banner750_entsorgter-vater.jpg

 

Über den Film Vorführungen Presse Multimedia Diskussionen Rezensionen

 

Pressemeldungen und Berichte
Informationen
16.07.2009, DER TAGESSPIEGEL
Doku-Streit

Versuchte Nähe

Von Christiane Peitz

Das Recht auf das eigene Bild, im Privatleben wissen wir damit umzugehen. Im Zweifel löscht man das unvorteilhafte Foto aus dem Computer. In der Öffentlichkeit ist die Sache komplizierter. Christiane Peitz über den Streit um die Doku "Der entsorgte Vater"

Meinungsfreiheit gegen Persönlichkeitsrecht, das ist eine uralte Fehde. Nicht selten kämpft dabei David gegen Goliath, wie gerade die kleine schwedische Poduktionsfirma „WG-Film“ gegen den Lebensmittel-Multi Dole Food Company. Es geht um den Dokumentarfilm „Bananas“ und den darin erhobenen Vorwurf, nicaraguanische Plantagenarbeiter seien mit Pestiziden vergiftet worden. Aber es gibt noch tragischere Konstellationen.

„Der entsorgte Vater“ heißt ein bewegender Dokumentarfilm von Douglas Wolfsperger, der seit 11. Juni in den Kinos läuft. Er bewegt deshalb, weil der Regisseur nicht nur traurige Fälle von Vätern versammelt, denen der Kontakt zu ihren Kinder untersagt wurde, sondern auch ungeschützt von sich selbst spricht. Nach der Trennung von der Lebensgefährtin und jahrelangen juristischen Auseinandersetzungen darf er seine mittlerweile 11-jährige Tochter nicht mehr sehen, das Gericht verbot es ihm. Der Film ist ein Dokument des väterlichen Schmerzes, eine Flaschenpost an das verlorene Kind.

Kurz nach Filmstart erwirkte die Mutter eine Einstweilige Verfügung gegen die Verwendung eines Fotos, das die damals Dreijährige mit dem Vater zeigt. Gut zwei Sekunden ist das Bild zu sehen. Das Düsseldorfer Landgericht bestätigte am Mittwoch die Verfügung; der Antrag auf Aufhebung wurde abgelehnt. Begründung: Es fehle die schriftliche Erlaubnis für die Veröffentlichung. Und gerade das Persönlichkeitsrecht von Minderjährigen müsse besonders berücksichtigt werden. Einige Kinos haben den bundesweit mit 14 Kopien laufenden Film aus dem Programm genommen. Die anderen haben eidesstattlich versichert, die Stelle zu kürzen. Man tut das wie der klassische Zensor: mit der Schere. Circa 70 Meter seien es, wie Michael Höfner vom Verleih GM-Films erläutert; bei der digitalen Version wird die Passage verpixelt. Noch ist nicht entschieden, ob der Verleih in Berufung geht.

Erschütternde Vorstellung: Ein Mädchen, das im Rosenkrieg der Eltern zum Opfer wird. Der Hass – oder was ist es sonst? – einer Frau auf ihren Ex. Ein Hass, der zur Folge hat, dass der Vater nicht mal ein altes Foto öffentlich zeigen darf, als Unterpfand seiner Zuneigung zur Tochter, nicht mal zwei Sekunden lang. Und am Ende sind da Filmtechniker, die wegen dieser privaten Tragödie einen Zelluloidstreifen zerschneiden.

Kunstfreiheit und Persönlichkeitsrecht: Der Dokumentarfilm wird oft in diese Kampfzone gezerrt. Denn mehr noch als die gedruckte Reportage ist er das Genre schlechthin für versuchte Nähe. Die Verabredung des Porträtisten mit dem Porträtierten besteht im Kern genau darin: Dass er hinter Fassaden schaut, Blößen riskiert, Persönliches preisgibt. Das Recht auf das eigene Bild ist dabei immer schon tangiert. Nicht vor Gericht, aber im Internet beklagen sich derzeit auch die Protagonisten von „Klang der Seele“, Marian Czuras Porträt einer Kompositionsklasse, über ihren „Missbrauch“ in einem „peinlichen Propagandafilm“ für Czuras Sohn, einen der Kompositionsschüler. Hat man sich beim Dreh derart gründlich missverstanden? Nicht schön. Aber es ist nichts gegen das Familiendrama, das im erbitterten Streit um ein acht Jahre altes Kinderbild zutage kommt.

logo der tagesspiegel

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel)

[Originalartikel]

15.07.2009, Der Westen
Gericht

Väter-Film: Szene mit Foto der Tochter bleibt verboten

Düsseldorf, von Katharina Rüth

Landgericht bestätigte vorige Entscheidung
In dem Film „Der entsorgte Vater” darf auch weiterhin nicht das Kinderfoto der Tochter des Regisseurs gezeigt werden. Das bestätigte gestern das Landesgericht.
Filmemacher Douglas Wolfsperger stellt in dem Dokumentarfilm fünf Väter vor, die keinen Kontakt mehr zu ihren Kindern haben dürfen, einer davon ist er selbst. In einer Sequenz betrachtet er ein Foto, auf dem er mit seiner damals dreijährigen Tochter zu sehen ist. Damit will er nach eigenen Angaben die Nähe zeigen, die einst zwischen ihnen möglich war.
Die Mutter des heute elfjährigen Mädchens hatte bereits kurz nach dem Filmstart am 11. Juni eine Einstweilige Verfügung gegen diese Szene erwirkt, weil sie der Veröffentlichung des Bildes nicht zugestimmt habe. Wolfsperger hatte Einspruch erhoben, erklärt, seine Tochter sehe ja heute ganz anders aus. Die Szene sei wichtig für den Film.
Das Gericht bestätigte jedoch die vorige Entscheidung: Mit der ungenehmigten Veröffentlichung werde das Recht des Mädchens am eigenen Bild verletzt. Dafür reiche auch eine abstrakte Wiedererkennungsmöglichkeit.

logo der westen

[Originalartikel]

15.07.2009, Schwäbisches Tagblatt

Ausgeschmierte Männer

Douglas Wolfspergers Dokumentarfilm „Der entsorgte Vater“ klagt an

Organisiert hatte den Abend der „Väteraufbruch“, eine Interessengemeinschaft, die sich für ein gemeinsames Sorgerecht nach Trennung und Scheidung einsetzt. Aber es waren beileibe nicht nur Männer, die am Montag Douglas Wolfspergers Dokumentation „Der entsorgte Vater“ im Waldhorn sehen wollten.

Jetzt erschien das Bild von Wolfspergers Tochter also doch im Film, obwohl derzeit darum gestritten wird vorm Landgericht Düsseldorf, weil das Foto angeblich „eine emotionale Nähe zu mir dokumentiert, die so nicht mehr herüberkommen soll.“ Eine Fußnote eigentlich, wäre sie nicht zugleich auch symptomatisch für die bisweilen erschreckende Energie, mit der zerstrittene Paare um Kinder zanken.

Kein Zweifel: „Der entsorgte Vater“ ergreift einseitig Partei und verschweigt dies von Anfang an nicht. Wolfsperger lässt vier Männer zu Wort kommen, die es teils noch härter getroffen hat als ihn selbst. Einen Ex-Realschullehrer in seinen Sechzigern etwa, der seine Frustration mittlerweile zu politischer Arbeit im „Väteraufbruch“ sublimiert hat. Er erzählt davon, dass seine längst erwachsene Tochter im selben Betrieb wie er Praktikum machte, ihn aber selbst in dieser Situation mied.

Und ein anderer Vater berichtet, dass auf Betreiben seiner ehemaligen Frau wegen sexuellen Missbrauchs gegen ihn ermittelt wurde. Ein Freispruch erster Klasse nützte ihm aber nichts: Obwohl es ihr unter Androhung von Zwangsgeldern auferlegt wurde, betreuten Umgang des Vaters mit der Tochter zuzulassen, weiß die Mutter den ersehnten Kontakt immer wieder zu hintertreiben.

Die Mutter tritt nur auf

als Kinderbesitzerin

Einzig in seinem Fall fließen Tränen. Ansonsten befleißigen sich die Männer eines eher abgeklärt resignierten bis verhalten kämpferischen denn offen larmoyanten Tonfalls, und auf allzu suggestive Bilder hat Wolfsperger weise verzichtet. Ihren vorgeblichen Anspruch, die Interessen der Kinder zu artikulieren, löst diese Dokumentation allerdings nicht ein: Sie bietet fast nur Männerbefindlichkeiten ein Forum. Und selbst die einzige auftretende Mutter scheint bloß in den Film aufgenommen, um den Archetyp der „Kinderbesitzerin“ zu verkörpern, für die Partner auf Dauer nicht mehr sind als „Samenspender“.

Erz-Trauma fast aller dieser um ihr Vatersein geprellten Männer aber ist es, dass die Kinder (im Film sind es zufälligerweise durchweg Töchter) irgendwann von sich aus keinen Wert mehr auf Nähe legen. 40 Prozent aller Väter in Deutschland, sagt die Statistik, haben ein Jahr nach der Trennung keinen Kontakt mehr zu ihrem Kind, nicht wenige davon trotz eigener Bemühungen darum.

In einem der leider raren analytischen Momente im Film versucht sich eine Vertreterin des Kinderschutzbundes daran, die psychologischen Mechanismen hinter dieser fast programmierten Entfremdung nachzuvollziehen: „Die Mütter glauben wirklich, es sei für die Kinder das Beste, wenn sie ihren Vater nicht mehr sehen. Und die Kinder haben Angst, nach dem einen auch noch den anderen Elternteil zu verlieren. Deshalb tun sie alles, damit es nicht dazu kommt.“

In welchem juristischen Rahmen sich so ein De-Facto-Kindesentzug vollzieht, leuchtet der Film nicht annähernd aus. Es wird lediglich über eine einseitige Rechtssprechung und „gnadenlos“ den Müttern beistehende Jugendämter geklagt. In der äußerst lebhaften Diskussion mit Douglas Wolfsperger machten Betroffene ihrem Unmut darüber Luft, dass in puncto Väterrechte Deutschland eine „Bananenrepublik“ sei, der „Umgang mit Kindern in dieser Gesellschaft barbarisch.“

Auch Vertreter der angegriffenen Zünfte meldeten sich. „Der helle Wahnsinn“ walte oft zwischen verkrachten Ex-Partnern, bestätigte Christine Bauer, die beim Kreis Tübingen Jugend- und Familienberatung macht. Aber: „Wir versuchen, mit den Eltern einen Vertrag zu schließen, der ein Mindestmaß an Umgang mit den Kindern sichert.“

Blockiert wird oft

auf subtile Art

„Mit Zwang geht da wenig“, pflichtete Familienrichter Burghart Heusch bei: „Der Vorwurf an uns geht fehl, denn die Mütter blockieren und verhindern auf subtile Art. Zwangsgelder sind wegen der ökonomischen Situation der Frauen oft nicht vollstreckbar. Sollen wir sie dann ins Gefängnis schicken?“

Es werde zu wenig von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, hartleibigen Müttern einen Teil des Sorgerechts abzunehmen und einen Umgangspfleger einzusetzen, kritisierte der Regisseur. Auch eine zum September in Kraft tretende Gesetzesänderung, die Eltern schneller an einen Tisch zwingt als bisher, beurteilt Wolfsperger skeptisch: „Die Gerichte sind jetzt schon überlastet.“

Text: willibald ruscheinski

logo schwaebisches tagblatt

Nachrichten: Rottenburg

[Originalartikel]

douglas wolfsberger

Foto: GMFilms

Der ausgebremste Vater vor einem Bild aus glücklicheren Tagen, über dessen ungenehmigte Verwendung im Film gerade vor Gericht gestritten wird: Regisseur Douglas Wolfsperger und seine mittlerweile acht Jahre ältere Tochter


Info

„Der entsorgte Vater“ läuft von Donnerstag bis Sonntag, 16. bis 19. Juli, jeweils um 18.30 Uhr im Waldhorn. Link zur Website der Initiative „Väteraufbruch“: www.vafk-es.de

11.07.2009, MV Online

„Der entsorgte Vater“: leidenschaftliche Diskussion

VON LUKAS SPECKMANN

Münster - Douglas Wolfsperger sieht nicht aus wie jemand, der sich entsorgen lässt. Eher wie ein ganzer Kerl von einem Filmemacher, der mit beiden Beinen im Leben steht und es nicht nötig hat, sich bei irgendwem anzubiedern. Umso stärker, wenn jemand mit diesem Auftreten um Fassung ringt. „Hallo Douglas“, steht in kunstvoller Kinderschrift auf dem Blatt Papier, das er in die Kamera hält. Es ist ein Brief seiner kleinen Tochter. Darin steht weiter, dass sie ihn nicht mehr mag und nicht mehr wiedersehen will.

In diesem Moment ist es im großen Kinosaal des Cinema noch ein bisschen stiller. Und es ist ohnehin schon sehr still; als das Licht angeht, haben etliche Zuschauer Tränen in den Augen. Beifall für den Regisseur. Gibt es Fragen?

Und ob. Douglas Wolfsperger stellt im Programmkino an der Warendorfer Straße seinen Film „Der entsorgte Vater“ vor (WN, 10.7.). Eine Dokumentation über fünf Väter, denen nach der Trennung von ihren Partnerinnen der Umgang mit den gemeinsamen Kindern verwehrt wird. Der Film hat bundesweit ein gewaltiges Echo ausgelöst. Und Douglas Wolfsperger, selbst ein „entsorgter Vater“, ist ein gefragter Mann geworden, der sich im ganzen Land der Diskussion stellt. Ein Zuschauer erwähnt, dass er 160 Kilometer nach Münster gefahren sei, um Film und Regisseur zu sehen.

Die Veranstalter haben mit kontroversen Stimmen gerechnet. Es gibt durchaus kritische Bemerkungen, aber keinen wirklich heftigen Widerspruch. Mehrere Zuschauer und Zuschauerinnen bedanken sich ausdrücklich dafür, dass Wolfsperger das Thema aufgegriffen habe, viele geben sich als Betroffene zu erkennen. Einige berichten von ihrem eigenen Schicksal, die Diskussion wird zum öffentlichen Bekenntnis, Wolfsperger hat einige Mühe, daran zu erinnern, dass es hier doch eigentlich um etwas anderes geht: „Ich bin heute Abend da, um meinen Film vorzustellen.“ Doch das Thema hat sich offenbar längst verselbstständigt.

Es scheint sich um ein Massenphänomen zu handeln: Wolfsperger verweist auf Zahlen des statistischen Bundesamtes. Demnach wird jährlich ungefähr 100000 Trennungskindern vom betreuenden Elternteil der Kontakt mit dem jeweils anderen Elternteil verwehrt. Fast immer sind es die Väter, die ihre Kinder nicht mehr sehen dürfen. Manche wollen vielleicht auch gar nicht. Aber viele eben doch.

Ein Zuschauer gibt sich als Familienrichter zu erkennen, was ihm sofort ungeteilte Aufmerksamkeit beschert. Er bittet darum, nicht so sehr zu polarisieren; er kenne auch Fälle „entsorgter“ Mütter. Fakt sei allerdings, dass bei Trennungen in den meisten Fällen den Frauen das Sorgerecht zugesprochen werde.

Frauen kommen in Wolfspergers Film nur wenig zu Wort. Das ist ihm immer wieder vorgeworfen worden, und es wird auch im Cinema angemerkt. Es sei ihm nicht möglich gewesen, beide Seiten zu berücksichtigen, sagt er. Die betroffenen Mütter hätten jede Mitwirkung abgelehnt.

Eine junge Frau meldet sich aber doch tief bewegt zu Wort, zumindest hier im Kinosaal. Zehn Jahre lang habe sie ihren Vater nicht gesehen - und erst nach der Wiederbegegnung mit ihm gemerkt, dass sie zwischen den Positionen von Mutter und Vater eine eigene Wahrheit finden musste. „Lassen Sie den Mut nicht sinken“, rät sie allen „entsorgten Vätern“ im Kino.

Es gibt viel Beifall. Und einen mehrheitsfähigen Dank an Douglas Wolfsperger: „Ihr Film war bitternötig!“

logo mv online

[Originalartikel]

Douglas Wolfsperger sorgt mit seinem Film über Väter, die ihre Kinder nicht mehr sehen dürfen, für handfeste Diskussionen. Auch im Cinema.
Foto:(Oliver Werner)

08.07.2009, Der Westen
Gericht

Väter-Film: Streit um Kinderfoto geht weiter

Katharina Rüth / Philipp Koep

Verletzt die Veröffentlichung eines acht Jahre alten Fotos die Persönlichkeitsrechte eines heute elfjährigen Mädchens? Das Landgericht muss darüber entscheiden, ob Regisseur Douglas Wolfsperger in seinem Film „Der entsorgte Vater” ein Foto von sich und seiner damals dreijährigen Tochter verwenden durfte. Gestern gab es eine erneute Verhandlung.

Es geht um die schmerzhaften Streite getrennter Eltern um ihre Kinder. Wolfsperger (51) verarbeitet in dem Dokumentarfilm seine Situation: Er darf nach einer Gerichts-Entscheidung seine Tochter (11) nicht mehr sehen. Seiner Meinung nach hat seine Ex-Freundin jahrelang die Kontakte behindert, das Mädchen gegen ihn beeinflusst. Im Film stellt er weitere Väter vor, die unter der erzwungenen Trennung von ihren Kindern leiden.

In einer Szene betrachtet Wolfsperger auf seinem Laptop ein altes Foto von sich und seiner Tochter. Glücklich lachen beide in die Kamera. Das Bild füllt die Leinwand. „Ich wollte die Harmonie zeigen, die es zwischen uns gab”, so der Regisseur.

Die Mutter des Kindes hat nach dem Kinostart am 11. Juni für ihre Tochter eine Einstweilige Verfügung erwirkt, dass das Bild nicht gezeigt werden darf. Wolfsperger hat Einspruch eingelegt, jetzt muss das Gericht erneut entscheiden.

Es geht vor allem darum, ob das Mädchen erkennbar und so in ihren Persönlichkeitsrechten verletzt ist und wie das gegen die Kunstfreiheit abzuwägen ist. Die Anwälte des Regisseurs argumentieren, sie habe sich seitdem so verändert, dass keiner sie erkenne. Die Szene sei dramaturgisch wichtig. Der Anwalt des Mädchens betont, sie sei erkennbar, besonders für Menschen, die sie als Dreijährige kannten. Das Gericht verkündet am 15. Juli seine Entscheidung.

In Düsseldorf zeigt das Bambi den Film, zum Start am 1. Juli diskutierte Douglas Wolfsperger mit den Besuchern. Kinobetreiber Udo Heimansberg hat nach Erlass der Einstweiligen Verfügung wie seine Kollegen eine Unterlassungserklärung unterschrieben. Der Film läuft jetzt (Samstag und Sonntag, 15.15 Uhr) ohne die Szene mit dem Foto. Andere Kinos haben die Vorführungen gestoppt.

logo der westen

[Originalartikel]

08.07.2009, Bild.de
Regisseur Douglas Wolfsperger darf seine Tochter nicht sehen – und auch nicht ihr Bild zeigen

Verstoßener Vater kämpft um sein Glück

logo bild.de

[Originalartikel]

zensiertes Foto
Foto 1 von 3
Foto: Hans Rauchensteiner, dpa Picture-Alliance, Meike Wirsel, Jörg Werth

Regisseur Douglas Wolfsperger darf seine Tochter nicht sehen

Dieses acht Jahre alte Foto zeigt Douglas Wolfsperger (51) mit Tochter Anna* (damals 3 Jahre)

Von K. DERSTROFF

Wir sehen das Foto eines Vaters mit seiner Tochter. Die Kleine mit den Zöpfen lächelt glücklich, drückt sich liebevoll an ihren Papa. Es ist der bekannte Regisseur Douglas Wolfsperger (51).

In seinem neuen Kinofilm „Der entsorgte Vater“ geht es um das Leiden von Vätern, die ihre Kinder nicht mehr sehen dürfen. Einer davon ist Wolfsperger selbst. Kontaktverbot, weil die Mutter es so will!

In dem Dokumentarstreifen zeigt er für zwei Sekunden das acht Jahre alte Foto mit seiner Tochter Anna*: „Es zeigt meine emotionale Nähe zu ihr“, erklärt der Filmemacher.

Doch das Lächeln ist schon lange ausgelöscht. Laut Einstweiliger Verfügung, die seine Ex-Freundin erwirkte. Das Mädchen muss unkenntlich gemacht werden. Ein Streit um ein Foto, hinter dem sich jahrelanges Leid verbirgt.

Wolfsperger: „Anna war ein Jahr alt. Ich war sehr beschäftigt, viel unterwegs“, erinnert er sich. In der Beziehung zur Mutter habe es da schon gekriselt. „Dazu habe ich auch beigetragen“, gibt er zu. Die Freundin zog mit der Tochter aus. Als sie seinen Kumpel heiratete, nahm das Unheil seinen Lauf. Es kam zum handfesten Streit mit dem Neuen. Wolfsperger wurde verurteilt. „Meine Tochter sollte ihn Papa nennen. Zu mir sagte sie nur noch Douglas. Man machte mir klar, dass da für mich kein Platz ist.“

Es folgte ein jahrelanger Kampf ums Umgangsrecht. „Anna wurde mir immer mehr entfremdet“, klagt ihr Vater. Im Mai 2008 sah er sie zum letzten Mal. Das Gericht verfügte, dass sie längere Zeit Ruhe brauche. Er hatte eine Stunde, sich von ihr zu verabschieden.

„Diesen Film habe ich aus Verzweiflung gedreht“, sagt Wolfsperger. Gegen die Einstweilige Verfügung hat er Widerspruch eingelegt. Doch wie das Gericht auch entscheidet – Gewinner gibt es in diesem Streit schon lange nicht mehr...

30.06.2009, Main-Netz

Dem «Entsorgten Vater» droht das Kino-Aus

Frankfurt/Main/Berlin (dpa) Dem Film «Der entsorgte Vater» von Douglas Wolfsperger droht das Aus in den Kinos. Wolfspergers ehemalige Lebensgefährtin habe gegen die Verwendung eines acht Jahre alten Fotos im Film, das den Filmemacher und seine Tochter zeigt, eine Einstweilige Verfügung erwirkt.

Dies teilte Wolfspergers Agentur am Dienstag in Frankfurt mit. Mit dem Foto wollte der Regisseur seine emotionale Nähe zu seiner heute elf Jahre alten Tochter zeigen. Der Film dokumentiert das Schicksal von fünf Vätern - einer davon ist Wolfsperger - denen der Zugang zu ihren Kindern von deutschen Gerichten untersagt wurde.

Nach Angaben von Wolfspergers Agentur haben mindestens zwei Kinos den Film bereits aus dem Programm genommen oder die entsprechende Stelle geschwärzt. Insgesamt sei der Film mit 14 Kopien in den Kinos vertreten. Wolfspergers Produktionsfirma gehe unterdessen vor dem Landgericht Düsseldorf gegen die Einstweilige Verfügung vor. Eine Entscheidung der Richter werde am 8. Juli erwartet.

[Originalartikel]

cineplex-mhm Regisseur Douglas Wolfsperger wird am 30. Juni nach der 19 Uhr Vorstellung seines Filmes DER ENTSORGTE VATER im Cineplex zu Gast sein und die Fragen der Kinogäste beantworten.

Nach dem Scheitern ihrer Ehen sind fünf Väter mit dem gleichen Problem konfrontiert. Ihre Ex-Frauen erschweren oder verhindern den Kontakt zu ihren Kindern, die sie zum Teil seit Jahren nicht gesehen haben. Die fortschreitende Entfremdung, die manchmal de facto auch vollzogen ist, nehmen die Mütter bewusst in Kauf, wenn sie weit fortziehen oder ihre neuen Lebenspartner die Vaterrolle übernehmen lassen. So tragen mit den entsorgten Vätern auch die Kinder die Nebenwirkungen chronisch vergifteter Beziehungen.

24.06.2009, Schwäbische Zeitung Online

Entsorgt, entmachtet: Die Geschichte eines Vaters

Der graue Opel Meriva ist ein Hingucker: Riesig prangt das Filmplakat für den neuen Douglas Wolfsperger-Film "Der entsorgte Vater" auf dem Heck. Am Steuer sitzt Burkhart Tabel. Entsorgt, entmachtet und vor allem rechtlos fühlt er sich nach Jahren des Sorgerechtskampfs um seine beiden Kinder. Er weiß: "Ich bin kein Einzelfall."
logo szon

[Originalartikel]

foto burghart tabel
Bild: Entsorgt, entmachtet: Burkhart Tabel spricht anderen Vätern Mut zu.

(MARKDORF/sz) 2006 kam die Trennung. Die Ehe war am Ende, Burkhart Tabel wollte die Scheidung. Was dann kam, wollte er nicht: Eine schmutzige Schlammschlacht, ein erbitterter Rosenkrieg, bei dem seine Exfrau die beiden Kinder als Munition einsetzte. Tabel kann nur vermuten, warum: ihr verletzter Stolz. "Über die Kinder kann man mich am meisten verletzen."

Tabel hat den Verein "Väteraufbruch für Kinder" im Bodenseekreis wiederbelebt. Er hilft, unterstützt und berät andere Väter, die in einer ähnlichen Situation sind. Den Wolfsperger-Film, bei dem der Regisseur fünf Väter erzählen lässt, deren Exfrauen den Kontakt zu ihren Kindern erschweren oder verhindern, hat er bei der Premiere in Karlsruhe gesehen. "Dieser Film drückt die absolute Hilflosigkeit der Männer vor Gericht aus. Aber beim Zuschauen merken Sie: Sie sind nicht allein."

Er war die Bezugsperson

Burkhart Tabel erzählt die Geschichte seiner Familie aus seiner Sicht: 13 Jahre lang war er Hausmann. Seine Frau kehrte nach der Geburt der Söhne, jetzt 13 und 14 Jahre alt, in ihren Beruf zurück. Er kümmerte sich um Haus und Kinder, kochte, putzte, betreute die Kinder bei den Hausaufgaben, half bei Schulfesten, richtete Pausenbrote. Mit der Trennung "begann das Spiel nach dem Lehrbuch", sagt der 46-Jährige. 18 Aktenzeichen und etliche Gerichtsverfahren widmen sich der Sache Tabel gegen Tabel. Seine Frau beantragte das alleinige Sorge- und Wohnrecht für sich und die Kinder. Als er eines Tages nach Hause kam, waren die Schlösser des Hauses ausgetauscht. Bis auf einen Teil seiner Kleider und einige wenige Möbelstücke sind dem gelernten Kfz-Mechaniker, der ohne Job und mittellos dastand, nichts geblieben, sagt er. "Meine Familie unterstützte mich." Zwei Kilometer weiter richtete er sich eine kleine Wohnung ein. Der Kontakt zu den Kindern war bis zur Gerichtsverhandlung im August eingeschränkt. "Die Mutter argumentierte, dass die Jungen in dieser Situation Ruhe brauchen." Das Gericht entschied im Sorgerecht auf ein Wechselmodell. Die Kinder lebten eine Woche beim Vater, die andere bei der Mutter.

Doch der große Sohn wollte ganz zu ihm: Wieder eine Anhörung vor dem Familiengericht. "Da bin ich eingeknickt." Das Jugendamt der niedersächsischen Stadt, in der er lebte, hatte ihn mit der Drohung eingeschüchtert, dass er seine Kinder gar nicht mehr sehen dürfe, wenn er weiter den Weg der juristischen Auseinandersetzung wähle. "Zynisch", sagt Tabel: "Meine Frau verweigerte jeden anderen Kontakt." Ein Jahr später dann der nächste Prozess. Das Familiengericht sprach der Mutter das Aufenthaltbestimmungsrecht zu und das alleinige Recht der gesundheitlichen Sorge und der Vertretung in Schulfragen und bei Behörden. "Also sämtliche juristischen Belange", sagt er.

Eine völlige Ohnmacht und das Gefühl, weder angehört noch ernst genommen zu werden, nimmt er aus dieser Zeit mit. "Die Frau ist Opfer, der Mann Täter", fasst er die Auffassung der handelnden Personen zusammen. "Sie sitzen in einem Beratungsgespräch und merken, dass sie überhaupt keine Chance haben." Radikal feministisch unterwandert hat er das Jugendamt seines damaligen Wohnorts empfunden. Dazu kam der blanke Terror durch seine Exfrau: Sie bezichtigte ihn vor Gericht der Wahrnehmungsstörungen. "Diese Behauptung wurde nie hinterfragt." Die Psychologin, die er als Zeugin im Prozess dabeihaben wollte, wurde anonym wegen Drogenbesitzes angezeigt und verlor ihre Zulassung. Ein Freund seiner Frau terrorisierte ihn, passte ihn ab, bedrohte ihn in der Hoffnung, dass er die Nerven verlieren würde.

Die hat er bis heute behalten. Er verliebte sich neu, kam ins Deggenhausertal, stieg in die Firma seiner Schwester ein. Mit seiner Lebensgefährtin hat er eine 15 Monate alte Tochter.

Im Dezember 2007 kündigte die Mutter seiner Söhne das Wechselmodell dann ohne Vorwarnung auf. Erst drei Monate später durften die Kinder wieder zu ihm. Als sie die Sommerferien bei ihm verbrachten, entschloss sich sein Großer, zu bleiben. Tabels Schwester begleitete den Jungen zum Jugendamt des Bodenseekreises. "Die Mitarbeiter in Friedrichshafen haben ihr Befremden über das Verhalten des zuständigen Jugendamts in Norddeutschland geäußert und auf eine drohende Kindeswohlgefährdung hingewiesen." Das hat das dortige Gericht aber nicht interessiert: Der Familienrichter drohte mit Gewaltanwendung --"auch gegenüber dem Kind" - wenn es nicht zur Mutter zurückkehre. Damit ist klar: Bis der Junge 18 Jahre alt ist, muss er bei ihr bleiben.

Ruhig und beherrscht erzählt Burkhart Tabel seine Erfahrungen. Nur in besonders emotionalen Momenten rötet sich sein Gesicht. Manchmal auch vor Freude. Denn eines weiß er: "Die längste Zeit, die ich mit meinen Kindern habe, liegt noch vor mir."

23.06.2009, Brigitte.de

Kampf ums Kind: Leserinnen über die "entsorgten Väter"

Wut, Zustimmung und Traurigkeit: Reaktionen auf unseren Report über entsorgte Väter: "Mama will nicht, dass ich Papa lieb habe".

Die Geschichte über Trennungsväter, die um Zeit und Kontakt mit ihren Kindern kämpfen, hat viele BRIGITTE-Leserinnen bewegt. Einige fragten enttäuscht, warum ausgerechnet ein Frauenmagazin die Position der Väter einnehmen müsse. Tatsächlich ist es für uns von BRIGITTE ein Anliegen, Geschichten aus den Lebenswelten von Frauen zu erzählen. Uns interessieren die Wünsche, Erfolge und Träume von Frauen, aber auch ihre Sorgen und Nöte.

Gerade Alleinerziehende finden darum bei BRIGITTE immer wieder ein Forum. So erzählten in einem Dossier alleinerziehende Mütter, die sich von der Gesellschaft und von den Männern im Stich gelassen fühlen, von ihrem Alltag. In einer anderen Geschichte haben wir gefragt, warum so viele Väter abtauchen und sich nicht um ihre Kinder kümmern ("Nehmt endlich die Väter in die Pflicht"). Aber es gibt sie eben auch, die Väter, die sich kümmern wollen, die auch nach einer Trennung Verantwortung für ihre Kinder übernehmen wollen. Und in unserem Report über "entsorgte" Väter haben wir sie zu Wort kommen lassen. Doch jetzt sind wieder die Frauen dran.

[Originalartikel]

"Mama will nicht, dass ich Papa lieb habe"

Ein Artikel aus der BRIGITTE 13/09, vom 29. Mai 2009

13.06.2009, Die Presse

Im Namen des zornigen Vaters

13.06.2009 | 18:18 | von Ulrike Weiser (Die Presse)

Laut Soziologen werden sich künftig immer weniger Männer damit abfinden, dass der Kontakt zu den Kindern durch eine Scheidung leidet oder gar abbricht. Das neue Verantwortungsgefühl kommt oft viel zu spät.

Douglas Wolfsperger sah seine Tochter Hanna zum letzten Mal vor mehr als einem Jahr. Fünf Jahre hatte er um den Kontakt zu der 11-Jährigen gekämpft – und verloren. Fünf Jahre Prozesse, Anrufe, Briefe, Tränen. Ein Fall von ganz normalem Scheidungswahnsinn eben. Bloß dass diesen speziellen Fall ganz Deutschland kennt, weil er seit vergangener Woche im Kino läuft.

Denn Wolfsperger ist nicht nur Vater, sondern auch Filmemacher. Mit der Doku „Der entsorgte Vater“ bringt er – zwölf Jahre nachdem Matthias Matussek einen gleichnamigen Aufsatz im „Spiegel“ publizierte – Väterschicksale auf die Leinwand und eine Debatte ins Rollen. Ist doch „allein die Existenz des Films ein Zeichen“, meint der deutsche Soziologe Gerhard Amendt, der eine Studie über Scheidungsväter erstellt hat: „Dass dieser Film möglich wurde, zeigt, dass sich etwas zusammenbraut. Es gibt einen Bewusstseinswandel. Immer mehr Männer wollen nach der Scheidung ihre Väterlichkeit weiterführen und nicht hinnehmen, dass ihnen der Umgang mit den Kindern genommen oder stark eingeschränkt wird.“

Und das nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Besonders schrill präsentieren sich die Väter in Großbritannien, wo die Aktivisten von „Fathers 4 Justice“ verkleidet als Superhelden Guerrillaaktionen ausführen. In den USA leiht ihnen Schauspieler Alec Baldwin sein Gesicht. Als „Angry Dad“ fand er die Rolle seines Lebens. 2008 ging er im legendär schmutzigen Kampf mit Exfrau Kim Basinger um Tochter Ireland unter die Autoren. „A Promise to Ourselves – A Journey Through Fatherhood and Divorce“ ist eine bittere Abrechnung mit dem US-Familienrecht. Und in Österreich? Prominente Gesichter fehlen, doch Aktionen und Vereine sprießen. Im Vorjahr ließ ein Linzer Friseur „Ich bin Vater. Und ich will meine Kinder sehen“ plakatieren. Der Verein „Vaterverbot“ (eine von mehreren heimischen Organisationen) gewann binnen eines Jahres 2500 Mitglieder. Er habe eigentlich nur eine Plattform im Internet gründen wollen, sagt Organisator Michael Achleitner. Inzwischen trifft er die Justizministerin, macht Lobbying für eine verpflichtende gemeinsame Obsorge, plant Demos. Dass Vereine wie seiner großen Zulauf haben, erklärt er auch damit, dass es kaum institutionelle Hilfe für Väter gebe: „Bei den Männerberatungsstellen ist der Ansatz anders. Da geht es darum, dass sich der Mann bessern soll.“

Die wütenden Väter aber wollen lieber Richter, Gesetz und Gutachter bessern. Zu Recht? Jein. Einerseits zeigten klinische Erfahrungen, dass Väter oft selbst schuld seien, wenn der Kontakt zu den Kindern nicht funktioniere, sagt der Wiener Kinderpsychotherapeut Helmut Figdor. Andererseits sei der Vorwurf struktureller Nachteile für Väter nicht unberechtigt. Denn: Gutachter und Rechtsprechung würden tendenziell die Bedeutung des Vaters für die Entwicklung des Kindes unterschätzen. Und: „Wenn die Mutter die alleinige Obsorge hat, hat sie wirklich viel Macht.“

Vaterbewusstsein durch Trennung. Die aber nicht von ungefähr kommt, meint Männerforscher Erich Lehner: „Viele Männer erwachen erst durch die Trennung und werden zum Vater. Warum demonstriert denn keiner vorher dafür, dass Männer ohne berufliche Nachteile in Karenz gehen können?“ Außerdem stört Lehner die Ideologie der „Vaterrechte“-Bewegung. Man könne zwar „nicht taxfrei sagen, dass alle Vätergruppen rechts sind“ (manche verwehren sich dezidiert dagegen), aber oft stecke doch ein gegen den Feminismus gerichtetes Weltbild dahinter. So ist es für ihn kein Zufall, dass die FPÖ auf das Thema Scheidungsväter setzt. Das sieht auch Politologe Peter Filzmaier so, wenngleich es für ihn bloß mit Taktik zu tun hat: „FPÖ-Wähler sind eben vor allem Männer.“ Für SPÖ und Grüne hingegen sei das Thema heikel: Man könnte Wählerinnen verschrecken. Denn die Gefahr, dass der Einsatz für Väterrechte sofort als Angriff auf die ohnehin belasteten Mütter interpretiert werde, bestehe, sagt Olaf Kapella vom Österreichischen Institut für Familienforschung. Er meint aber: „Es muss möglich sein, ohne ständige Aufrechnung die Ungerechtigkeit zu betrachten, der eine Gruppe für sich ausgesetzt ist.“

Die Frage des Blickwinkels stellt sich schließlich auch in Bezug auf die Kinder. Wie sehen diese das heftige Engagement der Väter? Eine pauschale Antwort gebe es nicht, sagt Figdor, der dem umstrittenen „Parental Alienation Syndrom“ (Entfremdung des Kindes vom Elternteil, mit dem man nicht zusammenlebt) kritisch gegenübersteht. Außer dass zu großes Bedrängen schade. Und dass Männer, die wie Amendt sagt, „oft fix und fertig sind“, taktisch nicht immer klug vorgehen. Das weiß Herr Baldwin, der seine Tochter, als die sich nicht an einen Telefontermin hielt, entnervt auf dem Anrufbeantworter als „gemeines, gedankenloses Schwein“ beschimpfte. Und das sollten auch jene wissen, die gut gemeinte Filme und Plakataktionen starten. Denn, meint Figdor: „Das sind politische Aktionen. Für den Einzelfall bringt das eher nichts.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.06.2009)

logo die presse

[Originalartikel]

 

13.06.2009, Frankfurter Rundschau
Interview mit Douglas Wolfsperger

"Ich kann nicht aufhören, Papa zu sein"

Herr Wolfsperger, wollen Sie alle Frauen auf den Mond schießen?

Ich habe nichts gegen Frauen.

Gleich zu Beginn Ihres Filmes "Der entsorgte Vater" sagt das einer der Väter. Warum fangen Sie damit an?

Der Satz ist ironisch verwendet. Er macht neugierig auf die Männer, die uns im Film erwarten und die ja keine Unschuldslämmer sind.

Inwiefern sind die keine Unschuldslämmer?

Die haben sich zwar nachweislich keines Vergehens schuldig gemacht, aber auch dazu beigetragen, dass ihre Ehen gescheitert sind.

In Ihrem Film geht es darum, wie verbissen Paare mitunter nach einer Trennung ums Kind kämpfen. Wie kommt es zu diesen Rosenkriegen?

Es geht da um viel mehr als nur die Beziehung zum Partner. Man hat ein gemeinsames Kind in die Welt gesetzt, und da kulminieren Konflikte viel mehr, wenn die Beziehung zu Ende ist.

Sie werfen Frauen vor, das Kind als ihren Besitz zu betrachten.

Derjenige, bei dem das Kind bleiben darf, aus welchen Gründen auch immer, hat einfach die besseren Karten. Es gibt zwar auch entsorgte Mütter, aber es ist immer noch so, dass 90 Prozent der Trennungs- und Scheidungskinder bei ihren Müttern bleiben.

Sie sind selbst ein entsorgter Vater. Ihre Tochter Hannah ist im April 1998 geboren worden. Wie lange waren Sie und Ihre Freundin da zusammen.

Wir hatten uns 1996 kennen gelernt, und sie wurde bald schwanger. Sie hatte ja noch vorgeschlagen, das Kind abzutreiben, aber ich wollte das Kind. Ich liebte diese Frau und konnte sie überzeugen, dass wir das Kind bekommen sollten. Was mich dann gewundert hat, war, dass sie noch während der Schwangerschaft ihre Wohngemeinschaft gekündigt hatte, zu mir kam und fragte, ob wir nicht zusammenziehen sollen.

Sie wohnten getrennt?

Ja - bis sie Fakten geschaffen hat. Da fühlte ich mich überrumpelt und war etwas pingelig, weil da plötzlich ein zweiter Hausstand in die Wohnung kam. Wir hatten nur dreieinhalb Zimmer.

Fanden Sie den Wunsch Ihrer Freundin nicht angemessen?

Natürlich, aber es störte mich, dass sie etwas entschied, ohne mit mir vorher darüber zu reden.

Hätten Sie gerne Ihre alten Freiräume behalten?

Am Anfang schon.

Frauen nennen das egoistisch und verantwortungslos.

Ja.

Sie haben Ihre Freundin gekränkt.

Offensichtlich, davon will ich jetzt aber gar nicht sprechen.

Das ist aber entscheidend.

Bestimmt, aber sie hatte ja eine viel tiefer sitzende Kränkung schon als Kind erfahren, als ihr Vater einfach die Familie verlassen hatte. Wir haben uns dann aber zusammengerauft, obwohl wir beide noch unreif waren. Ich konnte zu der Zeit viel von zu Hause aus arbeiten, meine Freundin, sie ist freiberufliche Redakteurin, auch. Ich habe im Rahmen meiner Möglichkeiten tatkräftig mitgeholfen, den Alltag zu bewältigen: Fläschchen besorgen, Kind in den Schlaf wiegen, das ganze Programm.

Unreif mit Anfang 40?

Wir hatten keine Erfahrung darin, wie eine Familie zu leben. Deshalb hat es im Alltag auch ab und zu gekracht.

Wie gekracht?

Es gab Streit, keine Gewalt. Natürlich versuchte ich, als freiberuflicher Regisseur das Ideal zu erreichen, so viel wie möglich an meinen Projekten zu arbeiten. Das entsprach aber gar nicht den Vorstellungen meiner Freundin. Anfang 1999, unsere Tochter Hannah war fast ein Jahr alt, kam noch dieses Spielfilmprojekt dazu, in das ich fünf Jahre Vorbereitungszeit investiert hatte, ein Film mit fünf Millionen Mark Produktionskosten.

"Heirate mir" mit Verona Feldbusch und Ulrich Noethen...

... genau. Der Film war wichtig für meine Karriere. Dazu kam noch, dass ich nach wie vor ein gutes Verhältnis zu meiner Ex-Freundin hatte. Ich musste meiner Freundin ständig erklären, dass da nichts Sexuelles mehr war.

Ihre Partnerschaft war nie harmonisch.

Und ich muss zugeben, dass ich deswegen ganz froh darüber war, dass ich mich dem ständigen Hickhack entziehen konnte. Wir drehten am Bodensee, ich war wochenlang nicht zu Hause. Das habe ich genossen und wohl auch so kommuniziert. Bei einem Telefonat teilte mir meine Freundin dann mit, dass sie ausgezogen war.

Hat Sie das geschmerzt?

Ich mochte meine Freundin noch sehr, aber wir waren kein Liebespaar mehr.

War der Gedanke für Sie als Regisseur und Eigenbrötler attraktiv, ein alleinstehender Vater zu sein, der sich nur kümmern muss, wenn er Zeit hat?

Kann man so sehen.

Ihre Freundin war ja ohnehin schon quasi alleinerziehend.

Stimmt.

Litt die Arbeit Ihrer Freundin darunter?

Ja - deshalb stand der Vorwurf im Raum, ich sei an allem schuld. Bis heute wirft mir meine Ex-Freundin vor, ich hätte mich um nichts gekümmert, ich hätte mich nicht mal für unser Kind interessiert. Ich werde als schlechter Vater hingestellt. Auch das erste Jahr nach Hannahs Geburt, wo ich mich richtig gut um alles gekümmert habe, spielt keine Rolle mehr.

Wie ging der Kampf um die Tochter los?

Im Sommer 1999 besuchte ich meine Ex-Freundin in ihrer neuen Wohnung. Da saß ein alter Kumpel von ihr in der Küche, hat sich meine Tochter geschnappt und sie demonstrativ auf seinen Schoß gesetzt. Und als ich später mal im Kinderzimmer war, sah ich Fotos so groß wie Plakate, wie er meine Tochter hochhält, so typische Papa-Kind-Fotos. Da schnallte ich, dass er nicht nur der neue Mann ist, sondern auch der neue Papa sein soll. Da bin ich ausgeflippt, zumal ich insgesamt die Art, wie er sich als Papa aufspielte, nicht mochte. Ein Jahr später fand ich auf seiner Internetseite eine Art Hochzeitsannonce, in der er mitteilte: "Wir sind verheiratet und haben eine wunderbare Tochter."

Wie sind Sie, wenn Sie ausflippen?

Ich erkenne mich dann manchmal selbst nicht mehr, werfe mit Kraftausdrücken um mich.

Neigen Sie zu Handgreiflichkeiten?

Absolut nein. Ich habe mich einmal zu einer Tätlichkeit gegen diesen Mann hinreißen lassen, das war das Schlüsselerlebnis. Wenn ich meine Tochter abgeholt habe, hat er sie mir oft übergeben. Einmal stand er in der Haustür, und weil meine Tochter mittlerweile Vertrauen zu ihm aufgebaut hatte, hat sie sich an ihm festgeklammert. Da sagte er: "Du siehst doch, dass das Kind nichts von dir wissen will." Ich habe mir kommentarlos die Hannah geschnappt, worauf er sagte: "Das ist Kindesentführung." Er kam noch hinter mir her und steigerte sich rein, da habe ich nach hinten ausgetreten und ihn angeblich am Bein getroffen.

Wie hat Ihre Tochter reagiert?

Das ging so schnell, sie hat das nicht mitbekommen. Kurz darauf kam der Strafantrag. Der Vorwurf der Köperverletzung wurde zwar fallengelassen, aber ich musste eine Geldstrafe zahlen und mich entschuldigen.

Spielte unter Ihnen Erwachsenen die Frage, wie es Hannah ging, auch mal eine Rolle?

Uns allen war schon bewusst, dass sie zwischen den Stühlen stand.

Wie ging es ihr dabei?

Wenn wir allein waren, war sie erstaunlich entspannt, ich habe auch eine große Nähe gespürt. Aber egal was ich gemacht habe, aus Sicht meiner Ex-Freundin war alles falsch.

Aber an die Umgangsregelung hielt sie sich?

Anfangs ja. Als wir noch alle in Köln wohnten, sah ich meine Tochter einmal pro Woche. Bis ihre Mutter sagte, dass ihr das nicht mehr zuzumuten sei. Das Familiengericht entschied dann die gängige Regelung, alle zwei Wochen. Ich sah meine Tochter an Wochenenden, stundenweise. Meine Ex-Freundin war in der Zwischenzeit in ein Kaff bei Düsseldorf gezogen, meine Tochter und ich haben dort Picknicks gemacht oder waren Eis essen, bis es hieß, meine Tochter habe eine Eisallergie. Und dann kam der Tag, an dem ich den Mann getreten habe. Meine Ex-Freundin erwirkte darauf einen halbjährigen Umgangsausschluss.

Was wollte Ihre Tochter zu dieser Zeit?

Ich weiß es nicht. Es wurde ja noch komplizierter, als ich im Sommer 2002 nach Berlin gezogen bin, weil meine neue Freundin, die in Berlin lebte, schwanger geworden war. Ich hätte aber weder Zeit noch Kosten gescheut, regelmäßig nach Düsseldorf zu fahren. Dann erfuhr ich, dass meine Ex-Freundin ebenfalls nach Berlin gezogen war - ohne ihren Mann. Meine Anwältin kümmerte sich sofort um einen geregelten Umgang. Von Sommer 2003 an habe ich meine Tochter wieder regelmäßig gesehen. Das war eine gute Zeit. Hannah mochte auch ihre Halbschwester und auch die Tochter meiner neuen Partnerin. Es steht auch in einem Gutachten von damals, dass wir ein gutes Verhältnis hatten.

Wer hatte das Gutachten angefordert?

Es wurde vom Gericht bestellt, weil ich beantragt hatte, meine Tochter auch mal bei mir übernachten zu lassen. Die Gutachterin stellte auch fest, dass Hannah sich zwar wohl fühlte bei mir, aber Schwierigkeiten hatte, das so zu äußern. In einem zusätzlichen Gutachten steht, dass die Mutter gegen den Kontakt ist und ihre Tochter beeinflusst. Ich bin im Besitz einer gerichtlichen Zusammenfassung dieser Gutachten (die Dokumente liegen der FR vor, d. Red.), und glauben Sie mir: Es ist mir wichtig, dass auch andere sehen, dass ich kein schlechter Vater bin und meine Tochter nicht ständig traumatisiere. Aber obwohl ihr die Gutachterin empfahl, die Streitereien ruhen zu lassen, verhinderte meine Ex-Freundin nun immer öfter den Kontakt.

Das Gericht kann einen Elternteil, der das Umgangsrecht des anderen untergräbt, mit einem Zwangsgeld belegen.

Es wurde nie ein Zwangsgeld verhängt, wie sich überhaupt die Richter komisch verhalten haben. Herrje, die haben nie Druck auf meine Ex-Freundin ausgeübt oder dafür gesorgt, dass sich dieser ganze Verfahrens-Hickhack beschleunigt. Meine Ex-Freundin ist dann im Februar 2004 zurück nach Düsseldorf gezogen und unterband den Umgang komplett. Sie widersprach einfach dem Gutachten und sagte, meine Tochter sei endgültig traumatisiert.

Gibt es ein Gutachten, das die Ansicht Ihrer Ex-Freundin stützt?

Nein, es gab im Februar 2005, nachdem ich meine Tochter ein Jahr nicht gesehen hatte, ein Gutachten, in dem stand, dass der Umgang unbedingt wieder stattfinden solle, weil sonst die Gefahr bestünde, dass sich Hannah von mir entfremdet. Kurz darauf sagte meine Tochter dann vor Gericht, dass sie mich zwar schon gerne sehen würde, aber dass ihre Mutter das nicht will. Diese Aussage ist dokumentiert. Dann dauerte es wieder ein Jahr, bis es vorm Familiengericht in Berlin zu einem Termin kam. Die Richterin dort sagte, der Hickhack sei Hannah nicht mehr zuzumuten. Also ordnete sie eine anderthalbjährige Pause an. Die hätte bedeutet, dass ich meine Tochter dann insgesamt drei Jahre lang nicht gesehen hätte. Ein Vertrauensverhältnis wäre dann endgültig unmöglich gewesen. Was denkt sich so eine Richterin? Ich bin sofort in Berufung gegangen, und nach einem weiteren halben Jahr hat das Kammergericht in Berlin entschieden, einen begleiteten Umgang zu schaffen. Kurz nach diesem Beschluss habe ich im Januar 2007 einen Brief von meiner Tochter bekommen, in dem sie mir schrieb, dass sie sich zu Treffen mit mir nicht zwingen lässt.

Ein Schock.

Ja - und es dauerte bis zum Juni 2007, bis der begleitete Umgang stattfinden konnte. Das war in einem Raum der AWO mit einer AWO-Mitarbeiterin.

Sie haben dem Brief Ihrer Tochter nicht geglaubt?

Das ist eine schwierige Frage.

Wie war Ihre Tochter bei diesem begleiteten Umgang?

Sie war widerwillig, hat sich körperlich abgewendet von mir und wollte überhaupt nicht mit mir reden. Wir, also diese AWO-Frau und ich, versuchten noch, mit ihr ein Spiel zu spielen oder zu malen. Beim ersten Mal ging das noch halbwegs, zwei Wochen später wurde es schon schwieriger. Ich war verzweifelt, wusste gar nicht mehr, was ich sie fragen, was ich machen sollte. Die AWO-Frau war auch ratlos. Und dann passierte noch etwas: Ich hatte meiner Tochter beim zweiten Treffen eine Ananas vom Markt mitgebracht. Wenige Tage später erhielt ich einen Brief von der Anwältin meiner Ex-Freundin, ich möge doch bitte davon absehen, meiner Tochter verschimmeltes Obst zu schenken. Angeblich soll meine Tochter gesagt haben: "Der Douglas will mich vergiften." Ich war ja damals schon längst nicht mehr der Papa.

Waren Sie sich noch sicher, das Richtige zu tun?

Wie meinen Sie das?

Es kommt der Moment, wo es nur noch Verlierer gibt.

Das ist wahr. Meine Tochter war auch völlig verstört. Es kam auch nur noch zu einem Treffen, das nach einer halben Stunde abgebrochen wurde. Es hatte keinen Zweck mehr, ich wusste nicht weiter.

Und Ihre Tochter konnte offensichtlich nicht mehr.

Einige Monate später kam ein Verfahrenspfleger aus Berlin nach Düsseldorf, um meine Tochter noch einmal zu befragen - lächerliche 45 Minuten lang. Da sagte sie, dass sie mich nicht mehr sehen will. Im Frühjahr 2008 entschied eine Richterin in Berlin auf der Grundlage dieser Befragung, den Umgang abzubrechen, weil meine Tochter Ruhe braucht. Ich hatte zuvor noch ein Gutachten bei einer Psychologin in Karlsruhe in Auftrag gegeben. Die hat das Verhalten meiner Tochter auch als Ausdruck der Entfremdung gesehen, wie sie bei Kindern in solchen Fällen oft vorkommt. Aber solche Einwände interessierten die Richterin gar nicht mehr. Mein Anwalt sagte dann, es sei nichts mehr zu machen.

Seit wann haben Sie keinen Kontakt mehr zu Ihrer Tochter?

Seit mehr als einem Jahr. Am 17. Mai 2008 mussten wir uns verabschieden; sie war seltsam unnahbar.

Waren Sie sich nach all den Jahren noch sicher, ob Sie mehr um Ihre Tochter kämpften oder mehr darum, Ihre Gegnerin zu besiegen?

Gute Frage. Meine andere Tochter ist jetzt sieben Jahre alt, und wir haben ein sehr nahes Verhältnis zueinander. Ich weiß, dass ich Hannah genauso liebe wie diese Tochter. Ich wollte nicht mit allen Mitteln mein Recht durchsetzen, aber ich habe um Gerechtigkeit gekämpft, weil ich bis zum heutigen Tag nicht begreifen kann, wie eine Mutter ihre Abneigung gegenüber einem Mann so stark auf das Kind überträgt. Hannah lehnt mich ab, weil ihre Mutter mich ablehnt. Umgekehrt sagt Hannah zu dem Mann, der nach mir kam, bis heute Papa, obwohl der mittlerweile auch getrennt von ihr lebt. Aber zu ihm hat meine Ex-Freundin ein gutes Verhältnis. Meine Tochter hat nun den dritten Papa.

Was hoffen Sie noch?

Ich hoffe, dass der Mutter mal klar wird, welche Fehler sie gemacht hat. Aber sie hat überhaupt kein Einfühlungsvermögen. Und ich? Ich kann ja nicht einfach aufhören, Hannahs Papa zu sein.

Haben Sie wirklich nie versucht, Hannah gegen ihre Mutter aufzubringen, oder können Sie sicher sein, es nie unabsichtlich getan zu haben? Mit unbedachten Äußerungen, mit Gesten?

Ich hatte nie das Gefühl. In dem einen Gutachten steht ja auch, dass ich offensichtlich viel entspannter mit der ganzen Situation umgehe als die Mutter. Ich will aber nicht ausschließen, dass sich da einiges verselbstständigt, und ich sehe auch, dass unser Fall ins Muster vieler solcher Fälle passt.

Wenn Eltern zu Feinden werden, verlieren sie den klaren Blick - vor allem auf sich selbst.

Ich habe nie bestritten, auch Fehler gemacht zu haben.

Haben Sie mal professionellen Rat eingeholt?

Ich war beim Therapeuten, um mich beraten zu lassen, wie ich das Ganze verarbeiten könne. Er hat mir allgemeine Ratschläge erteilt: dass ich mich auf meine Arbeit konzentrieren solle, dass ich darin gut sein und Selbstbestätigung finden solle. In gewisser Weise hat er mich auf die Idee mit dem Film gebracht.

In Ihrem Film "Der entsorgte Vater" stellen Sie Ihren Fall und den von vier weiteren Vätern vor. Wo haben Sie die kennengelernt?

In Karlsruhe, das hatte fördertechnische Gründe, der Film ist unter anderem von der Medien- und Filmgesellschaft Stuttgart mitfinanziert worden. Bei Franzjörg Krieg, einem kämpferischen Typen vom Väteraufbruch in Karlsruhe…

... er ist dort eine Art Ikone der Männerrechtler...

... ja, bei dem bin ich hängen geblieben, und in dessen Umfeld habe ich die Männer getroffen.

Engagieren Sie sich bei Väteraufbruch?

Nein, nein, ich war da mal, habe mich aber nicht wohl gefühlt. Die sitzen bei Stammtischen zusammen, jeder jammert und ist doch nur interessiert am eigenen Fall. Und als sich dann noch der Mathieu Carriere...

...der Schauspieler, der auch ein entsorgter Vater ist...

… als der sich für den Väteraufbruch vorm Justizsenat in Hamburg ans Jesuskreuz kleben ließ und die Öffentlichkeit mehr über Blasphemie diskutiert hat als über das eigentliche Thema, fand ich das mehr als peinlich. Diese Männervereine machen für viele arme Kerle eine gute Arbeit, kein Zweifel, aber da sind auch Kerle mit militanten Sprüchen gegen Frauen dabei.

Viele Väter werden von ihren Frauen ausgebootet, weil sie sich mies und gar brutal verhalten haben - den Frauen und den Kindern gegenüber.

Ohne Frage.

Fürchten Sie, von falscher Seite Rückendeckung zu bekommen?

Absolut. Es ist doch klar, dass mein Film sehr subjektiv ist. Ich habe aber genau recherchiert, dass die Väter im Film nichts verbrochen haben. Ich habe deren Gerichtsdokumente studiert. Wer meinen Film aber als eine Parteinahme für alle Väter versteht, irrt sich. Deshalb habe ich allen Väteraufbruch-Vereinen in Deutschland mitgeteilt, dass ich mich nicht vor ihren Karren spannen lassen will. Schon gar nicht will ich, dass jemand meinen Film für seine Kämpfe gegen Emanzipation, gegen Frauen allgemein benutzt.

Es gibt eine Website, die auch "Entsorgte Väter" heißt. Dort wird gegen das angebliche Diktat der Frauen agitiert.

Auch damit habe ich nichts zu tun. Ich bin abgesehen davon froh, mich endlich wieder mit anderen Themen beschäftigen zu können.

Dabei wird Ihr Film vielleicht eine große Diskussion auslösen.

Das war auch mein Ziel. In meinem Film gibt es einen Fall, wo eine Frau den Vorwurf des sexuellen Missbrauchs erhoben hat. Die Gerichte hielten es für erwiesen, dass das nicht stimmt. Und dennoch ist ihr Ex-Mann ein entsorgter Vater. Darum geht es mir: Es kann nicht sein, dass sich solche Verfahren jahrelang hinziehen, die Kinder sich von den Vätern entfremden, obwohl die Väter nichts verbrochen haben. In Cochem gab es einen Richter, der hat diese Verfahren beschleunigt, in erster Linie zum Wohle der Kinder. Dahin müssen wir überall kommen.

Herr Wolfsperger, manche Leser werden monieren, dass Ihre Ex-Freundin hier nicht zu Wort kommt. Wir vertrauen auf die uns bekannten Gutachten, die Ihre Version stützen. In Ihrem Film wird auch keine der Ex-Frauen gehört.

Weil keine der Frauen sich äußern wollte.

Als Ersatz lassen Sie ein andere Frau erklären, warum sie ihrem Ex-Mann die Kinder entzogen hat.

Ja, sie sagt zum Beispiel, dass ein Vater im Wesentlichen nur der Erzeuger sei. Bezugsperson könne jeder andere auch sein.

Diese Frau wirkt kalt, fast abgebrüht, sie zeigt auch keinerlei Mitgefühl für Sie. Sie ist, kurz gesagt, ein extremes Beispiel.

Die Frage ist doch: Wie muss eine Frau ticken, die einem Vater das Kind wegnimmt? Und ich denke, dass diese Frau dazu ein eindrückliches Psychogramm bietet. In gewisser Weise war ich ganz hingerissen von ihrer Art, wie sie sich einfach so ihre Welt zurechtdenkt.

Ihre Entscheidung, diese Frau zu zeigen, suggeriert die Botschaft: Seht her, so sind die Frauen!

Das Risiko, falsch verstanden zu werden, muss man eingehen, wenn man Stellung beziehen will. Es wäre auch falsch, den Film als Dokumentarfilm zu sehen. Er ist Ausdruck meiner Ohnmacht.

Vielleicht wird Ihre Tochter den Film irgendwann auch sehen.

Ich hoffe es. Sie soll wissen, dass ich sie nicht im Stich gelassen habe.

Was wissen Sie denn noch von Ihrer Tochter?

Nichts. Eigentlich hätte ich das Recht darauf, alle drei Monate einen Bericht zu bekommen: Wie es ihr geht, wie sie in der Schule ist - plus ein aktuelles Foto. Aber meine Ex-Freundin hält sich auch daran nicht. Unterhalt darf ich zahlen, das ist ja selbstverständlich. Ich werde aber ein neues Verfahren anstreben, weil ich wenigstens dieses Recht auf Informationen durchsetzen will.

Sie wissen nicht mal, wie Ihre Tochter inzwischen aussieht?

Nein. Wenn ich an sie denke oder von ihr Träume, sehe ich das kleine Mädchen vor mir, das sie neben mir auf einem alten Foto ist. Da waren wir glücklich.

Interview: Christina Bylow, Marc Hairapetian und Mark Obert

logo frankfurter rundschau

[Originalartikel]

douglas wolfsberger

Foto: GMFilms

Der Regisseur Douglas Wolfsperger darf seine Tochter nicht mehr sehen. Jetzt hat er einen Film über entsorgte Väter gedreht. Ein Gespräch über den Rosenkrieg, Kinder und inkonsequente Gerichte.

Copyright © FR-online.de 2009
Dokument erstellt am 12.06.2009 um 17:40:03 Uhr
Letzte Änderung am 13.06.2009 um 13:00:24 Uhr
Erscheinungsdatum 13.06.2009

11.06.2009, Berliner Morgenpost
"Der entsorgte Vater"

Männerlarmoyanz, die kaum zu ertragen ist

Donnerstag, 11. Juni 2009 04:00  - Von B. Schweizerhof

berliner morgenpost umfrage Wie fanden sie "Der entsorgte Vater" ?

Ein Film, der das neue, frauenfeindliche Scheidungsrecht zu illustrieren scheint. Geschiedene Frauen sind hier böse, rachsüchtig und egoman, denn sie nehmen den armen Vätern das Recht aufs Kind. Was aber diese weinenden Männer den Frauen angetan haben, ehe sie so wurden, wird verschwiegen. Was andere Frauen von ihren Ex-Männern erdulden, ohne die Kinder in den Konflikt hineinzuziehen, auch nicht.

Es ist buchstäblich vermintes Gebiet, das Douglas Wolfsperger mit dieser Dokumentation betritt. Wie bei kaum einem anderen Thema kochen die Emotionen augenblicklich hoch, wenn Väter sich darüber beklagen, dass ihnen nach der Scheidung der Umgang mit den eigenen Kindern von rachsüchtigen Exfrauen unmöglich gemacht wird, oft mit Unterstützung durch Gerichte und Jugendämter.

Wolfsperger hat das selbst erlebt und beim Streit um das Umgangsrecht mit seiner Tochter ist er auf weitere Väter mit ähnlichem Schicksal gestoßen. Ein paar davon hat er nun für diesen Film vor die Kamera geholt. Es fällt auf, wie Wolfsperger die Männlichkeit seiner Protagonisten besonders herausstellt: Der Polizist erzählt von seinem Beruf, der Lehrer wird beim Holzfällen gezeigt, der Besserverdiener beim Segelfliegen. Fast hat man den Eindruck: damit auch ja niemand denkt, bei diesen Männern, die hier über ihre Gefühle reden, handle es sich um Weichlinge.

Die eigene Betroffenheit hat Wolfsperger also zum Ausgangspunkt und zur Methode seines Films gemacht und wie nicht anders zu erwarten, ist "Der entsorgte Vater" deshalb ein bewusst einseitiges Plädoyer geworden, eine Art wütender und zugleich sentimentaler Aufschrei gegen die Ungerechtigkeiten des praktizierten Scheidungsrechts. Die Leidensgeschichten, die die Väter hier enthüllen, sind in der Tat empörend und lassen den Zuschauer den Kopf schütteln über das Ausmaß an weiblicher Tücke, das hier gegen Vater-Kind-Glück zu Felde zieht. Am Ende des Films, in dem gestandene Männer zum Weinen vor der Kamera gebracht werden, ist man geradezu bereit, den anfangs von einem schwer gedemütigten Vater ausgesprochenen Appell zu unterstützen, die "Frauen auf den Mond zu schießen".

Spätestens da aber merkt man, dass Betroffenheit nicht unbedingt die beste Ausgangslage dafür ist, mehr über ein Thema zu erfahren. Dieses "Mehr" aber könnte nur von der "anderen Seite" stammen, die hier an keiner Stelle zu Wort kommt - dazu sind die Fälle zu zerrüttet. Die eine Frau, die Wolfsperger auftreten lässt, benutzt er wie ein geschickter Anwalt als Zeuge der eigenen Sache, wenn er sie in die Aussage treibt, den Vater ihres Kindes nur als Erzeuger zu sehen. Der sprichwörtliche Elefant im Porzellanladen bleibt dabei: Was ist in den Beziehungen zu den Frauen geschehen, dass sie so enden?

© Berliner Morgenpost 2009

logo berliner morgenpost

[Originalartikel]

berliner morgenpost detail

(Stand 14.06. 18:23 Uhr)

11.06.2009, RP Online
Dokumentation "Der entsorgte Vater"

Rache eines abgeschobenen Mannes

VON THOMAS KLINGENMAIER - zuletzt aktualisiert: 11.06.2009 - 10:39

(RP) Wenn sich Eltern trennen, dann beginnen oft genug Kämpfe um das Sorge- und das Umgangsrecht. Und oft genug müssen Väter dann ohne ihre Kinder auskommen. Der Regisseur Douglas Wolfsperger gehört zu jenen Männern, die gerne weiterhin eine Vaterrolle im Leben ihres Kindes spielen würden, dies aber nicht dürfen. Die Mutter, sagt Wolfsperger, entziehe und entfremde ihm das Kind.

Aus dieser Erfahrung heraus könnte er verschiedene Dokumentationen drehen. Einen Selbstbeobachtungsfilm, der sehr subjektiv darlegt, wie es ihm persönlich geht. Oder die journalistische Betrachtung eines gesellschaftlichen Phänomens, die viele verschiedene Erfahrungen kombiniert.

In "Der entsorgte Vater" versucht Wolfsperger beides auf einmal – und tut sich damit keinen Gefallen. Wenn er sich selbst in Momenten der Verzweiflung filmt, verdient er gewiss Mitempfinden. Aber man merkt bald, dass er auch alle anderen Väter, denen die Mütter den Umgang mit den Kindern verweigern, als Abspaltung seiner selbst vorstellt. Da wird nicht hinterfragt, gezweifelt oder untersucht, wie es so weit kommen konnte. Da wird nur Anklage um Anklage gegen die bösen Mütter vorgebracht, die hier manchmal als vorsätzlich sadistische Rachejunkies erscheinen.

Vielleicht ginge selbst das noch als Beschreibung subjektiven Empfindens an. Aber Wolfsperger verliert alle Distanz dem eigenen Dilemma gegenüber. Er zeigt (oder stellt nach), wie er sich ein falsches Bärtchen anklebt und zum Schulhof seiner Tochter schleicht, um von einem Bänkchen aus sein Kind zu beobachten. Ihm scheint entweder nicht aufgefallen zu sein, dass er wie die Comedy-Variante eines Sittenstrolchs wirkt, oder ihm verrutscht ein selbstironischer Schlenker ins Groteske.

Dass der Regisseur nach einiger Zeit des Männerreigens eine Frau zu Wort kommen lässt, scheint zunächst eine Erleichterung. Aber diese Mutter, die nun ihre Seite des Konflikts darstellt, aber keinem der Väter im Film zuzuordnen ist, dient eher als Konkretisierung des Feindbilds. Wolfsperger merkt nicht, was die Verhältnisse – mehrere Männer, eine Frau – symbolisiert. Frauen wird qua Montage die differenzierte, individuelle Erfahrung abgesprochen: Kennt man eine in diesen Umgangsstreitigkeiten, kennt man alle. Kein Zweifel, hier wartet ein wichtiges Thema auf den Film, der Wolfsperger nicht gelungen ist.

logo rp-online

[Originalartikel]

douglas wolfsberger

Foto: GMFilms

Bewertung: 1 von 5 Sternen

LESERKOMMENTARE 

 

10.06.2009, sueddeutsche.de
Kino: Der entsorgte Vater

Frauen sind Schweine

Von Martina Knoben

Das Kind als Waffe: Douglas Wolfspergers Dokumentarfilm "Der entsorgte Vater" liefert einen parteiischen Frontbericht aus dem Geschlechterkampf.

Nein, Frauen sind ganz und gar nichts Wunderbares, sie sind nicht einmal besser als Männer. Im Gegensatz zu diesen aber haben sie jahrhundertelange Erfahrung mit der Opferrolle und verstehen es meisterhaft, diese zu instrumentalisieren, sobald die Familie erst einmal zerbrochen ist. Mit Ausreden und üblen Tricks verhindern etwa zahllose Mütter, dass Väter ihre Kinder nach der Trennung noch regelmäßig sehen können. Für die Kinder ist das verheerend, für die Väter (und Mütter) auch. Douglas Wolfsperger porträtiert fünf Männer, die auf diese Weise "entsorgt" wurden - er selbst ist einer von ihnen.

"Frauen sind andere Geschöpfe, sie sind nicht von dieser Welt. Wenn es nach mir ginge, ich würde sie alle auf den Mond schicken." Mit diesem Statement eines Mannes, dem wohl fälschlicherweise der Missbrauch seiner Tochter vorgeworfen wurde, beginnt der Film. Eine Erinnerung daran, wie schmutzig der Krieg ist, der seit einigen Jahrzehnten im Namen der Gleichstellung der Geschlechter geführt wird.

"Der entsorgte Vater" ist ein trauriges und zorniges Pamphlet dazu. Objektiv und analytisch will oder kann der Regisseur vermutlich gar nicht sein. Mit grobem Gerät sticht er in einen riesigen Misthaufen; und was da aufgewühlt wird, erzählt so viel von moderner Liebes-Ideologie und vom Stand der Geschlechterbeziehungen in unserer Gesellschaft, dass dieser kleine, parteiische, formal nicht weiter auffällige Dokumentarfilm hochbrisant wird.

Wie Gefühle, zumal zum eigenen Kind, in diesen Krisenzeiten Ersatzreligion geworden sind, identitätsbildend und sinnstiftend, ist zu spüren. Und natürlich, was für eine Waffe solch ein wertvolles Kind sein kann, wenn eine Beziehung zerstört ist. Weiß Wolfsperger eigentlich, wie die Männer wirken, die er als seine Leidensgenossen präsentiert? Ein Realschullehrer für Musik und Ethik, Sprecher eines Vereins "Väteraufbruch", der zu seiner älteren Tochter seit über zehn Jahren keinen Kontakt mehr hatte, ist beim Holzfällen im Wald zu sehen. Wäre dies kein Dokumentarfilm über den Schrecken des Geschlechterkampfes, sondern ein "richtiger" Horrorfilm, wäre dieser Mann mit dem dunklen Blick und der Kettensäge in der Hand wohl ein Serienkiller.

Ein anderer wird bei Leibesübungen im Fitnessstudio gezeigt, ein Dritter beim Fliegen seines Segelflugzeuges. Fast parodistisch mutet die Sequenz an, in der der Realschullehrer mit Stirnlampe und Taucheranzug eine Höhle erkundet. Der Mann als großes Kind mit seinen Riesenspielzeugen, als Höhlenmensch - wollte Wolfsperger das wirklich erzählen? Wenn dann der Höhlenforscher auch noch stolz berichtet, wie er seine damals noch "gepamperte Tochter" durch einen besonders niedrigen Stollen trug, meint man zu ahnen, warum die Mutter des Kleinkindes mit diesem Vater nicht glücklich werden konnte.

Ist der Filmemacher also ein Doppelagent? Einer, der die Position der Frauen versteht, auch wenn sie kaum zu Wort kommen? Dagegen spricht nicht nur die flammende Eindeutigkeit seiner Statements im Presseheft; dagegen spricht vor allem die Widmung des Films an Wolfspergers Tochter. "Der entsorgte Vater" ist seine Flaschenpost an das Kind, das er seit zwei Jahren nicht sehen durfte, deren Inhalt allerdings so merkwürdig ist, dass man die Tochter nicht beneidet, die sie einmal öffnen wird. Am Ende ist der Regisseur mit angeklebtem Schnurrbart auf dem Schulhof seiner Tochter zu sehen. Verzweiflung geht seltsame Wege.

So muss man auch die Porträts der übrigen Väter ansehen, als Bilder von Menschen, die einen Krieg überlebt haben - die sich, wie viele Veteranen, von den Folgen aber nie erholen werden. Diese Männer werden alleine gezeigt, in höhlenartigen Wohnungen, denen jede Anmutung von Zuhause fehlt.

Auf halbem Weg

Es gibt überhaupt vieles, das Wolfsperger ausspart, ja der Film scheint um eine große Leerstelle herum aufgebaut. Es ist die Frage, warum die Mütter dieser Kinder ihre ehemaligen Lebenspartner offenbar so sehr hassen, dass sie den Streit vor Gericht, vor allem die seelische Verstümmelung ihrer Kinder in Kauf nehmen, nur um jede Beziehung zum Vater zu verhindern. Wolfsperger stellt die Frage nicht; und die Männer selbst äußern so gut wie keine Selbstkritik. Der Dialog der Geschlechter, der hier vielleicht hätte hergestellt werden können, wird gar nicht erst versucht.

Eine einzige Frau darf erzählen, warum sie keinen Wert darauf legt, dass ihre Tochter ihren Vater trifft. Sie soll ein Zerrbild sein, schiebt am Ende des Films ein neugeborenes Baby im Kinderwagen. Dessen Vater ist, wie man da erst erfährt, schwer krank und lebt in einer anderen Stadt. Weniger Vater geht nur mittels Samenspende - eine böse Pointe. Wie eine Kriegsgewinnlerin oder Psychopathin aber wirkt diese Frau nicht. Es ist vielmehr die alte Rollenverteilung, die in ihren Aussagen anklingt, wenn sie vom Vater erzählt, der immer nur "der Größte" sein wollte, der alles erlaubt hat, während die Mutter auf klaren Regeln bestehen musste.

Vielleicht muss man die verzweifelte Lage der "entsorgten Väter" auch einmal als Zeichen des Fortschritts sehen. Wenn sie vor der Kamera weinen oder auf Spielplätzen traurig ins Leere blicken, sind sie zweifellos Opfer. Aber auch Wolfsperger wünschte sich wohl kaum eine Gesellschaftsordnung wie vor fünfzig Jahren zurück. Dass alles so zerstörerisch geworden ist, liegt wohl eher daran, dass die Gleichstellung der Geschlechter irgendwo auf halbem Wege stehengeblieben ist. Immer noch "investieren" Mütter meist sehr viel mehr in ein Kind als Väter, verzichten oft auf ihren Job, fast immer auf eine Karriere - der Unterschied zu früher aber ist, dass Frauen gelernt haben, diese "Investition" im Streitfall auch so zu sehen. Die im Film zurecht angeprangerte Ungleichbehandlung beim Sorge- und Umgangsrecht spiegelt diese Tatsache, aber befördert sie natürlich auch. "Der entsorgte Vater" ist nicht der Film, der Wege aufzeigen könnte, die aus diesem heillosen Krieg herausführen. Seine vielen Leerstellen sind ein Manko - aber auch eine starke Aufforderung: sie selbst zu füllen.

logo sueddeutsche

[Originalartikel]

douglas wolfsberger

Nicht ohne meine Tochter: Regisseur Douglas Wolfsperger unterwegs zu seinem Kind, das er aber wieder einmal nicht treffen darf. (Foto: GMFilms)

 

10.06.2009, Stuttgarter Zeitung
Dokumentation

Der entsorgte Vater

Bei den Hofer Filmtagen 2008 wurde der Dokumentarfilm des Schweizer Regisseurs Douglas Wolfsperger heftig diskutiert. Im Zuge der unzähligen Scheidungen jedes Jahr bleiben meist die Kinder auf der Strecke: Sie stehen zwischen den Fronten, der oft erbittert um das Sorge- und Umgangsrecht streitenden Eltern.

Wolfsperger selbst hat jahrelang um das Recht gekämpft, seine Tochter wenigstens regelmäßig sehen zu können, und schließlich diesen Film gedreht. Er zeigt die letzte Reise zu seiner Tochter, an deren Ende ein Abschied für immer steht. Auf dieser traurigen Fahrt trifft Wolfsperger andere, ebenfalls betroffene und "entsorgte" Väter, lässt sie ihre sehr persönlichen Geschichten erzählen, und wie sie mit dieser Situation umgehen.

sir


Filmkritik

Eine Verschwörung der Frauen?

Haben die bösen Feministinnen am Ende doch obsiegt und können sogar auf die Hilfe der Gerichte hoffen, wenn sie Väter auf ihre Rolle als Erzeuger von Kindern festlegen? Werden Kinder von Furien gnadenlos als Geiseln im Geschlechterkampf eingesetzt? Vor ein paar Jahren tat sich der "Spiegel"-Autor Matthias Matussek mit geharnischten Thesen zur "Entsorgung" der Väter in unserer Gesellschaft hervor. Prominente wie der Schauspieler Mathieu Carriere trugen die schmerzhaften Konsequenzen biografischer Brüche dann in allerlei Talkshows.

Auch der Filmemacher Douglas Wolfsperger ist solch ein "entsorgter Vater": Seit einigen Jahren kämpft er gegen seine ehemalige Lebensgefährtin um das Recht, weiterhin Kontakt zur gemeinsamen Tochter haben zu dürfen. Die juristischen Mittel, um dieses Recht durchzusetzen, sind längst erschöpft; ein Gerichtsentscheid zwingt Wolfsperger zum Abschied von der Tochter. Auf dem Weg dorthin rekapituliert der Filmemacher die Ereignisse, berichtet fassungslos von seiner Ohnmacht, von einem aussichtslosen Kampf. Als unverheirateter Vater hat man nicht automatisch das Sorgerecht für ein Kind, man tut gut daran, es zu beantragen. Aber wer denkt schon daran, wenn er noch verliebt ist?

Wolfsperger jedenfalls war, wie er heute zugibt, wohl etwas blauäugig. Seine Expartnerin hat wieder geheiratet, die Tochter trägt jetzt einen anderen Nachnamen. Man geht nicht fehl, wenn man den Film "Der entsorgte Vater" als eine verzweifelte Videogrußbotschaft an die verlorene Tochter nimmt. Die persönliche Betroffenheit des Regisseurs ist beklemmend, aber zugleich auch die elementare Schwäche dieses Films, der individuelle Biografien und private Katastrophengeschichten zu etwas Verallgemeinerbarem verdichten möchte. Weil die Geschichte Wolfspergers rasch erzählt ist, hat er sich weitere Betroffene respektive Verbündete gesucht.

Da haben Trennungsväter ihre Kinder teilweise seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen, wissen nicht mal mehr, wie die Kinder aussehen, können deshalb sogar unwissentlich an der Schule unterrichten, die das Kind besucht. Da werden Besuchsrechte vorenthalten, Weihnachtsgeschenke ungeöffnet zurückgeschickt, Missbrauchsvorwürfe in den Raum gestellt. Die ganze Welt erscheint so als Verschwörung von Frauen, die ihre Netzwerke vom Kindergarten bis zu den höchsten Instanzen der Gerichte gesponnen haben.

Das Problem: Aufgrund der thematischen Konstellation fehlt diesen Angriffen ein Gegenüber. Gern würde man einmal die Ex des Filmemachers hören und erfahren, warum sie handelte, wie sie handelte. Eine einzige Frau kommt hier zu Wort, und die spricht vom Vater ihrer Tochter immer als "Erzeuger". Einmal wird davon gesprochen, dass "die Rechtlosigkeit des Vaters politisch gewollt" sei. Mit dieser These hätte man vielleicht einmal beteiligte Instanzen, etwa Familienrichter oder -politiker, konfrontieren können. Lieber lässt der Regisseur diese These aber polemisch im Raum stehen und zeigt stattdessen Männer, die traurig, wütend und desillusioniert bei Waldspaziergängen ihre Beziehungswunden lecken. Immerhin: wer diesen Film gesehen hat, der wird nicht länger behaupten, Männer könnten einfach nicht über ihre Gefühle reden.
 
Ulrich Kriest

10.06.2009 - aktualisiert: 10.06.2009 12:46 Uhr

logo stuttgarter zeitung

[Originalartikel]

douglas wolfsberger

Douglas Wolfsperger fühlt sich als "entsorgter Vater"
Foto: Verleih

 

10.06.2009, Deutschlandradio Kultur

"Der entsorgte Vater"

Jörg Taszman sah einen Dokumentarfilm über ein sensibles Thema

In seinem Dokumentarfilm erzählt Filmemacher Douglas Wolfsperger von Männern, deren Gefährtinnen nach einer Trennung den Kontakt zum gemeinsamen Kind verweigern. Er ist selbst ein entsorgter Vater und plädiert in solchen Fällen für mehr Gleichberechtigung für Männer.

Deutschland 2008, Dokumentarfilm, Regie: Douglas Wolfsperger, 86 Minuten, ab 12 Jahren

230.000 Scheidungskinder gibt es jährlich in Deutschland - von denen 90 Prozent dann bei der Mutter leben. Nach einem Jahr der Trennung haben 40 Prozent dieser Kinder dann keinen Kontakt mehr zum Vater. Wie sehr Väter, die an ihren Kindern hängen, unter dieser teilweise von Gerichten erzwungenen Trennung leiden, das zeigt der selber betroffene Vater und Regisseur in einem hochemotionalen und erschütternden Film, der allerdings fast nur die Perspektive der leidenden Väter einnimmt. Die betroffenen Ex-Frauen lehnen nicht nur jeglichen Kontakt zu ihren Ex-Männern ab, sie waren auch nicht bereit, sich filmen zu lassen.

Bei diesem hochsensiblen Thema wird jedoch eins klar: Irgendetwas läuft falsch in einer demokratischen Gesellschaft, in der Gerichte sich fast ausnahmslos auf die Seite der Mütter schlagen und zulassen, dass die ihre Kinder wie ihr Privateigentum betrachten und als Waffen gegen die Ex-Männer benutzen. Kinder und Väter scheinen hier einfach zu wenig Macht zu besitzen. Ein parteiischer, nachdenklicher Film, der mehr Gleichberechtigung für Männer einfordert und dabei filmisch völlig überzeugen kann, inhaltlich natürlich viele Fragen offenlassen muss.

logo deutschlandradio kultur

[Originalartikel]

douglas wolfsberger

Szenenbild aus Douglas Wolfspergers Film "Der entsorgte Vater" (Bild: Douglas Wolfsperger Filmproduktion)

08.06.2009, Augsburger Allgemeine

«Der entsorgte Vater»: Aussichtsloser Kampf

Hamburg (AZ) - Bei den Hofer Filmtagen 2008 wurde der Dokumentarfilm des Schweizer Regisseurs Douglas Wolfsperger heftig diskutiert.
logo augsburger allgemeine

[Originalartikel]

foto wolfsberger zug

Im Zuge der unzähligen Scheidungen jedes Jahr bleiben meist die Kinder auf der Strecke: Sie stehen zwischen den Fronten, der oft erbittert um das Sorge- und Umgangsrecht streitenden Eltern. Wolfsperger selbst hat jahrelang um das Recht gekämpft, seine Tochter wenigstens regelmäßig sehen zu können, und schließlich diesen Film gedreht.

Er zeigt die letzte Reise zu seiner Tochter, an deren Ende ein Abschied für immer steht. Auf dieser traurigen Fahrt trifft W. andere, ebenfalls betroffene und «entsorgte» Väter, lässt sie ihre sehr persönlichen Geschichten erzählen, und wie sie mit dieser Situation umgehen.

(Der entsorgte Vater, Deutschland 2008, 85 Min., FSK ab 12, von und mit Douglas Wolfsperger)

07.06.2009, Sonntag Aktuell

„Ich hoffe, meine Tochter sieht den Film"

Herr Wolfsperger, Sie zeigen in Ihrem Film die Geschichte von fünf Vätern und einer Mutter und verzichten dabei gänzlich auf Erklärungen, Einordnungen oder Expertenmeinungen. Warum?

Ich wollte ja kein Erklärstück drehen, sondern einen Dokumentarfilm. Ich habe einen subjektiven Film gedreht. Ich wollte zeigen, wie es den Menschen geht und was sie fühlen, die von ihren Kindern getrennt leben müssen.

Sie sind selbst einer der Protagonisten im Film, gleichzeitig Regisseur. War das schwer?

Natürlich ist das ein besonderer Film für mich. Er ist aus dem Gefühl der Ohnmacht heraus entstanden. Ich habe ihn für meine Tochter gedreht. Sie ist jetzt elf, und ich will nicht, dass sie denkt, ich hätte mich nicht für sie interessiert. Ich will ihr mit diesem Film erklären, warum ihr Vater keinen Kontakt zu ihr hat - beziehungsweise haben kann - und was in ihm vorgeht.

Ist der Film auch ein Stück Selbsttherapie?.

Ein Stück weit, ja. Aber es geht mir auch sehr stark darum, auf das Thema aufmerksam zu machen. Die vorherrschende Meinung ist doch, dass Männer sich meist aus der Verantwortung ziehen. Das gibt es natürlich auch. Aber es gibt viele Väter, die von den Müttern mit dem Entzug des Kindes bestraft werden. Auch wird in unserer Gesellschaft die Beziehung zur Mutter oft noch für wichtiger gehalten als die zum Vater.

Haben Väter keine Lobby?

Nein. Ich glaube nicht,dass man etwa den Verein Väteraufbruch schon als Väterlobby bezeichnen kann. Auch die gesetzliche Lage bevorzugt Mütter. Dazu kommt, dass es vor Gericht Jahre dauern kann, bis das Gericht Schwierigkeiten beim Kind-Vater-Umgang ernst nimmt und vielleicht handelt. Bis dahin ist das Kind dann oft schon vom Vater entfremdet. So war es auch bei mir. Meine Tochter hat einen Brief an mich geschrieben, in dem stand, dass sie mich nicht mehr sehen will. Das Gericht hat dann festgestellt, dass es für sie besser sei, wenn ich mich endgültig verabschiede.

Das Thema hat auch eine gesellschaftliche Relevanz. Eine Studie belegt Verhaltensstörungen bei einem Teil der Scheidungskinder.

Ich glaube schon, dass viele dieser Kinder später Probleme haben werden. Meine Tochter lebt inzwischen mit dem dritten „Vater". Was hat sie denn mal für ein Männerbild? Wird sie Beziehungen eingehen können?

Wie war Ihr Verhältnis zu der alleinerziehenden Mutter im Film, die den Kontakt zum Vater ganz bewusst abgebrochen hat?

Es war für mich interessant, ihre Seite zu hören. Denn ich frage mich bis heute, was in meiner früheren Partnerin vorgeht, die seit fünf Jahren den Umgang mit meiner Tochter verhindert und mich bei unserer Tochter schlechtredet.

Meinen Sie, der Film wird etwas an Ihrer persönlichen Situation ändern?

Momentan sicher nicht. Aber ich hoffe, dass sich meine Tochter den Film irgendwann ansieht und dann auf mich zukommt.

Das Gespräch führte Lisa Welzhofer

Sonntag Aktuell

ZEITGESCHEHEN

scan zeitgeschehen

LESERBRIEFE

SERVICE
So finden Sie am schnellsten zu
Sonntag Aktuell:

  • Postfach 10 44 62
    70039 Stuttgart
    Fax: (0711) 72 05 - 3509
  • E-Mail-Adresse:
    leserpost(at)soak.zgs.de
    Bitte geben Sie Ihre Adresse an
  • "Sonntag Aktuell"
    gehört zur
    ZEITUNGSGRUPPE STUTTGART

    06.06.2009, Berliner Morgenpost
    Trennung

    Nicht ohne meine Tochter

    Samstag, 6. Juni 2009 20:12 - Von Patrick Goldstein

    Auch das gehört immer mehr zum familiären Alltag in Deutschland: die Trennung der Eltern. Damit einher gehen, oft nicht für Außenstehende sichtbar, persönliche Katastrophen - vor allem für die Verlassenen und immer für die Kinder. Auch der Berliner Douglas Wolfsperger darf sein Kind nicht mehr sehen. Darüber hat der Berliner Regisseur einen Film gedreht.

    [Originalartikel]

    dw und tochter lachend  
    Bild aus besseren Zeiten. Douglas Wolfsperger mit seiner Tochter
    Foto: Amin Akhtar
     

    „Ich kann nicht mehr weinen“, sagt Douglas Wolfsperger. „Über den Zustand des Weinens bin ich längst hinweg. Aber dass es für mich nicht mehr möglich ist, mein Kind zu sehen, ist unfassbar.“ Der 51 Jahre alte Regisseur, der diese Worte zu Beginn seines Films spricht, ist einer von vielen Tausend Vätern in Deutschland, die keinen Kontakt mehr mit ihrem Kind haben können. Seit der Geburt von Lisa* vor elf Jahren ist aus der Liebe zwischen ihm und ihrer Mutter tiefe Verachtung geworden. Seine Dokumentation über Väter wie ihn kommt jetzt in die Kinos.

    „Diese Frau hat dafür gesorgt, dass meine Tochter mir völlig entfremdet wurde“, sagt Wolfsperger über seine frühere Lebensgefährtin. Die Tür zur Terrasse seiner Berliner Altbauwohnung ist offen, ein paar Regentropfen wehen am weinroten Vorhang vorbei ins Wohnzimmer. Im Gartenhaus in Nähe des Savignyplatzes hat er sich mit Fotos aus besseren Zeiten umgeben. Am 17. Mai 2008 durfte er Lisa zum letzten Mal sehen. Ein Gericht hatte nach zehn Jahre währender Auseinandersetzung beschlossen, dass sich die beiden bis auf Weiteres besser nicht mehr sehen sollen. Um des Kindes willen.

    Es gibt verliebte Schwarzweißbilder von Wolfsperger und Lisas Mutter, Christine Schön*. Unterwegs im Motorboot. Ganz nah beieinander im Gras. Auf einer Filmpremiere hatten sie sich kennengelernt, sagt Wolfsperger. Knapp zwei Jahre später, im April 1998, kommt Lisa auf die Welt. „Ich habe mich wegen eines Films nicht richtig um Lisa gekümmert“, gibt Wolfsperger zu. Ein halbes Jahr, so Christine Schön, habe er keinen Kontakt zu seinem Kind gesucht. Und ihre Vorwürfe gehen noch weit darüber hinaus. Im Jahr darauf – das Paar hat sich zwischenzeitlich getrennt und Douglas Wolfsperger befindet sich gerade bei Dreharbeiten – zieht sie mit Lisa fort.

    Seine Frau sieht das anders
    In der Folgezeit erlebt Wolfsperger, wie ein anderer Mann an seine Stelle tritt, wie da einer Lisa vor seinen Augen auf den Schoß nehmen darf. Douglas Wolfsperger fühlt sich provoziert. 2001 und 2004 wird er wegen Beleidigung und Körperverletzung angezeigt. Er muss Bußgeld zahlen.

    Christine Schön spricht von Ausbrüchen, „regelmäßig“ sei er verbal und körperlich ausfallend geworden. Lisa habe das „über all die Jahre miterlebt“. Das Verhalten des „ihr fremden Vaters“ habe sie tief verstört zurückgelassen. Einen Umgang mit derartigen Folgen erschien ihr als Mutter „nach zahlreichen Versuchen schließlich nicht mehr verantwortbar“.

    Wie den Streit zweier sichtlich Unnachgiebiger lösen? In bis zu 160.000 Trennungsfällen kämpfen Eltern momentan ähnlich über Jahre hinweg um den Kontakt zu ihrem Kind. Trennungsväter in Douglas Wolfspergers Lage fühlen sich gegenüber Frauen benachteiligt. Sie führen an, dass das Vertrauen der Justiz in die Mutter größer sei.

    Das zeige sich etwa, wenn Gerichte über das Sorgerecht urteilen: Ringen Mutter und Vater ums Kind, gewinnt in Deutschland am Ende fast immer die Frau. In 5884 Fällen wurde im Jahr 2007 für die Mutter entschieden, dagegen bekamen im gleichen Zeitraum nur 495 Väter vom Gericht das Sorgerecht. Wo derzeit alles über die neue Rolle der Frau, über die Vereinbarkeit von Mutterschaft und Karriere spricht, fühlen sich diese Väter mit ihren Sorgen vernachlässigt.

    Recht auf beide Elternteile
    Bis Wolfsperger im Frühjahr 2008 aufgeben muss, erlebt er (wie auch die Männer in seinem Film), dass er scheinbar keine rechtliche Handhabe besitzt, Umgang mit seinem Kind zu bekommen, wenn es zu keiner Einigung mit der Mutter kommt. „Der Machtfaktor der Männer nach der Trennung ist der Unterhalt. Für Frauen ist es der Umgang“, sagt Peggi Liebisch unumwunden. Der Bundesgeschäftsführerin des Verbandes alleinerziehender Mütter und Väter zufolge hätten dabei „die Kinder das Nachsehen. Denn Kinder haben ein Recht auf beide Elternteile.“

    Auch von Lisa und Douglas Wolfsperger gibt es Bilder. In Farbe, in Hochglanz. Glückliche Bilder aus dem Jahr 2004, die er unaufgefordert aus einem seiner altmodischen Designerschränke hervorholt. Vater und Tochter beim Eisessen. Vater und Tochter, Schläfe an Schläfe, die Augen vor Freude glänzend. Lisa umgeben vom Papa, dessen Partnerin und einem neuen Stiefschwesterchen. „Lisa war damals alle zwei Sonnabende bei uns: mittendrin und ganz entspannt“, erinnert sich der Regisseur.

    Doch dann drängt sich wieder der Zwist mit Christine Schön dazwischen, und die kurze Phase familiärer Harmonie mit seinem Kind wird unter Vorwürfen und Gerichtsterminen zerrieben. Wolfsperger, so Christine Schön, sei getrieben gewesen von der scheinbar fixen Idee, sie und ihr damaliger Partner wollten ihn aus dem Leben der Tochter verdrängen. Lisa indes habe Angst vor Wolfsperger gehabt. Wieder kann er sein Kind lange nicht mehr sehen.

    Und Lisa? Mit zunehmendem Alter spürt sie, dass ihre Eltern einen mitunter unerbittlichen Streit ausfechten, in dessen Mittelpunkt sie steht. In Gutachten ist über sie von einer „Entfremdung des Kindes vom Vater“ zu lesen. Eine Sachverständige sagt, dass Lisa nach ihrer Einschätzung „den Vater und seine Familie schon gerne sehen“ wolle. In der Frage, wie nun mit der Ausübung des Umgangs zu verfahren ist, erklärt die Gutachterin, Lisa sei „aufgrund ihrer Persönlichkeit nicht in der Lage, die Spannungen der Eltern auszugleichen“.

    Bei Müttern oder Vätern, die verlassen wurden und in ihrer Wut darüber dem Ex-Partner Verantwortungslosigkeit vorwerfen, kennt die Psychologie das „Parental Alienation Syndrome“. Diese „Induzierte Eltern-Kind-Entfremdung“ bei Umgangs- und Sorgerechtskonflikten bedeutet eine bewusste oder unbewusste Manipulation von Kindern durch jenen Elternteil, der sie aufzieht. Sohn oder Tochter werden schlicht aufgehetzt. Für die Kinder bedeutet dies die völlige Zuwendung zu einem „guten“, geliebten Elternteil und die kompromisslose Abkehr vom anderen, vermeintlich bösen Elternteil. Sie schlagen sich auf die Seite des verbliebenen Erwachsenen, um nicht auch noch ihn zu verlieren.

    Im November 2006 bekommt Wolfsperger sein Kind erstmals nach zweieinhalb Jahren für einen Augenblick wieder zu sehen. Im Berliner Kammergericht. Er hat sich in psychotherapeutische Behandlung begeben und versichert, „intensiv an sich gearbeitet“ zu haben. Es sei ihm „ernst damit, das Verhältnis zwischen den Beteiligten zu entspannen“. Drei Monate später erhält er einen Brief von Lisa, in dem sie ihm mitteilt, dass sie ihn nicht mehr sehen und nichts mehr ihm unternehmen wolle. Die Schrift ist kindlich. Aber ist es auch der Tonfall? Wolfsperger zweifelt.

    Ein letztes Treffen
    Mit Rücksicht auf Lisa, weil sie „jetzt vor allem Ruhe braucht“, legt das Kammergericht im März 2008 fest, dass Wolfsperger sich endgültig zurückziehen soll. Ein letztes Treffen wird anberaumt – eine gespenstisch anmutende Zusammenkunft in den Räumen eines Mannes vom Jugendamt. „Lisa war wie versteinert“, blickt Wolfsperger zurück. Er verlas einen Abschiedsbrief. Danach ging er in die Kirche, um eine Kerze anzuzünden.

    „Seit diesem Urteil ist Lisa wie verwandelt“, sagt Christine Schön heute. Indem Wolfsperger ihre Geschichte in einem Dokumentarfilm thematisiert, den er in diesen Tagen mit Fernsehauftritten bei „Stern TV“ und „Aspekte“ bewirbt, stelle er nun aber Lisa bloß. Auch dadurch, dass er ihren sehr persönlichen Brief und Fotos ungefragt in die Kameras hält und öffentlich macht.

    So wie der Filmer da seine Version publik mache, sei nicht zu verhindern, dass Lisa etwas davon mitbekomme, beklagt die Mutter. Douglas Wolfsperger hält dagegen, irgendwann solle seine Tochter eben diesen Film sehen. „Als Dokument, um ihr zu zeigen: So hat dein Vater ausgesehen, so hat das auf ihn gewirkt, als du ihn abgelehnt hast.“ Der Kampf um Lisa ist für ihn noch nicht beendet.

    *Namen geändert

    „Der entsorgte Vater“ ist ab Donnerstag im Kino zu sehen.
    06.06.2009, taz.de

    "Das ist auch eine Form von Missbrauch"

    LIEBE Er hat gekämpft und verloren. Douglas Wolfsperger darf seine Tochter nicht mehr sehen. Das ist ein Jahr her. Nächste Woche kommt sein neuer Film in die Kinos, er heißt "Der entsorgte Vater"

    INTERVIEW FELIX LEE

    Im Flur von Douglas Wolfspergers Berliner Wohnung steht ein Kindertretroller. Darf seine Tochter ihn doch wieder besuchen? Nein, antwortet der Regisseur, der Roller gehört seiner zweiten Tochter. Und die ist im Gegensatz zu seinem ersten Kind regelmäßig bei ihm.

    taz: Herr Wolfsperger, in Ihrem Film zeigen Sie Väter, die ihre Kinder nicht mehr sehen dürfen. Sie sind selbst so ein Vater. Wollen Sie Ihrer Exfreundin eins auswischen?

    Douglas Wolfsperger: Mir geht es nicht um Rache. Ich möchte Strukturen aufdecken, die weiten Teilen der Bevölkerung unbekannt sind. Wie kann es möglich sein, dass nach einer Trennung ein Elternteil das Kind komplett zu sich zieht und den anderen Elternteil außen vor lässt? Ich empfinde es als ein großes Unrecht.

    Trotzdem liegt der Gedanke nahe, dass Sie den Film gemacht haben, um mit der Mutter Ihrer Tochter abzurechnen. Schließlich sind die meisten juristischen Mittel ausgeschöpft.

    Die Idee zum Film hatte ich in einer Phase, als das Berliner Kammergericht noch sagte: Es muss ein Umgang gefunden werden, damit sich das Kind nicht von mir entfremdet. Das war 2005. Geschlagene zwei Jahre gingen ins Land, ohne dass sich beim Gericht etwas bewegte. In dieser Zeit fühlte ich eine unglaubliche Ohnmacht. Ich habe eine Therapie gemacht, weil ich einfach nicht mehr klarkam. Ich bin Filmemacher, und so habe ich diese Ohnmacht mit meinen Mitteln künstlerisch verarbeitet.

    Ist das das erste Mal, dass Sie sich künstlerisch für sehr persönliche Anliegen einsetzen?

    In dieser extremen Form schon. Die Themen für meine Filme hatten zwar schon immer mit mir zu tun, so nah wie in diesem Film bin ich mir aber nie gewesen. Die Dreharbeiten liefen quasi zwei Jahre lang parallel zum juristischen Verfahren, bis zu dem Beschluss, dass ich meine Tochter nicht mehr sehen darf.

    Wie lange haben Sie Ihre Tochter jetzt nicht mehr gesehen?

    Es ist ein Jahr her, dass meine elfjährige Tochter nach Berlin geflogen wurde und ich eine Dreiviertelstunde Zeit hatte, mich von ihr zu verabschieden.

    Das heißt?

    Das Berliner Kammergericht hat entschieden, dass meine Tochter "Ruhe" braucht. Ich darf sie nicht mehr sehen.

    Wie hat Ihre Tochter reagiert?

    Das Schlimme war, dass sie beim Abschied überhaupt keine Regung gezeigt hat. Sie war wie versteinert. Ich meine, ich bin ihr Vater. Wir hatten eine intensive Beziehung, die einfach gekappt wurde durch die negativen Gefühle der Mutter. Ihr wurde immer eingetrichtert, bewusst oder unbewusst, dass sie mit mir nichts mehr zu tun haben darf. Und jetzt steht dieses Kind vor ihrem Vater und weiß: Der wird sich jetzt verabschieden.

    Eine Dreiviertelstunde Abschied, wie geht das?

    Es ist eine makabre Veranstaltung, sich als lebender Vater von seinem Kind zu verabschieden. Ich hatte einen Abschiedsbrief vorbereitet. Aber ich wusste auch, was mich erwartet. Monate zuvor hatte es einen sogenannten begleiteten Umgang gegeben. Ich durfte von Berlin nach Düsseldorf fahren, um meine Tochter in Begleitung einer Sozialarbeiterin eine Stunde lang zu sehen. Ein Fiasko. Ich musste ihr jedes Wort aus der Nase ziehen. Schon nach kurzer Zeit wusste ich nicht mehr, was ich fragen sollte. Sie war völlig zu, sie hat sich auch körperlich von mir abgewandt, als ob sie sich ekeln würde. Das tat weh.

    Und so war es auch in Berlin?

    Sie wirkte weniger verkrampft als bei dem Treffen zuvor. Jahrelang hatte sich ihre Mutter nie bei mir gemeldet. Nachdem das Gericht entschieden hatte, sprach sie plötzlich dreimal am Tag auf den Anrufbeantworter, um zu bereden, wie wir das mit dem letzten Besuch machen sollen. Ich habe gemerkt, wie erlöst sie war. Auch das Gefühl hatte sie auf meine Tochter übertragen.

    Im Film schildern Sie nicht nur Ihren Fall, sondern lassen vier Väter mit ähnlichem Schicksal zu Wort kommen. Deren Exfrauen aber nicht. Warum?

    Das hat sich erst während der Dreharbeiten ergeben. Eigentlich wollte ich beide Seiten hören. Ich wollte ergründen, warum es Mütter gibt, die so ticken, und habe mir bei allen vier Männern auch die Gegenseite angehört. In allen Fällen kam die Auflage: Wenn die eine Seite mitmacht, will die andere Seite nicht auftauchen. Ich musste mich also entscheiden.

    Sie haben sich für die Väter entschieden. Meinen Sie nicht, dass die in Ihrem Film mit ein wenig mehr Objektivität glaubwürdiger rüberkämen?

    Ich arbeite nicht journalistisch fürs Fernsehen, ich drehe Filme fürs Kino. Deswegen mache ich auch überhaupt keinen Hehl daraus, dass dieser Film subjektiv ist. Genauso wie es einseitig von der Rechtsprechung ist, dem Kind den Kontakt zu mir zu unterbinden, ist es doch legitim, als Filmemacher, der zugleich betroffener Vater ist, meine Sicht der Dinge darzustellen. Ich wollte eine Befindlichkeit erspüren. In diesem Fall meine eigene.

    Im Film kommt eine Frau vor, die zugibt, dass der Vater ihres Kindes für sie nur der Erzeuger ist. Diese Figur kommt sehr negativ rüber.

    Bei den Dreharbeiten wollte sie sich als Siegerin darstellen. Sie war stolz, dass der Vater einfach nichts mehr zu melden hat, versagt hat. Für mich war die Frau ein perfektes Psychogramm, weil sie auch verbalisiert, was sie für Vorbehalte hat.

    Aber ist sie nicht ein extremes Beispiel?

    Ich glaube, dass sie einfach nur ausspricht, was viele Frauen in dieser Position denken. Über den Vater weiß ich, dass er Arzt ist und kein Psychopath. Was er für sonstige Schwächen hat, kann ich nicht sagen. Ich gehe davon aus, dass die Beziehung einfach nicht funktioniert hat. Aber rechtfertigt das, dass er im Leben seines Kindes keine Rolle mehr spielen darf? Ich finde, nicht.

    Hat sie den Film gesehen?

    Noch nicht.

    Aber sie weiß, dass sie im Film in dieser Art auftaucht?

    Sie weiß, dass es den Film gibt. Und ihre beste Freundin, die praktisch bei ihr wohnt, hat ihn gesehen und fand ihn hervorragend. Die Protagonistin wird das vielleicht anders beurteilen.

    Zugleich stellt sich bei den Vätern schon die Frage, wie es zur Trennung gekommen ist.

    Bei aller Subjektivität des Films habe ich die Männer keineswegs als Unschuldslämmer dargestellt. Die Gründe für die Trennungen lassen sich durchaus erschließen. Wenn einer der Väter sagt: "Sie hat doch alles gehabt: Waschmaschine, Staubsauger - ich weiß nicht, was ihr gefehlt hat", kriegt man eine gewisse Ahnung, woran die Beziehung unter anderem gescheitert sein könnte.

    Dass es Väter gibt, die ihre Kinder missbrauchen und dies - empirisch belegt - deutlich häufiger tun als Mütter, ist ja nun keineswegs aus der Luft gegriffen.

    Ich bezweifele gar nicht, dass es unter Vätern üble Finger gibt, und es liegt mir fern, das zu verharmlosen. Bei den Vätern im Film habe ich mir die Gerichtsakten durchgesehen und geprüft, was an den Vorwürfen dran ist. Ich kann zwar nicht hundertprozentig bezeugen, dass sie nichts verbrochen haben, mein Eindruck war jedoch, dass es vor allem in den Beziehungen gehapert hat. Zugleich weiß ich, dass der Missbrauchsvorwurf eine wirkungsvolle Waffe sein kann, um den Exmann auszuschalten. Einem der Väter in dem Film wird das vorgeworfen. Er hat zu seiner Frau gesagt: "Du kannst mir alles nehmen, nur meinen Stammtisch nicht." Jetzt hat sie ihm alles genommen, nur am Stammtisch kann er weiter sitzen. Dahinter steckt ja nicht nur eine unglaubliche Ironie, sondern auch Tragik. Ich finde, das erklärt mehr, als wenn ich ihn im Film ausgeklammert hätte.

    Woran ist Ihre Beziehung gescheitert?

    Das war genau vor neun Jahren. Wir lebten damals in Köln, ich hatte ein Filmprojekt am Bodensee. Fünf Jahre hatte ich an dem Film gearbeitet, es gab Finanzierungsprobleme, insgesamt war ich beruflich sehr eingespannt. Das alles fand in einer Zeit statt, in der ich ehrlich gesagt froh war, dass ich ein paar Wochen weg war, weil sich das Leben mit meiner Partnerin als sehr schwierig erwies. Unser gemeinsames Kind war ein Jahr alt. Wir hatten uns beide den Alltag anders vorgestellt.

    Sie hat Ihnen vorgeworfen, dass Sie wegen der Arbeit nicht genug Zeit für Ihre Tochter hatten. Klingt klassisch.

    Nein, unsere Beziehung ist daran gescheitert, dass wir beide zu unreif waren, um uns miteinander um das gemeinsame Kind zu kümmern. Ich hatte immer Filmprojekte, einmal im Jahr bin ich für ein paar Wochen unterwegs. Als ich mit dem Film fertig war und nach drei Monaten wieder nach Köln kam, war sie ausgezogen. Ich ließ sie wissen, dass ich mich trotz der Trennung weiter um unsere Tochter kümmern würde. Das wollte sie nicht. Sie war bereits mit einem früheren Freund von ihr zusammen, ihn hat sie ein Jahr später geheiratet. Und damit wurde ihr neuer, alter Freund sogenannter rechtlicher und sozialer Vater.

    Warum das?

    Wir waren nicht verheiratet, und ich hatte es versäumt, vor der Geburt das gemeinsame Sorgerecht zu beantragen. Ich war da ehrlich gesagt blauäugig. Kurz nach der Hochzeit konnte ich in einem Interneteintrag von ihm lesen: "Ich bin seit Juli 2000 mit meiner Frau Stefanie verheiratet, und wir haben eine wunderbare Tochter." Ich bin aus allen Wolken gefallen, als ich das las. Spätestens da wurde mir klar, dass ich als "nur" leiblicher Vater denkbar schlechte Karten habe. Und dann wurde alles, was ich unternahm, torpediert.

    Was meinen Sie mit "alles"?

    Meine Tochter hat mit ihrer Mutter auf dem Land außerhalb von Düsseldorf gelebt. Jeden zweiten Samstag durfte ich ein paar Stunden mit ihr verbringen. Ich wollte ihr eine schöne Zeit schenken, aber in dem Kaff gab es nur wenig zu unternehmen. Ich ging mit ihr in die Eisdiele. Irgendwann bekam ich ein Schreiben von der Anwältin der Mutter, dass das Kind eine Eisallergie habe. Meine Tochter hat mir bei einem der nächsten Male gesagt, dass ich mit ihr kein Eis essen soll, weil es nachmittags bei Oma auch noch Eis gibt. Das waren zwar Kleinigkeiten - letztlich aber wurde alles torpediert, was ich mit meiner Tochter machen wollte. Ich hatte einfach keine Chance.

    Es gab keine Möglichkeit, vor Gericht mehr Zeit mit Ihrer Tochter herauszuschlagen?

    Es war ein ständiges Hin und Her. Anfangs hieß es, alle 14 Tage, aber diese Regelung wurde immer wieder gekippt. Ein halbes Jahr durfte ich meine Tochter gar nicht sehen, weil die Mutter behauptet hat, ich sei nicht in der Lage, mich um das Kind zu kümmern. Einmal bin ich tatsächlich ausgerastet.

    Wie kam es dazu?

    Es kam öfter vor, dass mir nicht die Mutter unsere Tochter an der Haustür übergab, sondern der neue Ehemann, der seine erworbene Vaterrolle schon komplett verinnerlicht hatte. Da meine Tochter natürlich durch den erlebten Alltag mit ihm Vertrauen zu ihm hatte, klammerte sie sich zunächst an sein Bein. Das riss den neuen Vater zu der Äußerung hin: "Du siehst doch, dass das Kind von dir nichts wissen will." Ich habe meine Tochter auf den Arm genommen und wollte losgehen. Daraufhin hat er mir Kindesentführung vorgeworfen und versucht, mich von hinten festzuhalten. Ich habe nur gedacht: Du elende Arschgeige. Er wollte mich aufhalten, ich habe kurz hinter mich getreten. Daraufhin hat er mich angezeigt und eine Bluttat daraus gemacht. Sonst wäre die Anzeige nichts wert gewesen.

    Sie haben die Kontrolle über sich verloren?

    Ich wurde über Monate von diesem Kerl provoziert und fühlte mich gedemütigt. Als ich hinter mich trat, weiß ich noch nicht einmal, ob ich ihn überhaupt getroffen habe. Mein Anwalt hat mir daraufhin geraten, dass ich nun Kreide fressen müsse, sonst drohe mir eine Vorbestrafung. Dann hätte ich überhaupt keine Rechte mehr gehabt. Ich musste mich bei ihm vor Gericht entschuldigen und wurde trotzdem bestraft. Bis heute trägt meine Tochter das vor Gericht als Begründung vor, weshalb sie mich nicht mehr sehen will: Ich habe ja ihren Vater getreten. Sie war damals drei. Danach haben noch viele sogenannte Umgänge stattgefunden, bei denen wir eine schöne Zeit miteinander hatten.

    Wie lange hat Ihre Tochter Sie noch Papa genannt?

    In den ersten Jahren hat sie mich durchgehend Papa genannt. Kurz nach der Hochzeit der Mutter traf ich den neuen Mann zum Bier. Zunächst hatten wir ein ganz nettes Gespräch. Aber dann wollte er mir weismachen, dass es doch zweckmäßig wäre, wenn meine Tochter Papa zu ihm sagt. Sie würden schließlich gemeinsame Kinder haben wollen, da sei es nicht schön, wenn ein Kind nicht Papa zu ihm sagt. Ich bin aufgestanden und gegangen. Dieser Plan von gemeinsamen Kindern hat sich im Übrigen nie erfüllt. Die beiden leben inzwischen getrennt. Auf jeden Fall hat mich meine Tochter kurze Zeit später tatsächlich Douglas genannt. Für sie war ich nur noch der, der so heißt wie die Parfümeriekette.

    Das heißt: Ihre Tochter hat sich von Ihnen abgewandt.

    Natürlich war es eine Zumutung für sie. Mal durften wir uns sehen, mal war der Kontakt ein halbes Jahr abgebrochen. Sie konnte ja nicht wissen, dass es nicht an mir lag, dass kein Umgang stattgefunden hat. Sie muss sich ständig gefragt haben: Wann kommt der Papa? Und wieso kommt er jetzt nicht? Das ist ja das, was mich so quält.

    Wie auch immer das zustande gekommen ist, Fakt ist: Ihre Tochter möchte Sie nicht mehr sehen.

    Ich habe mich intensiv mit dem sogenannten Entfremdungssyndrom beschäftigt. Und Studien belegen, dass sich in der Regel nicht das Kind von sich aus entfremdet, sondern gezielt beeinflusst wird. In meinem Fall hatte meine Tochter überhaupt keine Chance, sich selbst zu entscheiden. Sie kann ja nicht mit elf Jahren sagen: Ich gehe jetzt zum Papa. Sie muss sich mit dem Elternteil solidarisieren, bei dem sie lebt, damit sie diesen Elternteil nicht auch noch verliert. Dieses Verhalten ist auch ein typischer Bestandteil des Entfremdungssyndroms und beruht im Übrigen auch auf einer Form von Missbrauch.

    Sollten Sie den Willen Ihrer Tochter nicht akzeptieren?

    Ob sie tatsächlich so denkt, wäre noch zu prüfen. Im Moment hat sie gar keine andere Wahl. Meine Tochter hat vor einem Verfahrenspfleger ausgeführt, warum sie mich nicht mehr sehen will. Der hat diese Aussage eins zu eins ans Berliner Kammergericht weitergegeben mit der Konsequenz, dass ich sie nicht mehr sehen darf. Das ist ja das Skandalöse: Es bleibt Glückssache, an welchen Verfahrenspfleger und Richter man gerät. Es gibt nach wie vor eine Großzahl von Familienrichtern, denen Kinderpsychologie ein Fremdwort ist.

    Die Mutter Ihrer Tochter weiß um den Film, die für Sie zuständigen Familienrichter werden ihn sicher auch sehen. Wird der Film Ihre Situation nicht noch verschlimmern?

    Ach, wissen Sie, was habe ich denn noch zu verlieren? Ich habe ja keinerlei Kontakt mehr zu meiner Tochter. Sie ist entfremdet, und es werden Jahre vergehen, bis sie auf mich zukommt - wenn überhaupt. Die Mutter hat das genauso vermittelt.

    Was genau wollen Sie mit dem Film dann bezwecken?

    Der Film ist ein Dokument für meine Tochter, damit sie später mal sieht: Mein Papa wollte sich um mich kümmern, konnte aber nichts machen. Ich hoffe, dass sie sich irgendwann für mich interessieren wird, und zwar nicht nur, wenn sie Geldmangel hat. Das ist leider häufig der Fall: Viele Kinder im jungen Erwachsenenalter besinnen sich dann auf ihren Vater. Ich hoffe, dass meine Tochter aus anderen Beweggründen auf mich zukommt. Und so wie ich sie einschätze, halte ich das für gut möglich. Trotz allem hat sie viele Anteile von mir, und in den Zeiten, als wir uns noch regelmäßig sehen konnten, habe ich durchaus eine große Nähe gespürt. Vielleicht wird das irgendwann wieder da sein.

    Haben Sie sich auch Gedanken darüber gemacht, was dieser Film zwischen ihr und ihrer Mutter auslösen könnte?

    Was es genau für Auswirkungen hat, kann ich nicht sagen. Ich will meiner Tochter nicht schaden. Für mich ist der Film in erster Linie ein Dokument der Ohnmacht, dass ich ihr einfach nicht zeigen kann, wie sehr ich sie liebe. Und dass ich gerne für sie als Vater da gewesen wäre.

    Felix Lee, Jahrgang 1975, ist taz-Redakteur. Eigene Kinder hat er keine, aber zwei Patenkinder. Die bekommt er regelmäßig zu Gesicht.

    Douglas Wolfsperger

    Leben: Douglas Wolfsperger, 51, wurde in Zürich geboren. Er wuchs am Bodensee auf, ging später nach München, Konstanz und Köln. Heute lebt er in Berlin und am Bodensee. Wolfsperger ist Vater von zwei Töchtern, die elf und sieben Jahre alt sind.

    Arbeit: Douglas Wolfsperger ist Spiel- und Dokumentarfilmregisseur. Für "Bellaria - solange wir leben!" (2002), über die Besucher eines Wiener Retrospektivenkinos, erhielt er zahlreiche Preise. 2005 drehte er "War'n Sie schon mal in mich verliebt?" über Max Hansen, einen vergessenen Star der Weimarer Republik, 2006 den Film "Der lange Weg ans Licht" über eine ostdeutsche Hebamme.

    Film: Douglas Wolfspergers Film "Der entsorgte Vater" kommt am Donnerstag in die Kinos. Es ist sein bislang persönlichstes Werk. www.der-entsorgte-vater.de

    Die Rechtslage

    Sorgerecht: Ein nichtehelicher Vater erlangt das gemeinsame Sorgerecht für sein Kind, wenn die Mutter mit einer Sorgeerklärung zustimmt und sie nicht anderweitig verheiratet ist. Diese Regelung ist Gegenstand heftiger rechtspolitischer Auseinandersetzungen.

    Patchwork: Viele Kinder leben in Familien, in denen die Eltern nicht miteinander verheiratet sind. Erfolgt die Sorgeerklärung nicht vor der Geburt und zerfällt die uneheliche Lebensgemeinschaft, sind die Chancen des Vaters, das Sorgerecht übertragen zu bekommen, sehr schlecht. Gegen den Willen der Mutter lässt es sich nicht so leicht auf den Vater übertragen.

    Unterhalt: Unberührt davon bleibt die Pflicht des anderen Elternteils, auch für ein nichteheliches Kind Unterhalt zu zahlen

    [Originalartikel]

     

    05.06.2009, Kurier Karlsruhe
    Premiere in Anwesenheit des Regisseurs in der Schauburg: „Der entsorgte Vater"

    Machtspiele und Racheakte

    Mit dem Titel seines Films „Der entsorgte Vater" greift Douglas Wolfsperger einen Artikel aus dem Magazin „Der Spiegel" vom November 1997 auf. Der Anlass, den Film zu drehen, ist wie für den Spiegel-Autor Matthias Matussek damals, ein zutiefst persönlicher.
    Fünf Jahre lang hat Wolfsperger mit seiner Ex-Freundin um das Sorge- und Umgangsrecht für seine Tochter gestritten. Nun muss er sich endgültig von dem Kind verabschieden. Das Berliner Kammergericht hat entschieden, dass das Mädchen Ruhe braucht und keinen weiteren Zerreißproben ausgesetzt werden dürfe.
    Seine Verzweiflung darüber, nicht mehr Vater sein zu dürfen, nimmt Wolfsperger zum Anlass für ein sehr persönliches Portrait von fünf Vätern, die zugleich mit der Trennung nicht nur die Partnerin, sondern auch die Kinder verloren haben, und von einer Mutter, die die Väter erfolgreich und ohne einen Hauch von Schuldbewusstsein aus der Erziehung ihrer Kinder verdrängt hat. In ausführlichen Interviews erzählen die Männer von ihren Versuchen, den Kontakt zu halten, von einem Gerichtssystem und einer Gesellschaft, die den Müttern fast automatisch recht gibt, und von Müttern, die gemeinsame Kinder bewusst undunbewusst zu Machtspielen und Racheakten benutzen.
    Da ist zum Beispiel der junge Polizist Ralf Bähringer, der seine Ex-Frau seit der von ihr gewünschten Trennung nicht mehr wiedererkennt. „Eiskalt" gesteht sie ihm nicht mal das gerichtlich vereinbarte Minimum an Umgangsrechtzu, geschweigedenn eine seinen Arbeitszeiten angepasste, flexible Regelung.
    Franzjörg Krieg hat seine älteste Tochter seit zehn Jahren nicht mehr gesehen und hat 2001 den „Väteraufbruch für Kinder e. V." in Karlsruhe gegründet. Am härtesten hat es wahrscheinlich Bernd Sosna getroffen, der von seiner Ex-Frau willkürlich des Missbrauchs an seiner Tochter angeklagt wurde.

    [Originalartikel]

    Der Kurier ist eine kostenlose Wochenzeitung für Karlsruhe. Er erscheint jeden Freitag. [Link]
    foto wolfsberger zug
    Ein subjektiver Bericht aus der Welt der getrennten Männer, die gerne Vater wären: Douglas Wolfspergers Film „Der entsorgte Vater". Foto: GMFilms  

    Während man den Männern zuhört, erhält man eine Ahnung, wie die Ehen wohl gescheitert sein mögen. Einer erwähnt Alkohol, ein anderer spricht von ständigen Auseinandersetzungen, wieder einer von dem „Selbstverwirklichungsbedürfnis" seiner Frau. Zugleich aber wird überdeutlich, wie wenig die Liebesbeziehung der Eltern mit der Beziehung zwischen Vater und Kind (oder Mutter und Kind) zu tun hat und wie grausam und unverständlich es für Kinder ist, wenn sie zugleich mit der Partnerschaft endet - oder durch die Machtspiele der Eltern unrettbar vergiftet wird.
    Wolfsperger geht es in „Der entsorgte Vater" um einen subjektiven Bericht aus der Welt der getrennten Männer, die gerne Vater wären und es nicht sein dürfen, und um das Elend der Kinder, die zwischen die Fronten geraten. Wissenschaftliche, gesellschaftliche und juristische Debatten, beispielsweise um das Scheidungs- und Sorgerecht von 1978, das „Parental Alienation Syndrome", oder die neue Mütterlichkeit berührt der Film nur am Rande. Aber er fordert eindrucksvoll dazu auf, sie endlich zu führen.

    04.06.2009, rbb - online
    Neuer Dokumentarfilm

    Der "entsorgte" Vater

    Der Kontakt zur eigenen Tochter wird dem Regisseur Douglas Wolfsperger seit vielen Jahren verwehrt. Und er ist damit nicht allein. In seinem Dokumentarfilm schildern vier Väter wie sie nach der Trennung von ihren Frauen nicht nur als Partner, sondern auch als Väter "entsorgt" wurden.

    Der Dokumentarfilmer Douglas Wolfsperger reagiert sensibel auf solche Botschaften: "Frag Papa – Papa weiß alles!“ Bittere Momente, denn er darf seiner Tochter nichts mehr erklären. Als Vater wurde er radikal "entsorgt“. Per Gerichtsbeschluss musste er sich für immer von seiner Tochter verabschieden. Er fühlt sich ohnmächtig. Um seine Wut zu verarbeiten, dreht er einen Film über sich und andere sogenannte "entsorgte“ Väter.

    Douglas Wolfsperger, Dokumentarfilmer
    “Das fühlt sich grausam an, wenn man sein Kind nicht mehr sehen darf . Und vor allem, wenn man diesen ganzen Mechanismus erlebt. Also bis es so weit kommt, dass man sein Kind nicht mehr sehen darf. Und da laufen einfach ein paar Sachen grundlegend falsch in unserem sogenannten Rechtsstaat.“

    Für seinen Film hat Douglas Wolfsperger Väter gesucht, die ähnliches erfahren haben wie er. Franzjörg und Ralf beispielsweise. Ein Lehrer und ein Polizist. Der eine hat seine Töchter seit elf Jahre nicht gesehen, der andere darf sie nur alle zwei Wochen besuchen. Verletzt und gekränkt reden sie über den Kampf mit ihren Ex-Frauen.

    Filmszene
    "Ich hab dann so Sätze gehört wie: ich will sofort 10.000 Mark oder Du siehst Deine Kinder nicht mehr. Also so typische Kinder-Besitzerinnen.“
    „Männer als reine Erzeuger zu betiteln, das ist diskriminierend. Das ist wie als würde ich auf dem Bauernhof in einem Stall stehen und würde besamt. Das ist mehr als diskriminierend.“

    Douglas Wolfsperger hat damals für seine Tochter kein Sorgerecht beantragt. Heute weiß er, dass das naiv ist. Seit acht Jahren kämpft Wolfsperger nun um sein Kind. Immer habe die Mutter gegen ihn agiert. Irgendwann hat ihn dann auch die Tochter abgelehnt. Deshalb hat eine Richterin entschieden, dass er das Mädchen nicht mehr sehen darf. Angeblich zum Wohle des Kindes!

    Douglas Wolfsperger, Dokumentarfilmer
    "Es ist einfach erstaunlich, wie wenig Richter sich da weitergebildet haben in unserem Land in Kinderpsychologie oder Pädagogik und einfach nicht diesen Mechanismus erkennen, wie das mit der Entfremdung dann abläuft, wenn das Kind eben lange den Vater nicht gesehen hat, wenn das Kind eben dann so Äußerungen macht, wie in meinem Fall: Ich will, dass der tot ist, ich will ihn nie mehr sehen müssen. Oder ganz entsetzliche Sachen.“

    Briefausschnitt
    "Hallo Douglas. Ich habe im Gericht schon gesagt, dass ich dich nicht mag. Und ich will dich nicht sehen.“

    Diesen Brief hat ihm seine Tochter geschrieben. Ein Schock für den Vater. Ausdruck eines kindlichen Loyalitätskonflikts. Die Tochter glaubt, sie dürfe nur den Elternteil lieben, bei dem sie lebt. Im Film geht es nicht um die Gründe der Trennungen. Er erzählt davon, wie verzweifelt die Väter sind. Egal was sie tun, alles kommt falsch an. Das ist gnadenlos subjektiv, einseitig und manchmal auch entlarvend.

    Filmszene
    "Einbauküche, Spülmaschine, Waschmaschine, Trockner – Auto. Auf der anderen Seite muss ich wieder sagen: was will die Frau allgemein noch?“

    Sie führen einen erbitterten Kampf und sie machen Fehler. Aber: sie sind die Väter. Die einzigen, die ein Leben lang Väter bleiben.

    Douglas Wolfsperger, Dokumentarfilmer
    "Die Ironie der Geschichte ist halt: die Mutter meiner Tochter hat inzwischen einen neuen Freund. Das ist jetzt Vater Nummer drei, inzwischen und ich weiß nicht, wie viele Väter sie in ihrer Jugend noch kennen lernen wird. Und umso wichtiger ist, dass der leibliche Vater eine wesentliche Rolle spielen müsste.“

    Für Douglas Wolfsperger und seine Tochter ist es – vielleicht – zu spät. Wie unreif und egoistisch erwachsene Menschen ihre Besitzansprüche ausfechten zeigt der Film. Und er ist ein Plädoyer dafür, dass die Gerichte klüger entscheiden sollen: Vater und Mutter für jedes Kind.

    Autorin: Petra Dorrmann

    logo rbb online

    [Originalartikel]

    Douglas Wolfsberger

    Dokumentarfilm: "Der entsorgte Vater", gesendet am 04.06.09
    [Info] [ansehen]

    04.06.2009, BNN - Stadt Karlsruhe

    Sieben Drehtage für fünf traurige Geschichten

    Vor Filmstart ist Karlsruher Vätervertreter viel gefragt

    Von unserem Redaktionsmitglied
    Kirsten Etzold

    Franzjörg Krieg platziert mit Bedacht zwei Mobiltelefone vor sich auf dem Tisch des Straßencafés am Schlossplatz. Ein Apparat rumort schon wieder. Der Landesvorsitzende und Karlsruher Koordinator des Vereins „Väteraufbruch für Kinder“ ist viel gefragt vor der Premiere des Dokumentarfilms „Der entsorgte Vater“ am 10. Juni. Krieg und drei weitere, von ihren Kindern getrennte Väter hat der Regisseur und Produzent Douglas Wolfsperger in Karlsruhe und dem Umkreis vor die Kamera geholt, um das Problem ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken (die BNN berichteten an anderer Stelle). Die Väter schildern in berührenden Interviews ihre Schicksale, ihr Leid und ihre Sehnsucht nach ihren Kindern.
    Als Gegenpol begründet aus ihrer Sicht eine Mutter, die Violinistin am Badischen Staatstheater ist, warum sie dem Vater ihrer Tochter den Umgang mit dem Mädchen verweigert.

    Sieben Drehtage war Krieg mit Wolfspergers Team unterwegs, an Wochenenden und in den Ferien. Mit Filmtechnik und Lichteinsatz hat der Lehrer, der viele Jahre an der Geschwister-Scholl-Realschule in Berghausen unterrichtete, viel Erfahrung: Der Speläologe koordinierte einst die Treffs deutscher Höhlenfotografen, und als Taucher unter anderem im Blautopf spielte er schon mehrfach Rollen im Film. „Daher wusste ich auch, dass ich meine Bartlänge nicht ändern sollte und dass es wichtig ist, in mehreren Einstellungen zu einer Sequenz dasselbe Hemd zu tragen“, erklärt Krieg.

    Die entstandene Dokumentation empfindet Krieg als „mutig, sehr authentisch, persönlich und intim gestaltet“. Eine monatelange Zitterpartie ging diesem erleichterten Fazit voran, denn der Regisseur ließ sich auch von seinen „Helden“ nicht in die Karten sehen. Das Ergebnis der Dreharbeiten war für alle erstmals im Herbst beim Festival des deutschen Films in Biberach zu sehen. Ein Brückenschlag zwischen den Lagern, den der Filmemacher und Krieg gleichermaßen erhofft hatten, gelang allerdings nicht: „Leider konnte Douglas keine Mutter der im Film porträtierten Fälle zur Mitwirkung bewegen. Alle lehnten pauschal ab, wenn auch der betroffene Vater zu Wort kommen sollte“, berichtet der Karlsruher Kämpfer, der jährlich eine Demonstration auf dem Platz der Grundrechte für ungehinderten Umgang von Mutter und Vater mit ihren Kindern organisiert.

    „An uns führt bei dem Thema derzeit kein Weg vorbei“

    Die Chance, eigene Erfahrungen und Ansichten einem bundesweiten Kinopublikum vorzustellen, ergab sich für Krieg und die anderen betroffenen Väter in und um Karlsruhe Anfang 2007. Die Residenz des Rechts wirkte als Drehort überzeugend, die Filmförderung Baden- Württemberg und der Südwestrundfunk unterstützten das Projekt. „Außerdem – an uns führt bei dem Thema zurzeit kein Weg vorbei“, sagt der Leiter der Karlsruher „Väteraufbruch“- Gruppe selbstbewusst.

    Termine

    Karlsruher Mitglieder des Vereins „Väteraufbruch für Kinder“ informieren morgen, Freitag, von 10 bis 18 Uhr an einem Stand vor der Kleinen Kirche über ihre Anliegen. Zur Karlsruher Erstaufführung des Films „Der entsorgte Vater“ am Mittwoch, 10. Juni, um 19 Uhr in der „Schauburg“, Marienstraße 16, kommen der Regisseur Douglas Wolfsperger, Franzjörg Krieg und andere Protagonisten der Dokumentation. Bundesweiter Start des Films in Programmkinos ist am Donnerstag, 11. Juni.

    090604 foto bnn stadt dev
    KÄMPFERISCHER FILMDARSTELLER: Franzjörg Krieg vom Verein „Väteraufbruch für Kinder“ hat zum Platz der Grundrechte ein besonders enges Verhältnis. Foto: Alàbiso  

    vorschau bnn-artikel

    [Originalartikel]

     

    bnn epaper

    03.06.2009, BNN - MURGTAL

    Wenn Väter ausgeblendet werden

    Franzjörg Krieg kämpft für Rechte geschiedener Väter / Dokumentarfilm läuft am 11. Juni an

    Gaggenau/Karlsruhe (es). „Allen Kindern Mama und Papa!“ verweist ein Schild an Franzjörg Kriegs Autofenster auf einen Wunschtraum tausender verzweifelter Elternteile in Deutschland. Was für verantwortungsvolle Väter und Mütter selbstverständlich sein sollte – dass Kindern bei einer Trennung oder Scheidung beide Eltern gleichberechtigt erhalten bleiben – dafür kämpft der Vorsitzende des von ihm 2001 in Karlsruhe ins Leben gerufenen Vereins „Väteraufbruch für Kinder“ (VafK), seit nunmehr 14 Jahren.

    090603 foto bnn murgtal dev
    FRANZJÖRG KRIEG (Zweiter von links) bei Aufnahmen zum Dokumentarfilm „Der entsorgte Vater“, der am 11. Juni bundesweit in Programmkinos anläuft. Foto: Schapeler (Anmerk. H.Riepen: FRANZJÖRG KRIEG ist der Erste von links, der Zweite ist Douglas Wolfsberger)

    Inzwischen investiere er täglich fünf bis zehn Stunden für den 150 Mitglieder zählenden VafK, dem weit über 500 Betroffene angehören, berichtet Franzjörg Krieg aus Bad Rotenfels im Gespräch mit den BNN: „In acht Jahren hatte ich rund 1 000 Neufälle in der Beratung. Da wurden Jugend- und Sozialämter, Behörden, Gerichte, Verfahrenspfleger, Gutachter bemüht, Zeit, Gelder und Kompetenzen verbraten, ohne dass sich irgend etwas bewegt hätte. Die schlimmsten Vorwürfe der Expartnerinnen waren, die Väter als Gewalttäter zu diffamieren und sie des sexuellen Missbrauchs zu bezichtigen.“

    In Deutschland gibt es jährlich 150 000 Scheidungskinder. Viele davon werden im erbarmungslosen Geschlechterkampf als Waffe eingesetzt, indem die Mütter den Vätern den Umgang mit ihrem Nachwuchs verwehren. Tausende Trennungsväter resignieren: „Wenn der Hass der Mutter auf den Vater stärker ist als die Liebe zum gemeinsamen Kind, hast Du keine Chance.“ Die Kinder müssen hilflos erleben, wie sich ihre Eltern mit Demütigungen, Wut, Hass und Rache bekriegen und leiden in dieser spannungsgeladenen Situation unter Zerrissenheit und unermesslichen Druck. Umgekehrt suchen auch betroffene Mütter sowie unglückliche Großeltern, die ihre Enkel nicht mehr sehen dürfen, bei Franzjörg Krieg Rat und Hilfe. Oft vereinnahmt der betreuende Elternteil das Kind für sich mit dem Ziel, eine Entfremdung zu dem jeweils anderen zu bewirken. Diese seelischen Schäden und Verwundungen bei den Betroffenen werden als „Parental Alienation-Syndrom“ (PAS) bezeichnet. Die Folge dieser mutwilligen Vaterlosigkeit sind oft traumatisierte, sozial und psychisch auffällige Kinder.

    „Wenn ein Kind seinen Vater ablehnen muss, lehnt es 50 Prozent seiner eigenen Identität ab“, weiß Krieg aus persönlicher leidvoller Erfahrung. Der Realschullehrer hat zwei heute 25 und 16 Jahre alte Töchter und zu seiner Ältesten trotz intensiver Bemühungen seit über zehn Jahren keinen Kontakt mehr – ein klassischer Fall der PAS.

    Jetzt hat der Regisseur und Produzent Douglas Wolfsperger, selbst Betroffener, das hochbrisante Thema in dem erschütternden Dokumentarfilm „Der entsorgte Vater“ aufgegriffen, um das Problem ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken. Vier Trennungsväter, darunter Franzjörg Krieg, schildern in berührenden Interviews ihre persönlichen Schicksale, ihr Leid und ihre Sehnsucht nach ihren Kindern. Als Gegenpol begründet eine Mutter die Umgangsverweigerung an die Kindsväter aus ihrer Sicht. Die Dokumentation sei mutig, sehr authentisch, persönlich und intim gestaltet, so Krieg: „Leider konnte Douglas keine durch die im Film portraitierten Fälle betroffene Mutter zu einer Mitwirkung bewegen. Alle lehnten pauschal ab, wenn auch der betroffene Vater zu Wort kommen sollte.“

    Der Regisseur habe gehofft, dass die einzelnen Schicksale während der Dreharbeiten eine neue Entwicklung erfahren könnten: „Douglas wird der Kontakt zu seiner Tochter seit Jahren verwehrt. Anstatt einer Einigung zwischen den Parteien zum Wohle des Kindes, ordnet die Berliner Richterin an, dass er sich von seiner Tochter verabschieden solle. Und zwar endgültig. Der Vater macht sich auf die letzte Reise zu seiner Tochter.“

    Der Film „Der entsorgte Vater“ sei ein Appel an die Öffentlichkeit, mitzuwirken, ein gesellschaftspolitische Veränderung herbeizuführen so Franzjörg Krieg: „Der VafK will die gemeinsame Sorge beider Elternteile als selbstverständliches Recht jedes Kindes. Allen Kindern beide Eltern.“

    vorschau bnn-artikel

    [Originalartikel]

     

    bnn epaper

    29.05.2009, Brigitte.de

    Sorgerecht: Entsorgte Väter

    Wir sind immer schnell dabei, Männer zu kritisieren, die sich nach einer Scheidung nicht um ihre Kinder kümmern. Aber offen gesagt machen manchmal auch Mütter gar keine gute Figur beim Streit ums Sorgerecht und Kind.

    Maren lacht, plappert drauflos. Nach so vielen Wochenenden, an denen das Kind nicht kommen durfte. Endlich ist sie nun da, für acht gemeinsame Stunden mit ihrem Papa. Sie gehen in die Stadt, essen Eis, spielen bei einer Tombola mit. Maren gewinnt ein Schmink-Set, strahlt. Später, beim Abschied, sagt sie: "Da schimpft die Mama bestimmt, wenn ich das von dir mitbringe." Die Übergabe findet auf einem Parkplatz statt. Die Kleine steigt aus dem Wagen des Vaters, läuft zum Auto der Mutter. Dreht sich um, winkt ein letztes Mal. "Ich sah noch, wie die Mutter das Schmink-Set gleich an der nächsten Ampel in den Papierkorb schmiss", erinnert sich Peter Witkowski. Es war das letzte Mal, dass er seine Tochter einen halben Tag lang gesehen hat. 21 Stunden in vier Jahren, hat er ausgerechnet, durfte sie bei ihm sein.

    Im Jahr 2007 wurden in Deutschland über 187.000 Ehen geschieden, die Zahl der Trennungen wird deutlich höher geschätzt, rund 50.000 Kinder leiden darunter, dass sich ihre Eltern über die Umgangs- und Besuchsregelungen streiten. Bei einer Scheidung wird das Sorgerecht gewöhnlich auf beide Eltern verteilt, trotzdem sitzen Mütter bei der Frage, wie oft und wann der Vater sein Kind sehen darf, schon deshalb am längeren Hebel, weil in 80 Prozent der Fälle die Kinder in ihrem Haushalt leben. Unverheiratete Mütter können wählen, ob sie sich mit dem Vater ihres Kindes die Sorge teilen wollen. Viele wollen nicht, schon um nicht über die Beziehung hinaus mit dem Ex verbunden zu sein: Rund 54 Prozent der Mütter in Deutschland haben deshalb das alleinige Sorgerecht für ihre nicht ehelichen Kinder.

    Umgekehrt sieht es anders aus: Bevor ein Vater das alleinige Sorgerecht bekommt, wandert das Kind eher ins Heim - statistisch gesehen. Um das Sorge- und Umgangsrecht wird in Deutschland häufig und heftig vor Gericht gestritten. Der eigentliche Kampf jedoch findet im Herzen statt. Das Ende einer Beziehung bedeutet Verletzung, Trauer, Wut und Kränkung. Auch wenn man nicht verlassen wurde, sondern verlassen hat. Man braucht Abstand - und zwingt ihn leider schon aus vermeintlichem Selbstschutz heraus manchmal auch seinem Kind auf.

    Die Frontlinie verlegen manche Mütter ins Kinderzimmer, und sie verteidigen ihr Territorium mit allen Mitteln: "Zweimal", erzählt Harald Mauser (Name geändert) aus Bremen, "hatte sie sogar ein ärztliches Attest in der Hand: Der Kleine sei seelisch zerrissen, der Kontakt zum Vater sei erst mal einzustellen." Die Mutter hatte der Ärztin Lügengeschichten erzählt.

    Oft wird Erzieherinnen, Lehrern und Ärztinnen Ungeheuerliches vom angeblichen Monstervater aufgetischt, der seine Kinder prügelt, schlecht ernährt oder gar missbraucht. "Andere Leute werden massiv eingelullt. Da heißt es: Ich habe alleiniges Sorgerecht, geben Sie das Kind auf keinen Fall dem Vater mit", berichtet die Würzburger Diplom-Psychologin Christiane Pohl.

    Auch Kinder selbst werden häufig manipuliert: Manche Frauen nennen ihren Ex-Männern sogar bewusst falsche Zeiten, zu denen sie vor der Schule warten und das Kind abholen sollen. Der böse Papa kam eine Stunde zu spät? Auf den, soll der Nachwuchs kapieren, kann man sich nicht verlassen.

    Was das Kind garantiert versteht: Mama will nicht, dass ich Papa lieb habe. Ein schlimmes Dilemma, aus dem Kinder häufig nur einen Ausweg sehen: Sie schlagen sich auf die Seite der Mutter. Zumindest, solange sie zusieht. "Manchmal hat mein Sohn bitterlich geweint, wenn ich ihn bei den Übergaben auf den Arm nahm", erinnert sich Harald Mauser. "Seine Mutter sagte dann: Siehst du, er will gar nicht zu dir. Aber kaum saß er bei mir im Auto, war er fröhlich und fragte voller Erwartung: Papa, was machen wir heute?"

    Die Mutter sieht nur die Tränen, den Widerstand - und fühlt sich in ihrer Überzeugung, dass der Vater nur ein Störfaktor ist, noch bestätigt. Manchen Frauen gelingt es, die Kinder trotz festgelegter Umgangsregelung wochen- oder sogar monatelang von den Vätern fernzuhalten. Väter können mit Engelszungen reden, sich beim Jugendamt beschweren, das Gericht einschalten, auf das für Umgangsboykott im Gesetz durchaus vorgesehene Zwangsgeld pochen - es bleibt meistens bei einer Ermahnung. "Viele Familienrichter haben Angst, mit der Mutter automatisch auch das Kind zu bestrafen", glaubt Rainer Sonnenberger, Bundesvorstand des Vereins "Väteraufbruch für Kinder". "Bei der Durchsetzung des Umgangs", klagt er, "ist man gekniffen. Mit oder ohne Sorgerecht."

    Die Zeit arbeitet gegen die Väter: Wertvolle Wochen und Monate vergehen, in denen sie ihre Kinder nicht sehen können, sich voneinander entfernen, entfremden, entwöhnen. Neulich fuhr Ralf G. Fuchs auf gut Glück 320 Kilometer zu einem Sportwettkampf, bei dem seine inzwischen 12-jährige Tochter antrat. "Guten Tag", sagte das Mädchen. Es waren die ersten Worte, die er seit vier Jahren von ihr gehört hatte. "Es ist furchtbar, wenn man sich vorstellt, wie viel man dem eigenen Kind gern gegeben hätte, und man durfte einfach nicht", sagt Fuchs.

    Als Tobias Knoch, 41, seinen knapp zweijährigen Sohn zum Besuchstag abholte, deutete der Kleine auf die Mutter-Sohn-Fotos an der Wand in seinem Kinderzimmer und dann auf seinen Vater. "Ja", antwortete Tobias, "ich bring dir auch ein Papa-Foto mit." Seine Ex jedoch erlaubte partout kein Foto des Vaters im Zimmer des Sohnes.

    "Ich hasse Papa und will, dass er tot ist", sagte die neunjährige Tochter des Berliner Filmemachers Douglas Wolfsperger bei ihrem letzte Treffen. Das Kind lehnt das Elternteil, bei dem es nicht wohnt, plötzlich ab und erfindet Gründe für seinen Hass. "Parental Alienation Syndrome" (PAS) nennen es die Experten - das elterliche Entfremdungssyndrom. 90 Prozent der Kinder, deren Eltern um Umgang oder Sorgerecht streiten, leiden darunter. "Papa hat die Mama geschlagen", behauptete Peter Witkowskis Tochter plötzlich. Und dass er ihr "die Einschulung versaut habe", weil er ihren großen Tag mit der Videokamera einfangen wollte.

    "PAS-Kinder leiden ihr Leben lang", warnt die Hamburger Soziologin Anneke Napp-Peters, die als erste Wissenschaftlerin Scheidungskinder in Deutschland auf PAS hin untersucht hat. "Sie haben meistens eine negative Selbsteinschätzung und sind unsicher. Folgen, die sich oft schon in der Pubertät zeigen, einem Lebensalter, in dem viele Dinge aufbrechen." Dreiviertel aller Kinder, die nach der Trennung der Eltern den Kontakt zu einem der Elternteile verloren und darunter litten, haben als Erwachsene große Probleme, ihr Leben in den Griff zu bekommen, fand Napp-Peters heraus.

    Man muss leider feststellen: Im Sorgerechtsund Umgangsstreit verteilt Mutter von ihrem Sockel herunter Ohrfeigen, wo immer man ihr das Vollzeitrecht am eigenen Kind beschneiden will: "Mein Kind ist in meinem Bauch gewachsen, nur ich weiß, was gut für es ist", heißt es häufig in den Begründungen vor dem Jugendamt und dem Richter, wenn Väter ihr Umgangsrecht gegen den Willen der Mutter durchsetzen wollen.

    Wer so argumentiert, hat den eigenen Vater häufig selbst nur in einer Nebenrolle erlebt: Viele dieser Frauen haben von ihren Müttern ein negatives Männerbild vermittelt bekommen und projizieren das eigene Vaterbild auf ihren Partner bzw. Ex-Partner", stellte die Würzburger Psychologin Pohl fest. Auf Väter kann man sich nicht verlassen, sie sind austauschbar. Peter Witkowskis ehemalige Frau begann erst die Tochter vom Vater fernzuhalten, als sie einen neuen Mann kennen lernte. "Die wollte", glaubt er, "einfach nur ein perfektes Familienglück, und als plötzlich ein anderer Mann da war, störte ich als Vater nur."

    Jahrzehntelang forderten Frauen von Männern, sich bei der Erziehung mehr zu engagieren. Jetzt gibt es immer mehr dieser Väter, die zu Elternabenden gehen, Kindergeburtstage organisieren, Urlaub nehmen, um daheim das kranke Kind zu hüten. Immerhin fast zehn Prozent aller Väter melden inzwischen Elternzeit an, nachdem der Anteil jahrelang um fünf Prozent dümpelte. Umso trauriger ist es, wenn es Mütter gibt, die ihren Kindern mit ihrem Verhalten Schlimmes antun.

    Vor Gericht löst sich das Problem nicht, der Rechtsweg braucht zu lange. "Oft besteht ein bis zwei Jahre kein Kontakt mehr zwischen einem Elternteil und dem Kind, obwohl es eine klare Regelung gibt. Die Gerichte wissen nicht, wie sie mit dem Umgangsboykott umgehen sollen, holen Sachverständige herbei, und bisweilen dauert so ein Verfahren durch alle Instanzen sieben bis acht Jahre", stellte der Familienrichter Jürgen Rudolph bereits vor Jahren fest.

    Für seinen Amtsbereich Cochem einigte er sich deshalb mit seinen Kollegen, Anwälten und Jugendamtsmitarbeitern, zerstrittene Eltern innerhalb von zwei Wochen in die Mediation oder Beratung zu zwingen, noch bevor schmutzige Wäsche gewaschen wird. Oftmals werden die Eltern direkt vom Gerichtssaal zum Mediator geleitet - notfalls unter Androhung, gestellte Anträge sonst sofort zu verwerfen. Rudolphs Modellversuch machte bereits in München, Berlin und einigen anderen Orten Schule.

    Er stand auch Pate bei der Gesetzesänderung, die ab September bundesweit greifen soll: Familiengerichte werden stärker auf Mediation und Beratung der scheidungswilligen Paare drängen. Der Bochumer Mediator Ingo Krampen: "Wichtig ist, wie es dem Kind am Ende geht. Und das kann man den Eltern am besten in der Mediation vermitteln, bei der es anders als im Gerichtsprozess am Ende nicht einen Gewinner und einen Verlierer gibt."

    Douglas Wolfsperger hat einen Film über das Schicksal der Trennungsväter gemacht - er heißt "Der entsorgte Vater" (ab sofort in den Kinos). Den eigenen Kampf um seine Tochter hat er aufgegeben. Ihr zuliebe: "Ich habe gemerkt, wie furchtbar zerrissen sich das Kind fühlte. Das wollte ich ihm nicht länger antun." Einen Abschiedsbrief hat er dem Mädchen geschrieben. Er endet mit den Worten: "Ich werde dich immer lieben, du kannst immer zu mir kommen. Dein Papa Douglas."

    Irgendwann fragen die Kinder nach ihrem Vater, das zeigt die Erfahrung. Sie wollen dringend wissen: Warum? Die Väter wissen, was sie sagen werden. Die Mütter hoffentlich auch.

    [Originalartikel]

     

    12 Bewertungen

    Bewerten

    Kommentare (5)

    Kommentar schreiben

    (Stand 04.06.09)

     

    Streit ums Kind: Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

    Trennung, Scheidung, Sorgerecht: Erzählen Sie uns, welche Erfahrungen Sie gemacht haben, indem Sie eine Mail an erfahrungen@brigitte.de schreiben.
    Einige Beiträge werden - wenn gewünscht auch anonym - auf BRIGITTE.de oder in der BRIGITTE veröffentlicht.

     

     

    Text: Silke Pfersdorf
    Foto: Getty Images

    Ein Artikel aus der BRIGITTE 13/09
    Artikel vom 29. Mai 2009

    titelseite brigitte

    28.05.2009, ka-city.de

    Karlsruher Papas im Kino

    Der entsorgte Vater

    Unübersehbar rückt Douglas Wolfsperger das große Schild an der Südtangente ins Bild „Karlsruhe. Viel vor, viel dahinter“. Schauplatz seines Films ist über weite Strecken Karlsruhe und Umgebung. Drei der vorgestellten Väter, die mehr hinter sich als vor sich haben, kommen aus Karlsruhe, ein anderer aus Ettlingen und dann ist dann noch der Filmemacher selbst.

    Douglas Wolfsperger ist ein entsorgter Vater. Nach jahrelangem Rechtsstreit mit seiner Ex-Freundin wurde ihm das Umgangsrecht mit seiner Tochter versagt. Wolfsperger tut nicht so, als wäre er ein objektiver Berichterstatter. Die Porträtierten äußern sich ungeschminkt und rückhaltlos vor der Kamera, was sie sagen, könnte auch gegen sie verwendet werden.

    Bernd aus Daxlanden möchte am liebsten alle Frauen auf den Mond schießen, seine Ex-Frau hat ihn angezeigt wegen sexueller Belästigung der gemeinsamen Tochter. Der Vorwurf ist vom Tisch, doch der Stachel sitzt noch tief.

    Franzjörg, Gründer des Väteraufbruchs in Karlsruhe, präsentiert sich beim Holzschlagen im Hardtwald als ganzer Kerl und redet über die traurigen Erfahrungen mit seinen beiden Töchtern, die er schon Jahre lang nicht mehr gesehen hat.

    Harald musste die schmerzhafte Erfahrung machen, dass seine beiden Töchter den Umgang mit ihm zurückweisen, Versuche das alte Band wieder zu knüpfen, endeten mit einem Fiasko. Mit seinem Segelflugzeug versucht er sich über seine emotionale Misere zu erheben und die Kamera folgt ihm.

    Wolfsperger, der Regisseur von „Bellaria“ und „Blutritter“, versucht trotz der Intimität und Privatheit der ausgebreiteten Geschichten Kinobilder zu liefern. Der Marktplatz sieht fantastisch aus durch das Weitwinkelobjektiv und auch die Straßenbahnen, die immer wieder ins Bild gerückt werden, machen eine gute Figur.

    Relativ unspektakulär ist das Schicksal des Polizisten Ralf, der seine beiden Kinder gerne öfter sehen würde, was seine Frau aber verweigert. Heute empfindet er gelegentlich Hassgefühle gegenüber der Frau, die er mal geliebt hat. Aber die andere Seite kommt auch Wort: Birgit, Musikerin am Badischen Staatstheater, erklärt, warum sie ihrem Ex-Mann den Umgang mit der Tochter entzogen hat, und auch, dass der Vater ihres zweiten, während der Dreharbeiten geborenen Kindes totkrank und weit weg ist, stört sie nicht weiter. Männer sind Erzeuger, basta. Mit dieser Antwort kann sich nicht nur Wolfsperger nicht zufrieden geben.
    27.05.2009, Badisches Tagblatt (Seite 1 des Lokalteiles)
    von Nico Fricke

    "Entsorgte Väter", die nicht Papa sein dürfen

    Gaggenau/Karlsruhe - Es ist schon kein Leichtes mit der Liebe, doch richtig schwierig kann es werden, wenn diese versiegt - nach Monaten oder Jahren des Zusammenseins. Jede zweite Ehe in Deutschland endet über kurz oder lang vor dem Scheidungsrichter. Manchem Paar gelingt es, friedlich auseinander zu gehen, andere Trennungen ziehen "Rosenkriege" nach sich. Besonders, wenn Kinder als Waffe im Geschlechterkampf eingesetzt werden, wenn Mütter den Vätern den Umgang mit ihren Kindern verwehren. Regisseur Douglas Wolfsperger ist Betroffener und hat darüber einen Dokumentar-Film gedreht: "Der entsorgte Vater".

    Als "entsorgter Vater" fühlt sich auch Franzjörg Krieg. Der Bad Rotenfelser ist einer von vier Männern, die im Wolfsperger-Film zu Wort kommen, dem Zuschauer ihre Geschichte erzählen - wütend, traurig, resigniert, aber auch heiter, hoffnungsvoll und zupackend. Krieg berichtet, wie es ist, die eigene Tochter seit zehn Jahren nicht mehr gesehen zu haben. Eine Tochter, die heute Mitte 20 ist und den Kontakt verweigert. "Ich war nur noch ein Buchungsposten auf dem Kontoauszug", so Krieg. Eine Tochter aber, die den gleichen Beruf ausübt wie der Vater: Lehrer.

    "Sie hat sich mir nicht zu erkennen gegeben"

    Anfänglich - nach der Trennung von der Mutter, mit der Krieg 17 Jahre zusammengelebt hat - habe sie noch ermöglicht, dass Krieg seine jüngere Tochter - sie ist heute 16 - hat sehen können: "heimlich", hinter dem Rücken der Mutter. Und Krieg erzählt auch, welch Gefühl ihn beschlichen hat, als er einst im Lehrerzimmer seiner ehemaligen Schule ein Papier im Kopierer gefunden hat, auf dem der Name seiner Tochter vermerkt war: "Sie hat in unserem Schulzentrum ein Praktikum gemacht, ich wusste es nicht, und sie hat sich mir nicht zu erkennen gegeben." Mit PAS, dem Parential Alienation Syndrom, also der "mutwilligen Entfremdung des einen Elternteils durch den anderen", erklärt Krieg die ablehnende Haltung der Tochter ihm gegenüber.

    Den Kontakt zur jüngeren Tochter habe er sich vor Gericht "erkaufen" müssen. Mit drastischen Worten bezeichnet Krieg im BT-Gespräch, was Schicksal tausender Väter in der Bundesrepublik sei, aber noch keinen Zugang in die öffentliche Diskussion gefunden habe. Nach dem Beziehungsende trennen sich manche Frauen nicht nur vom Partner, sondern auch den Vater von den gemeinsamen Kindern, heißt es in der Kurzbeschreibung des Dokumentarfilms: "Dabei handelt es sich nicht um Einzelfälle, sondern um Ergebnisse der deutschen Rechtsprechung, die die Bedürfnisse der Mutter bevorzugt."

    "Viele Männer zerbrechen an den oft jahrelangen Kämpfen mit Ex-Partnerin, Anwälten, Gerichten, Gutachtern und Jugendämtern und brechen den Kontakt zu den Kindern ab, die Waffe und Opfer gleichermaßen sind", weiß Krieg. Der heute 61-Jährige hat 2001 in Karlsruhe den Verein "Väteraufbruch für Kinder" (VAfK) ins Leben gerufen, der Rat und Hilfestellung gibt. In diesen acht Jahren habe er rund 1000 Neufälle betreut: "Auch viele harte Fälle, in denen der Vorwurf des sexuellen Missbrauchs oder der häuslichen Gewalt im Raum steht." Fälle, in denen nicht mehr von "Vätern", sondern nur noch pauschal von "Tätern" die Rede sei. Doch nicht nur "entsorgte" Papas finden den Weg zu Krieg, auch als "auffällig" deklarierte Mütter suchen Hilfe - und Großmütter, die ihre Enkel nicht mehr sehen dürfen.

    Und damit beschreibt Krieg das Ziel von "Väteraufbruch für Kinder": "Allen Kindern beide Eltern. Wir setzen uns für den Erhalt der familiären Bindungen in beiden Herkunftsfamilien ein." Krieg spart nicht mit Kritik am deutschen Familienrecht, das Väter klar benachteilige. Von "Radikalfeministinnen" in den entscheidenden Behörden spricht Krieg, vom "Machtmissbrauch der Mütter" und davon, dass Männer - degradiert zum "Erzeuger" - nur noch Geldgeber seien: Väter, die nicht fürs eigene Kind sorgen dürfen. "Frauenfeindlichkeit" lässt Krieg sich nicht vorwerfen, auch wenn er mit seinen Aussagen sicherlich polarisiert.

    Wohl als passender "Typ" mit filmisch gut umsetzbarer Geschichte sei er von Regisseur Wolfsperger als "entsorgter Vater" ausgesucht worden. Und vielleicht auch, weil seine Gruppe unter den 150 bundesweit mit die erfolgreichste sei: 2008 fand in Karlsruhe der weltweit erste "Väterkongress" statt, Anfang Mai folgte der zweite - Motto: "Väter vor der Wahl."

    Ziel: Allen Kindern beide Eltern

    Kriegs Wunsch? "Eine gesellschaftspolitische Veränderung, die endlich zulässt, dass Kindern beide Elternteile gleichberechtigt erhalten bleiben." Ob er nicht ab und an hoffe, dass seine ältere Tochter anruft oder gar an der Haustür klingelt: "Doch, schon. Immer noch."

    Badisches Tagblatt

    Berichten im Dokumentarfilm „Der Entsorgte Vater“ von Douglas Wolfsperger (Mitte) von ihrem Schicksal: Franzjörg Krieg aus Bad Rotenfels (links) und Ralf Bähringer (rechts) aus Muggensturm. (Foto:pr)

    27.05.2009, RTL

    Das Drama der Scheidungsväter:

    "Du wirst dein Kind nie wieder sehen"

    Frauen im Vorteil: Wenn es nach einer Scheidung oder Trennung um das Sorgerecht für die minderjährigen Kinder geht, haben Väter oft das Nachsehen. Nicht nur das Sorgerecht bekommen sie selten. Sogar der Umgang mit den Kids wird ihnen oft verwehrt - vor allem dann, wenn es die Mütter so wollen.

    Knapp 145.000 minderjährige Kinder in Deutschland sind jedes Jahr von einer Ehescheidung betroffen. Doch damit nicht genug: Zu allem Überfluss haben vielen von ihnen keinen Kontakt mehr zu dem Elternteil, der getrennt von ihnen lebt. Häufig ist das der Vater. Denn: Mütter erhalten häufiger das Sorgerecht als Väter (s. Tabelle unten).

    Dass viele Scheidungskinder den Kontakt zum getrennt lebenden Elternteil verlieren, liegt häufig an den persönlichen Konflikten der Eltern. So zeigt eine Studie mit mehr als 7000 geschiedenen Eltern im Auftrag des Juztizministeriums: Über 40 Prozent der Mütter und Väter ohne elterliche Sorge haben nur selten oder nie Kontakt zu ihren Kindern. Und: Viele Geschiedene gaben zu, dass sie selbst den Kontakt nicht wollen - und die Bedürfnisse der Kinder ignorieren würden.

    Welche Rechte Väter haben und wo sie Hilfe finden, erfahren Sie links in der Spalte. Wenn Sie etwas zum Thema sagen wollen, schreiben Sie eine E-Mail: scheidung@sterntv.de.

    Scheidungsfälle (mit Sorgerechtsfragen)
      2003 2004 2005 2006 2007
    Scheidungsfälle (mit Sorgerechtsfragen)
    99.029
    98.804
    91.596
    77.342
    70.232
    Gemeinsames Sorgerecht (kein Antrag auf Änderung gestellt)
    83.230
    84.634
    79.545
    67.243
    61.601
    Vom Gericht übertragenes Sorgerecht (gesamt)
    15.799
    14.170
    12.051
    10.099
    8.631
    Davon an die Mutter
    11.732
    10.298
    8.594
    6.879
    5.884
    Davon an den Vater
    997
    944
    746
    590
    495

    Vater hatte keine Chance
    Auch Douglas Wolfsperger hat im Streit um das Umgangsrecht für seine Tochter verloren - und sie bereits seit einem Jahr nicht mehr gesehen. Angefangen hat alles nur mit Unregelmäßigkeiten bei den wöchentlichen Treffen zwischen Wolfsperger und seiner Tochter.

    Doch dann heiratete die Ex-Partnerin einen neuen Mann, und auch Wolfpergers Tochter bekam einen neuen Namen. Nach und nach verschärfte sich die Situation weiter - und zwar nicht nur zwischen den Ex-Partnern. Auch Wolfspergers Tochter begegnete dem Vater zunehmend zurückhaltend. Wolfsperger selbst hatte das Gefühl, dass seine Tochter systematisch gegen ihn aufgebracht wird. Es folgten Diskussionen und regelmäßige Auseinandersetzungen mit der Ex-Frau.

    Außerdem musste Wolfsperger immer wieder beim Familiengericht vorsprechen. Am Ende hat er aufgegeben - auch aus Rücksicht auf seine Tochter. Jetzt hat Wolfsperger über seine Geschichte und über die traurigen Erlebnisse anderer Scheidungsväter einen Film gemacht. Titel: "Der entsorgte Vater."

    Sind auch Sie betroffen?
    Wird Ihnen das Recht verwehrt, Ihr Kind zu sehen? Oder finden Sie, dass einem Kind ein Elternteil genügt? Gerne können Sie uns Ihre persönliche Geschichte erzählen. Schicken Sie hierzu eine Email an:scheidung@sterntv.de

    Logo RTL

    zur Originalnachricht

    Leser-Kommentare (36) zu diesem Artikel

    Stand (03.06.09)

    24.04.2009, ZDF ASPEKTE (Auszüge)
    von Anna Riek

    Der Film als Sprachrohr

    Wolfsperger sieht sich als Sprachrohr für die schweigende Masse der "entsorgten" Väter. Väter, die nach der Scheidung ihre Kinder nicht mehr treffen dürfen, weil die Mütter dies systematisch verhindern. Wie in dem Fall von Harald Merker, einem Anlagenkonstrukteur. Seit zwei Jahren hat er seine beiden Kinder, zehn und zwölf Jahre, nicht mehr gesehen. "Noch vor dem Scheidungsverfahren, da hat meine Ex zu mir gesagt 'Du wirst deine Kinder nicht mehr sehen, du wirst unter der Brücke schlafen und ich mach dich fertig'. Ich hätte damals in der Situation gedacht 'Mir passiert so was nicht.' "

    "Eine starke Motivation"

    Die Stärke des Films: Er zeigt eindringlich die Ohnmacht und Wut, die Trauer und Verzweiflung der Väter. Ihr unermessliches Leid. Jeder ist mit seiner Verbitterung allein. Ihre Tragödien werden in Öffentlichkeit nicht wahrgenommen. Wolfsperger gibt ihnen eine Stimme. [mehr]

    "Wenn mir jemand gesagt hätte im Vorhinein, 'Du siehst deine Tochter ein paar Jahre nicht', ich hätte gedacht, das geht doch gar nicht." Zitat Douglas Wolfsberger

    Logo ZDF-Aspekte

    zur Originalnachricht

    zdf-mediathek

    Film-Vorschau in der
    ZDF-Mediathek

    02.03.2009, Trennungsväter

    Weil die Mutter es nicht will

    Von Katrin Hummel

    Douglas Wolfsperger hat eine elfjährige Tochter. Hanna* (* Name geändert) lebt 550 Kilometer von ihm entfernt, und es gab eine Zeit, da durfte er ihr alle drei Monate eine Karte schreiben und zum Geburtstag und zu Weihnachten ein kleines Geschenk übermitteln. Hannas Mutter war damals verpflichtet, ihm ebenso oft ein aktuelles Foto von Hanna zu schicken. Inzwischen ist auch das vorbei. Hanna ist aus dem Leben ihres Vaters gelöscht worden. Es ist so, als gebe es sie nicht. Warum? Weil ihre Mutter es so wollte.

    (Textauszüge:)

    Das alleinige Sorgerecht für einen Vater, ist unwahrscheinlicher, als dass ein Kind im Heim landet

    Ein klassischer Fall: In einer Langzeitstudie hat die Soziologin Anneke Napp-Peters herausgefunden, dass ein Drittel der Väter, die kein Sorgerecht für ihre Kinder haben, diese nach der Trennung deutlich seltener sieht als vom Gericht festgelegt. Ein weiteres Drittel der Väter sieht seine Kinder überhaupt nicht. Jeder dritte dieser Väter, die ihre Kinder überhaupt nicht sehen, habe sein Kind schon seit mehr als zwei Jahren nicht gesehen, so Napp-Peters. Die Gerichte tun ein Übriges, um Väter außen vor zu halten: In jedem zweiten strittigen Fall, der vor Gericht landet, bekommen dem Statistischen Bundesamt zufolge Frauen das alleinige Sorgerecht zugesprochen - die Väter hingegen nur in jedem siebten bis achten Fall. In jedem sechsten Fall wird das Sorgerecht auf beide Eltern verteilt. Und in jedem fünften strittigen Fall bekommen es weder Vater noch Mutter.

    Im Klartext bedeutet das: Dass ein Vater in einem Sorgerechtsstreit vom Gericht das alleinige Sorgerecht zugesprochen bekommt, ist noch unwahrscheinlicher, als dass das Kind im Heim oder sonst wo landet. „Im Grunde hat man als Mann nur eine Chance, das alleinige Sorgerecht zu bekommen, wenn die Frau sich prostituiert, geistig krank ist oder trinkt“, sagt ein Amtsgerichtspräsident aus Nordrhein-Westfalen hinter vorgehaltener Hand.

    ..........

    Meistens sind es die Mütter, die den Vater vom Kinde wegdrängen

    ..........Die Mutter allerdings lehne Wolfsperger weiterhin ab und vermittle das auch ihrer Tochter. Hannas Aussagen zeigten, dass Frau Röll Wolfsperger vor Hanna schlechtmache und der Mutter an einem Erhalt der Vater-Tochter-Beziehung nicht gelegen sei. Die daraus resultierende Spannung sei Hanna nicht zuzumuten. Daher müsse der Umgang zwischen Hanna und ihrem Vater weiterhin ausgeschlossen bleiben. Sobald Frau Röll allerdings bereit sei, ihre Einstellung zu ändern und einem Treffen zuzustimmen, könne Wolfsperger den Kontakt zu Hanna aufnehmen, denn die „derzeitigen Probleme bei der Umgangsregelung sind der Mutter zuzuschreiben“.
    Auch das ist nichts Besonderes. Meistens sind es die Mütter, die den Vater vom Kinde wegdrängen. Und meistens tun sie das aus purem Egoismus: Eine Umfrage des Justizministeriums bei mehr als 500 Rechtsanwälten und Jugendämtern hat ergeben, dass 80 bis 90 Prozent der Mütter, die die gemeinsame Sorge ablehnen, dafür Gründe anführen, die sich nicht am Kindeswohl, sondern an ihrem eigenen Wohl orientieren. Die Verweigerung der gemeinsamen Sorge durch die Mütter sei in weniger als der Hälfte der Fälle oder nur sehr selten plausibel.

    Der Fehler im System: Niemand tut etwas dagegen

    Niemand fühlt sich für die Väter zuständig, die von den Müttern ausgebootet werden. Zuständig wären dafür eigentlich die Jugendämter, aber die kümmern sich fast nur um die Mütter: Doppelt so oft wie Väter ohne Sorgerecht erhalten Mütter mit alleinigem Sorgerecht deren Unterstützung, heißt es in einer im Auftrag des Justizministeriums gemachten Studie, für die mehr als 7000 Eltern befragt wurden........

    „Der entsorgte Vater“

    Zu der entscheidenden Gerichtsverhandlung kommt es schließlich, anderthalb Jahre nachdem Wolfsperger seine Tochter das letzte Mal gesehen hat. Die Richterin bezeichnet Frau Röll in dem Beschluss als „passiv aggressiv“ und gibt ihr die Hauptschuld daran, dass Hanna weiterhin unter starken Loyalitätskonflikten leidet. Zum Wohle des Kindes müsse der Umgang daher für eineinhalb Jahre ausgesetzt werden. Hanna wolle Wolfsperger zwar sehen, selbst wenn sie etwas anderes behaupte, aber die Mutter sei dagegen, und den sich daraus ergebenden Spannungen sei Hanna nicht gewachsen.......

    .......Nach diesem Beschluss beschließt Wolfsperger, einen Film zu dem Thema zu machen: "Der entsorgte Vater" kommt im Juni in die Kinos......

    Parental Alienation Syndrome

    Vermutlich leidet Hanna unter dem Parental Alienation Syndrome (PAS), zu Deutsch „elterliches Entfremdungssyndrom“: Ein Kind, das seinen Vater nicht mehr sehen darf, will seine Mutter nicht auch noch verlieren. Daher wird es alles tun, was die Mutter will. Wenn sie schlecht über den Vater redet, gerät es in einen Loyalitätskonflikt, weil es den Vater ebenso liebt wie die Mutter. Wenn die Mutter aber jahrelang immerzu schlecht über den Vater redet und gleichzeitig weitestgehend den Kontakt des Kindes zu ihm unterbindet, gleicht dies einer Gehirnwäsche, der sich das Kind nicht entziehen kann, weil es von ihr abhängig ist......

    Der Vater müsse sich von dem Kind verabschieden

    Im Fall Wolfsperger empfiehlt ein nach dem Scheitern des begleiteten Umgangs vom Gericht eingesetzter Verfahrenspfleger, dass Hanna nun zur Ruhe kommen müsse und der Vater sich von dem Kind verabschieden solle. Wolfsperger, zermürbt und ohne Handlungsalternative, stimmt zu.......

    .....Und dann kommt der Tag, an dem Wolfsperger sich von Hanna verabschiedet. Er sitzt ihr im Beisein des Verfahrenspflegers gegenüber. Sie habe eine Brille getragen, die er von ihr nicht kannte, und sei nicht ganz so abweisend wie zuvor bei dem begleiteten Umgang gewesen, erinnert er sich. Am Ende der Begegnung liest er ihr einen Abschiedsbrief vor. Er endet mit den Worten: „Wenn du zu mir kommen willst, werde ich immer für dich da sein. In meinem Herzen bist du meine liebe Tochter und wirst es immer bleiben. Dein Papa Douglas.“

    Und dann ist sie weg.

    Text: F.A.S.

    zur Originalnachricht

    26.10.2008, Zeit - Online

    42. Internationale Hofer Filmtage gehen zu Ende

    Hof/Saale (dpa) - Für arrivierte Regisseure wie für junge Talente zählen die Internationalen Hofer Filmtage zu den wichtigsten in Deutschland. Bei der 42. Auflage des Festivals zeigte Filmtage-Chef Heinz Badewitz dieses Mal rund 100 zum Teil hochkarätige Filme.

    «Die Qualität der Filme war großartig, sie lag noch dichter beieinander als in den vergangenen Jahren», zog Badewitz nach sechs Tagen zum Abschluss Bilanz: Ein gelungenes Festival für Regisseure, das Fachpublikum und Filmenthusiasten. Die knapp 30 000 Plätze in rund 190 Vorstellungen waren nahezu ausverkauft...

    ...Für viel Diskussionsstoff sorgte Douglas Wolfsperger mit seiner Dokumentation «Der entsorgte Vater». Der Schweizer Regisseur beschreibt die Folgen des Geschlechterkrieges für Kinder und abgewiesene Väter....[mehr]
    17.10.2008, SWR.de

    Premiere für "Der entsorgte Vater" bei Hofer Filmtagen

    SWR-Koproduktion von Douglas Wolfsperger hauptsächlich in Karlsruhe gedreht

    Der Dokumentarfilm "Der entsorgte Vater", eine Koproduktion von SWR und Arte, wird in diesem Jahr bei den Hofer Filmtagen uraufgeführt. In seinem sehr persönlichen Film schildert der preisgekrönte Dokumentarfilmer Douglas Wolfsperger das Leid von Vätern, denen nach der Trennung von ihrer Frau oder Partnerin der Kontakt zu den gemeinsamen Kindern erschwert oder unmöglich gemacht wird. Der Film entstand aufgrund einer persönlichen Erfahrung – Wolfsperger ist Vater einer Tocher und darf nicht für sein Kind sorgen.

    Der hauptsächlich in Karlsruhe und Umgebung gedrehte Film zeigt, wie Wolfsperger nach einem Gerichtsentscheid die vorerst letzte Reise zu seiner Tochter antritt, weil ihm der weitere Kontakt verwehrt wird. Er trifft andere Väter, die gegen Exfrauen, Ämter und Vorurteile kämpfen. Wütend, enttäuscht, traurig, manchmal naiv erzählen sie von ihren Erlebnissen. Auch die ehemaligen Partnerinnen kommen im Film zu Wort und schildern ihre eigene Sicht der Situation.

    Die Vorführungen bei den Hofer Filmtagen sind am Donnerstag, 23. Oktober (City, 20.30 Uhr/Premiere), Freitag, 24. Oktober (City, 13.15 Uhr) und Sonntag, 26. Oktober (Central, 15.30 Uhr).

    "Der entsorgte Vater" ist eine Koproduktion von SWR und Arte und wurde gefördert vom Medienboard Berlin-Brandenburg, der MfG Filmförderung Baden-Württemberg, dem deutschen Filmförderfonds und der MEDIA. Der Kinostart ist für 2009 geplant, ein Sendetermin im SWR Fernsehen steht derzeit noch nicht fest.

    Ein kostenloses Foto zum Herunterladen gibt es unter www.ard-foto.de
    23.05.2007, ka-news

    Entsorgte Väter

    Regisseur sucht Freiwillige für Filmprojekt

    Berlin/Karlsruhe - Unter gescheiterten Beziehungen und Scheidungen leidern auch und vor allem die Kinder. Zu den Opfern einer Trennung gehören allerdings oftmals auch Väter. Filmregisseur Douglas Wolfsperger will ihnen einen 90-minütigen Dokumentarfilm widmen, der in Karlsruhe und Umgebung gedreht werden soll.

    Im Mittelpunkt von "Entsorgte Väter" stehen Männer, denen es nach einer ehelichen oder außerehelichen Trennung aufgrund der bestehenden Gesetzgebung schwer oder unmöglich gemacht wird, ihre Kinder zu sehen.
    Es gehe dabei, so betont Wolfsperger, keineswegs um Väter, deren Kontakt zu den Kindern völlig zu Recht stark eingeschränkt worden ist.

    Der mehrfach ausgezeichnete Dokumentar- und Spielfilmregisseur, zuletzt mit "Die Blutritter" im Kino (ka-news berichtete), will jedoch herausgefunden haben, dass Männer beim Streit ums Sorgerecht grundsätzlich die schlechteren Karten hätten: "Fast 13 Mal häufiger als umgekehrt erhalten die Mütter das einseitige Sorgerecht. Den Vätern bleibt nur ein so genanntes Umgangsrecht, streng reglementierte, knapp bemessene Zeiten mit dem eigenen Kind. Sie werden zu Wochenendpapis mit der Verpflichtung zur Unterhaltszahlung."

    "Entsorgte Väter" soll im Sommer/Herbst 2007 in Karlsruhe und Umgebung gedreht und danach in den Kinos und auf Festivals gezeigt werden, bevor er in der ARD ausgestrahlt wird. Beteiligte Fernsehsender sind der Südwestrundfunk und Arte. Unterstützt wird die Dokumentation von der Filmförderung Baden-Württemberg.

    Wolfsperger ist die Meinung der ehemaligen Lebensgefährtin genauso wichtig, da sie die Situation und Haltung des Vaters meist völlig anders einschätzt. Wie definiert sie in dieser Situation ihr eigenes Bild von Familie? Welche Bedeutung hat der leibliche Vater bei der Erziehung des Kindes? Und wie passt er in den Kreis der Beteiligten?

    Was Wolfsperger sucht, sind "interessante Fälle von Vätern und Müttern, die bereit wären, ihr Seelenleben und ihr privates und berufliches Umfeld vor der Kamera auszubreiten". Interessierte finden auf der Website des Regisseurs einen Fragebogen, der helfen soll, die Geschichten von Betroffenen einzuschätzen.

    Zuschriften mit Fotos der Beteiligten an: Douglas Wolfsperger
    Filmproduktion, Knesebeckstraße 17, 10623 Berlin oder per E-Mail an:
    info(at)douglas-wolfsperger.de. (ps/pat)

    logo ka-news

    [Originalartikel]

    Douglas Wolfsberger

    Auf Elternsuche: Dokufilmer Douglas Wolfsperger (Foto: pr)

    Unbenanntes Dokument