familialen Intervention hinweise, die ausschließlich Mütter bedient und Kinder wie Väter außen vor lässt, bin ich unaufhörlich mit dem Argument konfrontiert „Ja, aber, es gibt doch auch Väter, die...“.
Nein, keine Sippenhaftung für alle Männer. Das ist eine der großen Schwächen des Feminismus, die Frau immer gegen den Mann zu definieren und daraus abgeleitet, aus ideologischen Gründen immer schwarz-weiß zu denken.

Ja, es gibt viele gute Lösungen inzwischen. Aber diese kommen nicht einfach dadurch, dass man dem VAfK und frau dem VAM(V) beitritt. Es braucht z.B. Richterinnen wie die eine, die mich vor zwei Tagen anrief und mir erzählte, dass sie nach einer Trennung mit Kindern Umzüge nur im Umkreis von 50 km zulässt und dass sie auch schon einmal einer Mutter, die von Karlsruhe nach Berlin ziehen wollte, auf die Schnelle das Sorgerecht entzogen hätte. Inzwischen hat sie’s wohl wieder, hat aber wohl auch erkannt, dass Kinderbesitzerinnen-Verhalten nicht den Kindern dient.
Mediation ist natürlich kein Allheilmittel. Wir kennen viele Fälle, wo Mediation unter der Leitung einer Beratungsorganisation, die Jahrzehnte lang ausschließlich mütterzentriert arbeitete, die Disbalancen in der Wertigkeit von Mutterschaft und Vaterschaft ohne Gnade für das Kind weiter tradiert. Und wir kennen Mediationen, die allein dazu missbraucht werden, jahrelang dem Richter zu signalisieren „wir brauchen keine gerichtliche Lösung, wir sind in Mediation“. Und inzwischen wurde damit weiter verhindert, dass die 5jährige Tochter das erste Mal endlich auch beim Papa übernachten darf.
Natürlich sind wir für einvernehmliche Lösungen und tragen dazu bei, was auch immer wir können. Sie funktionieren aber dort nicht, wo eine Mama mit Kind sich als „Einelternfamilie“ fühlt und als solche ihre besonderen Rechte abgegrenzt sehen möchte. Und wenn sich dann ein Papa erkühnt zu meinen, er sei ja schließlich auch noch da, wird er durch Eineltern-Organisationen mundtot gemacht. So funktioniert Kommunikation nach Trennung und Scheidung sicher nicht.

Wenn man die Aussagen der Statistischen Landesämter und der großen Studien (z.B. Proksch) zusammen nimmt, sind jährlich mindestens 100.000 Kinder neu von der Ausgrenzung von einem Elternteil betroffen. Aktuell sind das hiermit mindestens 2 Millionen Kinder und damit auch fast zwei Millionen Väter (bzw. Nach-Trennungs-Familien). Und Sie meinen, das sei zu wenig für die Feststellung einer gesamtgesellschaftlichen Problemlage?
Diese zwei Millionen aktuell betroffenen Kinder sind danach ja nicht schlagartig nicht mehr betroffen. Nein, sie haben große Probleme in Beziehungen, sie werden depressiv oder zeigen massenhaft sonstige somatischen Auffälligkeiten. Jeder Psychiater kann das heute bestätigen.
Wenn das dann Massenphänomen sein soll.

Der Film hat die Resonanz, weil er eben in die Mitte unserer Gesellschaft zielt.
logo vamv

Verband alleinerziehender Mütter und Väter Bundesverband e.V.

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kino-zeit.de

Männer als Verlierer der Rosenkriege

Dass vor allem die Kinder die Leidtragenden sind, wenn es zu einer Trennung oder gar Scheidung der Eltern kommt, dürfte kaum jemand bezweifeln. Doch in der Schlacht um Unterhalt, Sorgerecht und um Besuchszeiten sind es auch immer wieder die Väter, die den Rosenkrieg verlieren, weil ihnen der Umgang mit den eigenen leiblichen Kindern verboten wird. Und oft genug geschieht dies aus fadenscheinigen Gründen und auf richterliche Anordnung hin. Die seelischen Schäden und Verwundungen, die dies bei allen Betroffenen hinterlässt, amerikanische Psychologen haben hierfür die Begrifflichkeit des "Parental Alienation Syndrome" (kurz: PAS) entwickelt.

Der Filmemacher Douglas Wolfsperger (Bellaria – Solange wir leben, Blutritter) ist selbst Betroffener eines solchen Rosenkrieges und hat nun mit Der Entsorgte Vater einen erschütternden Dokumentarfilm über Männer gedreht, die in einer ähnlichen Lage sind wie er. Erschreckend daran sind nicht nur die einzelnen Schicksale, sondern auch, dass dies anscheinend weitaus häufiger vorkommt, als man glauben mag. Und dass es erst eines Films wie Der Entsorgte Vater bedarf, um das Problem ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu hieven.

Am Anfang des Films stand eine Erschütterung: Nach jahrelangem Streit mit seiner Ex-Freundin um den Umgang mit seiner Tochter wurde Douglas Wolfsperger von einem Gericht in Berlin dazu aufgefordert, zum Wohle des Kindes von diesem Abschied zu nehmen und sich von ihr zu verabschieden – und zwar endgültig. Ein Akt seelischer Grausamkeit, wie man ihn sich schlimmer kaum vorstellen kann. Die letzte Reise Wolfspergers zu seiner Tochter bildet so etwas wie den roten Faden des Films und gibt den Anlass für Begegnungen mit anderen Männern (und einer Frau), die die extreme Form des Rosenkrieges, bei denen die gemeinsamen Kinder rücksichtslos als Waffe eingesetzt werden, am eigenen Leib erfahren mussten.

Da ist beispielsweise Franzjörg, der seit 14 Jahren von der Mutter seiner beiden 24 und 15 Jahre alten Töchter getrennt lebt. Zu seiner älteren Tochter hat er trotz seiner Bemühungen seit mehr als 10 Jahren keinen Kontakt mehr und musste irgendwann an seiner Schule erfahren, dass seine Tochter einige Monate lang an seiner Schule ein Praktikum gemacht hatte – ohne dass er sie erkannt oder sie sich ihm zu erkennen gegeben hätte. Nach seinen jahrelangen Erfahrungen im Kampf um einen geregelten Umgang mit seinen Kindern gründete Franzjörg die Initiative VafK Karlsruhe (Väteraufbruch für Kinder e.V.), deren Sprecher er auch heute noch ist. Eine Funktion, die ihn zu einem Experten für entsorgte Väter werden ließ.

Auch Harald ist ein Betroffener, dessen Weihnachtspakete an seine Kinder stets ungeöffnet und mit dem Vermerk "Annahme verweigert!" zurückgesandt werden. Den Umgang mit ihrem Vater lehnen seine beiden 13 und 11 Jahre alten Töchter strikt ab – ein klassischer Fall der "Parental Alienation Syndrome", wie er immer häufiger vorkommt.

Ungleich perfider liegt der Fall von Bernd, der seit dem Jahre 2001 von seiner Frau getrennt lebt. Immer wieder wurden Anschuldigungen seitens der Familie seiner Ex-Frau gestreut, der Vater habe das Kind sexuell missbraucht. Allerdings ergab die psychotherapeutische Betreuung der Tochter keinerlei Hinweis auf solche Vorkommnisse. Doch irgendetwas bleibt immer hängen. Und zuletzt ist da noch der Polizist Ralf, der 2007 geschieden wurde und seitdem um einen weiteren Tag mit seinen beiden Kindern (5 und 8 Jahre alt) kämpft. Doch dieser Wunsch, der ihm auch gerichtlich zugesichert wurde, scheitert bislang an einem Boykott seiner Ex-Frau.

Als einzige Frau im Bunde repräsentiert die Musikerin Birgit die andere Seite, den anderen Blick auf den Kampf ums Sorgerecht, in denen die Männer aufgrund ihrer (so nennt es einer der betroffenen Männer selbst) "Naivität" häufig den Kürzeren ziehen. Mit erstaunlicher Offenheit schildert Birgit ihre Sicht der Dinge und macht deutlich, dass Vaterschaft für sie in erster Linie "ja immer nur Erzeugung" meint. Eine ernüchternde Analyse und Dekonstruktion des Familienidylls, wie es Werbung und Politik propagieren. Doch die Erfahrungen von Männern wie Douglas Wolfsperger und all den anderen geben ihr Recht.

Dass sich an der dahinter durchscheinenden impliziten Rollenverteilung auch im 21. Jahrhundert und in einer aufgeklärten Gesellschaft wie der unseren trotz etlicher gesetzlicher Initiativen nichts geändert hat, darin liegt die Sprengkraft dieses Film, der neben persönlichen Schicksalen auch eines der wenigen noch verbliebenen Tabus aufzeigt.

Douglas Wolfsperger Film Der Entsorgte Vater könnte gerade wegen seiner gnadenlosen und niemals verschleierten Subjektivität ein wichtiger Impuls werden, sich mit diesem Tabu näher auseinander zu setzen und Maßnahmen zu ergreifen, die endlich einmal darauf abzielen, getrennt lebenden Eltern – gleich welchen Geschlechts – einen regelmäßigen Umgang mit ihren eigenen Kindern zu ermöglichen. Es wäre – auch wenn manche Gerichte genau dies negieren – insbesondere für die weitere Entwicklung der Kinder ein längst überfälliger Schritt.

von Joachim Kurz

[Originalartikel]

FILMBEWERTUNG (6/6)


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Stand (03.06.09)
Programmkino.de

Der entsorgte Vater

Mit DER ENTSORGTE VATER widmet sich Douglas Wolfsperger einem gesellschaftlichen Phänomen, das in der öffentlichen Wahrnehmung kaum vorkommt: Männer, die nach einer Trennung von ihren Frauen nicht nur als Partner, sondern auch als Vater „entsorgt“ wurden und die nun vergeblich um eine Beziehung zu ihren Kindern kämpfen. Fünf Männer schildern in berührenden Interviews ihr Leid und ihre Bemühungen. Eine Frau berichtet von der anderen Seite.

KRITIK

Mit dem Titel seines Films greift Douglas Wolfsperger einen Artikel aus dem Magazin „Der Spiegel“ vom November 1997 auf. Der Anlass, den Film zu drehen, ist wie für den Spiegel Autor Matthias Matussek damals, ein zutiefst persönlicher. Fünf Jahre lang hat Wolfsperger mit seiner Ex-Freundin um das Sorge- und Umgangsrecht für seine Tochter gestritten. Nun muss er sich endgültig von dem Kind verabschieden. Das Berliner Kammergericht hat entschieden, dass das Mädchen Ruhe braucht und keinen weiteren Zerreißproben ausgesetzt werden dürfe. „Obwohl ich davon ausgehe, dass eine Beziehung von Hanna zu ihrem Vater für ihre Entwicklung sehr wichtig wäre, überwiegen die Risiken, die mit einer erneuten erfolglosen Umgangsanbahnung oder einem erneuten Umgangsabbruch verbunden wären. Dies gilt auch vor dem Hintergrund, dass ich die derzeitigen Probleme bei der Umgangsregelung der Mutter zuschreibe.“ schreibt die Sachverständige.

Seine Verzweiflung darüber, nicht mehr Vater sein zu dürfen, nimmt Wolfsperger zum Anlass für ein sehr persönliches Porträt von fünf Vätern, die zugleich mit der Trennung nicht nur die Partnerin, sondern auch die Kinder verloren haben, und von einer Mutter, die die Väter erfolgreich und ohne einen Hauch von Schuldbewusstsein aus der Erziehung ihrer Kinder verdrängt hat. In ausführlichen Interviews erzählen die Männer von ihren Versuchen, den Kontakt zu halten, von einem Gerichtssystem und einer Gesellschaft, die den Müttern fast automatisch Recht gibt und von Müttern, die gemeinsame Kinder bewusst und unbewusst zu Machtspielen und Racheakten benutzen.

Da ist zum Beispiel der junge Polizist Ralf Bähringer, der seine Ex-Frau seit der von ihr gewünschten Trennung nicht mehr wieder erkennt. „Eiskalt“ gesteht sie ihm nicht mal das gerichtlich vereinbarte Minimum an Umgangsrecht zu, geschweige denn eine seinen Arbeitszeiten angepasste, flexible Regelung. Franzjörg Krieg hat seine älteste Tochter seit 10 Jahren nicht mehr gesehen und hat 2001 den „Väteraufbruch für Kinder e.V.“ in Karlsruhe gegründet. Am härtesten hat es wahrscheinlich Bernd Sosna getroffen, der von seiner Ex-Frau willkürlich des Missbrauchs an seiner Tochter angeklagt wurde.

Während man den Männern zuhört, erhält man eine Ahnung, wie die Ehen wohl gescheitert sein mögen. Einer erwähnt Alkohol, ein Anderer spricht von ständigen Auseinandersetzungen, wieder einer von dem „Selbstverwirklichungsbedürfnis“ seiner Frau und Ralf Bähringer wundert sich naiv „sie hatte einen Trockner, eine Waschmaschine, es war doch alles da“. Zugleich aber wird überdeutlich, wie wenig die Liebesbeziehung der Eltern mit der Beziehung zwischen Vater und Kind (oder Mutter und Kind) zu tun hat und wie grausam und unverständlich es für Kinder ist, wenn sie zugleich mit der Partnerschaft endet - oder durch die Machtspiele der Eltern unrettbar vergiftet wird. Wie das vor sich geht, wird vor allem in dem Interview mit Birgit Laube anschaulich, die unbefangen den Kampf der Eltern um die Kontroll- und Liebeshoheit über die Kinder schildert.

Wolfsperger geht es in DER ENTSORGTE VATER um einen subjektiven Bericht aus der Welt der getrennten Männer, die gerne Vater wären und es nicht sein dürfen, und um das Elend der Kinder, die zwischen die Fronten geraten. Es geht nicht um die Mütter (die kaum zu Wort kommen und das wohl auch nicht wollten) oder um die vielen Trennungsväter, die sich nicht um ihre Kinder kümmern. Wissenschaftliche, gesellschaftliche und juristische Debatten, beispielsweise um das Scheidungs- und Sorgerecht von 1978, das „Parental Alienation Syndrome“, oder die neue Mütterlichkeit berührt der Film nur am Rande. Aber er fordert eindrucksvoll dazu auf, sie endlich zu führen.

von Hendrike Bake


Die Ehe war Jahrhunderte lang eine so gut wie unverrückbare Institution. In unseren Zeiten steht sie auf dem Prüfstand. Scheidung im Guten bei anschließender „Freundschaft“ oder aber Trennung, Scheidung im Bösen, Rosenkrieg, juristische Schlachten, Hass – so sieht es in unzähligen Fällen heute aus.

Das Problem sind dabei die von solchem Unfrieden betroffenen minderjährigen Kinder. Wie sehen die Auswirkungen der Trennungen und Scheidungen auf sie aus? Wie die seelischen Nöte? Wie die praktischen Arrangements? Gibt es zufriedenstellende Regelungen?

Unter einem ganz besonderen Aspekt hat sich Regisseur Douglas Wolfsperger des Themas angenommen, und zwar aus der Sicht jener Väter, die auf die Rechte an ihren Kindern verzichten müssen. Oft wird nach jahrlangen Streitigkeiten gerichtlich entschieden, dass dem Kind oder den Kindern die Auseinandersetzungen nicht mehr zugemutet werden können und dass „zum Wohle des Kindes“ das Sorgerecht einem Elternteil zugesprochen werden muss. In den allermeisten Fällen erhält es die Mutter. Die Väter gehen leer aus.

Wolfsperger ist selbst betroffen. Gerichtlich wurde geurteilt, er müsse von seiner Tochter für zweieinhalb Jahre Abschied nehmen – vielleicht für immer. Für den Mann eine Tragödie. Doch er wird sicherlich weiterhin kämpfen.

Vier weitere Väter stellt er in seinem Dokumentarfilm vor, die ähnlich leiden; die ihre Kinder seit Jahren nicht sehen; denen von ihren früheren Ehefrauen oder Lebensgefährtinnen alles abgeblockt wird; denen die Geschenke an die Kinder zurückgeschickt werden; die von einem Tag auf den anderen „entlassen“, „entsorgt“ wurden; die sogar rein verleumderisch und ohne den geringsten Anhaltspunkt beschuldigt werden, ihr Kind missbraucht zu haben. Ebenfalls eine Tragödie.

Ein Sonderfall ist in dem Film auch dabei: eine aus Leipzig stammende Geigerin, die zwar Kinder will, aber im Grunde keinen Mann. Ihre Argumentation überzeugt nicht.

Die Ehefrauen kommen nicht zu Wort. Da jedoch alles zwei Seiten hat, ist „Der entsorgte Vater“ als rein subjektiv und einseitig anzusehen.

Und doch fehlt es keinesfalls an Interesse an diesem Film. Ist die Rechtslage vielleicht doch ungenügend? Ist die Politik gefragt? Geht es in der Alltagsrealität mit rechten Dingen zu? Müssen die „entsorgten Väter“ tatsächlich derart draufzahlen und leiden?

Es ist sicherlich ein Verdienst Wolfspergers, in seinem Dokumentarfilm das Problem in drastischer und zum Teil aufrüttelnder Weise aufgezeigt zu haben. Zum Bewusstwerden und zum Nachdenken.

Subjektives Plädoyer für rechtlich benachteiligte Elternteile, insbesondere Väter, für die bei aller Berücksichtigung des Wohls der Kinder Besserung Not täte.

von Thomas Engel

[Originalartikel]

02.11.2008, Bericht von Franzjörg Krieg
"Der Entsorgte Vater"
bei den 30. Biberacher Filmfestspielen 2008

Am Freitag, 31.10.2008, öffnete sich um 18.50 Uhr der Vorhang zur ersten Präsentation des neuen Dokumentarfilmes von Douglas Wolfsperger vor einem voll besetzten Kinosaal.
Alle waren entweder gespannt auf den neuen Film, weil sie Wolfsperger als feste Institution im Rahmen dieses Festivals kannten, oder weil sie um die Brisanz und die Zwiespältigkeit wussten, die diesem Thema offiziell in Deutschland anhaften. Dass die Bearbeitung dieses Themas ein Wagnis darstellt, war wohl allen klar.
Und dann überzeugten von Anfang an gleich die Bildsprache, die Musik, die Kameraführung – die handwerklichen Aspekte eines typischen Wolfsperger-Filmes, die die Zuschauer in den Sog des Themas transportierten und nicht mehr los ließen.

Douglas Wolfsperger suchte Schicksale von Vätern, die – wenn irgend möglich – während den Dreharbeiten eine Entwicklung erfahren und damit dem Film einen weiteren Aspekt von Spannung zuführen könnten. Er rechnete wohl nicht damit, dass es sein eigener Trennungsvater-Fall sein würde, der sich so entwickelte, dass er schließlich als roter Faden durch den Film führt und damit gerade diesen Film seinen Macher nicht nur hinter die Linse, sondern auch vor das Auge seiner Kamera bringt und damit sehr authentisch, persönlich und intim gestaltet.
Dieselbe mutige Öffnung des Einblickes in die eigene sehr intime Lage prägt auch die Geschichten der anderen im Film portraitierten Väter.
Leider konnte Douglas Wolfsperger keine durch die im Film portraitierten Fälle betroffene Mutter zu einer Mitwirkung bewegen. Alle lehnten pauschal ab, wenn auch der betroffene Vater zu Wort kommen sollte.
Die einzige Mutter, die zur Mitwirkung zu bewegen war, erklärte sich nur unter der Voraussetzung bereit, dass Douglas Wolfsperger zum betroffenen Vater keinen Kontakt aufnehmen wird.
Dieser Vater erfuhr über die Medien von der Möglichkeit, in diesem Film zum ersten Mal nach Jahren seine Tochter wenigstens auf der Leinwand wieder zu sehen und war bei der ersten Aufführung anwesend.
Zwei der portraitierten Väter saßen ebenfalls sehr gespannt im Publikum, um das Resultat ihrer Mitwirkung zum ersten Mal zu sehen.

Alle portraitierten Personen wurden von Douglas Wolfsperger sehr persönlich, sehr nah - und positiv - gezeichnet und so manche Schilderung ließ ungläubiges Entsetzen aufkommen. Auch die portraitierte Mutter wurde durch die Bildsprache positiv umrahmt und zeigte sich durchaus nachvollziehbar, bis sie sich schließlich durch eine einzige Aussage und einen Blick selbst demaskierte.

Nicht nur der lang anhaltende Beifall, sondern auch die Diskussionen zwischen Publikum, Douglas Wolfsperger und den portraitierten Vätern nach beiden Vorstellungen zeigte, dass der Film nicht nur eine betroffene Minderheit anspricht, sondern dass der Film vom breiten Publikum sehr positiv aufgenommen wird.

 
Filmfest in Biberach - Der Entsorgte Vater
FILMSTARTS.de

Der entsorgte Vater

Kritik

Trennungen sind in den seltensten Fällen etwas Schönes. Viel häufiger zieht die Beendigung einer Beziehung ausdauernde Streitigkeiten nach sich. Wer bekommt das Familienauto? Wer den Flügel? Und soll man den Brockhaus in zwei Hälften teilen? All diese Fragen, die den gemeinsamen Besitz betreffen, lassen sich trotz Meinungsverschiedenheiten meist lösen, weil sich Gegenstände aufteilen lassen. Aber wem „gehört“ fortan das gemeinsame Kind? Im Regelfall landet dieser Streitpunkt vor einem Richter. Dabei wird der Mutter das Sorgerecht deutlich häufiger als dem Vater zugesprochen. Auch Douglas Wolfsperger hat das Sorgerecht für seine Tochter vor Gericht verloren. Und nicht nur das, er soll sie sogar überhaupt nicht mehr zu Gesicht bekommen dürfen. Deshalb begab sich der Dokumentarfilmer (War‘n Sie schon mal in mich verliebt, Der lange Weg ans Licht) auf die Suche nach anderen Opfern und wurde fündig: „Der entsorgte Vater“ erzählt neben der Geschichte des Regisseurs auch noch fünf weitere, ganz ähnliche Väterschicksale.

Wolfsperger macht sich auf die Reise, um seine Tochter zu treffen. Auf halbem Weg sagt seine Ex-Frau das Treffen überraschend ab. In Karlsruhe gestrandet, beschließt der Regisseur, Leidensgenossen zu treffen. Dazu zählt auch Franzjörg Krieg, der sogar einen gemeinnützigen Verein ins Leben gerufen hat, der sich speziell um die Probleme von Vätern kümmert, die ihre Kinder nach gescheiterter Ehe weiterhin besuchen wollen. Krieg, der seine eigene Tochter seit mehr als zehn Jahren nicht mehr gesehen hat, kennt aufgrund seiner Vereinsarbeit viele ähnlich gelagerte Fälle. Drei Gesichter dazu treten in „Der entsorgte Vater“ vor die Kamera und berichten von ihrem Leid. Die Runde komplettiert Birgit Laub – die einzige Mutter, die bereit war, aus ihrer Perspektive zu erzählen, warum sie vor Gericht ein Umgangsverbot erstritten hat.

Der Einstieg in die Dokumentation, also die Fahrt zur Tochter, die abrupt und zufällig in Karlsruhe ihr Ende findet, ist offensichtlich fiktiv und wirkt dementsprechend aufgesetzt. Dennoch ist er als Exposition durchaus zweckdienlich. So macht Wolfsperger sofort klar, dass seine Motivation für diesen Film seine private Leidensgeschichte ist. Die stellt er mithilfe der Dokumentation nun ins Licht der Öffentlichkeit, um eine Diskussion anzuregen, die im allgemeinen Bewusstsein nicht allzu präsent ist. Die nackten Zahlen geben Wolfsperger Recht, in diese Kerbe zu schlagen, da es tatsächlich eine nicht unerhebliche Anzahl von Vätern gibt, die bei Sorgerechtsklagen als Verlierer aus dem Prozess hervorgehen. Über den Einzelfall oder die Gerechtigkeit der Entscheidungen ist damit freilich noch nichts gesagt.

Anfang der 70er Jahre etablierte sich eine Männerbewegung, die in ihren Anliegen ähnlich heterogen war wie die parallel aufkommende Frauenbewegung. Während im Zuge der Gleichberechtigung viele politische und rechtliche Werkzeuge (etwa die Frauenquote) eingeführt wurden, um Frauen Chancengleichheit einzuräumen, bemängelte die Gegenseite, dass für ins Hintertreffen geratene Männer nichts getan würde. Mit dem Namen des Spiegel-Kolumnisten Matthias Matussek verbindet sich die wohl öffentlichkeitswirksamste Episode der Bewegung: In einem polemischen Artikel, aus dessen Überschrift auch der Titel von Wolfspergers Dokumentation zurückgeht, prangerte Matussek 1997 die Missstände des deutschen Rechtssystems an und forderte Veränderungen. Wolfspergers Film zeichnet ein aktualisiertes Bild der Lage, das aussagt: „Viel hat sich in den vergangenen zwölf Jahren nicht geändert.“

Dies in einem Dokumentarprojekt objektiv zu beurteilen, gestaltet sich aber ziemlich schwierig, weil „Der entsorgte Vater“ ausschließlich von berichteten Einzelschicksalen lebt und kaum andere Mittel verwendet. Ein gerechtes Urteil zu fällen, gestaltet sich mitunter auch deshalb schwierig, weil es letztlich doch eine Sympathiefrage ist, ob man sich auf die Leidensgeschichten der fünf Porträtierten einlässt oder nicht. An vielen Stellen wird deutlich, dass das Leid der entsorgten Väter echt ist. Andererseits versteht man manchmal aber auch die abwesenden Frauen ein Stück weit. Ein Polizist versteht etwa bis heute nicht, warum seine Frau ihn eigentlich verlassen hat: „Sie hatte doch alles: Geschirrspüler, Waschmaschine, Trockner.“

Fazit: „Der entsorgte Vater“ will betroffen machen und seine Zuschauer für die Einzelschicksale sensibilisieren, die hinter der Statistik stehen. Dieses Bestreben wird mit allen Mitteln verfolgt, was sich etwa beim Umgang mit einlullender, sentimentaler Musik allzu plump zeigt. Streckenweise schafft es der Film aber trotz der mitunter manipulativen Methoden noch nicht einmal, tatsächlich zu berühren. Gerade an diesen Stellen leidet die Dokumentation besonders unter der Eintönigkeit der eingesetzten Stilmittel.

von Christian Schön

[Originalartikel]

Bewertung: 4/10

Leserkritiken:
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Stand (03.06.09)
MOVIESECTION.de

Der entsorgte Vater

FAZIT

Mal wieder ist es der Regisseur und Drehbuchautor Douglas Wolfsperger, der uns einen dokumentarischen Spielfilm der besonderen Art beschert. Während viele andere Filmemacher oberflächlich bleiben und Tatsachen nüchtern in ihrem Film präsentieren, versteht es Wolfsperger den Zuschauer nicht nur zu informieren, sondern auch auf einer emotionalen Ebene zu berühren. Dies gelingt ihm mit „Der entsorgte Vater“ besser als je zuvor. Dadurch, dass er hier eine sehr persönliche Geschichte erzählt und selbst als Teil davon fungiert, trifft Wolfsperger den Zuschauer von dieser Dokumentation mitten ins Herz. Mitgefühl und ein enormes Unverständnis gegenüber der Ungerechtigkeit, sind die schönen Reaktionen seitens des Publikums. Einzig vorwerfen könnte man Douglas Wolfsperger, dass er dieses Mal ein Stück von seiner Objektivität eingebüsst und die Geschichte sehr einseitig präsentiert hat. Die einzige Frau, die in „Der entsorgte Vater“ als Gegenpol agiert, ist zugleich ein Negativbeispiel und wirkt damit zwar unterstützend für die betroffenen Väter, zeigt aber keine andere Seite der Medaille auf. Dem Regisseur daraus ein Vorwurf zu machen, fällt allerdings schwer. Wer „Der entsorgte Vater“ gesehen hat, versteht den tief sitzenden Groll und kann das Leid, das Väter die von ihren Kindern getrennt sind, sehr gut erfassen.

"Der entsorgte Vater" – ein toller Beitrag zu einem Thema, das in unserer Gesellschaft leider viel zu selten thematisiert wird.

[Originalartikel]

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Stand (03.06.09)

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